Zeitalter der Entdecker Mythos 1492

Christoph Kolumbus hielt sich für ein Werkzeug Gottes. Seine kühne Westfahrt war ein Geniestreich, maßlose Sturheit und Selbstüberschätzungen brachten ihn zu Fall.

Gemälde "Christoph Kolumbus" (1519) von Sebastiano del Piombo aus der Sammlung des New Yorker Metropolitan Museum of Art

Gemälde "Christoph Kolumbus" (1519) von Sebastiano del Piombo aus der Sammlung des New Yorker Metropolitan Museum of Art

Am 11. Oktober haben die Schiffe mit schwerer See zu kämpfen. Dennoch machen sie gute Fahrt. Wie gut, weiß die Mannschaft nicht, denn ihr Kapitän verheimlicht ihr schon seit einem vollen Monat, wie schnell sie vorankommen.

Die Leute murren. Kann man die Heimat überhaupt noch wieder erreichen? Dann bricht die frühe tropische Nacht herein. Unbeirrt segeln die Schiffe weiter, Kurs West, der Kapitän hat ein Ziel. Stöcke haben die Männer heute aufgefischt und einen Ast mit roten Früchten vorbeitreiben sehen. Zwei Stunden nach Mitternacht kracht ein Kanonenschuss – das Zeichen, dass Land gesichtet wurde. Die Segel werden eingeholt, die Seeleute erwarten den Sonnenaufgang. Das Publikum ist eingetroffen, aber die Bühne ist noch von der Nacht verhängt. Das »großartigste Ereignis seit der Erschaffung der Welt«, wie die Entdeckung Amerikas schon 60 Jahre später genannt werden wird, muss auf den Morgen verschoben werden.

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Als es dämmert, wird das Ufer einer flachen, üppig grünen Insel sichtbar. Es ist Freitag, der 12. Oktober 1492. Später wird man sagen, es sei eine neue Zeit angebrochen und eine neue Welt entdeckt worden.

Der lange Weg nach Westen
Auf dieser Route erreichte Kolumbus im Oktober 1492 die Neue Welt: Vom südspanischen Palos de la Frontera aus steuerte seine Flotte zunächst die Kanaren an und segelte dann vor dem Nordostwind aufs offene Meer hinaus. Auf der Rückreise passierten seine Schiffe nach einer ersten Erkundung der karibischen Inselwelt die Azoren, bevor sie wieder an Europas Küste landeten

Auf dieser Route erreichte Kolumbus im Oktober 1492 die Neue Welt: Vom südspanischen Palos de la Frontera aus steuerte seine Flotte zunächst die Kanaren an und segelte dann vor dem Nordostwind aufs offene Meer hinaus. Auf der Rückreise passierten seine Schiffe nach einer ersten Erkundung der karibischen Inselwelt die Azoren, bevor sie wieder an Europas Küste landeten

Christoph Kolumbus ist 41 Jahre alt, als er an jenem Oktobertag seinen Fuß an Land setzt. Hinter ihm liegen etwa 5700 Kilometer offener Ozean, mehr, als je ein anderer bekannter Seefahrer zu diesem Zeitpunkt überquert hat. Rund sieben Jahre Überzeugungsarbeit hat es ihn gekostet, die drei Schiffe zu bekommen, die jetzt im klaren Wasser vor dem Ufer an den Ankertauen ziehen.

Er hat hoch gepokert, hat seinen Auftraggebern Gold und Gewürze versprochen und sogar in Aussicht gestellt, mit seinen Gewinnen die Rückeroberung Jerusalems zu finanzieren. Nun meint er, es bewiesen zu haben: dass es möglich ist, den fernen Osten mit seinen Luxuswaren und Goldschätzen, vielleicht sogar Cathay, das sagenhafte Reich des Großkhans, oder die ihm vorgelagerte Insel Cipangu, die später Japan heißen wird und deren Reichtümer Marco Polo knapp 200 Jahre zuvor beschrieben hat, auf dem Westweg zu erreichen, über das Meer.

