Die erste Republik Nie wieder Untertan
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Im Februar 1793 wird der Rheinisch-Deutsche Nationalkonvent gewähl

Im Februar 1793 wird der Rheinisch-Deutsche Nationalkonvent gewählt. Die Reichstruppen rücken immer weiter an die Stadt heran, schließen bald einen Belagerungsring, die Rückeroberung scheint nur eine Frage der Zeit. Am 17. März konstituiert sich der Konvent, das erste moderne deutsche Parlament, mit 128 Deputierten, darunter vielen Bauern, im Mainzer Deutschhaus, wo heute der rheinland-pfälzische Landtag berät.

Tags darauf, am 18. März, erklärt er den »ganzen Strich Landes zwischen Landau und Bingen, welcher Deputirte zu diesem Konvent schickt«, zu einem »freyen und unabhängigen Staat«. Forsters Rede vor dem Konvent klingt angesichts des drohenden Bombenregens aus den kaiserlichen Geschützen fast schon wie ein trotziger Abgesang. »Der Sieg der Vernunft ist vollkommen«, versucht er die Deputierten noch einmal aufzuputschen, »die beleidigte Menschheit tritt in den Vollbesitz ihrer Rechte.«

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In den nur zwei Wochen seiner Tätigkeit stemmt sich der Konvent verzweifelt gegen den Untergang. Jetzt sollen alle Republikfeinde die Stadt verlassen, vor allem die eidverweigernden Priester. »Die Geistlichen verkauften fast alles, was sie noch hatten«, berichtet ein Augustinerprior, »und das Hin- und Herführen ihrer Habseligkeiten auf Karren und Wägen war ein wahres Spektakel, so traurig in die Augen fiel.«

Längst wissen die Deputierten, dass ihre kleine Republik allein nicht lebensfähig ist. Drei Tage nach der Unabhängigkeitserklärung beschließen sie die Vereinigung mit der französischen Mutterrepublik. Dreizehn Wochen lang liegt die Stadt im Belagerungsgürtel der Reichstruppen. Nach nur neun Monaten geht die Mainzer Republik im Kartätschenhagel der kaiserlichen Geschütze unter, auch der Dom wird schwer beschädigt.

Johann Wolfgang von Goethe erlebt die Belagerung im Gefolge seines Herzogs; auch Weimar stellt Truppen für den Krieg gegen Frankreich. »Es war die sternenhellste Nacht«, schreibt er, »die Bomben schienen mit den Himmelslichtern zu wetteifern, und es waren wirklich Augenblicke, wo man beide nicht unterscheiden konnte. An diesem Schauspiel konnt’ ich mich nicht satt sehen, denn es folgte Schuß auf Schuß, immer wieder neue mächtige Fontänen, indessen die alten noch nicht ganz verrauscht hatten.«

Am 23. Juli 1793 kapituliert die französische Armee, ihre Soldaten verlassen die Stadt. Nun beginnt eine erbarmungslose Jagd der Republikgegner auf die verbliebenen »Jakobiner«. Die Freiheitsfreunde werden ausgeplündert, geschlagen, öffentlich gedemütigt, verschleppt und inhaftiert. Goethe ist Augenzeuge der Lynchjustiz kurfürstentreuer Mainzer an einem »Erzklubisten«, der sich »neben einer freundlichen jungen Dame« in einer Kutsche versteckt hat. »Schon ist er bei den Füßen herausgerissen«, beschreibt er fast 30 Jahre später das »traurigste und ekelhafteste aller Schauspiele«. »Man schließt den Schlag und wünscht der Schönheit glückliche Reise. Ihn aber schleppt man auf den nächsten Acker, zerstößt und zerprügelt ihn fürchterlich. Alle Glieder seines Leibes sind zerschlagen, sein Gesicht unkenntlich.«

Sechs Wochen später kehrt der Kurfürst und Erzbischof Friedrich Karl von Erthal nach Mainz zurück. Aus seinem Aschaffenburger Exil hat er bereits alle Gesetze und Verfügungen aus der Zeit der »Drangsalen und harten Bedrückungen« für »Null und Nichtig« erklären lassen. »Wir ermahnen demnach alle unsere getreuen Unterthanen väterlich«, proklamiert ein von »wahrer väterlicher Theilnahme« geleiteter Erthal, nun wieder »den gebührenden Gehorsam zu leisten, sich derselben bekannten Gerechtigkeitsliebe mit vollem Vertrauen zu überlassen, ohne sich auch nur die mindeste Eigenmacht zu erlauben.«

Andreas Molitor, Jahrgang 1963, ist freier Autor und schreibt regelmäßig für ZEIT Geschichte

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Köln?

