Überfall auf die SowjetunionDer Weg in den Abgrund

Moskau, Stalingrad, Kursk: Aus dem geplanten Blitzfeldzug gegen die Sowjetunion wurde ein jahrelanger mörderischer Krieg. So sicher Hitlers Truppen zu Anfang der Sieg schien, so unabwendbar erscheint im Nachhinein die Niederlage. Hätte es auch anders kommen können? von Christian Hartmann

Mehr als anderthalb Jahre lang sah es so aus, als seien die Deutschen unbesiegbar. Die Wehrmacht überrannte 1939 Polen, 1940 eroberte sie Dänemark und Norwegen und binnen weniger Wochen Frankreich, 1941 besetzte sie Jugoslawien und Griechenland. Zum Verhängnis wurde den Deutschen erst der Angriff auf die Sowjetunion, den das Großdeutsche Reich am 22. Juni 1941 ohne Not und ohne Kriegserklärung eröffnete. Erst jetzt begann Hitlers Stern zu sinken. Erst in der Roten Armee traf die Wehrmacht auf einen am Ende überlegenen Gegner. Erst in der Unendlichkeit des sowjetischen Kriegsschauplatzes kam es zur militärischen Wende.

Allein die Zahlen – so scheint es wenigstens – sprechen dafür, dass es so kommen musste: Etwa 17 Millionen Männer dienten in den deutschen Streitkräften, von ihnen waren etwa zehn Millionen an der Ostfront eingesetzt. Die Sowjetunion hingegen konnte das Dreifache mobilisieren – mehr als 30 Millionen Soldaten. Zudem blieb die Sowjetunion nicht der einzige Staat, den sich das Großdeutsche Reich zum Feind machte. Am Ende waren es 51 Nationen! Angesichts der erdrückenden Übermacht dieser Allianz war die totale Niederlage Hitler-Deutschlands nur eine Frage der Zeit. Und musste Hitlers Politik nicht ohnehin an sich selbst scheitern – an ihrer Irrationalität und Intoleranz, an ihrer Aggressivität und Amoralität?

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Hitlers Krieg im Osten
23. August 1939

© AFP/Getty Images

"Hitler-Stalin-Pakt": Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop und der Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten der Sowjetunion, Wjatscheslaw Molotow, unterschreiben im Beisein Josef Stalins in Moskau einen Nichtangriffsvertrag. In der Folge wird Polen zwischen Deutschland und der Sowjetunion aufgeteilt. Es ist ein Vertrag, der nichts über die wahren Pläne Adolf Hitlers aussagt. Denn schon 1933 hatte Hitler  seine Absicht erklärt, "neuen Lebensraum im Osten" zu erobern.
 

18. Dezember 1940

© Fox Photos/Getty Images

Hitler unterzeichnet seine Weisung Nr. 21 "Fall Barbarossa". Unter diesem Namen beginnt die Planung des Krieges gegen die Sowjetunion. Die Wehrmachtspitze rechnet mit einer Kriegsdauer von maximal vier Monaten. Bis zum Sommer 1941 werden circa 3,3 Millionen Soldaten an der Ostgrenze  zusammengezogen. Am 30. März 1941 sagt Hitler vor den Oberbefehlshabern der Wehrmacht, sein Ziel sei die Auslöschung des sowjetischen Staates, die Vernichtung seiner Träger und die Errichtung einer deutschen Kolonie.

Mai/Juni 1941

© Archivdokument

Kurz vor Beginn des Ostfeldzuges erlassen die Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) und des Heeres (OKH) völkerrechtswidrige Befehle. Es bestehe "kein Verfolgungszwang" für verbrecherische Handlungen deutscher Soldaten gegen feindliche Zivilpersonen. Jeder "aktive oder passive Widerstand" solle "restlos" beseitigt werden. Der sogenannte Kommissarbefehl sieht vor, politische Kommissare der Roten Armee "nach durchgeführter Absonderung zu erledigen".

