Hitlers Vernichtungskrieg Siegen helfen

Frauen waren im Ostfeldzug allgegenwärtig: Sie kämpften mit der Waffe, arbeiteten in der Verwaltung und versorgten die Verletzten.

April, 1941: Helferinnen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK)

April, 1941: Helferinnen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK)

Ende Mai 1940, fast genau ein Jahr vor dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion, schreibt die damals 20-jährige Ingeborg Ochsenknecht in ihr Tagebuch: »Endlich ist es soweit. Am 27.5. muß ich mich im Res. Laz. [Reservelazarett] Mädchenschule [in Arnstadt, Thüringen] melden. Inzwischen hat unser Heer vernichtend die Polen geschlagen, und ist am 10. Mai erneut in den Kampf gezogen, diesmal gegen die Westfeinde, Holland, Belgien und Frankreich. Am 8. Juni bekommen wir den 1. Verwundetentransport. Das ganze Haus ist in Aufruhr. Viele Schwerverwundete. Jetzt kann jede beweisen, ob sie fähig ist zu helfen. Doch alles geht gut.« Die Mutter des Schauspielers Uwe Ochsenknecht hat sich bereits 1938 beim Deutschen Roten Kreuz zur Schwesternhelferin ausbilden lassen und besitzt damit alle nötigen Kenntnisse, um den Vollschwestern in einem Lazarett zur Hand gehen zu können.

ZEIT Geschichte 2/2011
Mit Hitlers Krieg im Osten beschäftigt sich die aktuelle ZEIT-Geschichte-Ausgabe. Klicken Sie auf das Bild, um zur Seite des Magazins zu gelangen

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Ein Jahr später fiebern sowjetische Mädchen und junge Frauen dem Kriegseinsatz entgegen: Nachdem die Wehrmacht die Sowjetunion im Juni 1941 überfallen hat, drängen sie in die Wehrkomitees, um sich freiwillig zum Dienst in der Roten Armee zu melden und das Land zu verteidigen. Jewgenija Sergejewna Sapronowa, damals Flugzeugmechanikerin im Rang eines Gardeunterfeldwebels, erinnert sich an ihren Abschied von zu Hause: »Jetzt hatte ich einen Jungenhaarschnitt verpasst bekommen, nur ein kurzer Schopf war noch übrig. Mutter und Vater wollten mich nicht weglassen, aber ich kannte nur eins: an die Front! An die Front! Diese Plakate, die jetzt im Museum hängen, ›Die Mutter Heimat ruft!‹ und ›Was tust du für die Front?‹, also, auf mich haben die sehr gewirkt. Ich hatte sie ständig vor Augen...« Die russische Journalistin Swetlana Alexijewitsch hat in ihren Interviews mit ehemaligen Rotarmistinnen viele solcher Geschichten zusammengetragen, und alle haben sie einen ähnlichen Tenor.

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Ich würde mich schämen, ein deutscher Mann zu sein, wenn jemals im Falle eines Krieges auch nur eine Frau an die Front müsste!

Adolf Hitler, 1935

Ob Mädchen oder Frauen, ist ganz wurscht: Eingesetzt muss alles werden

Adolf Hitler, 1945

Die Unbedingtheit, mit der viele Frauen im »Dritten Reich« wie in der stalinistischen Sowjetunion einen Kriegseinsatz geradezu herbeisehnten, erstaunt – passt sie doch so gar nicht ins herkömmliche Bild des Krieges als einer reinen Männerwelt. Auch verblüffen die Parallelen zwischen Nationalsozialismus und Stalinismus – oder täuschen diese über die Unterschiede nur hinweg?

Im Sinne der klassischen Totalitarismusthese ließe sich tatsächlich auf die in beiden Systemen allumfassende Militarisierung der Gesellschaft verweisen. Beide Regime propagierten vor dem Krieg ein Rollenmodell, das Frauen nicht nur als Mütter sah, sondern auch als Kameradinnen oder Genossinnen an der Seite der (kämpfenden) Männer. Nicht nur der Familie, sondern auch den großen, überpersönlichen Werten – »Rasse« oder »Klasse« – hatten Frauen von nun an zu dienen. Hier wie dort war die weibliche Bevölkerung einer steten Mobilisierung und permanenten Propaganda ausgesetzt, die, darauf verweist Sapronowas Erzählung, durchaus wirksam sein konnte – besonders bei jungen Frauen, die im System sozialisiert und indoktriniert worden waren.

Leser-Kommentare
  1. Was ist die Intention, was die Botschaft?

    Signifikante Parallelen zwischen Wehrmacht und Roter Armee sind, was den kriegerischen Einsatz von Frauen angeht, kaum auszumachen. Mir ist nicht bekannt, dass Frauen in der Wehrmacht (anders als in der Roten Armee) Kampfeinsätze an der Front geleistet hätten.