    Mainz in allen Ehren... Meines Wissens hatte Köln seit 1396 ein echt demokratisches Wahlsystem. Kann das jemand (über Google/ Wikipedia hinaus) verifizieren? Danke.

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    Köln hatte im Mittelalter mit der Gaffelverfassung wie übrigens die meisten Reichsstädte eine Ratsverfassung, die einem Teil der Stadtbewohner ein gewisses politisches Mitspracherecht einräumte. Hauptvoraussetzung war dafür das Bürgerrecht, das jedoch längst nicht jeder erlangen konnte. Darüber hinaus war der oberste Stadtherr jeder (freien) Reichsstadt der deutsche König bzw. Kaiser, der Privilegien wie eine Verfassung oder ähnliches meist gegen Geldzahlungen an Städte verlieh. Wirklich demokratisch war das System also nicht...

    Köln hatte im Mittelalter mit der Gaffelverfassung wie übrigens die meisten Reichsstädte eine Ratsverfassung, die einem Teil der Stadtbewohner ein gewisses politisches Mitspracherecht einräumte. Hauptvoraussetzung war dafür das Bürgerrecht, das jedoch längst nicht jeder erlangen konnte. Darüber hinaus war der oberste Stadtherr jeder (freien) Reichsstadt der deutsche König bzw. Kaiser, der Privilegien wie eine Verfassung oder ähnliches meist gegen Geldzahlungen an Städte verlieh. Wirklich demokratisch war das System also nicht...

  2. 2. Köln!

    Köln hatte im Mittelalter mit der Gaffelverfassung wie übrigens die meisten Reichsstädte eine Ratsverfassung, die einem Teil der Stadtbewohner ein gewisses politisches Mitspracherecht einräumte. Hauptvoraussetzung war dafür das Bürgerrecht, das jedoch längst nicht jeder erlangen konnte. Darüber hinaus war der oberste Stadtherr jeder (freien) Reichsstadt der deutsche König bzw. Kaiser, der Privilegien wie eine Verfassung oder ähnliches meist gegen Geldzahlungen an Städte verlieh. Wirklich demokratisch war das System also nicht...

    Antwort auf "Köln?"
    • keox
    • 11.09.2010 um 12:14 Uhr

    »Intrige, Fanatismus, Heuchelei und Privatinteresse bieten alle Kräfte auf, um Euch wieder in Eure alten Ketten zu schmieden«

    oder?

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    Die Bewertung der "Mainzer Republik" krankt zum einen daran,
    daß gesinnungsorientiert gedacht wird, zum andern an der unvollständigen Berücksichtigung der Faktenlage. Die Leiden der Bevölkerung werden außer Acht gelesen. Franzosen und Klubisten haben ausschließlich eigene Ziele - Annexion zu Frankreich - verfolgt, Tausende ihrer Habe beraubt und deportiert.

    Zur weiteren Information: www.mainzer-republik.npag....

    Guten Erfolg

    franzzitz

    Die Bewertung der "Mainzer Republik" krankt zum einen daran,
    daß gesinnungsorientiert gedacht wird, zum andern an der unvollständigen Berücksichtigung der Faktenlage. Die Leiden der Bevölkerung werden außer Acht gelesen. Franzosen und Klubisten haben ausschließlich eigene Ziele - Annexion zu Frankreich - verfolgt, Tausende ihrer Habe beraubt und deportiert.

    Zur weiteren Information: www.mainzer-republik.npag....

    Guten Erfolg

    franzzitz

  3. Die Bewertung der "Mainzer Republik" krankt zum einen daran,
    daß gesinnungsorientiert gedacht wird, zum andern an der unvollständigen Berücksichtigung der Faktenlage. Die Leiden der Bevölkerung werden außer Acht gelesen. Franzosen und Klubisten haben ausschließlich eigene Ziele - Annexion zu Frankreich - verfolgt, Tausende ihrer Habe beraubt und deportiert.

    Zur weiteren Information: www.mainzer-republik.npag....

    Guten Erfolg

    franzzitz

  4. ....republik.npage.de

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