Aufklärungskampagnen richten sich meist gegen den Konsum von Alkohol, Zigaretten oder harten Drogen. Viel weiter verbreitet, aber weniger spektakulär ist die "Sucht auf Rezept", der Missbrauch von Medikamenten. Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln leiden allein in Deutschland etwa 1,4 Millionen Menschen unter der Sucht nach Medikamenten. Schätzungsweise zwei Drittel davon sind Frauen.

Was ist das für eine Sucht?

Wenn der Wunsch nach Medikamenten übermächtig wird, der Konsum ausufert und nicht mehr zu kontrollieren ist - spricht die WHO von einer Abhängigkeit. Das Verlangen nimmt stetig zu. Oft reicht die "normale" Dosis nicht mehr aus, um den gewünschten Effekt zu erzeugen. Immer mehr und immer öfter greifen Betroffene dann zu Tablette, Saft und Co.. Sobald der kontinuierliche Nachschub ausbleibt, verlangen Körper und Geist nach mehr. Langsam wird die Sucht zum Mittelpunkt des Lebens. Alles dreht sich nur noch um das Eine. Andere Interessen werden vernachlässigt. Und selbst wenn bereits erhebliche Folgeerscheinungen auftreten, ist dies kein Grund, um mit dem Medikamentenmissbrauch aufzuhören.


Mit und ohne Rezept

Wirkstoffe mit Suchtpotenzial gibt es viele. Der Einstieg in die Medikamentenabhängigkeit beginnt bei dem einen mit Appetitzüglern, die oft auch aufputschende Mittel enthalten. Der Arzt verschreibt sie ohne Hintergedanken und am Ende kommt der Patient nicht mehr davon los. Das ursprüngliche Problem "Übergewicht" rückt in den Hintergrund.
Ein anderer hat sich in der Apotheke freiverkäufliche Schmerzmittel gekauft. Diese enthalten oft zusätzlich anregendes Koffein. Auch wenn der eigentliche Kopfschmerz längst weg ist, braucht der Betroffene die Tabletten weiterhin, um sich gut zu fühlen. Es scheint, als könne er ohne sie nicht mehr leben. Genau das signalisiert ihm sein Körper. Besonders fatal – viele Schmerzmedikamente können als Nebenwirkung Kopfschmerzen auslösen. So beginnt dann der Teufelskreis.

Solche Suchtkarrieren beginnen meist schleichend über Jahre oder Jahrzehnte. Die Umwelt bekommt oft erst sehr spät etwas davon mit.

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Oder informieren Sie sich generell über das Thema Sucht, die Formen der Abhängigkeit, die Folgen und was Angehörige und Freunde tun können.
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Autorin: Dr. Susanne Holthausen