Historische Schatzflotte Mitte der Welt
Die Historikerin Sabine Dabringhaus über die gewaltige Schatzflotte des Eunuchen-Admirals Zheng He, das Großmachtdenken der Ming-Kaiser und die Frage, warum die Welt nicht von China aus entdeckt wurde.
ZEIT Geschichte: Die Chinesen, so kann man immer wieder lesen, seien schon vor Kolumbus in Amerika gelandet. Sogar Australien hätten sie mit ihren Schiffen erreicht. Was ist dran an dieser These?
Sabine Dabringhaus: Nichts! Das ist ein Mythos, den der britische Schriftsteller und ehemalige Royal-Navy-Kommandant Gavin Menzies in die Welt gesetzt hat. Durch chinesische Quellen ist das nicht zu belegen.
ZEIT Geschichte: Aber China verfügte zu Anfang des 15. Jahrhunderts über die größte Entdeckerflotte, die die Welt je gesehen hat...
Jahrgang 1962, Professorin für Außereuropäische Geschichte mit dem Schwerpunkt Ostasien an der Universität Freiburg.
Dabringhaus: ...die sogenannte Schatzflotte des dritten Ming-Kaisers, mehrere Hundert Schiffe. Einige sollen bis zu 120 Meter lang und 50 Meter breit gewesen sein und neun Masten getragen haben. Aber es war keineswegs eine »Entdeckerflotte«, denn anders als die Europäer brachen die Chinesen nicht auf, um neue Seewege zu finden und fremde Länder zu erobern.
ZEIT Geschichte: Immerhin segelte diese gewaltige Schatzflotte bis nach Ostafrika.

In den Jahren 1405 bis 1433 erreichte die Flotte Zheng Hes von Südchina aus Indien und segelte an der Ostküste Afrikas bis in die Gegend des heutigen Kenia. Aus Afrika brachte der Admiral unter anderem eine lebende Giraffe mit - ein Geschenk für den Kaiser
Dabringhaus: Ja, aber nicht um Kolonien zu errichten, Handelsstationen aufzubauen oder zu missionieren wie etwa die Portugiesen, die zur selben Zeit die afrikanische Westküste erkundeten. Es ging darum, die Macht des Kaisers zu festigen – durch Demonstration von Stärke nach außen. Geleitet hat die Expeditionen der Admiral Zheng He. Zwischen 1405 und 1433 sind er und seine Besatzung – bis zu 27.000 Mann! – sieben Mal aufgebrochen. Zwei bis drei Jahre lang waren sie jeweils unterwegs – und sie waren schwer bewaffnet.
ZEIT Geschichte: Eine militärische Aktion also?
Dabringhaus: In erster Linie müssen diese Expeditionen als Teil der chinesischen Dynastiegeschichte verstanden werden. Bis ins ausgehende 14. Jahrhundert hatten die Mongolen China beherrscht – in die Mongolenzeit fallen auch die ersten Kontakte Europas mit China, etwa durch Marco Polo. 1368 wurden die Mongolen dann von den Han-Chinesen gestürzt – der Beginn der Ming-Dynastie. Als der erste Ming-Kaiser starb, kam dessen Sohn auf den Thron. Doch schon nach wenigen Jahren wurde er beseitigt – von seinem eigenen Onkel, dem sogenannten Yongle-Kaiser. Da er auf unlautere Weise an die Macht gekommen war, musste er seine Herrschaft legitimieren. Dazu sollten vier Großprojekte dienen: Er verlegte die Hauptstadt von Nanking nach Peking. Er ließ Feldzüge führen gegen die Mongolen, die China von Norden her bedrohten. Im Süden, in Vietnam, versuchte er ebenfalls, sein Reich durch Krieg abzusichern. Das vierte Projekt waren die Expeditionen unter der Führung Zheng Hes...
ZEIT Geschichte: ...eines Eunuchen.
Dabringhaus: Ja, wobei die Tatsache, dass Zheng He im Alter von 13 Jahren kastriert worden war, eine politische Rolle spielte, denn innerhalb der Ming-Dynastie kam es bis ins 17. Jahrhundert immer wieder zu Konflikten zwischen dem konfuzianischen Gelehrtenstand und der Eunuchenfraktion. Mal stützten sich die Monarchen mehr auf die eine, mal mehr auf die andere Gruppe. Der Yongle-Kaiser, der dritte Ming-Kaiser, hat ganz auf die Eunuchen gesetzt, er hat auch eine Eunuchenarmee aufgestellt.