22. Juni 1941

Deutsche Pioniereinheiten setzen über den Bug. Ohne Kriegserklärung greift Deutschland die Sowjetunion an. Die Heeresgruppe Mitte, die stärkste der drei Heeresgruppen zu Beginn des "Unternehmens Barbarossa", ist zu diesem Zeitpunkt gut 1.000 Kilometer von Moskau entfernt. Einen knappen Monat später ist diese Distanz auf 350 Kilometer zusammengeschrumpft. Bis zum Spätherbst besetzt die Wehrmacht Weißrussland, Teile Russlands und den größten Teil der Ukraine.

Sommer 1941

Mit dem Angriff der Wehrmacht auf die Sowjetunion setzt eine massenhafte Flucht der sowjetischen Zivilbevölkerung ein. Im Verlauf des gesamten Krieges fliehen etwa 14 Millionen Menschen vor den deutschen Truppen oder müssen in Sicherheit gebracht werden.

Juli 1941

Etwa zwei Wochen nach Beginn des Ostfeldzuges befiehlt Stalin, jegliche kriegswichtige Infrastruktur in den unsicheren westlichen Regionen zu demontieren und nach Osten abzutransportieren. Im Ural und jenseits entstehen in der Folge Zentren der sowjetischen Rüstungsindustrie. Dort arbeiten zumeist Frauen und Kriegsinvaliden.

16. August 1941

© Hulton Archive/Getty Images

Stalin erlässt den Befehl Nr. 270, der es Rotarmisten verbietet, sich dem Feind zu ergeben. Darin heißt es: "Wer in die Einkreisung geraten ist, hat auf Leben und Tod zu kämpfen und bis zuletzt zu versuchen, sich zu den Unseren durchzuschlagen." Wer die Gefangenschaft vorziehe, sei mit dem Tod zu bestrafen. Bis Ende des Jahres geraten 3,3 Millionen Rotarmisten in deutsche Kriegsgefangenschaft.

August/September 1941

© Hulton Archive/Getty Images

Hitler verlegt den Schwerpunkt des Angriffs auf die Ukraine. In einer gemeinsamen Offensive der Heeresgruppen Süd und Mitte gelingt es der Wehrmacht am 19. September, Kiew einzunehmen. Eine Woche später ist auch die Kesselschlacht im Osten der Stadt endgültig ausgefochten. Rund 700.000 Rotarmisten geraten in deutsche Kriegsgefangenschaft.

Im September beginnt die fast 900-tägige Blockade von Leningrad. Die Stadt der Oktoberrevolution soll ausgehungert werden.

8. September 1941

Bis zur Befreiung am 27. Januar 1944 sterben rund eine Million Bürger Leningrads an Hunger und Kälte.

29./30. September 1941

Wenige Tage nach der Besetzung Kiews nehmen deutsche Verbände unter Generalfeldmarschall Walter von Reichenau sämtliche Juden fest, die noch in der ukrainischen Hauptstadt leben, und treiben sie zur Schlucht von Babi Jar. Binnen zwei Tagen ermordet dort ein Sonderkommando der Einsatzgruppen fast 34.000 Männer, Frauen und Kinder.

2. Oktober 1941

© Julika Altmann für ZEIT Geschichte

Beginn der "Operation Taifun": Für den Vorstoß auf die sowjetische Hauptstadt Moskau hat die deutsche Führung 78 Divisionen zusammengezogen., knapp zwei Millionen Mann. Doch die Offensive gerät bald ins Stocken und wird im Dezember mit einer sowjetischen Gegenoffensive beantwortet. Die Rote Armee treibt die deutschen Verbände bei eisiger Kälte bis zu 200 Kilometer zurück in Richtung Westen.

Dezember 1941

Ende des Jahres 1941 sind bereits 3,3 Millionen Rotarmisten in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten. Von den 5,7 Millionen Rotarmisten, die den Deutschen insgesamt während des Krieges in die Hände fallen, werden gut drei Millionen, also mehr als die Hälfte, durch Hunger, Krankheit und Erschießungen getötet – das Gros davon während der Abtransporte und in den Gefangenenlagern.

Januar 1942

Die ersten "Ostarbeiter" kommen mit Zügen ins Reich. Von 1942 bis 1944 werden insgesamt etwa drei Millionen Menschen aus der Sowjetunion nach Deutschland geschafft, um dort Zwangsarbeit zu leisten. Andere müssen auf dem Boden der Sowjetunion Sklavendienste für die Besatzer verrichten. Betroffen sind vor allem Frauen und Jugendliche, die zu jung sind, um zur Armee eingezogen zu werden.

