Deutsche Geschichte: Was war das deutsche Kaiserreich?
Wirtschaftsboom und Weltmachtstreben, Avantgarde und Aggression: Das deutsche Kaiserreich war eine kurzlebige, dynamische, widerspruchsvolle Zeit. In die Begeisterung für den Fortschritt mischte sich die Angst vor dem Untergang. Das Porträt einer herausfordernden Epoche.
© General Photographic Agency/Getty Images

Neujahrstag 1912: Kaiser Wilhelm II (1859 - 1941) mit seinen Söhnen in Berlin
Am 15. Oktober 1899 schrieb der 32-jährige Theaterkritiker Alfred Kerr in einem seiner Briefe aus Berlin: »Das Jahrhundert geht zu Ende. Mit jeder anbrechenden Nacht rückt der Punkt näher, wo wir die große Einkehr halten. Der Wahnsinn und die Glorie unserer Zeit steigen herauf, beide hart nebeneinander; die Größe und die Bestialität; der Fortschritt und der Servilismus; der machtvolle Gedanke der Freiheit, der Zauber technischen Könnens, die listige Lüftung stiller Elementargeheimnisse, die Verfeinerung und Erhöhung der Menschlichkeit, die Verbreitung der ethischen Idee – auf der anderen Seite die stärkste Machtanbetung aller Zeiten, zum mindesten die bewußteste aller Zeiten, die erste Philosophie der Machtanbetung, die Herrschaft des Säbels und noch über dem Säbel die Vergottung des Geldes.«
Mit dieser Betrachtung zur Jahrhundertwende erfasste Alfred Kerr das Charakteristikum des deutschen Kaiserreichs – die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen . Sie macht den besonderen Reiz dieser Epoche aus, stellt an den Historiker allerdings auch besondere Anforderungen.
Denn Widersprüche und Ambivalenzen zeigen sich auf allen Ebenen von Gesellschaft, Politik und Kultur: Neben einer überaus dynamischen, zunehmend global vernetzten Industriewirtschaft finden wir die monströse Spätblüte eines neoabsolutistischen Hofzeremoniells; neben erstaunlichen, weltweit bewunderten Leistungen in Wissenschaft und Technik eine weitverbreitete Uniformgläubigkeit, die Vergötzung alles Militärischen; neben Tendenzen zur Demokratisierung und Parlamentarisierung die latente Drohung mit dem Staatsstreich, das Liebäugeln mit der Militärdiktatur; neben einer lebendigen avantgardistischen Kulturszene die plüschigste Salonkunst und die protzigsten Repräsentationsbauten; neben einer bemerkenswerten Liberalität und Pluralität der Presse die kleinlichsten Zensurschikanen; neben auftrumpfendem Kraftgefühl und ungebremster Aggressivität ein tief sitzendes Gefühl von Angst und Unsicherheit. In diesem Neben- und Ineinander des scheinbar Unvereinbaren liegt vermutlich ein Erklärungsschlüssel für die nervöse Reizbarkeit, die das spezifische Merkmal von Politik und Mentalität der Wilhelminischen Ära war.
Keine Beschäftigung mit dem deutschen Kaiserreich von 1871 kommt also darum herum, die widerspruchsvolle Verbindung von Beharrung und Modernität, von Rückständigkeit und Fortschritt zu thematisieren. Eine ausschließlich auf das Jahr 1933 fixierte Perspektive würde der verblüffenden Vielfalt und Widersprüchlichkeit der Epoche nicht gerecht.
Neben den besonderen Belastungen ist auch nach den verschütteten Möglichkeiten, den entwicklungsfähigen Momenten zu fragen. Der Untergang des Kaiserreichs war durch die Gründungskonstellation von 1870/71 so wenig determiniert wie das Scheitern der Weimarer Demokratie durch die halbe Revolution von 1918/19. Dennoch: Die Frage, inwieweit im Kaiserreich bereits Voraussetzungen und Bedingungen geschaffen wurden für den einzigartigen Zivilisationsbruch des Nationalsozialismus, bleibt weiterhin die entscheidende Herausforderung, der sich jeder, der sich mit dieser Zeit befasst, stellen muss.
