Blockade Leningrads : Hunger als Waffe
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Hungersnöte wurden kühl mit einkalkuliert

Ausgangspunkt ihrer Überlegungen ist der Rückgang russischer Agrarexporte im Vergleich zu den Jahren vor 1914. Den Grund sehen Backe und Riecke in einem erhöhten sowjetischen Konsum, der aus dem Anstieg der Stadtbevölkerung resultiere. Um die sowjetischen Ernteerträge der Wehrmacht und der deutschen Zivilbevölkerung zuzuführen, müsse daher der einheimische Konsum gesenkt werden.

Zu diesem Zweck teilen die deutschen Agrarexperten die Sowjetunion zunächst in ein »Überschuss-« und ein »Zuschussgebiet« ein. Als »Überschussgebiet« deklarieren sie das Schwarzerdegebiet im Süden und Südosten. Die »Waldzone« des Nordens sei dagegen »Zuschussgebiet«, denn dorthin würden die im Schwarzerdegebiet erwirtschafteten Überschüsse gebracht. Genau damit müsse nun Schluss sein. Es gelte, die landwirtschaftlichen Erträge aus dem Süden nach Deutschland umzuleiten: »Die Konsequenz ist die Nichtbelieferung der gesamten Waldzone einschließlich der westlichen Industriezentren Moskau und Petersburg.«

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Dass die Folge eine »zweifellos eintretende Hungersnot« sein würde, kalkulieren Backe und Riecke kühl mit ein: »Viele 10 Millionen von Menschen werden in diesem Gebiet überflüssig und werden sterben oder nach Sibirien auswandern müssen.« In erster Linie soll es die Millionenstädte Moskau und Leningrad – vormals St. Petersburg – treffen, denn sie erscheinen den Bevölkerungsplanern als die entscheidenden Ballungszentren »überflüssiger Esser«.

Neben den sowjetischen Kriegsgefangenen , von denen die Wehrmacht 3,3 Millionen verhungern lässt, werden vor allem die Leningrader zum Opfer dieser Hungerstrategie. Im September 1941 halten die auf die Newa-Metropole vorrückenden Verbände auf Befehl Hitlers an. Die Stadt, so seine Order, soll nicht eingenommen, sondern eingeschlossen werden.

Als die deutschen Truppen die Stadtgrenze Leningrads erreichen, bestätigt Hitler gegenüber der Heeresgruppe Nord seine im Juli getroffene Entscheidung: »Bezüglich der Stadt Leningrad bleibt dieser Grundsatz, daß wir die Stadt nicht betreten und daß wir die Stadt nicht ernähren können, bestehen.« Selbst wenn die Verteidiger Leningrads kapitulieren sollten, sei die Stadt nicht etwa einzunehmen, sondern die Blockade aufrechtzuerhalten. In einem Schreiben der Seekriegsleitung an die Heeresgruppe Nord heißt es dazu: »Sich aus der Lage in der Stadt ergebende Bitten um Übergabe werden abgeschlagen werden, da das Problem des Verbleibens und der Ernährung der Bevölkerung von uns nicht gelöst werden kann und soll. Ein Interesse an der Erhaltung auch nur eines Teiles dieser großstädtischen Bevölkerung besteht in diesem Existenzkrieg unsererseits nicht.«

Die Blockade Leningrads ist damit ein Sonderfall der Geschichte: Nie zuvor ist die Einnahme einer Stadt von Beginn an ausgeschlossen und der Hungertod aller Einwohner eingeplant worden. Die Nationalsozialisten sind sich dessen durchaus bewusst. »Es spielt sich augenblicklich in Petersburg ein Stadtdrama ab, wie es die Geschichte noch nicht gekannt hat«, notiert Joseph Goebbels am 19. September 1941 in sein Tagebuch. »Die Auswirkungen der Belagerung werden sich erst dann für die Weltöffentlichkeit zeigen, wenn Leningrad gefallen ist.«

Tatsächlich spielt sich in Leningrad eine der größten menschlichen Katastrophen des Zweiten Weltkrieges ab. Fast 900 Tage lang, vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944, ist die 3,2 Millionen Einwohner zählende Stadt vom Hinterland abgeschnitten. Nur über den Ladogasee gelangen Lebensmittel in die Metropole. Alle Bemühungen reichen jedoch nicht aus, um die Stadt ausreichend zu versorgen. Die strengen Winter mit Temperaturen bis zu minus 40 Grad verschärfen die Lage zusätzlich. Dennoch ist Stalin nicht bereit, die Stadt der Oktoberrevolution den Deutschen preiszugeben. Er macht kein Kapitulationsangebot, sondern weist die Rote Armee an, Leningrad unter allen Umständen zu halten. Die Nagelprobe für die deutschen Pläne, ein Übergabeangebot zurückzuweisen, bleibt also aus.