28. Juni 1942

© Julika Altmann für ZEIT Geschichte

Nachdem Hitlers Ostheer bis Frühjahr 1942 bereits Verluste von mehr als einer Million Soldaten hinnehmen musste – gezählt werden Gefallene, Verwundete, Vermisste –, beginnt im Sommer 1942 der Vorstoß auf die Erdölfelder des Kaukasus sowie auf Stalingrad an der Wolga. Doch die "Operation Blau" läuft bald ins Leere. Sowjetische Truppen gewinnen zunehmend die Initiative.

2. Februar 1943

Die Schlacht um Stalingrad endet mit der Kapitulation der 6. Armee. Bereits im November des Vorjahres sind mehr als 200.000 Wehrmachtsoldaten eingekesselt worden. Die deutsche Niederlage bei Stalingrad wird weltweit als die entscheidende Kriegswende wahrgenommen.

18. Februar 1943

Die Schlacht um Stalingrad endet mit der Kapitulation der 6. Armee. Zwei Wochen später hält Reichspropagandaminister Joseph Goebbels im Berliner Sportpalast seine berüchtigte Rede. Vor ausgewählten Zuhörern verkündet er den "totalen Krieg". Das Publikum jubelt ihm zu. Die über 100-minütige Rede gilt als Musterbeispiel der nationalsozialistischen Propaganda.

 

20. Mai 1943

© Keystone/Getty Images

In einem der größten Einsätze gegen prosowjetische Partisanen ermordet eine nach SS-Brigadeführer Curt von Gottberg benannte Kampfgruppe in Weißrussland innerhalb von zehn Tagen rund 13.000 Menschen ("Aktion Cottbus"). Die Zahl der Getöteten ist, wie bei derartigen Aktionen üblich, etwa zehnmal so hoch wie die Zahl der erbeuteten Waffen. Insgesamt fallen der Partisanenbekämpfung durch Wehrmacht-, SS- und Polizeitruppen mehr als ein halbe Million Menschen zum Opfer.

5. Juli 1943

© Hulton Archive/Getty Images

In einer letzten Großoffensive versucht die Wehrmachtsführung, die sowjetische Front aufzubrechen, die westrussische Stadt Kursk einzunehmen und damit die Initiative zurückzugewinnen. Dabei kommt es zur größten Konzentration von Kriegstechnik, die die Geschichte bislang kennt. Nach einer guten Woche sieht sich Hitler gezwungen, den Angriff auf Kursk einzustellen. Die Rote Armee dringt unter großen Verlusten weiter nach Westen vor.

Sommer 1943 – Herbst 1944

"Verbrannte Erde": Auf ihrem Rückzug vor der Roten Armee zerstört und entvölkert die Wehrmacht systematisch das Land. Die Deutschen vertreiben die Bevölkerung, hinterlassen kilometerweite Feuersbrünste, zerstören die Infrastruktur, vernichten Vorräte und vergiften Brunnen.

22. Juni 1944

© Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst

Operation "Bagration": Am dritten Jahrestag des Überfalls eröffnet die Rote Armee ihre große Sommeroffensive im Mittelabschnitt der Ostfront. Mit Unterstützung russischer Partisanen zerschlagen die Sowjets innerhalb von wenigen Wochen 28 deutsche Divisionen; die Heeresgruppe Mitte verliert rund 400.000 Soldaten und damit fast drei Viertel ihres vormaligen Gesamtumfangs.

23. Juli 1944

Im Sommer 1944 befreit die Rote Armee als erstes der nationalsozialistischen Vernichtungslager Majdanek. Die SS hat es kurz zuvor überhastet geräumt, Gefangene abtransportiert, Unterlagen vernichtet und Gebäude niedergebrannt. Die Rote Armee findet noch rund 1.000 ausgezehrte und kranke sowjetische Kriegsgefangene vor. In den Vernichtungslagern wurden zusammengenommen mehr als drei Millionen Menschen umgebracht. Insgesamt ermordeten die Deutschen etwa sechs Millionen Juden und mehrere Hunderttausend Sinti und Roma.

