Rezeptfrei selbst behandeln

Selbstmedikation liegt im Trend
Denn: Viele leichte Erkrankungen oder Befindlichkeitsstörungen können auch ohne Arzt behandelt werden. Die Selbstmedikation kann helfen, den verantwortlichen Umgang mit der eigenen Gesundheit zu unterstützen und Krankheiten vorzubeugen. Die Kunst besteht aber darin, bei der Selbstmedikation seine Grenzen zu kennen und rechtzeitig zum Arzt zu gehen, wenn es nötig ist.

Selbstmedikation und ihre Grenzen
In manchen Fällen und für manche Menschen stößt Selbstmedikation an ihre Grenzen. Von einer Selbstmedikation wird abgeraten zum Beispiel bei

· Beschwerden, die sich nach einigen Tagen nicht bessern. In diesem Fall sollten Sie einen Arzt aufsuchen.
· der Behandlung von chronischen Erkrankungen.
· Krankheiten, bei denen die Ursache nicht eindeutig bekannt ist.
· Fällen, in denen Sie die Wechselwirkungen mit einer anderen Dauermedikation nicht einschätzen können.
· Allergikern, die eventuell auf Inhaltsstoffe in den rezeptfreien Medikamenten reagieren.
· Suchtpatienten.
· Herz-Kreislaufpatienten (z.B. nach einem Herzinfarkt).
· Schwangeren oder stillenden Müttern.

Auch bei der Selbstmedikation ist es wichtig, dass kritisch hinterfragt wird, ob die Arzneimittel, pflanzlichen Mittel oder Hausmittel tatsächlich sinnvoll und nützlich sind. Denn: Nicht für alle Mittel in der Selbstmedikation gibt es überzeugende Nachweise für die Wirksamkeit. In solchen Fällen sollte der Arzt oder Apotheker um Rat gefragt werden.

Auf jeden Fall sollten die Einnahmehinweise auf der Packungsbeilage beachtet werden.

Was heißt eigentlich "mit ausreichend Flüssigkeit"?
Der Beipackzettel eines Medikaments ist vielfach ein Buch mit sieben Siegeln. Was bedeutet zum Beispiel, dass es "häufig" oder "sehr selten" zu Nebenwirkung XY kommt? Damit das Medikament wirkt und gut vertragen wird, hier einige Erklärungen gängiger Formulierungen eines Beipackzettels:

So steht es im Beipackzettel:
"mit ausreichend Flüssigkeit":

Gemeint ist damit:
Am besten die Tablette mit einem Glas Wasser schlucken, damit diese gut durch die Speiseröhre rutscht. Medikamente mi Alkohol einzunehmen, ist natürlich tabu. Aber auch Tee, Kaffee, Milch oder Fruchtsäfte können die Wirkung bestimmter Medikamente beeinflussen. Werden zum Beispiel bestimmte Tablette gegen Bluthochdruck, Beruhigungs- beziehungsweise Schlafmittel oder Mittel gegen Allergien mit Grapefruitsaft eingenommen, kann deren Wirkung verstärkt und dadurch unangenehme Nebenwirkungen hergerufen werden.


So steht es im Beipackzettel:
"Einnahme vor / nach dem Essen":

Gemeint ist damit:
Das Arzneimittel nicht direkt, sondern eine halbe bis ganze Stunde vor oder nach dem Essen schlucken.


So steht es im Beipackzettel:
"Einnahme während des Essens"

Gemeint ist damit:
Das Medikament sollte nach der Hälfte einer kompletten Mahlzeit genommen werden.


So steht es im Beipackzettel:
"Unmittelbar nach dem Essen":

Gemeint ist damit:
Das Medikament innerhalb von fünf Minuten nach dem Ende einer Mahlzeit einnehmen.


So steht es im Beipackzettel:
"zu Nebenwirkung XY kommt es...
... sehr häufig"
... häufig"
... gelegentlich"
... selten"
... sehr selten"


Gemeint ist damit:
... bei mehr als 1 von 10 Behandelten.
... bei mehr als 1 von 100 Behandelten.
... bei mehr als 1 von 1 000 Behandelten.
... bei mehr als 1 von 10 000 Behandelten.
... bei Einzelfällen von weniger als 10 000 Behandelten.

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Autorin: Alexandra Krotz

 
  • Serie wohlfuehlen
  • Quelle © ZEIT.de 05.09.2003
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