- Datum 11.05.2011 - 17:43 Uhr
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- Quelle ZEIT Geschichte
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"Das ist ein Mythos, den der britische Schriftsteller und ehemalige Royal-Navy-Kommandant Gavin Menzies in die Welt gesetzt hat." Selten so viel Arroganz bei einer Untersuchung gelesen, die nach Methodik und Aufbau jeder wissenschaftlichen Prüfung standhält. Weil Frau Dabringhaus also in chinesischen Quellen nichts von den (im Prinzip sehr wohl dokumentierten) Flottenfahrten der 4 Entdeckerflotten Zheng Hes gefunden hat, gab es sie nicht? Für eine Historikerin ist das eine Antwort, die sie als Wissenschaftlerin diskreditiert. Denn ein guter Historiker sollte sich jederzeit bewusst sein, wie gefährlich wackelig ein Weltbild ist, das sich nur auf spärlichen Überbleibsel schriftlicher Aufzeichnungen stützt. Menzies stützt seine Darstellung im wesentlichen auf drei Quellen - Funde chinesischer Waren aus exakt der fraglichen Zeit (15. jahrhundert) überall an den Küsten der ganzen Welt, die noch erhaltenen chinesische Aufzeichnungen und die Anwendung profunder navigatorischer Kenntnisse auf erhaltene Augenzeugenberichte aus dieser Zeit. Menzies muss deshalb noch immer nicht Recht haben - aber seine Darstellung ist plausibel und an wichtigen Stellen durch archäologische Funde und erhaltene Augenzeugenberichte belegt. Frau Dabringhaus wischt das beseite, weil sie dafür keine chinesischen Quellen gefunden hat. Aha ...
Gavin Menzies ist ein ehemaliger U-Bootkommandant und Hobbyhistoriker, dessen "Werke" durch die seriöse Geschichtswissenschaft insgesamt - und nicht nur durch die hochangesehene Frau Dabringhaus - als Fiktion angesehen werden:
http://en.wikipedia.org/w...
Zitat: "His book 1421: The Year China Discovered the World, is a work of sheer fiction presented as revisionist history. Not a single document or artifact has been found to support his new claims on the supposed Ming naval expeditions beyond Africa...Menzies' numerous claims and the hundreds of pieces of "evidence" he has assembled have been thoroughly and entirely discredited by historians, maritime experts and oceanographers from China, the U.S., Europe and elsewhere"
Oder auch:
http://www.historycoopera...
http://thehallofmaat.com/...
Das sollte denn doch zu denken geben... Wer hat sich diskreditiert?
Gavin Menzies ist ein ehemaliger U-Bootkommandant und Hobbyhistoriker, dessen "Werke" durch die seriöse Geschichtswissenschaft insgesamt - und nicht nur durch die hochangesehene Frau Dabringhaus - als Fiktion angesehen werden:
http://en.wikipedia.org/w...
Zitat: "His book 1421: The Year China Discovered the World, is a work of sheer fiction presented as revisionist history. Not a single document or artifact has been found to support his new claims on the supposed Ming naval expeditions beyond Africa...Menzies' numerous claims and the hundreds of pieces of "evidence" he has assembled have been thoroughly and entirely discredited by historians, maritime experts and oceanographers from China, the U.S., Europe and elsewhere"
Oder auch:
http://www.historycoopera...
http://thehallofmaat.com/...
Das sollte denn doch zu denken geben... Wer hat sich diskreditiert?
Gavin Menzies ist ein ehemaliger U-Bootkommandant und Hobbyhistoriker, dessen "Werke" durch die seriöse Geschichtswissenschaft insgesamt - und nicht nur durch die hochangesehene Frau Dabringhaus - als Fiktion angesehen werden:
http://en.wikipedia.org/w...
Zitat: "His book 1421: The Year China Discovered the World, is a work of sheer fiction presented as revisionist history. Not a single document or artifact has been found to support his new claims on the supposed Ming naval expeditions beyond Africa...Menzies' numerous claims and the hundreds of pieces of "evidence" he has assembled have been thoroughly and entirely discredited by historians, maritime experts and oceanographers from China, the U.S., Europe and elsewhere"
Oder auch:
http://www.historycoopera...
http://thehallofmaat.com/...
Das sollte denn doch zu denken geben... Wer hat sich diskreditiert?
Wenn es stimmt (nach meinem historischen Kenntnisstand ist es korrekt), dass die den Ming folgenden Manchu alle Anstrengungen unernahmen, jede Spur ihrer Vorläuferdynastie auszulöschen, dann ist die Bemerkung, fehlende chinesische Quellen bewiesen Menzies Fiktion, wissenschaftlich absolut unseriös. Beweisführung abgeschlossen. Im übrigen lasse ich in der Historie ganz sicher keine Website als Beweis gelten, geschweige denn, Wikipedia :-).
Gruss,
Thorsten Haupts
Wenn es stimmt (nach meinem historischen Kenntnisstand ist es korrekt), dass die den Ming folgenden Manchu alle Anstrengungen unernahmen, jede Spur ihrer Vorläuferdynastie auszulöschen, dann ist die Bemerkung, fehlende chinesische Quellen bewiesen Menzies Fiktion, wissenschaftlich absolut unseriös. Beweisführung abgeschlossen. Im übrigen lasse ich in der Historie ganz sicher keine Website als Beweis gelten, geschweige denn, Wikipedia :-).
