Atommülllager : Niedersachsen will Asse räumen

Tausende Fässer Atommüll liegen im maroden Lager Asse II in Niedersachsen. Ministerpräsident Stephan Weil kündigt nun eine komplette Räumung an. Doch die ist umstritten.
Ein Arbeiter im Bergwerk Asse im September 2010 ©REUTERS/POOL New

Niedersachsens neuer Ministerpräsident Stephan Weil will das marode Atommülllager im niedersächsischen Bergwerk Asse II bei Wolfenbüttel räumen lassen. Das kündigte der SPD-Politiker in einem Interview mit der Tageszeitung Die Welt an.

Auf die Frage, ob er dafür plädiere, die dort lagernden Fässer mit radioaktivem Material herauszuholen oder sie angesichts der mit einer Räumung verbundenen Umweltgefahren lieber in dem Bergwerk lassen würde, sagte Weil: "Mein Stand, auch nach Gesprächen mit dem zuständigen Bundesamt für Strahlenschutz, ist: Rausholen ist allemal die sicherere Methode."

Zwischen den Jahren 1967 und 1978 wurden rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradiokativem Müll in die Asse gebracht. In die Anlage dringt Wasser ein, an vielen Stellen ist das Bergwerk einsturzgefährdet, die Bergung demnach gefährlich und umstritten.

Der Chef der Entsorgungskommission des Bundes, Michael Sailer, hatte die Rückholung vor einem halben Jahr in der Frankfurter Rundschau als "Mission Impossible" bezeichnet. Als Alternative schlug er damals vor, abdichtende Barrieren vor die Atommüll-Kammern und im Grubengebäude zu bauen.

Verhandlungen über neues Endlager

Weil äußerte sich im Interview auch zur Debatte um ein neues atomares Endlager. Dabei zeigte er sich offen für vorbehaltlose Verhandlungen mit dem Bund und den anderen Ländern, bei denen auch Standorte in Niedersachsen geprüft würden. "Niedersachsen hat kein Recht, sich aus dem Prozess einer ergebnisoffenen Standortsuche auszuklinken", sagte er. Auf die Frage, ob er am Ende zustimmen werde, wenn beim Suchprozess ein niedersächsischer Standort für ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll als am geeignetesten angesehen würden, sagte Weil: "Das müsste ich."

Wohin mit dem Atommüll? ZEIT-Redakteur Frank Drieschner über die schwierige Endlagersuche Seit fast 50 Jahren streitet Deutschland um mittlerweile mehr als 12.000 Tonnen strahlendes Material, das sicher untergebracht werden muss. ZEIT-Redakteur Frank Drieschner über die schwierige Suche nach einem geeigneten Endlager.

Allerdings erneuerte der SPD-Politiker seine Ablehnung, dass der Standort Gorleben in einem Endlagersuchgesetz genannt werden sollte. "Wir werden über jeden Vorschlag reden, der uns auf den Tisch gelegt wird. Wir werden aber keinem Vorschlag zustimmen, der am Ende Gorleben beinhaltet", betonte er.

Sowohl SPD-Chef Sigmar Gabriel als auch der Chef der Grünen-Bundestagsfraktion, Jürgen Trittin, hatten einen Ausschluss Gorlebens kritisiert. Weils Angebot, nun andere niedersächsische Standorte mit prüfen zu lassen, wird deshalb als Zugeständnis der neuen rot-grünen Landesregierung in Hannover angesehen.

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Kommentare

8 Kommentare Kommentieren

Sehr geehrter Herr Fuchs,

lassen Sie den MP ruhig mal reden!
Das ist nur Aktionistengeschwätz, denn der Herr ist Politiker und wird kaum verstehen können das allein die gesteinsmechanischen Probleme bei der versuchten Bergung dieses Vorhaben als, nimmt man auf Kosten keine Rücksicht, zu vielleicht 65% möglich...werden lassen.

Die geplante "Versenkung aus den Augen aus dem Sinn" ist ja schon grandios, und absehbar, unter enormen Kosten gescheitert; warum sollte die Bergung in der korrosiven Pampe nun einfacher sein?

Mit einen herzlichen Glück auf!

CM

Oberirdisch:

Das Risiko der oberiridischen Lagerung ist wesentlich geringer als bei der unterirdischen Lagerung.

Eine Anzahl Naturkatatrophen kann man bei einer solchen Konstruktion ohne weiteres einplanen. Fern von Flüssen gegen Überschwemungen, auch in Gegenden in denen keine Erdbengefahr besteht die Konstruktion erdbebensicher auslegen.
Gegen Stürme benötigt man nur eine solide Konstruktion (Stahlbeton) mit entsprechender Drainage.

Oberirdisch sicher zu bauen ist einfacher als utnerirdisch sicher zu bauen.
Durchrosten dürften die Container bei so einer Lagerung nicht da man sie in einem solchen Fall regelmäßig kontrollieren kann - und das Problem mit Salz und Stahlfässern wäre auch umgangen. Eine Betonwanne würde gegen das Risiko eines lecken Fasses oder eines lecken Container schützen.

Vergessen kann man ein solches Areal auch nicht - wie denn auch? Oder meinen Sie "wir" in Europa vergessen wo Paris oder Berlin liegen? Dadurch das so ein Lager dauerhaft Personal braucht - zur Überwachung, Kontrolle und Wartung kann man so etwas nicht vergessen.
Und wenn dann eben doch zum Beispiel eine Säule morsch wird - den Inhalt verschieben, das Gebäude abreisen und dann neu bauen.