Immer schneller verschiebt sich die Front nach Westen. Am 10. Oktober erreicht die Rote Armee die ostpreußische Grenze.

16. April 1945

© Ivan Shagin/Getty Images

Die Rote Armee beginnt ihre Offensive auf Berlin. Obwohl der Krieg schon entschieden ist, muss sie weiterhin hohe Verluste hinnehmen, da viele Deutsche bis zur letzten Sekunde kämpfen. Im Osten wie im Westen Deutschlands inszeniert die Wehrmacht einen apokalyptischen Endkampf. Am 30. April begeht Hitler Selbstmord.

Mai 1945

© Fred Ramage/Getty Images

Millionen deutsche Bewohner aus Ost- und Westpreußen, Pommern, Schlesien, dem östlichen Brandenburg und anderen Siedlungsgebieten im Osten fliehen bis Mai 1945 vor der Roten Armee. Millionen weitere werden in den nachfolgenden Monaten vertrieben. Etwa 600.000 Deutsche kommen auf der Flucht und während der Vertreibung ums Leben.

8./9. Mai 1945

Die Wehrmacht kapituliert. Generalstabschef Alfred Jodl unterzeichnet die Gesamtkapitulation im US-Hauptquartier in Reims. Die Oberbefehlshaber Wilhelm Keitel, Hans-Georg von Friedeburg und Generaloberst Hans-Jürgen Stumpff ratifizieren die Kapitulation am 9. Mai im sowjetischen Hauptquartier in Berlin. Rund 27 Millionen Sowjetbürger haben im Krieg gegen Deutschland ihr Leben verloren.

7. Oktober 1955

Die letzten knapp 10.000 Wehrmachtsoldaten kehren aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück. Insgesamt waren 17 Millionen Deutsche Teil der Wehrmacht. Der überwiegende Teil wurde im Ostfeldzug eingesetzt. Erst in den neunziger Jahren beginnt in der breiten Öffentlichkeit eine kritische Aufarbeitung des Vernichtungskrieges.

Texte: Thomas Dierkes, Beratung: Peter Jahn

Dass das Programm dieses »Führers« nicht gelingen konnte, dass er am Ende dann alle, die ihm gefolgt waren, mit in den Untergang reißen musste, scheint nur folgerichtig – erst recht aus unserer Perspektive, die die Perspektive einer immer größeren zeitlichen wie mentalen Distanz ist. Aber musste es wirklich so kommen?

Moral und Erfolg bilden in der Geschichte nicht zwangsläufig eine Einheit. Gerade das 20. Jahrhundert kennt dafür mehr als ein Beispiel. Und unbeantwortet ist auch die Frage, warum der Nationalsozialismus jahrelang so erfolgreich war, warum eine solche Ideologie die bestehende Weltordnung ernsthaft infrage stellen und so viele Menschen begeistern und mobilisieren, so viele andere unterdrücken und vernichten konnte. Vor allem aber lässt sich die Geschichte nicht von ihrem Ende her denken. Ein solch teleologische Betrachtung übersieht die prinzipielle Offenheit historischer Prozesse, reduziert das, was in Wirklichkeit das Produkt ungezählter Begebenheiten, Einflüsse, Verzweigungen, Widerstände oder auch Sackgassen ist, auf einige wenige Ereignisse und Voraussetzungen. Das soll nicht heißen, die Geschichte besäße keine Strukturen. Aber: Sie erschließen sich erst aus der Rückschau. Solange das, was einmal vergangen sein wird, zur Gegenwart zählt, ist noch längst nicht entschieden, wohin die Reise geht. Die Geschichte ist offen. Und das galt auch für die Geschichte des Zweiten Weltkriegs und für die Auseinandersetzung zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und der stalinistischen Sowjetunion.

