Nur jeder vierte See in Deutschland ist ökologisch in einem guten Zustand – in den meisten ist die Wasserqualität bedenklich. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Steffi Lemke hervor, über die die Zeitungen der Funke Mediengruppe zuerst berichteten. Demnach erreichen nur 24 Prozent der Gewässer Messwerte, die nach EU-Kriterien als gut gelten.  

Fast drei Viertel der Seen sind nach Ansicht der Experten in einem mittelmäßigen bis schlechten Zustand. Lediglich 2,3 Prozent könnten als sehr gut bewertet werden. Die Mängel rühren von einem Überschuss an Düngemitteln her, die in die Gewässer strömen. 

Über deren Qualität als Badegewässer sagen die Werte jedoch nichts, es geht in der Anfrage und den Antworten der Regierung nur um den Naturschutz.

Bei den Fließgewässern sieht es kaum besser aus: Nur 13 Prozent geht es gut. Nach Angaben der Bundesregierung fehlen den Tieren natürliche Lebensräume, die Gewässer sind nicht durchgängig genug, und es fehlt an Schutz für die Fische an Bauwerken, etwa an Wasserkraftwerken. 

Ähnliche Probleme zeigen sich im Grundwasser: An 18 Prozent der Messstellen wird der Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter Nitrat überschritten. An fünf Prozent sind die Werte für Pflanzenschutzmittel zu hoch. Und auffällig sind auch die in Deutschland ausgewiesenen empfindlichen Ökosysteme, wozu etwa Heiden und Moore zählen: Obwohl der Trend abwärts weist, sind auf fast 70 Prozent der Flächen die Werte der Belastung mit Stickstoff zu hoch.

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie verpflichtet alle Mitgliedsstaaten, ihre Gewässer bis spätestens 2027 in einen guten Zustand zu bringen. Deutschland hat sich in einer nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt dazu verpflichtet.

Es sei "alarmierend, dass drei Viertel unserer Seen in einem mäßigen bis schlechten ökologischen Zustand sind", sagte die Grünen-Politikerin Lemke. Typische Fische und Pflanzen fänden keinen Lebensraum mehr. Diese Gewässer litten unter der Gülle der Landwirtschaft. "Der hohe Nährstoffgehalt lässt Algen übermäßig wachsen und die Seen somit veröden."

Sie forderte die Bundesregierung auf, eine "Trendwende im Artenschutz" herbeizuführen. Dazu sei dringend eine Agrarwende vonnöten: Weniger Gülle auf den Äckern, weniger Gifte. Artenreichtum müsse "eine Querschnittsaufgabe" aller Ressorts werden. Umweltschützer machen seit längerer Zeit darauf aufmerksam, dass überdurchschnittlich viele Vögel und Insekten sterben