Im Rückblick präsentiert sich das Kaiserreich als ein recht kurzlebiges Gebilde. 47 Jahre, nicht einmal ein halbes Jahrhundert hat es überdauert – eine kürzere Zeitspanne als der Deutsche Bund von 1815 bis 1866, eine kürzere auch als die Bundesrepublik, deren 60. Geburtstag 2009 begangen wurde. Es begann mit der Kaiserproklamation im Spiegelsaal von Versailles am 18. Januar 1871, die, anders als es das berühmte Gemälde des Hofmalers Anton von Werner suggeriert, keineswegs erhebend war. »Ich hatte als Accoucheur mehrmals das dringende Bedürfnis, eine Bombe zu sein und zu platzen, daß der ganze Bau in Trümmern gegangen wäre«, schrieb Otto von Bismarck einige Tage später an seine Frau Johanna. Am 9. November 1918, nach der militärischen Niederlage im Ersten Weltkrieg und der von Kiel ausgehenden Revolution, lag der Bau tatsächlich in Trümmern. Kaiser Wilhelm II. dankte ab, und auch die anderen Monarchen räumten ohne Widerstand, fast freiwillig, das Feld.
Für dieses geräuschlose Verschwinden einer einst so selbstverständlich respektierten Institution hat sich die Geschichtswissenschaft erst vor Kurzem zu interessieren begonnen. Dabei hatte es schon die Zeitgenossen aufs Höchste irritiert: »Mir griff es an die Gurgel, dieses Ende des Hohenzollernhauses; so kläglich, so nebensächlich, nicht einmal Mittelpunkt der Ereignisse«, notierte der Kunstmäzen und Diplomat Harry Graf Kessler am 9.November 1918. Tatsächlich bewies der sang- und klanglose Abschied der deutschen Fürsten von der Bühne der Geschichte nur, wie restlos der monarchische Obrigkeitsstaat unter den Belastungen des Krieges seine Legitimität aufgezehrt, wie sehr vor allem der Kaiser jedes Ansehen verspielt hatte.
Nicht wenige Anhänger des untergegangenen Systems beeilten sich nun, den gestürzten Hohenzollernherrscher für alle Fehler und Versäumnisse der deutschen Politik seit Bismarcks Abgang verantwortlich zu machen. Gegen diese Neigung zur kollektiven Selbstentlastung wandte sich Theodor Wolff, der Chefredakteur des liberalen Berliner Tageblatts, in einem Leitartikel vom 9. November 1918: »Wilhelm II.«, so rief er den Lesern ins Gedächtnis, »war nicht der alleinige Urheber, aber der Repräsentant einer aberwitzig kurzsichtigen, die Kräfte und Ideen des Auslandes falsch einschätzenden Politik, und er war das Symbol einer Zeit und eines Geistes, der, in Machtbegehren und Selbstüberhebung, die Katastrophe herbeigeführt hat.«
Die Schnurrbart-Majestät war, was John Röhl in seiner monumentalen Biografie unterschätzt, lange Zeit sehr populär gewesen. Wie kein zweiter Monarch hatte Wilhelm II. sich im neuen Medium des Films inszeniert, wie kein anderer seine Herrschaft in ständigen öffentlichen Auftritten zelebriert. »Wie dicht standen sie, und wie jubelten sie ihm zu, wenn er, von Exerzierübungen oder einer Parade zurückkehrend, an der Spitze seiner Regimenter durch das Brandenburger Tor einzog«, erinnerte sich der Pazifist Ludwig Quidde 1926. Auch für ihn stand außer Frage, das »ein großer Teil des deutschen Volkes in allen seinen Schichten« eine Mitschuld daran trage, dass der Kaiser »das Kapital von internationalem Vertrauen auf deutsche Politik [...] verwirtschaftet und damit das Unheil über uns heraufbeschworen« habe.







Das war doch eine autokratische Veranstaltung, die Preußen haben sich von den Bayern die sog. Kaiserwürde antragen lassen, wo man schon mit der preußischen Armee gerade das große Frankreich niedergerungen hat, welche Chance hätte da schon das ländliche Bayern gehabt (ja, das war sicher eine vollkommen freie Entscheidung der Bayern; was wäre wohl passiert wenn man sich dem verweigert hätte, subtile Drohung ist noch geschönt).
Das deutsche Kaiserreich endete mit der Niederlegung der Kaiserkrone durch Kaiser Franz in Wien, wo diese bis heute verwahrt wird. Auch wird ein Kaiser vom Papst gekrönt und Preußen spielte in den neun Jahrhunderten des deutschen Kaiserreiches eine Randrolle in der osteuropäischen Peripherie. Nicht Preußen ging in "Deutschland" auf, Preußen hat sich in "Deutschland" umgetauft und Bayern, Sachsen und Co. preußifiziert, mit nationalistischem Geheul.
Stilbildend ist da ja auch die ungelenkte, krude Architektur des "Wilhelmismus"; so wie das eine Kriegernation halt hinbekommen konnte. Kein Vergleich mit bayrischem Jugendstil oder habsburgischem imperialen Prunk. Bedeutend ist dieses Großpreußen meiner Meinung nach nur in einem Punkt, es war das Vorspiel für die große Barbarei als der Deutschnationalismus in Deutschfaschismus umschlug.
