ZEIT Geschichte 01/09 Der Diktator und der PatriarchSeite 4/4
In den nächsten Jahren setzt sich die Massenflucht von DDR-Bürgern in den Westen fort. Ulbricht mauert das Land ein. Machtbesessen, misstrauisch und mit sturer Unbelehrbarkeit herrscht der Statthalter Moskaus in Ost-Berlin. Wer opponiert, wird verhaftet und ins Zuchthaus gesteckt. Innerparteiliche Machtkämpfe entscheidet Ulbricht für sich. Seine Gegner verlieren Amt und Würden, nicht selten auch ihre Freiheit. Der Tischler aus Leipzig, der einst aufbrach, die Welt zu verbessern, wird zum unbeliebtesten Politiker seines wankenden Staates.
Am Ende sindsie beide nicht souverän. Adenauer greift wieder einmal in die politische Trickkiste, um den Abgang hinauszuschieben. 1959 spekuliert er auf peinliche Weise auf das Amt des Bundespräsidenten. Doch es hilft nichts, am 15. Oktober 1963 ist seine Zeit abgelaufen. Verbittert, düster in die Zukunft blickend und seinen Nachfolger Ludwig Erhard verhöhnend, lebt er im Rhöndorfer Haus. Er reist, hält Reden und nennt Spaniens faschistischen General Francisco Franco einen ehrenwerten Mann. Seine Erinnerungen schreibt er in missmutiger Laune. Ein Schriftsteller ist er nicht.
Am 19. April 1967 stirbt Konrad Adenauer. Die Großen der Welt sitzen im Kölner Dom und ehren einen Staatsmann, der den Westdeutschen Glück gebracht hat.
Ulbricht muss gestürzt werden, damit er loslässt: Als er angesichts des wirtschaftlichen Desasters der DDR für einen neuen, kompromissbereiteren Kurs gegenüber der Bundesrepublik eintritt, sehen seine innerparteilichen Gegner – an der Spitze sein Zögling Erich Honecker – ihre Stunde gekommen. Sie intrigieren in Moskau, und Breschnew stimmt dem Sturz Ulbrichts zu. Der besserwisserische deutsche Genosse – »Ich habe Lenin noch persönlich gekannt« – ist ihm schon lange auf die Nerven gefallen.
Am 3. Mai 1971 erklärt Ulbricht »aus gesundheitlichen Gründen« seinen Rücktritt von allen Ämtern. Er stirbt am 1. August 1973. Er hat viel Unglück über die Ostdeutschen gebracht.
- Datum 04.09.2009 - 18:31 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 25.02.2009 Nr. 01
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Die Witze, Insonderheit politische, spielten in der DDR eine besondere Rolle - ganz anders als jetzt in der Bundesrepublik.
Einer davon war, als wieder mal Wahlen anstanden: "und ist der Weg auch noch so hulpricht, wir wählen wieder Walter Ulbricht". Mit dieser bitteren Selbstironie half sich die Bevölkerung über manches Ungemach hinweg. Das konnte man frei aussprechen. Möglich, daß die Parteiinquisitoren dieses Ventil ganz bewußt offen ließen.
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