Begriffe des Mittelalters Glossar

Ca. 1450, Jagd- und Spielszene vor einer Burg. Hohe Frauen sehen einer Gefährtin zu, die mit Pfeil und Bogen einen Hirsch erlegen möchte

Ca. 1450, Jagd- und Spielszene vor einer Burg. Hohe Frauen sehen einer Gefährtin zu, die mit Pfeil und Bogen einen Hirsch erlegen möchte

Ablass

Sündenstrafenerlass. Die Idee des Ablasses entsteht im frühen 12. Jahrhundert. Ablass wurde zunächst gegen Teilnahme an einem ➞Kreuzzug gewährt, später auch gegen Geld oder eine Almosenspende. Im Spätmittelalter entwickelte sich der Ablasshandel zu einer wichtigen Einnahmequelle für Kirche und ➞Kurie.

Abt/Äbtissin

Klostervorsteher/-in

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Artes liberales

Die sieben freien Künste sind ein Kanon wissenschaftlicher Disziplinen; ihr Studium war in der Antike freien Männern vorbehalten. Sie setzen sich zusammen aus dem Trivium, das (lateinische) Grammatik, Rhetorik und Dialektik (Logik) umfasst, und dem Quadrivium, bestehend aus Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie. An den während des Hochmittelalters in Europa entstehenden Universitäten war das Studium der »septem artes liberales« Voraussetzung für den Zugang zu den höheren Fakultäten (Theologie, Rechte, Medizin).

Bischof

Geistlicher Würdenträger, der einem kirchlichen Verwaltungsbezirk (Bistum, auch Diözese genannt) vorsteht. Bischofssitz war stets eine Stadt. Noch heute sind Bischofsstädte erkennbar an den Kathedralkirchen (lateinisch »cathedra« = Sitz). Anders als in Frankreich bekamen die Bischöfe im ottonischen und im salischen Reich von den Königen mitunter auch weltliche Rechtstitel zugesprochen, übten also oft auch weltliche Macht aus. Das Bischofsamt ist das höchste Amt innerhalb der Kirche (➞Papst).

Dynastie

Herrscherfamilie. Dynastische Strukturen prägten vom Frühmittelalter an die mittelalterlichen Herrschaftsverbände. Die bedeutendsten königlichen Familien im römisch-deutschen Reich waren, in dieser Reihenfolge: die Ottonen (10. und 11. Jahrhundert), die Salier (11. und 12. Jahrhundert), die Staufer (12. und 13. Jahrhundert) sowie nach dem ➞Interregnum die Luxemburger, Wittelsbacher und Habsburger (14. und 15. Jahrhundert).

Eschatologie

Von griechisch »eschaton« = das Letzte/Ende; Wissenschaft von den letzten Dingen/von der Endzeit. Die christlich-mittelalterliche Weltsicht war stark von eschatologischen Vorstellungen beherrscht, wie sie sich etwa in der Offenbarung (Apokalypse) des Johannes finden. 6000 Jahre, so die verbreitete Ansicht, werde die Schöpfung bestehen, bis die Welt untergehe und Christus zum Jüngsten Gericht wiederkehre (Parusie). Auch die Toten, glaubte man, würden an jenem Jüngsten Tag auferstehen und vor den Richterstuhl Christi treten. Danach werde das Reich Gottes anbrechen.

Fron 

Von altdt. Fro = Herr; persönliche Dienste, die unfreie Bauern an bestimmten Tagen für ihren Grundherrn (➞Grundherrschaft) zu leisten hatten – unter anderem zur Saat- und Erntezeit, was den Bauern nicht selten Verluste auf den eigenen Feldern bescherte. Mit Beginn des Hochmittelalters wurden Frondienste allmählich durch Abgaben (Naturalien, später auch Geld) ersetzt.

Fürst

Die Fürsten bildeten die oberste Schicht des mittelalterlichen Adels; aus ihrer Mitte wurde der ➞König gewählt. Ein Fürst ist – im allgemeinsten Sinne – ein an der Spitze eines politischen Verbandes stehender Mann (lateinisch »princeps«). Neben den weltlichen Fürsten, den ➞Herzögen, Landgrafen, Markgrafen (➞Graf) et cetera, standen im Mittelalter geistliche Fürsten: Dazu zählten zahlreiche ➞Bischöfe und auch einige ➞Äbte größerer Klöster, denn vielen geistlichen Würdenträgern waren im Zeitalter der Ottonen und unter den Saliern (➞Dynastie) weltliche Hoheitsrechte (Regalien) übertragen worden. Als Kurfürsten wurden jene sieben Fürsten bezeichnet, die 1356 in der sogenannten Goldenen Bulle dazu bestimmt wurden, den ➞König zu wählen.

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