Jetzt ist also generell Preussen schuld ?
Die gnaze Entwicklung war nicht Preussens schuld und nicht die des deutschen Reiches, sondern eine Verkettung von aussergewöhnlich schlechten Umständen.
Vor allem trifft die Schuld am NS-Regime der Versailler Vertrag, der Deutschland knebelte wirtschaftlich und damit die Wirtschaft zugrunde richtete und die Leute demütigte.
Sie vor allem ihrer wirtschaftlichen perspektive beraubte und politisch zersplitterte in Klein und Kleinstparteien.
Das ganze gemisch aus Zukunftsängsten und politischer Unsicherheit liess die einen zum Kommunismus umschwenken die anderen zum Faschismus.
Man beachte dabei auch, das sowohl in Russland wie auch Italien, und Spanien ebenfalls diktatorische Regime an die Macht kamen. Es ist also kein alleinstellungsmerkmal von Deutschland.
Na immerhin haben die Preussen Bayerns bekanntestes Schloß bezahlt – das Dornröschenschloß des geistig entrückten Ludwig II. So war es viel einfacher, mit diesem architektonischen Zuckerbackwerk und Kitsch Bayerns Loyalität zu kaufen. Weiterhin war die Unterschrift des Märchenkönigs unter den Kaiserbrief, der von Bismarck verfasst war, eine Handreichung. Denn dadurch wurden auch die südl. Staaten wieder als solche anerkannt – etwas, was auch Bayern von Napoleons I. und III. Gnaden verwährt wurde. Die bayerischen Könige waren nur noch Marionetten und Staffage, die sich in mit ihren Baumeistern in architektonische Fluchtburgen begaben, bis das Geld weg war. Für reale Politik waren Bayern Könige – allen voran Ludwig II. – unbrauchbar.
Und wenn ich mich recht erinnere, wurde in den stilbildenden Jugendstil-Großsaufkasematten – bekannt auch als Münchner Brauhäuser – München als Stadt der Bewegung aus der Taufe gehoben. Nicht von ungefähr fand die Ausstellung Entartete Kunst in Bayerns Landeshauptstadt statt.
P.S.: Hätte es Preussen nicht gegeben, wäre Bayern bereits 1785-87 an die Ostmark verschenkt worden.
Oder ist das Kabarett?
Das erinnert mich etwas an die offizielle Oesterreichische Geschichtschreibung nach dem 2. WK, derzufolge Oesterreich Nazideutschlands erstes Opfer war.
So recht abgenommen hat das Ausland diese oesterreichische Opfersehnsucht jedoch niemand.
Gebildete Kreise in Oesterreich sehen das auch seit Langem anders.
"Das war doch eine autokratische Veranstaltung, die Preußen haben sich von den Bayern die sog. Kaiserwürde antragen lassen, wo man schon mit der preußischen Armee gerade das große Frankreich niedergerungen hat, welche Chance hätte da schon das ländliche Bayern gehabt (ja, das war sicher eine vollkommen freie Entscheidung der Bayern; was wäre wohl passiert wenn man sich dem verweigert hätte, subtile Drohung ist noch geschönt).
Das deutsche Kaiserreich endete mit der Niederlegung der Kaiserkrone durch Kaiser Franz in Wien, wo diese bis heute verwahrt wird. Auch wird ein Kaiser vom Papst gekrönt und Preußen spielte in den neun Jahrhunderten des deutschen Kaiserreiches eine Randrolle in der osteuropäischen Peripherie. Nicht Preußen ging in "Deutschland" auf, Preußen hat sich in "Deutschland" umgetauft und Bayern, Sachsen und Co. preußifiziert, mit nationalistischem Geheul.
Stilbildend ist da ja auch die ungelenkte, krude Architektur des "Wilhelmismus"; so wie das eine Kriegernation halt hinbekommen konnte. Kein Vergleich mit bayrischem Jugendstil oder habsburgischem imperialen Prunk. Bedeutend ist dieses Großpreußen meiner Meinung nach nur in einem Punkt, es war das Vorspiel für die große Barbarei als der Deutschnationalismus in Deutschfaschismus umschlug."
So lautet die Geschichtsschreibung in Deutschland seit dem Ende des 2. Weltkrieges, wie es von den Allierten gewollt war. Ist diese Sicht auf die Geschichte aber auch die deutsche oder die anderer Mächte?
Jetzt ist also generell Preussen schuld ?
