Fritz Stern im Gespräch - Teil 4 Was wäre gewesen, wenn?Seite 2/2
Hätte man sich für den Einigungsprozess mehr Zeit nehmen können?
Das haben sich damals nicht wenige gewünscht: Viele DDR-Bürgerrechtler etwa, für die ich allesamt große Bewunderung hege, aber auch Willy Brandt dachte so. Doch dem standen gleich zwei Dinge entgegen: zum einen der energische Wille Helmut Kohls. Zum anderen war mit der Maueröffnung eine Mobilität hergestellt, die eine ungeheure Eigendynamik entwickelte. Das ließ sich schwer bremsen.
Musste man nicht auch deshalb schnell handeln, weil die Gefahr bestand, dass Gorbatschow sich nicht an der Macht halten konnte? Hätte ein Putsch womöglich noch im letzten Moment zu Blutvergießen führen können?
Ich gehöre nicht zu denen, die bestreiten, dass in der Geschichte auch einzelne, herausragende Akteure eine wichtige Rolle spielen. Aber: Wenn es bereits 1990 zu einem militärischen Coup gegen Gorbatschow gekommen und dieser Coup gelungen wäre, so glaube ich dennoch nicht, dass dies zu Blutvergießen oder gar einem militärischen Konflikt zwischen Ost und West geführt hätte. Dazu wäre, denke ich, das russische Militär zu klug und zu vorsichtig gewesen. Ob es das Militär nach einem Putsch zugelassen hätte, dass sich das vereinte Deutschland frei für die Mitgliedschaft in der Nato entscheidet, ist allerdings zweifelhaft. Nur: Hat man damals wirklich mit einem Coup gegen Gorbatschow gerechnet? Ich glaube, die Eile hatte andere Gründe.
Die Fragen stellte Christian Staas
- Datum 04.09.2009 - 21:20 Uhr
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- Quelle ZEIT Geschichte Nr. 02/2009
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