Der Autor

Christian Hartmann, Jahrgang 1959, arbeitet als Historiker am Institut für Zeitgeschichte in München

Die Behauptung, die deutschen Angreifer hätten durchaus eine Chance auf den Sieg gehabt, scheint daher nur vordergründig jeder Logik und Erfahrung zu widersprechen. Einer alten militärischen Faustregel zufolge sichert erst eine dreifache Übermacht den Erfolg eines Angriffs. Davon waren die deutschen Streitkräfte, die am frühen Morgen des 22. Juni 1941 die Grenzen zur Sowjetunion überschritten, tatsächlich weit entfernt. Etwa 3,3 Millionen deutsche trafen auf etwa 5,3 Millionen sowjetische Soldaten. Zwar hatte die Wehrmacht Verbündete, nicht nur die Finnen und Rumänen, sondern anfangs auch ein stetig wachsendes Heer aus verbündeten Truppen, einheimischen Kollaborateuren und kleineren Kontingenten europäischer Freiwilliger. Doch konnten auch diese Mitstreiter an der quantitativen Unterlegenheit der Invasoren nichts ändern.

Die Wirklichkeit eines Krieges aber lässt sich nicht mit einem Abgleich von Zahlen erfassen. Sie ist ungleich komplexer, und es ist kein Zufall, dass Krieg oft als Chaos erlebt wird. Dass das Ergebnis nur schwer vorauszusagen ist, liegt in der Natur der Sache. Clausewitz definierte den Krieg als »das Gebiet der Ungewissheit«, Friedrich der Große sprach von »Seiner Majestät, dem Zufall«. Auch der Zweite Weltkrieg bietet genügend Beispiele dafür, dass der alliierte Sieg kein unumgänglicher, gleichsam natürlicher Vorgang war – erinnert sei nur an die Triumphe der Wehrmacht im Westen, auf dem Balkan und anfangs eben auch in der Sowjetunion.

Leserkommentare
  1. Nie wieder Krieg! Nie wieder andere Menschen zu Unter- oder Nichtmenschen (Ungeziefer!) erklären. Man sollte sich nicht darüber den Kopf zerbrechen, wie Nazi-Deutschland den Krieg im Osten vielleicht doch hätte gewinnen können. Die Konsequenzen wären furchtbar gewesen. Man sollte vielmehr einmal darüber nachdenken, wie viel weiter Deutschland und Europa heute sein könnten, hätte es diesen mörderischen Krieg nicht gegeben. Es heisst immer der Krieg ist der Vater aller Dinge. Nein, er ist der Vater allen Übels. Nur ein Beispiel: von Braun's Raketen wären von Deutschland aus zum Mond geflogen. Er wollte ja eigentlich nie Waffen bauen.

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  2. Mich interessiert sehr, wer an diesem Krieg verdient hat. Wer nacher reicher oder einflußreicher war als vorher. Dies interessiert mich auf für die Zeit danach. Wer hat an dem "Kalten Krieg" verdient. Unsummen von Material und Kapital wurden doch hierzu verbraucht.
    Ich bitte um eine seriöse Antwort, vielleicht eine Literaturempfehlung. Bitte keine Plattheiten wie, die Kapitalisten, die Rüstungsindustrie, die bösen xy.

    2 Leserempfehlungen
  3. Von dem Artikel war ich ein wenig enttäuscht. Der Kernthese, dass der Krieg in Russland durchaus anders hätte verlaufen können, ist nur sehr begrenzt zuzustimmen. Einzig in dem Punkt, dass bei einem Angriff Japans auf die Sowjetunion die Würfel möglicherweise anders gefallen wären ist zuzustimmen. Gleichwohl derartige Ereignisse gab es während des Zweiten Weltkriegs häufiger. So überlegte Großbritannien als Reaktion auf die Okkupation von Polen durch die UdSSR von Basen im Iran Ölfelder der Sowjetunion zu bombardieren. Kaum zu denken, was passiert wäre, hätten die Briten dies getan. Insofern dürfte auch hier schon der Krieg entschieden worden sein.

    Aber es wird sich immer irgendwo in der Geschichte eine Alternative finden, die möglicherweise zu einem anderen Ergebnis geführt hätte. Militärisch konnte Deutschland aber, auf sich alleine gestellt, nur verlieren. Selbst wenn die eine oder andere Schlacht anders verlaufen wäre, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit musste es irgendwann zu Abnutzungserscheinungen kommen. Materialverschleiß etc. machten eine Niederlage unausweichlich. Diese Punkte werden hier verkannt bzw. nicht deutlich genug hervorgehoben.