Die gnaze Entwicklung war nicht Preussens schuld und nicht die des deutschen Reiches, sondern eine Verkettung von aussergewöhnlich schlechten Umständen.
Vor allem trifft die Schuld am NS-Regime der Versailler Vertrag, der Deutschland knebelte wirtschaftlich und damit die Wirtschaft zugrunde richtete und die Leute demütigte.
Sie vor allem ihrer wirtschaftlichen perspektive beraubte und politisch zersplitterte in Klein und Kleinstparteien.
Das ganze gemisch aus Zukunftsängsten und politischer Unsicherheit liess die einen zum Kommunismus umschwenken die anderen zum Faschismus.
Man beachte dabei auch, das sowohl in Russland wie auch Italien, und Spanien ebenfalls diktatorische Regime an die Macht kamen. Es ist also kein alleinstellungsmerkmal von Deutschland.
Na immerhin haben die Preussen Bayerns bekanntestes Schloß bezahlt – das Dornröschenschloß des geistig entrückten Ludwig II. So war es viel einfacher, mit diesem architektonischen Zuckerbackwerk und Kitsch Bayerns Loyalität zu kaufen. Weiterhin war die Unterschrift des Märchenkönigs unter den Kaiserbrief, der von Bismarck verfasst war, eine Handreichung. Denn dadurch wurden auch die südl. Staaten wieder als solche anerkannt – etwas, was auch Bayern von Napoleons I. und III. Gnaden verwährt wurde. Die bayerischen Könige waren nur noch Marionetten und Staffage, die sich in mit ihren Baumeistern in architektonische Fluchtburgen begaben, bis das Geld weg war. Für reale Politik waren Bayern Könige – allen voran Ludwig II. – unbrauchbar.
Und wenn ich mich recht erinnere, wurde in den stilbildenden Jugendstil-Großsaufkasematten – bekannt auch als Münchner Brauhäuser – München als Stadt der Bewegung aus der Taufe gehoben. Nicht von ungefähr fand die Ausstellung Entartete Kunst in Bayerns Landeshauptstadt statt.
P.S.: Hätte es Preussen nicht gegeben, wäre Bayern bereits 1785-87 an die Ostmark verschenkt worden.
Oder ist das Kabarett?
Das erinnert mich etwas an die offizielle Oesterreichische Geschichtschreibung nach dem 2. WK, derzufolge Oesterreich Nazideutschlands erstes Opfer war.
So recht abgenommen hat das Ausland diese oesterreichische Opfersehnsucht jedoch niemand.
Gebildete Kreise in Oesterreich sehen das auch seit Langem anders.
"Das war doch eine autokratische Veranstaltung, die Preußen haben sich von den Bayern die sog. Kaiserwürde antragen lassen, wo man schon mit der preußischen Armee gerade das große Frankreich niedergerungen hat, welche Chance hätte da schon das ländliche Bayern gehabt (ja, das war sicher eine vollkommen freie Entscheidung der Bayern; was wäre wohl passiert wenn man sich dem verweigert hätte, subtile Drohung ist noch geschönt).
Das deutsche Kaiserreich endete mit der Niederlegung der Kaiserkrone durch Kaiser Franz in Wien, wo diese bis heute verwahrt wird. Auch wird ein Kaiser vom Papst gekrönt und Preußen spielte in den neun Jahrhunderten des deutschen Kaiserreiches eine Randrolle in der osteuropäischen Peripherie. Nicht Preußen ging in "Deutschland" auf, Preußen hat sich in "Deutschland" umgetauft und Bayern, Sachsen und Co. preußifiziert, mit nationalistischem Geheul.
Stilbildend ist da ja auch die ungelenkte, krude Architektur des "Wilhelmismus"; so wie das eine Kriegernation halt hinbekommen konnte. Kein Vergleich mit bayrischem Jugendstil oder habsburgischem imperialen Prunk. Bedeutend ist dieses Großpreußen meiner Meinung nach nur in einem Punkt, es war das Vorspiel für die große Barbarei als der Deutschnationalismus in Deutschfaschismus umschlug."
So lautet die Geschichtsschreibung in Deutschland seit dem Ende des 2. Weltkrieges, wie es von den Allierten gewollt war. Ist diese Sicht auf die Geschichte aber auch die deutsche oder die anderer Mächte?
nationale, sondern internationale:
derselbe pompöse Architekturstil, dieselbe Herren - oder pseudoadlige Frauenmode auch in Madrid, Mailand,Brüssel,
giech ob in Paris, Warschau, Berlin oder London!
Aber unsere dollen Historiker verwechseln mal wieder alles, weil sie vor lauter Selbstscham blind sind für die Zusammenhänge.