    Diesbezüglich gäbe es schon eher eine Parallele zwischen Bundeswehr und Roter Armee. Erstere scheut sich (im Gegensatz zur Wehrmacht nicht) nicht, ggf. auch Frauen in Kampfeinsätzen an der Front zu verheizen.

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    • konnat
    • 02.08.2011 um 10:32 Uhr

    Ist wohl der "Sauregurkenzeit"geschuldet.
    Ich sehe schon den nächsten:"Fünf vor Zwölf, deutsche
    Pimpfe an die Front".

    Ja ja, die Deutschen und der II.Weltkrieg,
    ewiges Thema eines bestimmten Mainstreams.
    P.S.
    "Blitzmädchen im Einsatz" wäre auch nicht schlecht.

    • konnat
    • 02.08.2011 um 10:32 Uhr

    Ist wohl der "Sauregurkenzeit"geschuldet.
    Ich sehe schon den nächsten:"Fünf vor Zwölf, deutsche
    Pimpfe an die Front".

    Ja ja, die Deutschen und der II.Weltkrieg,
    ewiges Thema eines bestimmten Mainstreams.
    P.S.
    "Blitzmädchen im Einsatz" wäre auch nicht schlecht.

  2. Für mich war der Krieg auch immer rein männlich. Ist wohl die Prägung aus den Büchern und Dokus.

    Jetzt wo ich es lese macht es sinn, dass im Krieg auch Frauen beteiligt waren. Warum sollte man auch auf 50% der Bevölkerung und damit der Kampfkraft verzichten.

    • konnat
    • 02.08.2011 um 10:32 Uhr

    Ist wohl der "Sauregurkenzeit"geschuldet.
    Ich sehe schon den nächsten:"Fünf vor Zwölf, deutsche
    Pimpfe an die Front".

    Ja ja, die Deutschen und der II.Weltkrieg,
    ewiges Thema eines bestimmten Mainstreams.
    P.S.
    "Blitzmädchen im Einsatz" wäre auch nicht schlecht.

    Antwort auf "Warum dieser Artikel?"
  3. dann wäre schon fein, wenn man das verhältnis zwischen bewaffneten frauen und männern in der wehrmacht angeben würde, also 1939 bis 1944 werden wohl kaum frauen an der front gekämpft haben, dann haben sich eventuell welche auf der flucht bewaffnet (waffen waren ja genug im umlauf und tote soldaten gab auch zur genüge) und haben sich gegen gewalt gewehrt, also ich habe "geschichten" von der ostfront gehört, von zeitzeugen, von soldaten die wirklich kämpfen mussten, von frauen war da aber nie die rede

    so wie das "märchen" von den trümmerfrauen (denen haben im sommer 45 die alliierten schaufeln in die hand gedrückt, um den schutt wegzuräumen, ja was hätten die frauen auch anderes getan den ganzen tag??), die, die deutsche wirtschaft aufgebaut haben, sicher man baut ganz locker mal so eine brücke über den rhein oder hochhäuser oder einen tunnel (ohne rohstoffe, ohne kenntnisse über stahl, beton, brückenbau und straßenbau) warum sieht man so wenige frauen in den schwarz-weißaufnahmen in der stahlproduktion? frauen haben vor 45 nicht in der baubranche gearbeitet, dann sollen sie plötzlich von 45 bis 60 da wie wild garbeitet haben und dann haben sie sich wieder dem hausfrauendasein hingegeben - das macht keinen sinn, ich habe noch keinen fall gesehen, wo nur frauen ein haus aufgestellt hätten - und ich arbeite in der baubranche

  4. ist einfach nicht tot zu kriegen. Dazu zu unserern Krankenschwestern und anderen Helferinnen: es ist bekannt, dass die Mehrzahl der deutsche Frauen Hitler mehr verehrten als die Maenner und bis zur letzten Stunde begeistert und kritiklos jede Arbeit akzeptierten. Liegt wohl an den Genen. Ich erinnere mich noch an meine Mutter, als sie heulend am Kuechentisch sass, als Hitlers Tod im Radio gemeldet wurde ("bis zum letzten Blutstropfen gegen den Bolschewismuss kaempfend den Heldentod gestorben" ).

  5. Wer sich mit dem 2. Weltkrieg einigermaßen befaßt hat, lernt nicht viel aus diesem Artikel. Ich habe mit vielen Leuten geredet, die den Krieg erlebt haben, und besonders beeindruckt hat mich eine ehemalige Krankenschwester, die in Polen eingesetzt war und mir von den Verbrechen erzählte, die sie mitbekommen hatte. Zum Abschied meinte sie: "Junger Mann, wenn einer im Osten war und behauptet, er hätte von den Schweinereien der Deutschen nichts mitbekommen, dann sage ich Ihnen: der lügt! Es war unmöglich, im Osten zu sein und nichts von den Verbrechen mitzubekommen."