Gruss,
Thorsten Haupts
dass es nur ein Mythos ist. Frau Sabine Dabringhaus kann diese Geschichte selbstverständlich nicht wissen, nicht nur wegen der mangelhaften Sprachkompetenz, auch wegen einer ganz fremden Kultur. Ein logischer Denkfehler ist an dieser Stelle: Was selbst nicht bekannt ist, bleibt für immer als Fehler. Dabei handelt es sich um das falsche Vergleich von Kulturen, Gesetze (Freiheit und Demokratie) usw.
Mangelnde Sprachkompetenz? Damit meinen Sie bei Frau Dabringhaus hoffentlich nicht: der chinesischen Sprache. Als Professorin für chinesische Geschichte dürfte sie diese nämlich beherrschen...
Mangelnde Sprachkompetenz? Damit meinen Sie bei Frau Dabringhaus hoffentlich nicht: der chinesischen Sprache. Als Professorin für chinesische Geschichte dürfte sie diese nämlich beherrschen...
Erst kürzlich hoben die Chinesen ein versunkenes Exportschiff, das noch voll mit gut erhaltenem Ming-Porzellan beladen war, einem der wichtigsten Exportgüter der damaligen Zeit.
ist doch gar nicht das Hauptthema dieses Artikels.
Es geht doch um die Motivation von Zheng He´s Expeditionen, des damaligen Selbstbildes der Chinesen und warum es keine Inbesitznahme der besuchten Länder gegeben hat.
Dafür reicht es Sinologie zu studieren, ohne dafür in alten chinesischen Schriftrollen zu stöbern.
Gavin Menzies Hypothesen (Hypothesen und keine Fakten) sind nichtsdestotrotz sehr interessant. Es gibt auch Stimmen welche behaupten die Karthager wären im Zeitraum (800-250 v.Chr.) bis zu den Azoren und darüber hinaus vorgedrungen, und die Griechen bis Island- beweisen kann man dies leider nicht, es fehlen verlässliche Aufzeichnungen, Münzen, Tonscherben, Siedlungsreste etc...
Wenn es stimmt (nach meinem historischen Kenntnisstand ist es korrekt), dass die den Ming folgenden Manchu alle Anstrengungen unernahmen, jede Spur ihrer Vorläuferdynastie auszulöschen, dann ist die Bemerkung, fehlende chinesische Quellen bewiesen Menzies Fiktion, wissenschaftlich absolut unseriös. Beweisführung abgeschlossen. Im übrigen lasse ich in der Historie ganz sicher keine Website als Beweis gelten, geschweige denn, Wikipedia :-).
Gruss,
Thorsten Haupts
?
Fassen wir zusammen: es gibt keinen ernsthaften Forscher, der die Thesen Menzies' teilt. Vielmehr sind diese auf eine einhellige Ablehnung durch die Fachwelt gestoßen, die ihm Fälschungen und mangelnde methodische Seriosität vorwirft. Aber das macht ja auch nichts: lesen Sie einfach diese Bücher, wenn sie Ihnen gefallen. Der "Herr der Ringe" findet auch seine Leser. Man soll nur nicht denken, es handele sich um Geschichtsschreibung.
...für die Richtigkeit seiner Thesen liegt demnach darin, dass es keine Beweise für das Gegenteil gibt? Hervorragend, das macht die Geschichtswissenschaft gleich viel angenehmer.
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Fassen wir zusammen: es gibt keinen ernsthaften Forscher, der die Thesen Menzies' teilt. Vielmehr sind diese auf eine einhellige Ablehnung durch die Fachwelt gestoßen, die ihm Fälschungen und mangelnde methodische Seriosität vorwirft. Aber das macht ja auch nichts: lesen Sie einfach diese Bücher, wenn sie Ihnen gefallen. Der "Herr der Ringe" findet auch seine Leser. Man soll nur nicht denken, es handele sich um Geschichtsschreibung.
...für die Richtigkeit seiner Thesen liegt demnach darin, dass es keine Beweise für das Gegenteil gibt? Hervorragend, das macht die Geschichtswissenschaft gleich viel angenehmer.
"... in die Mongolenzeit fallen auch die ersten Kontakte Europas mit China, etwa durch Marco Polo."
Direkte Kontakte zwischen Europa und China gab es bereits mehr als tausend Jahre zuvor, in der Zeit der Han-Dynastie. So erreichte beispielsweise eine Gesandtschaft des römischen Reiches im Jahre 166 AD China. Indirekte Handelsbeziehungen zwischen Europa und China existierten wohl schon deutlich eher, wie durch zahlreiche Funde chinesischer Seide belegt werden kann.
Siehe auch z.B.,
http://de.wikipedia.org/w...
http://de.wikipedia.org/w...
Mangelnde Sprachkompetenz? Damit meinen Sie bei Frau Dabringhaus hoffentlich nicht: der chinesischen Sprache. Als Professorin für chinesische Geschichte dürfte sie diese nämlich beherrschen...
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