So kommt dann zustande, dass angeblich D. besondern aggressiv gewesen sein soll. Eglische Historiker sagen, daß Wilhelm II noch der Harmloseste unter den damaligen Toparistokraten gewesen sein soll.
Ein paar dumme Äußeren als als dessen ganze
Geschichte darzustellen, ist zumeist rein ideologisch motiviert.
Der Geschichtswissenschaft wird es nicht gerecht unser heutiges Verständnis und Bewusstsein überzustülpen. Andere Zeiten, anderes Bewusstsein der Menschen.
Wie Impuls richtig sagt, war ganz Europa von einem Nationalismus fest erfasst, wurde von Monarchen regiert. Dass das Militär dadurch eine starke Stellung in der Gesellschaft einnahm, hängt damit natürlich auch zusammen.
Clausewitz's Einschätzung des Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, war Zeitgeist nicht nur in Deutschland.
Ich finde es falsch an den Leistungen von Männern wie Bismarck und Wilhelm I ständig zu sägen. Diese Männer haben eine deutsche Einheit geschaffen aus einem Flickenteppich von deutschen Staaten.(Wie stümperhaft es auch geht hat 120 Jahre später Helmut Kohl gezeigt) Das Kaiserreich hätte der Beginn eines modernen deutschen Nationalstaates werden können. Wer weiß,hätte Wilhelm II das Deutsche Reich nicht in den 1.Weltkrieg geführt und einen politischen Weitblick wie O.v.Bismarck erwiesen, vielleicht würden wir dann heute in einer parlamentarischen Monarchie leben wie in England, Schweden, Dänemark etc etc...
Deshalb verwehre ich mich auch dagegen das Kaiserreich als Vorbereiter des Nationalsozialismus darzustellen.
Der Geschichtswissenschaft wird es nicht gerecht unser heutiges Verständnis und Bewusstsein überzustülpen. Andere Zeiten, anderes Bewusstsein der Menschen.
Wie Impuls richtig sagt, war ganz Europa von einem Nationalismus fest erfasst, wurde von Monarchen regiert. Dass das Militär dadurch eine starke Stellung in der Gesellschaft einnahm, hängt damit natürlich auch zusammen.
Clausewitz's Einschätzung des Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, war Zeitgeist nicht nur in Deutschland.
Ich finde es falsch an den Leistungen von Männern wie Bismarck und Wilhelm I ständig zu sägen. Diese Männer haben eine deutsche Einheit geschaffen aus einem Flickenteppich von deutschen Staaten.(Wie stümperhaft es auch geht hat 120 Jahre später Helmut Kohl gezeigt) Das Kaiserreich hätte der Beginn eines modernen deutschen Nationalstaates werden können. Wer weiß,hätte Wilhelm II das Deutsche Reich nicht in den 1.Weltkrieg geführt und einen politischen Weitblick wie O.v.Bismarck erwiesen, vielleicht würden wir dann heute in einer parlamentarischen Monarchie leben wie in England, Schweden, Dänemark etc etc...
Deshalb verwehre ich mich auch dagegen das Kaiserreich als Vorbereiter des Nationalsozialismus darzustellen.
Ein starker Artikel.
Deutschland in dieser Zeit die Avantgarde Europas, im industriellen und militärischen Bereich (aber auch in der Wissenschaft ganz vorne dabei).
Leider jedoch nicht politisch. Immer noch war es eine ständische Gesellschaft mit den autoritär/militaristischen Junkern an der Spitze als "Trendsettern".
Sehr gut beschrieben wie das überbordende Kraftgefühl und das alte preussische "alles oder nichts" diesmal in die Katastrophe führt. Mit Säbelrasseln machte man sich schon im Vorfeld wenig Freunde (gescheitertes Bündnis mit England, Entfremdung von Russland, ständige Spannung mit Frankreich...).
Als es dann 1914 soweit war, und es war ja kein Zufall, sollte wie 1870/71 wieder proaktiv gehandelt werden (Schlieffenplan)...
Wir kennen ja alle das Ende.
Der Erste Weltkrieg ruinierte jedoch nicht nur Deutschland, sondern auch die anderen Großen. Er zerstörte auch Nordfrankreich, beraubte England seiner Kraft zu Aufrechterhaltung seiner Weltmachtstellung, stürzte die Zaren in Russland und wischte die antiquierten Regime in Österreich-Ungarn und im Osmanischen Reich weg...was für ein Chaos
Das ist völlig richtig.
