Fette Gefühle und Schokoladenglück
Ein Fett, das seine Konsumenten in gelassene Stimmung versetzt, Schokolade , die glücklich macht und als unschlagbare Psychodroge: der probiotische Vanille-Zimt- Joghurt. Manche nennen es "Functional Food", andere postkulinarischen Konsumterror
Fußball-WM 1998. Ein junger Mann mit Glatze mitten in einer Gruppe Hooligans. Alle tragen Deutschlandtrikots und dreschen mit Bierflaschen auf einen Polizisten ein. Schnitt : Derselbe junge Mann sitzt am Schreibtisch im Büro eines Callcenters und lächelt ins Telefon: "Wie kann ich Ihnen weiterhelfen?" Der junge Mann ist ein neuer Mensch geworden. "Fitty" sei Dank!
Doch kann man Glück tatsächlich essen? "Es gibt keine verläßlichen Untersuchungen, die belegen, dass sich die menschliche Hirnchemie durch Nahrungsaufnahme verändern läßt.", sagt dazu Professor Dr. Hans-Konrad Biesalski, Leiter des Instituts für biologische Chemie und Ernährungswissenschaft in Stuttgart. Der menschliche Körper sei kein programmierbarer Computer, sondern ein sehr sensibler, durch unendlich viele Einflussfaktoren bestimmter Organismus. "Man kann Gefühle nicht einfach steuern, indem man die körpereigene Endorphim- oder Serotoninproduktion manipuliert," sagt Biesalski. "Das ist genauso als behaupte man, Aspirin-Mangel sei die einzig mögliche Ursache für Kopfschmerzen."
Aber genau das suggeriert die Werbung für ACE-Drinks, Danone Actimell-Joghurt oder
Norvatis Digestive Balance Biskuits. Die Idee des Functional Food
wurde in Japan geboren. Dort allein gibt es derzeit rechtliche Kriterien für die
Lebensmittel mit Zusatznutzen, die durch das "FOSHU-Siegel" (Foods of Specified
Health Use) gekennzeichnet werden müssen. In Deutschland hingegen sind die
funktionellen Lebensmittel weder klar definiert noch müssen sie gekennzeichnet
werden. Die "Novel-Food"-Verordnung von 1997 gilt nur für gentechnisch
veränderte Produkte und um das Werbeverbot für gesundheits-oder
krankheitsbezogenen Heilsversprechen mogelt sich die Werbeindustrie mit einem
geschickten: "... leisten einen wertvollen Beitrag für Ihre Gesundheit" vorbei.
Die Wirkung von Functional-Food-Produkten ist rein hypothetisch.", sagt Dr. med
Ute Gola, vom Institut für Ernährung und Prävention in Berlin."Eine gesunde
Mischkost ist das einzig Richtige, um Mangelerscheinungen vorzubeugen!"
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- Serie wohlfuehlen
- Quelle © DIE ZEIT
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