Buttenheim ist stolz auf ihn. Sein Geburtshaus beherbergt ein Museum, "Jeans & Kult" , vom Tonband begrüßt dort eine Stimme die Besucher mit den Worten: "Tragen Sie heute Jeans? Als ich 1829 geboren wurde, gab es dieses Kleidungsstück noch nicht." Levi Strauss, der Erfinder der Bluejeans, ist der berühmteste Sohn des bei Bamberg gelegenen 3.500-Einwohner-Ortes .

Seinerzeit war er dort allerdings alles andere als wohlgelitten: Als der junge Mann, der damals noch Löb Strauß heißt, nach Amerika aufbricht, geschieht dies nicht freiwillig. Strauß ist Jude, und Juden haben auch im vergleichsweise liberalen Bayern unter Repressionen zu leiden. Zwar sind sie den Christen rechtlich fast gleichgestellt, doch ist per Gesetz festgelegt, wie viele jüdische Bürger an einem Ort leben dürfen. Viele junge Juden können deshalb in ihrem Heimatdorf keine Familie gründen. Das Problem wird in den 1830er Jahren so drängend, dass die Juden Bayern in Scharen verlassen – oft in Richtung der Vereinigten Staaten.

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In Buttenheim zählt die Familie Strauß zu den Ärmsten der Armen. Im Erdgeschoss des Geburtshauses lebt Löb mit seinen Eltern und sechs Geschwistern. Sein Vater arbeitet als Hausierer, geht von Tür zu Tür, um seine Waren feilzubieten. Er stirbt an Tuberkulose, als Löb noch keine 18 Jahre alt ist. Die Familie sieht keinen anderen Weg, als auszuwandern.

Zwei von Löbs Brüdern sind schon zuvor in New York untergekommen. Ihn zieht es nach San Francisco. Er will vom Goldrausch im Westen Amerikas profitieren. Mit 23 Jahren wird er amerikanischer Staatsbürger, nennt sich fortan Levi Strauss und verdient sein Geld als Straßenhändler. Später eröffnet er einen Tuchhandel. Und schnell lernt er eine wichtige Lektion: Reich werden nicht die, die Goldnuggets ausgraben, sondern jene, die ihnen die Schaufeln verkaufen. Beziehungsweise die Zelte. Levi Strauss versorgt die Schürfer vor allem mit Zeltplanen aus Hanffaser.

Eine Gruppe junger Amerikaner um 1955, die Bluejeans tragen. © Pavelle Jacobs/Three Lions/Getty Images

Es ist nicht gesichert, ob sich folgende Episode wirklich so zugetragen hat: Als Levi 29 Jahre alt ist, fragt ihn ein Kunde, ob Strauss ihm statt stabilen Zelttuchs nicht lieber eine stabile Hose verkaufen könne. Viele Goldsucher leiden damals darunter, dass ihre Beinkleider während der anstrengenden Arbeit so schnell zerschleißen. Der junge Levi erkennt die Chance und bringt den Goldgräber zu einem örtlichen Schneider, um aus seinem Zeltstoff eine Hose fertigen zu lassen. Die Kunde von den robusten Beinkleidern verbreitet sich rasch, und Levi Strauss steigt ins Hosengeschäft ein. Stets auf der Suche nach Verbesserungen, importiert er bald ein neues Material aus dem französischen Nîmes, einen indigoblauen Stoff, der seiner Herkunft entsprechend Denim (von "de Nîmes" ) genannt wird. Die sehr dicht gewebte Baumwolle gilt als unzerstörbar.