Was mich an diesem Kaiserreich am meisten verzweifeln lässt, ist die Tatsache, dass das militärisch und wirtschaftlich starke Reich, wissenschaftlich und kulturell weit vorn, es nie geschafft hat, Klassenschranken abzubauen, also eine soziale Monarchie zu werden, die Klassen miteinander zu versöhnen, sein gewaltiges Potential friedlich zu nutzen und auf das militärische Getöse und diese unsägliche Großmannssucht zu verzichten.
Das ist völlig richtig.
Was mich an diesem Kaiserreich am meisten verzweifeln lässt, ist die Tatsache, dass das militärisch und wirtschaftlich starke Reich, wissenschaftlich und kulturell weit vorn, es nie geschafft hat, Klassenschranken abzubauen, also eine soziale Monarchie zu werden, die Klassen miteinander zu versöhnen, sein gewaltiges Potential friedlich zu nutzen und auf das militärische Getöse und diese unsägliche Großmannssucht zu verzichten.
"Denn Widersprüche und Ambivalenzen zeigen sich auf allen Ebenen von Gesellschaft, Politik und Kultur: Neben einer überaus dynamischen, zunehmend global vernetzten Industriewirtschaft finden wir die monströse Spätblüte eines neoabsolutistischen Hofzeremoniells; neben erstaunlichen, weltweit bewunderten Leistungen in Wissenschaft und Technik eine weitverbreitete Uniformgläubigkeit, die Vergötzung alles Militärischen; neben Tendenzen zur Demokratisierung und Parlamentarisierung die latente Drohung mit dem Staatsstreich, das Liebäugeln mit der Militärdiktatur; neben einer lebendigen avantgardistischen Kulturszene die plüschigste Salonkunst und die protzigsten Repräsentationsbauten; neben einer bemerkenswerten Liberalität und Pluralität der Presse die kleinlichsten Zensurschikanen; neben auftrumpfendem Kraftgefühl und ungebremster Aggressivität ein tief sitzendes Gefühl von Angst und Unsicherheit. In diesem Neben- und Ineinander des scheinbar Unvereinbaren liegt vermutlich ein Erklärungsschlüssel für die nervöse Reizbarkeit, die das spezifische Merkmal von Politik und Mentalität der Wilhelminischen Ära war."
Liest sich, mit kleinen Abstrichen bzw. Variationen, wie die Analyse der Epoche 1990 bis 2010.
Der Geschichtswissenschaft wird es nicht gerecht unser heutiges Verständnis und Bewusstsein überzustülpen. Andere Zeiten, anderes Bewusstsein der Menschen.
Wie Impuls richtig sagt, war ganz Europa von einem Nationalismus fest erfasst, wurde von Monarchen regiert. Dass das Militär dadurch eine starke Stellung in der Gesellschaft einnahm, hängt damit natürlich auch zusammen.
Clausewitz's Einschätzung des Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, war Zeitgeist nicht nur in Deutschland.
Ich finde es falsch an den Leistungen von Männern wie Bismarck und Wilhelm I ständig zu sägen. Diese Männer haben eine deutsche Einheit geschaffen aus einem Flickenteppich von deutschen Staaten.(Wie stümperhaft es auch geht hat 120 Jahre später Helmut Kohl gezeigt) Das Kaiserreich hätte der Beginn eines modernen deutschen Nationalstaates werden können. Wer weiß,hätte Wilhelm II das Deutsche Reich nicht in den 1.Weltkrieg geführt und einen politischen Weitblick wie O.v.Bismarck erwiesen, vielleicht würden wir dann heute in einer parlamentarischen Monarchie leben wie in England, Schweden, Dänemark etc etc...
Deshalb verwehre ich mich auch dagegen das Kaiserreich als Vorbereiter des Nationalsozialismus darzustellen.
>>>Deshalb verwehre ich mich auch dagegen das Kaiserreich als Vorbereiter des Nationalsozialismus darzustellen.<<<
natürlich schloss der ns an (national) spezifische politische und ideologische manifestationen der kaiserzeit an. staatliche einigung und gesellschaftlich-ökonomische modernisierung 'von oben', spät keimender und schnell verblühender liberalismus, fehlende politische freiheiten und die lange betriebene verschiebung von identitäts- und emanzipationssehnsüchten ins mythisch-ideelle und volkstümliche prägten dem deutschen nationalismus eine besondere - mystisch-eschatologische, autoritäre und antizivilisatorische - qualität ein. die erfolge des preußischen militarismus verwandelten auch vormals aufgeklärte geister in schwärmerische anhänger der bismarckschen machtpolitik und verleiteten sie zur politischen selbstentmündigung zugunsten einer vermeintlich "natürlichen" verfügungs- und führungskompetenz der junker und militärs. die labilität der zivilen kräfte und die systematische die einübung in agonistische, dezisionistische, antiwestliche, antiliberale, autoritaristische, antihumanitäre etc.pp. denkformen im bismarck-staat gehören ganz gewiss zum ermöglichungskontext des nationalsozialismus.
der traurige versuch, den ns von seinen nationalhistorischen voraussetzungen zu isolieren und in einen "betriebsunfall der geschichte" umzumünzen, ist altbekannt und entspringt dem unreflektierten bemühen um eine historisch begradigte, 'normale' nationalidentität.