    3 Leserempfehlungen
  4. Ich kann meinem Vorredner nur zustimmen. Viel mehr als die Frage was wäre wenn Deutschland irgendwo doch gewonnen hätte, sollte man fragen was wäre wenn es Hitler nie gegeben hätte und mit ihm die ganzen Idioten die das Gedankengut teilten und brav die Hände in die Höh streckten.

    Was wäre wenn es keine Korruption gäbe, kein Geld, keine Machtgier usw.. Wenn die Menschheit aus freien Stücken zusammenwüchse und wir uns keine Gedanken um Neid und Leid machen müssten, und wenn doch, dann nur wie man sie bekämpfen könnte. Wir wären sicher viel weiter, geistig wie technologisch, ökologisch, etc..

    Was wäre wenn es keine Religionen gäbe.

    Und ich könnte noch unendlich viele Fragen stellen. Wäre das nicht eine tolle Welt?

    9 Leserempfehlungen
  5. es auch anders kommen können. Mal abgesehen davon überhaupt die SU anzugreifen, hätte Hitler auch zur Abwechslung mal auf seine Generalität hören können, statt in brenzligen Situationen gleich ganze Führungsetagen auszutauschen.
    Wenn man schon durch den Balkanfeldzug bedingt angreifen musste, hätte dieser Dilletant wenigstens soviel Weitsicht haben müssen, seine Vorgänger im Marsch auf Moskau zu studieren und seinen Truppen wintertaugliches Material mit auf den Weg zu geben.

    Es gibt im Nachinein tausende Fehler die Hitler gemacht hat, natürlich ist man hinterher immer schlauer und im Endeffekt hat dieser Feldzug ja auch dazu geführt dass die Welt von seinem Wahn befreit wurde, aber vom rein militärhisorischen Standpunkt aus gesehen, hätten so viele Dinge anders ablaufen können, ohne dass dabei auch nur ein Quentchen Kriegsglück vonnöten gewesen wäre.

    Wäre man im Frühjahr 42 weiter auf Moskau vorgestoßen, hätte man früher versucht zur 6. Armee in Stalingrad zu stoßen, hätte man Zitadelle nicht x-mal verschoben, hätte man statt verbissen an der Frontlinie festzuhalten auch mal taktische Rückzüge zugelassen... Es sind tausende Dinge, aber wie in allem im Leben: Wenn das Wörtchen "Wenn" nicht wäre...

    3 Leserempfehlungen
    • kkr
    • 24. Mai 2011 15:57 Uhr

    die ganze Ausrichtung als Vernichtungskrieg zeigt die Verwerflichkeit dieses Krieges. Dazu kommt dessen Ausführung als Völkermord. Und der barbarische "Halten"-Befehl für Stalingrad. Es hätte jedem Militär klar sein müssen, dass dies nur im Fiasko enden kann.

    Mir fehlt in diesem Zusammenhang der Balkanfeldzug, der verhinderte, das der Überfall auf die Sowjetunion früher startet. Dies und der frühe Wintereinbruch sind zwei wesentliche Punkte für das Scheitern vor Moskau.

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    Korrekt. Auch wenn solche Überlegungen nur Spekulation sind, aber ein früherer Beginn des Unternehmens Barbarossa hätte mMn durchaus zu einem deutschen Sieg über die SU führen können. Dann nämlich wenn man Moskau nicht erst im einbrechenden Winter erreicht hätte sondern 1-2 Monate früher. Wäre Moskau gefallen, wäre das wahrscheinlich ein entscheidender Schritt gewesen.
    Außerdem verschweigt der Autor im ersten Absatz die ebenfalls bedeutsame und aus deutscher Sicht gescheiterte Luftschlacht um England - ich verstehe dcurchaus auch warum er das tut, denn nur so lässt sich der Russlandfeldzug als DIE - auch erste - entscheidende Wende des Krieges deuten.
    Die Luftwaffe schaffte es im Sommer 1940 nicht die Lufthoheit über England zu erringen und so die notwendige Voraussetzung für die Operation Seelöwe (die Invasion Englands) zu schaffen. Somit musste man diese Pläne begraben und ein äußerst wichtiger Feind konnte nicht ausgeschaltet werden, wodurch die Gefahr des Zweifrontenkrieges bestehen blieb. Wäre GB besiegt worden, dann hätte die Geschichte womöglich wirklich einen anderen Verlauf genommen. Wäre es dann z.B. noch zu einem Krieg gegen die USA gekommen? Ohne deren wichtigsten Verbündeten? Man weiß es nicht. Möglich wäre sicherlich gewesen, dass sich die USA ob dieses Erfolges Deutschlands mit dessen neuer weltpolitischen Stellung arrangiert hätten.
    Aber: hätte, wäre, wenn. Alles Spekulation.