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    Es scheint als ob die erwähnte deutsche Krankenschwester nichts von so genannten "Schweinereien" auf der Gegenseite erfahren oder beobachtet hat, sonst würde sie nicht so kaltherzig und exklusiv über ihre eigenen Landsleute urteilen. Gutmenschentum par excellence.

    Es scheint als ob die erwähnte deutsche Krankenschwester nichts von so genannten "Schweinereien" auf der Gegenseite erfahren oder beobachtet hat, sonst würde sie nicht so kaltherzig und exklusiv über ihre eigenen Landsleute urteilen. Gutmenschentum par excellence.

  6. Es scheint als ob die erwähnte deutsche Krankenschwester nichts von so genannten "Schweinereien" auf der Gegenseite erfahren oder beobachtet hat, sonst würde sie nicht so kaltherzig und exklusiv über ihre eigenen Landsleute urteilen. Gutmenschentum par excellence.

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Ist das so neu?"
  7. Ich bin etwas überrascht über die Kommentare, ich finde den Artikel sehr lesenswert und die Autorin hat vollkomen recht in der Einschätzung, dass nach wie vor der Krieg als v.a. männliches Ereignis wahrgenommen wird und die Frauen in so gut wie allen gängigen Darstellungen wenig bis gar nicht vorkommen.
    Den Versuch, den festgestellten Befund totalitarismustheoretisch zu deuten, halte ich dagegen für misslungen, denn wo die Nazis nur in höchster Not überhaupt Frauen an die Front ließen, so war dies in der stalinistischen SU doch wesentlich ideologiekompatibler. Bemerkenswert sind dagegen wieder die Ähnlichkeiten, mit der hie wie dort die Männer den Einsatz der Frauen an der Front wahrnahmen.

    @Frau Behm: was an diesem Zitat der deutschen Krankenschwester "kaltherzig" sein soll, müssten Sie mir mal genauer erläutern. Mir scheint, die Frau bringt die Sache ziemlich genau auf den Punkt, auch wenn das manche immer noch nicht (!) wahr haben wollen.

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    Werter herr_paul,

    Ihre Frage an mich:

    "@Frau Behm: was an diesem Zitat der deutschen Krankenschwester "kaltherzig" sein soll, müssten Sie mir mal genauer erläutern. Mir scheint, die Frau bringt die Sache ziemlich genau auf den Punkt, auch wenn das manche immer noch nicht (!) wahr haben wollen."

    beantworte ich gerne. "Einseitig" waere eine bessere Bezeichnung. Das Wort "kaltherzig" nehme ich gerne zureck. Es kam spontan aus aus einer vom Schmerz noch nicht verheilten Seele. Im deutschen Preussisch-Eylau wurde ein ganzer Zweig meiner Familie von russischen Soldaten kaltherzig niedergeschossen, weil sie genau diese Dienste des Erbarmens und der Krankenpflege mutig verrichteten, nur waren die Empfaenger ihrer Naechstenliebe und Pflege deutsche verwundete Soldaten, die man hier so gerne, groesstenteils unberechtigt, erniedrigt.

    Gruesse Sie, G.B.

    p.s. man kann nur das wahrhaben, was man selber erlebt hat oder durch authentische unwiderlegbare Informationsquellen nachweisbar ist.

    Werter herr_paul,

    Ihre Frage an mich:

    "@Frau Behm: was an diesem Zitat der deutschen Krankenschwester "kaltherzig" sein soll, müssten Sie mir mal genauer erläutern. Mir scheint, die Frau bringt die Sache ziemlich genau auf den Punkt, auch wenn das manche immer noch nicht (!) wahr haben wollen."

    beantworte ich gerne. "Einseitig" waere eine bessere Bezeichnung. Das Wort "kaltherzig" nehme ich gerne zureck. Es kam spontan aus aus einer vom Schmerz noch nicht verheilten Seele. Im deutschen Preussisch-Eylau wurde ein ganzer Zweig meiner Familie von russischen Soldaten kaltherzig niedergeschossen, weil sie genau diese Dienste des Erbarmens und der Krankenpflege mutig verrichteten, nur waren die Empfaenger ihrer Naechstenliebe und Pflege deutsche verwundete Soldaten, die man hier so gerne, groesstenteils unberechtigt, erniedrigt.

    Gruesse Sie, G.B.

    p.s. man kann nur das wahrhaben, was man selber erlebt hat oder durch authentische unwiderlegbare Informationsquellen nachweisbar ist.

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