>>>Deshalb verwehre ich mich auch dagegen das Kaiserreich als Vorbereiter des Nationalsozialismus darzustellen.<<<
natürlich schloss der ns an (national) spezifische politische und ideologische manifestationen der kaiserzeit an. staatliche einigung und gesellschaftlich-ökonomische modernisierung 'von oben', spät keimender und schnell verblühender liberalismus, fehlende politische freiheiten und die lange betriebene verschiebung von identitäts- und emanzipationssehnsüchten ins mythisch-ideelle und volkstümliche prägten dem deutschen nationalismus eine besondere - mystisch-eschatologische, autoritäre und antizivilisatorische - qualität ein. die erfolge des preußischen militarismus verwandelten auch vormals aufgeklärte geister in schwärmerische anhänger der bismarckschen machtpolitik und verleiteten sie zur politischen selbstentmündigung zugunsten einer vermeintlich "natürlichen" verfügungs- und führungskompetenz der junker und militärs. die labilität der zivilen kräfte und die systematische die einübung in agonistische, dezisionistische, antiwestliche, antiliberale, autoritaristische, antihumanitäre etc.pp. denkformen im bismarck-staat gehören ganz gewiss zum ermöglichungskontext des nationalsozialismus.
der traurige versuch, den ns von seinen nationalhistorischen voraussetzungen zu isolieren und in einen "betriebsunfall der geschichte" umzumünzen, ist altbekannt und entspringt dem unreflektierten bemühen um eine historisch begradigte, 'normale' nationalidentität.
Da ist sie wieder, die alte Mär von bösen preußisch-deutschen Militarismus, der den Weltkrieg von 1914 provoziert und damit auch alle Folgekonflikte verschuldet hat.
Wie viele Kriege hat denn das Kaiserliche Deutschland zwischen 1871 und 1914 geführt? Neben der Niederschlagung des Hereroaufstandes und der Beteiligung an der internationalen Strafexpedition in China bleibt da nicht viel. Jeder kann selbst nachlesen, in wie viele Kriege und Feldzüge in diesen 43 Jahren GB, Frankreich, die USA oder Russland verstrickt waren und sich dann ein Bild von der angeblichen Aggressivität des Deutschen Kaiserreichs machen.
Nur ein paar Zahlen zu Nachdenken.
Die Militärausgaben pro Kopf betrugen 1913 in Deutschland 22 Mark, in Frankreich 30 Mark und in GB 33 Mark, also 50% mehr! Der Anteil des Heeres an der Gesamtbevölkerung lag 1914 in Deutschland bei 0.96%, in Russland bei 1,02% und in Frankreich bei 1,9% - also fast doppelt so hoch.
Wie man daraus auf eine besondere Aggressivität des Reiches schließen kann, ist mir ein Rätsel.
Noch ein letzter Vergleich:
Der interessierte Zeitgenosse möge sich einmal die Zeit nehmen und das Ultimatum, welches Österreich/Ungarn mit deutschem Segen an Serbien 1914 gestellt hat (angeblich Kriegsprovokation) mit den Forderungen von Rambouillet vergleichen, die die NATO 1999 an Serbien gestellt hat.
Er wird erkennen, dass das Auftreten der Mittelmächte vor 96 Jahren moderat und besonnen waren im Vergleich zur NATO.
Aber das sprengt hier den Rahmen...
über den Miltarismus bilden möchte, sollte man diese Zahlen nicht außer Acht lassen.
Trotzdem fand ich, war das doch endlich mal ein halbwegs ausgewogen urteilender Artikel. Dem Abstand von fast hundert Jahren sei Dank. Ich war eigentlich auf Schlimmeres gefaßt.
Dennoch: Obwohl der Artikel zu Beginn ausdrücklich betont, mal nicht die Geschichte vom Ende her ("1933") lesen zu wollen, tut er letztendlich doch wieder genau dieses.
Was da hilfreich gewesen wäre, und das kam in dem Artikel leider überhaupt nicht zur Sprache, wäre eine Einordnung in den europäischen Kontext gewesen:
Rasanter technischer Fortschritt, Beschleunigung, Globalisierung - das alles waren ja keine spezifisch deutschen Phenomäne. Wie haben denn die Gesellschaften unserer Nachbarn darauf reagiert?
