ZEIT Geschichte 03/08

Schriftsteller der Republik

Heinrich Mann

Der engagierte Schriftsteller war sein Ideal, Émile Zola das Leitbild, dem er folgte. Nach ästhetizistischen Anfängen wurde Heinrich Mann (1871–1950) so zu einem scharfen Kritiker der wilhelminischen Gesellschaft. Diederich Heßling, der Protagonist in Manns Der Untertan, verkörpert satirisch überzeichnet den Geist dieser Zeit. »Wer treten will, muss sich treten lassen«, lautet die Maxime dieses despotischen Duckmäusers. Der 1906 begonnene und an Professor Unrat oder das Ende eines Tyrannen anschließende Roman erscheint 1914 zunächst in Fortsetzungen in der Illustrierten Zeit im Bild; währenddessen kommt es zwischen Heinrich und seinem jüngeren Bruder Thomas, der sich offen zum Krieg bekennt, zum langjährigen Bruch. Der Untertan, »das Herbarium des deutschen Mannes« (Kurt Tucholsky), wird 1918 erstmals vollständig auf Deutsch publiziert und fast einhunderttausendmal verkauft. Mann bezieht weiter politisch Stellung: Er hält die Gedenkrede auf Kurt Eisner, den ermordeten Ministerpräsidenten der Münchner Räterepublik, er übersiedelt 1928 von München nach Berlin, um mehr Einfluss in der Preußischen Akademie der Künste zu gewinnen, er veröffentlicht ungezählte Aufsätze. 1933 rettet er sich ins Exil – erst nach Frankreich, dann in die USA –, während in Deutschland aufs Neue der Drang zur Unterwerfung und die Lust am Treten triumphieren. Hella Kemper

Leser-Kommentare
  1. Thomas Mann war reaktionaerer als sein Bruder Heinrich, aber der Schreibstil des Thomas Mann ist besser

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