ZEIT Geschichte 1/2011
Das Zeitalter der Entdecker

Das Zeitalter der Entdecker

Dass sich in Kolumbus’ Lebensweg und Persönlichkeit geradezu prototypisch das Transitorische seiner Zeit abzubilden scheint, die gleichzeitig im Feudaldenken und Weltbild des Mittelalters verhaftet war und doch, zunehmend auf Erfahrungswissen und Empirie vertrauend, zu neuen Ufern aufbrach, hat die Nachwelt immer gespürt. Früh hat sie auch damit begonnen, Szenen seines Lebens ihren eigenen romantischen Bedürfnissen entsprechend umzudichten. Er selbst hat mit seinem Hang zur Selbstinszenierung und seinen Selbststilisierungen zum ungerecht behandelten Einzelkämpfer bei ihr mehr Erfolg gehabt als bei seinen Zeitgenossen.

»Aus dem Nichts« sei er emporgehoben worden und habe eine Tat vollbracht, die »zur höchsten Ehre der Christenheit gereichen werde und keine ihresgleichen finden möge«, fasst Kolumbus, Sohn eines Wollwebers, später sein Leben zusammen. Früh zieht es ihn zur Seefahrt, einem Gewerbe, das, wie er schreibt, »bei jenen, die ihm nachgehen, die Neigung [weckt], die Geheimnisse der Welt ergründen zu wollen«. Bescheidenheit ist seine Sache nicht, aber schließlich ist ebendiese Eigenschaft Teil seines Erfolgs.

Leser-Kommentare
  1. Hatte das Thema in einer Hausarbeit.

    Der beliebte Mythos von Columbus:

    "Born in Genoa, of humble parents, Christopher Columbus grew up to become an experienced seafarer, venturing as far as Iceland and West Africa. His adventures convinced him that the world must be round and that the fabled riches of the East – spices and gold- could be had by sailing west, superseding the overland routes, which the Turks had closed off to commerce. To get funding his enterprise, he beseeched monarch after monarch in Western Europe. After at first being dismissed by Ferdinand and Isabelle of Spain Columbus finally got his chance when Isabella decided to underwrite a modest expedition. Columbus outfitted three pitifully small ships, the Nina, the Pinta, and the Santa Maria, and set forth from Spain. After an arduous journey of more than two months, during which his mutinous crew almost him overboard, Columbus discovered the West Indies on October 12, 1492. Unfortunately, although he made three more voyages to America he never knew he had discovered a New World. Columbus died in obscurity, unappreciated and penniless. Yet without his daring American history would have been very different, for a sense he made it all possible."

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    Das bleibt übrig, wenn man alles rausschmeißt, was entweder nicht objektiv formuliert, umstritten oder falsch ist:

    "Christopher Columbus grew up to become an experienced seafarer, venturing as far as Iceland and West Africa. To get funding for his enterprise, he beseeched monarch after monarch in Western Europe. Isabella [of Spain] decided to underwrite an expedition. Columbus outfitted three ships, the Nina, the Pinta, and the Santa Maria, and set forth from Spain. After a journey Columbus [landed on] the West Indies on October 12, 1492. He made three more voyages to America. Columbus died. [W]ithout hi[m] American history would have been different."

    Aus: Lies my theater told me von James W. Loewen

    Das bleibt übrig, wenn man alles rausschmeißt, was entweder nicht objektiv formuliert, umstritten oder falsch ist:

    "Christopher Columbus grew up to become an experienced seafarer, venturing as far as Iceland and West Africa. To get funding for his enterprise, he beseeched monarch after monarch in Western Europe. Isabella [of Spain] decided to underwrite an expedition. Columbus outfitted three ships, the Nina, the Pinta, and the Santa Maria, and set forth from Spain. After a journey Columbus [landed on] the West Indies on October 12, 1492. He made three more voyages to America. Columbus died. [W]ithout hi[m] American history would have been different."

    Aus: Lies my theater told me von James W. Loewen

  2. Das bleibt übrig, wenn man alles rausschmeißt, was entweder nicht objektiv formuliert, umstritten oder falsch ist:

    "Christopher Columbus grew up to become an experienced seafarer, venturing as far as Iceland and West Africa. To get funding for his enterprise, he beseeched monarch after monarch in Western Europe. Isabella [of Spain] decided to underwrite an expedition. Columbus outfitted three ships, the Nina, the Pinta, and the Santa Maria, and set forth from Spain. After a journey Columbus [landed on] the West Indies on October 12, 1492. He made three more voyages to America. Columbus died. [W]ithout hi[m] American history would have been different."