Desgleichen der Antisemitismus: Ein amerikanischer Jude (habe leider vergessen, wer) hat mal geäußert, vor dem NS galt Frankreich als fanatisch-antisemitisch, während Deutschland das Land war, das Juden Entfaltungsmöglichkeiten bot - siehe Einstein, Klemperer uvm.
Rathenau fiel zwar einem Attentat zum Opfer,aber immerhin machten die Deutschen ihn zu ihrem Außenminister!(und zum Vergleich: Attentate wurden auch auf Hitler und Kaiser Wilhelm verübt!)
Frankreich fieberte unverhohlen dem Tag entgegen,einen Rachefeldzug gegen Dtld. zu führen und Territorien "zurück" zu erobern.Dagegen mutet das deutsche Kriegsziel,den einzig verbliebenen Verbündeten,die KuK Monarchie,am Leben zu erhalten,doch halbwegs ligitim an.
über den Miltarismus bilden möchte, sollte man diese Zahlen nicht außer Acht lassen.
Trotzdem fand ich, war das doch endlich mal ein halbwegs ausgewogen urteilender Artikel. Dem Abstand von fast hundert Jahren sei Dank. Ich war eigentlich auf Schlimmeres gefaßt.
Dennoch: Obwohl der Artikel zu Beginn ausdrücklich betont, mal nicht die Geschichte vom Ende her ("1933") lesen zu wollen, tut er letztendlich doch wieder genau dieses.
Was da hilfreich gewesen wäre, und das kam in dem Artikel leider überhaupt nicht zur Sprache, wäre eine Einordnung in den europäischen Kontext gewesen:
Rasanter technischer Fortschritt, Beschleunigung, Globalisierung - das alles waren ja keine spezifisch deutschen Phenomäne. Wie haben denn die Gesellschaften unserer Nachbarn darauf reagiert?
Desgleichen der Antisemitismus: Ein amerikanischer Jude (habe leider vergessen, wer) hat mal geäußert, vor dem NS galt Frankreich als fanatisch-antisemitisch, während Deutschland das Land war, das Juden Entfaltungsmöglichkeiten bot - siehe Einstein, Klemperer uvm.
Rathenau fiel zwar einem Attentat zum Opfer,aber immerhin machten die Deutschen ihn zu ihrem Außenminister!(und zum Vergleich: Attentate wurden auch auf Hitler und Kaiser Wilhelm verübt!)
Frankreich fieberte unverhohlen dem Tag entgegen,einen Rachefeldzug gegen Dtld. zu führen und Territorien "zurück" zu erobern.Dagegen mutet das deutsche Kriegsziel,den einzig verbliebenen Verbündeten,die KuK Monarchie,am Leben zu erhalten,doch halbwegs ligitim an.
Das ist völlig richtig.
Was mich an diesem Kaiserreich am meisten verzweifeln lässt, ist die Tatsache, dass das militärisch und wirtschaftlich starke Reich, wissenschaftlich und kulturell weit vorn, es nie geschafft hat, Klassenschranken abzubauen, also eine soziale Monarchie zu werden, die Klassen miteinander zu versöhnen, sein gewaltiges Potential friedlich zu nutzen und auf das militärische Getöse und diese unsägliche Großmannssucht zu verzichten.
das damals diese "Grossmannssucht" ganz alltäglich war, und in ganz Europa grassierte.
Man möge vermerken, das z.B. Bismarck ein Gegner deutscher Kolonien war...
das damals diese "Grossmannssucht" ganz alltäglich war, und in ganz Europa grassierte.
Man möge vermerken, das z.B. Bismarck ein Gegner deutscher Kolonien war...
Jetzt ist also generell Preussen schuld ?
Die gnaze Entwicklung war nicht Preussens schuld und nicht die des deutschen Reiches, sondern eine Verkettung von aussergewöhnlich schlechten Umständen.
Vor allem trifft die Schuld am NS-Regime der Versailler Vertrag, der Deutschland knebelte wirtschaftlich und damit die Wirtschaft zugrunde richtete und die Leute demütigte.
Sie vor allem ihrer wirtschaftlichen perspektive beraubte und politisch zersplitterte in Klein und Kleinstparteien.
Das ganze gemisch aus Zukunftsängsten und politischer Unsicherheit liess die einen zum Kommunismus umschwenken die anderen zum Faschismus.
Man beachte dabei auch, das sowohl in Russland wie auch Italien, und Spanien ebenfalls diktatorische Regime an die Macht kamen. Es ist also kein alleinstellungsmerkmal von Deutschland.
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