  6. Lässt man mal die verabscheuungswürdige ideologie des nationalsozialistischen Regimes außer acht, so gab es zwei Faktoren, die das Handeln der führenden Kreise, und besonders Hitelr, bestimmten. Es waren dies Risiko und Erfolg. Diese beiden Faktoren begleiteten Hitler und seine Paladine von Anfang an. Selbst der missglückte Marsch auf die Feldherrenhalle wandelte sich später in einen Erfolg um. Schon die Jahre in der Weimarer Republik waren gezeichnet von Rückschägen, und doch kam Kitler 1933 an sein erstes Ziel. Einmal an der Regierung setzte sich dieses Muster fort. Das Risiko des Einmarsches im Rheinland wurde belohnt. Der Anschluss Österreichs, die Sudetenfrage. Schließlich der krieg gegen Polen und Frankreich. Das Vabanque-Spiel schin immer aufzugehen. Selbst das zunächst skeptische Militär begann sich endgültig dem "Genie des Führers" zu beugen.
    Es ist dies letztlich ein Verhalten, das sich bei allen Menschen zeigt, die über eine lange Zeit hohe Risiken eingehen, und damit Erfolg haben. Man fühlt sich unverletzbar, als "Werkzeug der Vorsehung", wie es Hitler ausdrückte. Es ist eine Form von Wahnsinn. Dieser Wahnsinn verhindert dann aber das prüfen von Alternativem, das Zurücknehmen, das Eingehen von Kompromissen. Deshalb gab es auch keine wirklichen Alternativen zu diesem katastrophalen Ausgang.
    Der Fehler steckte in dem System.

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    Der Nationalsozialismus war ein System des Untergangs. Die Gesamte Ideologie ist eine symbolisch verklausulierte Anbetung der Agonie und legt Zeugnis ab von dem geistigen Zustand ihrer Protagonisten.

    Überdeutlich wird diese innere Fehlkonstruktion an der Person Hitlers und seiner zahllosen, taktisch katastrophalen Fehlentscheidungen: Halten bis zum Untergang, Kämpfen bis zum letzten Mann, Widerstand bis zum Ende.

    Solche Befehle zeugen von einer Untergangs-Erotik, der jede konstruktive und auf das Überleben gerichtete Lösungsfindung fremd sein muss.

    Hitler und seine willigen Helfer waren von ihrer psychischen Konstruktion her gar nicht in der Lage Entscheidungen zu treffen oder Pläne zu machen, die einen dauerhaften Sieg ermöglicht hätten. Ein weiteres Beispiel ist die Anlage des Ostkrieges als Vernichtungsfeldzug: Wer ein Land langfristig besetzen will, muss die Zivilbevölkerung gewinnen.

    Hitler und Konsorten waren Männer, die durch die Erziehung im Bürgertum der Kaiserzeit seelisch verstümmelt, und durch den ersten Weltkrieg traumatisiert worden waren, ohne - wie die Alliierten - ihre inneren Beschädigungen durch den Sieg kompensieren zu können.

    Der Führer und seine Jünger waren Liebhaber des Todes. Unfähig, einen Krieg zu führen, der irgendwann endet, und zu lebensbejahenden Verhältnissen führt.

    Diese Leute wollten untergehen. Unbewusst, pompös, gigantisch und mit möglichst vielen Opfern, die sie dabei begleiten. Und so haben sie auch Krieg geführt.

  7. waere er dafuer wahrscheinlich gehenkt worden und niemand
    wuesste, was er uns erspart haette.
    Der Krieg war auf die Dauer nicht zu gewinnen, dass er
    dauerte war vor allem das Verdienst Churchills, der uns
    vor einer langdauernden Naziherrschaft befreit hat.

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  • Schlagworte Sowjetunion | Allianz | Krieg | Russland | Soldat | Streitkräfte
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