Die einzige Möglichkeit, dem grausamen Hungeralltag zu entkommen, bietet der Ladogasee. Im Winter bringen Lkw die Menschen über eine eiligst eingerichtete Eisstraße aus dem Belagerungsring, und selbst als das Eis im Frühjahr brüchig wird, setzt man die Evakuierung fort. Rund eine Million Menschen können gerettet werden. Etwa ebenso viele fallen der Blockade zum Opfer.

Für Moskau sehen die Invasoren ein ähnliches Schicksal vor. Ziel der Operation »Taifun« ist »die beschleunigte Abschließung der Stadt von ihren Verbindungen nach außen«. Hitler hat für Moskau darüber hinaus ein Zerstörungsszenario entworfen, das die vollständige Vernichtung vorsieht. Er will die Schleusen des Stausees am Moskau-Wolga-Kanal öffnen lassen, um die Stadt zu »ersäufen«. Der SS-Sturmbannführer Otto Skorzeny erhält beim Vormarsch der Wehrmacht auf Moskau daher den Sonderauftrag, mit seinen Einheiten die Schleusen des Staudammes zu besetzen. Doch Moskau bleibt ein ähnliches Schicksal, wie es Leningrad erleiden musste, erspart, da die Rote Armee die Wehrmacht im Herbst 1941 unmittelbar vor den Toren der sowjetischen Hauptstadt stoppen kann.

Das Vorhaben, ganze Städte samt ihren Einwohnern vom Erdboden zu tilgen, folgt indes nicht allein angeblichen Notwendigkeiten wie der Versorgung der deutschen Bevölkerung mit Nahrungsmitteln aus dem Osten. Es ist auch ideologisch motiviert: Die Eroberung von Raum, nicht der darin lebenden Menschen, ist das Ziel. Heinrich Himmler, Reichsführer-SS und von 1939 an auch Reichskommissar zur Festigung des Deutschen Volkstums, stellt dies schon nach dem Sieg über Polen klar: »Ein gewonnener Krieg besteht nicht im Menschengewinn anderen Volkstums, sondern im gewonnenen Acker.«

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Kommentare

43 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Holodomor betraf nicht nur Ukrainer

Richtig: auch Stalin setzte den Hunger als Waffe ein. Doch nicht gegen die Ukrainer als Volk, sondern im Klassenkampf. Der Holodomor, der heute zu einem zentralen Moment der Bewusstseinswerdung der neuen Ukraine geworden ist, war kein Kampf Russen gegen Ukrainer. Befehlsgeber und Täter waren meist Ukrainer vor Ort. Der Oberbefehlshaber war mit Stalin ein Georgier und kein Russe. Die Opfer lebten gleichermaßen in Südrussland und anderen wichtigen Landwirtschaftszonen, da sich die meisten Bauern, vor allem die bessergestellten, der Kollektivierung widersetzten. Der Nationalsozialismus beruhte auf Rassismus und Krieg nach außen, der Kommunismus auf Klassenkampf und Unterdrückung nach innen.

Ein Verbrechen lässt sich durch ein anderes nicht entschuldigen. Dass Krieg zu Gräueltaten und Verbrechen führt, liegt in dessen Natur. Doch dass diese kalt als strategische Mittel eingeplant wurden, macht sie nur umso verwerflicher.
Wenn etwas im Artikel stört, dann dass der Fokus zu sehr auf Hitler und Göring liegt. Die vielen Helfer kommen ungeschoren davon. Der erwähnte Konrad Meyer war 1956-68 Professor in Hannover!

Die Ärmsten

Hungern ist wirklich schlimm, wie aber schon Kommentar 1 gesagt hat war es nicht das erste mal, und auch dir Strategie der "Verbranten Erde" mit der sich die russische Armee zurückzog brachte einen weiteren Factor ins Geschehen das nun die Deutsche Armee ebend nicht die Benötigten Lebensmittel vorfinden konnte und so das Leid der Bevölkerung noch erhöht wurde.

Es war nun mal Krieg und beide Seiten blaubten an den letzten grossen Krieg der alles entscheiden würde und setzten so fast alle Mittel ein um zu siegen ( bis auf Giftgas was im 2.WK nahezu nicht eingesetzt wurde, durch die Erfahrungen im 1.WK )

So ist das planen des Verhungers von Millionen sicherlich ein schlimmen Verbrechen ...... oh moment ...... was lesen wir da bei Wikipedia im Kommentar von 1) ?

eine Karte die alle Länder zeigt die das als Verbrechen enerkennt haben, und Deutschland ist NICHT dabei ?

Also alles zurück es war wohl kein Verbrechen sonder eine legitime militärische Taktik.

Könnte unsere regirung bitte dafür soorgen das auch die das als Verbrechen anerkennen ?