    Aus: Lies my theater told me von James W. Loewen

    Antwort auf "Interessant"
  3. mal bedenke, wieviel von dem was ich einst in der Schule gelernt habe, in den letzten zehn- fünfzehn Jahren umgekrempelt wurde... ein Witz..

    - Kolumbus ein sturer Dilletant der nur Glück hatte
    - Konrad Adenauer nicht mehr der Vater der BRD, sondern nur eine Marionette der Westalliierten
    - Jeder Deutsche war zur Zeit des 3. Reiches ein Nazi
    - Strenge Erziehung ist sellische Folter am Kind
    - Wertkonservatismus ist sofort mit rechter Gesinnung gleichzusetzen
    - Ein Auto ist kein Statussymbol, sondern nur noch ein "Stinker" der den Planeten etwas kaputter macht.
    - Amerika ist nicht mehr das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sondern nur noch ein Haufen Waffenverrückter Hinterwäldler die zur Hälfte schon China gehören und sonst nur Ärger in die Welt bringen
    - Ein gesundes Verhältnis zum Christentum wird schon schräg betrachtet, Angehörige anderer Religionen dürfen aber anscheinend alles.

    Offenbar glaubt die heutige Generation alles, aber auch alles hinterfragen zu müssen. Kommt dabei trotz intensiver Forschung kein neues Bild der alten Betrachtung heraus, ist man beleidigt.

    Meine Güte, wie lächerlich ist diese Welt mittlerweile geworden. Danke 68er.

    Bitte kehren Sie zum Thema des Artikels zurück. Die Redaktion/cs

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    Sie haben Michail Gorbatschow vergessen! Der war eigentlich auch nicht viel mehr als ein Taugenichts - das hat zumindest der Sender Phoenix herausgefunden:

    Mythos Gorbatschow
    Der traurige Held der Perestroika
    Ein Film von Ignaz Lozo

    (Sendetermin: Mi, 02.03.11, 18.30 Uhr)

    ... und im Spiegel gehts gerade Mahatma Gandhi an den Kragen:

    "Debatte um Gandhi-Biografie: "Das Geschreibsel ist pervers""

    Sie haben Michail Gorbatschow vergessen! Der war eigentlich auch nicht viel mehr als ein Taugenichts - das hat zumindest der Sender Phoenix herausgefunden:

    Mythos Gorbatschow
    Der traurige Held der Perestroika
    Ein Film von Ignaz Lozo

    (Sendetermin: Mi, 02.03.11, 18.30 Uhr)

    ... und im Spiegel gehts gerade Mahatma Gandhi an den Kragen:

    "Debatte um Gandhi-Biografie: "Das Geschreibsel ist pervers""

  4. ... der Leistungen von Christoph Columbus gabs vor Jahren schon bei "Die Sendung mit der Maus" zu sehen!

    Wirklich, vor Jahren, sehr anschaulich!

  5. 5. Gorbi

    Sie haben Michail Gorbatschow vergessen! Der war eigentlich auch nicht viel mehr als ein Taugenichts - das hat zumindest der Sender Phoenix herausgefunden:

    Mythos Gorbatschow
    Der traurige Held der Perestroika
    Ein Film von Ignaz Lozo

    (Sendetermin: Mi, 02.03.11, 18.30 Uhr)

    Antwort auf "Wenn ich "
  6. 6. Gandhi

    ... und im Spiegel gehts gerade Mahatma Gandhi an den Kragen:

    "Debatte um Gandhi-Biografie: "Das Geschreibsel ist pervers""

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Wenn ich "
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    ich noch garnichts mitbekommen. Hpmf, die "große Seele" in den Schmutz zu ziehen zeigt mal wieder sehr schön, was an unserer heutigen Welt so verkehrt läuft.
    Verbrecher wie Stalin dürfen ungestraft in den Himmel gelobt, ihre Taten ignoriert werden, dies öffentlich und von Politikern dieses Landes.
    Wo den Leuten das Thema 3. Reich aus dem Halse hängt, fängt man jetzt an die Kaiserzeit in den Dreck zu ziehen, siehe rechts unten der Artikel "Aufräumen, aufhängen, niederknallen".

    Alle Werte, alle Erkenntnisse werden verdreht, hinterfragt und umgedeutet. Kein Wunder dass es der ehtigen Jugend an Disziplin mangelt, woher sollen sie es denn auch haben wenn alles was als Wertvorstellung dienen könnte nach spätestens zehn Jahren auf einmal "bissiböse" ist?!

    ich noch garnichts mitbekommen. Hpmf, die "große Seele" in den Schmutz zu ziehen zeigt mal wieder sehr schön, was an unserer heutigen Welt so verkehrt läuft.
    Verbrecher wie Stalin dürfen ungestraft in den Himmel gelobt, ihre Taten ignoriert werden, dies öffentlich und von Politikern dieses Landes.
    Wo den Leuten das Thema 3. Reich aus dem Halse hängt, fängt man jetzt an die Kaiserzeit in den Dreck zu ziehen, siehe rechts unten der Artikel "Aufräumen, aufhängen, niederknallen".

    Alle Werte, alle Erkenntnisse werden verdreht, hinterfragt und umgedeutet. Kein Wunder dass es der ehtigen Jugend an Disziplin mangelt, woher sollen sie es denn auch haben wenn alles was als Wertvorstellung dienen könnte nach spätestens zehn Jahren auf einmal "bissiböse" ist?!

  7. ich noch garnichts mitbekommen. Hpmf, die "große Seele" in den Schmutz zu ziehen zeigt mal wieder sehr schön, was an unserer heutigen Welt so verkehrt läuft.
    Verbrecher wie Stalin dürfen ungestraft in den Himmel gelobt, ihre Taten ignoriert werden, dies öffentlich und von Politikern dieses Landes.
    Wo den Leuten das Thema 3. Reich aus dem Halse hängt, fängt man jetzt an die Kaiserzeit in den Dreck zu ziehen, siehe rechts unten der Artikel "Aufräumen, aufhängen, niederknallen".

    Alle Werte, alle Erkenntnisse werden verdreht, hinterfragt und umgedeutet. Kein Wunder dass es der ehtigen Jugend an Disziplin mangelt, woher sollen sie es denn auch haben wenn alles was als Wertvorstellung dienen könnte nach spätestens zehn Jahren auf einmal "bissiböse" ist?!

    Antwort auf "Gandhi"
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    Fehlinterpretationen gab es bei den "alten Werten" und gibt es bei den Neuen. Was beide eint: der Grundgedanke einer allgemeinen Moral - schwierig eben nur die rechte Subsumtion. Wenn Kolumbus eine moralisch fragwürdige Person war, ist das einen Artikel wert, genau so wie alle anderen Dinge, die Althergebrachtes (möglicherweise?) in ein neues und besseres Licht rücken.
    Was ich meine, ist nur, dass Ihre pauschale Kritik am "Neuen" genauso unberechtigt ist wie ähnlich pauschale Kritik am "Alten" - richtig soll es sein. Und einige der Feststellungen, die Sie in Ihrer etwas ironischen Aufzählung genannt haben, sind nun mal wirklich richtig (wenn man sie der offenkundigen Polemik, der Sie sich bedienen, einmal entledigt hat).

    Fehlinterpretationen gab es bei den "alten Werten" und gibt es bei den Neuen. Was beide eint: der Grundgedanke einer allgemeinen Moral - schwierig eben nur die rechte Subsumtion. Wenn Kolumbus eine moralisch fragwürdige Person war, ist das einen Artikel wert, genau so wie alle anderen Dinge, die Althergebrachtes (möglicherweise?) in ein neues und besseres Licht rücken.
    Was ich meine, ist nur, dass Ihre pauschale Kritik am "Neuen" genauso unberechtigt ist wie ähnlich pauschale Kritik am "Alten" - richtig soll es sein. Und einige der Feststellungen, die Sie in Ihrer etwas ironischen Aufzählung genannt haben, sind nun mal wirklich richtig (wenn man sie der offenkundigen Polemik, der Sie sich bedienen, einmal entledigt hat).

  8. - Stalin
    - Hitler
    - Chruschtschow
    - Ulbricht
    - Honecker
    - Kohl
    - Schröder
    - und bestimmt auch Merkel nach der nächsten Wahl!

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