Die wirtschaftliche Entwicklung in Ost und West Leistung, Leistung, Leistung!Seite 3/3
Dabei ging es den Westdeutschen erheblich besser als den Bewohnern im Osten. Auf die Währungsreform hatte Moskau 1948 mit drakonischen Maßnahmen reagiert: Am 24. Juni wurden die Versorgungswege nach West-Berlin abgeriegelt, die Stromversorgung wurde abgestellt. Stalin wollte damit den Westen treffen – aber auch eine Flucht unterversorgter Ostberliner in das neue Konsumparadies im Westen verhindern.
In den darauffolgenden Tagen wurde auch in der SBZ eine neue Währung eingeführt. Doch die Versorgung blieb so schlecht wie zuvor. »Hier in der Stadt wird niemand satt«, schrieb die Dresdnerin Hildegard Körgel damals an ihren Sohn Helmut in Schwerin. »Jedes Wochenende gehen wir aufs Land, um unsere mickrigen Rationen irgendwo und irgendwie aufzustocken.«
Bei Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 waren sämtliche Banken und Versicherungen und 70 Prozent der Industrie in den Händen der SED. Handwerksunternehmen waren durch Materiallieferungen an die volkseigenen Betriebe gebunden; der private Einzelhandel konnte sich nicht entwickeln, denn Konsumgüter blieben durch die staatliche Handelsorganisation strikt rationiert. Nur die Landwirtschaft widerstand der Kollektivierung noch einige Zeit.
Mit dem ersten Fünfjahresplan übernahm die Parteiführung 1951 schließlich die totale Kontrolle über die Wirtschaft und gab ambitionierte Produktionsziele vor. Fast die Hälfte aller Investitionen floss in die Schwerindustrie, nur drei Prozent standen für Konsumgüterproduktion bereit. Die Folge war so etwas wie ein Industriewunder, nachdem die Reparationszahlungen 1953 eingestellt wurden. Die Produktionssteigerung in der Schwerindustrie um 150 Prozent innerhalb weniger Jahre diente jedoch mehr der Partei als der Bevölkerung. Kurz vor ihrem Tod 1952 schrieb Hildegard Körgel, sie habe Schokolade gegessen, »zum ersten Mal seit über einem Jahr«.
Im Westen blieb die Wirtschaft noch bis Anfang 1950 instabil. Danach aber wurde klar, wie viele Menschen vom Kaliber der Schickedanz es gab. Herbert Quandt baute BMW auf, Reinhard Mohn schuf den Bertelsmann-Konzern, und Karl und Theo Albrecht machten Aldi groß. Sie alle stehen für das Wirtschaftswunder, das den politischen Neubeginn absicherte und die Bundesrepublik binnen zehn Jahren zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt aufsteigen ließ. Ihr Gegenstück in der DDR waren die Männer und Frauen, die sich in den Staatsbetrieben darum bemühten, das Planziel zu erfüllen, und das andere Deutschland in den sechziger Jahren damit zur zweitgrößten Wirtschaftsnation des Ostblocks machten. Ein Schaufensterwunder aber erlebten sie nie.
- Datum 04.09.2009 - 21:07 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 25.02.2009 Nr. 01
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren