Unabhängigkeitskriege: Zur Hölle mit Ihren Befehlen, Sir!
Wie ein arbeitsloser preußischer Offizier den Amerikanern zum Sieg im Unabhängigkeitskrieg verhalf – die Geschichte des Barons Friedrich Wilhelm von Steuben.
© Three Lions/Getty Images

Abbildung aus der Zeit um 1780: Freiherr Friedrich William Augustus von Steuben (1730 - 1794)
Die Freiheit muss warten, das Wetter ist zu schlecht. Erst hat es geschneit, jetzt sind die Straßen überschwemmt. Pennsylvanias Revolutionäre bleiben zu Haus. Nur eine kleine berittene Gesellschaft hat es an diesem 19. Februar 1778 eilig, aus dem Städtchen York aufzubrechen, und sie ist selbst unter den ungewöhnlichen Umständen dieser Zeit bemerkenswert: ein in die Jahre gekommener, beleibter deutscher Baron mit dem riesigen Stern eines deutschen Ritterordens auf der Brust, in seinem Schlepptau zwei französische Adjutanten und ein wolfsartiger Hund namens Azor mit schlechten Manieren und einem Appetit wie ein erwachsener Mann.
400 Meilen hat der Baron seit Boston hinter sich gebracht, zu Pferd auf vereisten Wegen durch ein Land, dessen Sprache er nicht versteht, und das war nur der letzte Abschnitt einer Reise, die in Paris begonnen hat. Doch er ist bester Dinge. Das Treffen mit den 20 ehrenwerten Herren, an dem seine ganze Zukunft hing, ist zu seiner vollsten Zufriedenheit verlaufen. Auch wenn sein Status noch nicht ganz geklärt ist – Baron Friedrich Wilhelm von Steuben ist endlich wieder Offizier.
Das 2.000-Einwohner-Städtchen York, umgeben von Pennsylvanias Farmen, ist die Hauptstadt der jungen amerikanischen Republik, auf der die Augen ganz Europas ruhen, seit sie am 4. Juli 1776 ihre Unabhängigkeit erklärt und die Gleichheit aller Menschen zu ihrem Leitprinzip erklärt hat. Die Herren, die, reichlich provisorisch, im ersten Stock von Yorks Gerichtsgebäude tagen, sind der Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika, die Regierung.
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Mit mehreren Empfehlungsschreiben für George Washington in der Tasche macht sich Steuben nun auf, die letzten 90 Meilen nach Osten zurückzulegen, um sich beim Oberbefehlshaber der Kontinentalarmee vorzustellen. Nur ein paar Monate zuvor hätte der Weg aus der Hauptstadt noch von Süden heraufgeführt, von Philadelphia. Seit einem knappen halben Jahr aber ist Philadelphia von den Briten besetzt, und die Armee, die sie aus dem Land jagen soll, kauert vor den Toren der Stadt in ihrem Winterlager aus Blockhütten in Valley Forge. Es steht nicht gut um die Sache der Republik. Seit am 19. April 1775 der Krieg der Kolonien gegen das Mutterland begonnen hat, sind fast drei Jahre vergangen, und nicht nur New York befindet sich nach wie vor fest in britischer Hand, auch bei den Kämpfen um Philadelphia haben die Rebellen zwei Niederlagen eingesteckt.
Die Dokumente, die Steuben Washington überreicht, zeichnen ein goldenes Bild des Barons: Steuben sei Generalleutnant der preußischen Armee gewesen, zuvor Adjutant und Generalquartiermeister Friedrichs des Großen. Großzügig habe er Rang und Einkommen aufgegeben, um sich freiwillig und ohne Bezahlung der amerikanischen Sache zu widmen.
- Wie Deutsche die USA geprägt haben
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Vor mehr als 300 Jahren erreichten die ersten deutschen Siedler die Neue Welt. Sie kamen in der Hoffnung auf Freiheit und Land. Ihnen folgten Tausende, Zehntausende, Millionen. Mehr als 50 Millionen Amerikaner geben heute an, deutsche Vorfahren zu haben. So hat in der Vergangenheit nicht nur Amerika uns beeinflusst – die deutschen Auswanderer haben auch Amerika geprägt. Von ihrer Geschichte erzählt das neue ZEIT Geschichte-Magazin, angefangen bei der Gründung Germantowns im 17. Jahrhundert bis in unsere Gegenwart.
In den vergangenen drei Jahrhunderten sind die einstigen Neuankömmlinge so sehr zu Amerikanern geworden, dass man die deutschen Spuren erst wieder neu entdecken muss. Wer organisierte die Armee der Kolonien im amerikanischen Unabhängigkeitskampf gegen die Briten? Ein preußischer Offizier. Worin hatte die föderale Verfassung der USA ihr Vorbild? In der Struktur des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Wer erfand die Jeans? Ein Unternehmer aus dem fränkischen Buttenheim. Wer kämpfte im Sezessionskrieg aufseiten der Nordstaaten gegen die Sklaverei? Unter anderem 200.000 deutsche Einwanderer. Wer entwarf die Kuppel des Kapitols in Washington? Wer baute die Brooklyn Bridge in New York? Wo hat die Kunst Walt Disneys ihre Wurzeln?
- Massenauswanderung
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Mehr als fünf Millionen Deutsche brachen allein zu Zeiten der Massenauswanderung zwischen 1820 und 1920 in die USA auf, um ein neues Leben zu beginnen. Nach 1933 flüchteten Tausende vor dem Nazi-Regime in die Vereinigten Staaten.
Die Einwanderer haben dabei viel Deutsches eingebracht in den Schmelztiegel USA. Und auch zwei Weltkriege konnten nichts an der tiefen und ursprünglichen Verbindung zwischen beiden Ländern ändern. Zu Unrecht erscheint uns Amerika oft als ein Gegenstück zur Alten Welt, zur eigenen Kultur: Amerika, das zeigen die Geschichten dieser Ausgabe, ist deutscher, als man denkt.
Das alles ist, wo nicht erfunden, maßlos übertrieben. Einflussreiche Freunde in Europa haben Steubens Lebenslauf überarbeitet, um ihm eine Chance in Amerika zu verschaffen. Steuben hat zwar einst in Preußen eine vielversprechende Karriere in der Armee begonnen und auch eine kurze Zeit am Hof verbracht, aber nie mehr als den Rang eines Hauptmanns bekleidet. Noch dazu ist das bereits fast 15 Jahre her. Nicht Besitztümer, sondern Schulden hat er zurückgelassen, und das mit der Bezahlung muss sich auch schnell regeln, sonst ist er aufgeschmissen.
Das Militär ist in seinem Leben zunächst alles, was er kennenlernt. Sein Vater ist verdienter Ingenieur in der Armee des preußischen Königs, die bald zu den professionellsten Streitkräften Europas gehören wird. Nach einer Kindheit in Garnisonen zwischen Sankt Petersburg und Breslau tritt Steuben 1746 selber in die Armee ein, da ist er noch keine 16. Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) gelingt ihm ein schneller Aufstieg, der ihn immerhin als Quartiermeister-Leutnant bis in die königliche Suite Friedrichs des Großen führt. Doch am Ende des Krieges bekommt ein anderer das Kommando über das Regiment, auf das er spekuliert hat, und Steuben muss seine ehrgeizigen Ziele begraben. Womöglich hat er sich Feinde gemacht. 1763 reicht er seinen Abschied ein – und steht vor dem Nichts, denn im kriegsmüden Europa gibt es wenig Karrierechancen für einen Offizier. Steubens materielle Lage ist prekär. Er hat kein Vermögen, dafür aber einen Hang zu teurer Kleidung und eine Vorliebe für Gesellschaften. Der Ehrgeiz und die Schulden werden die Konstanten seines Lebens bleiben.






Hatten wir in Deutschland auch mal, ist aber jetzt alles zum Guttenberg.
Wenn man Zeit - Umstände und Lokalität berücksichtigt, hat von Steuben gute Arbeit geleistet. Jedoch hat er primär die Infanterie auf "Vordermann" gebracht. Die Kavallerie wurde von dem Polen Pulasky geschult. Da war auch noch der Franzose La Fayette, der als Stratege und heimlicher Stabschef von Washington geholfen hat. Das soll Steuben Leistung nicht schmällern, doch auch nicht überbewerten. Man mag jedem seinen Platz geben der ihm gebürt.
Warum fällt es den Deutschen so schwer, einfach und ungezwungen auf sich selbst stolz zu sein genauso wie es die Franzosen und Polen ihnen vorpraktizieren? Nachfolgend der Link zu einem in der heutigen (15. Sept. 2011) Wall Street Journal - Druckausgabe erschienenen Artikel zur amerikanischen Geschichte der gleiche Zeitspanne.
http://online.wsj.com/art...
Warum fällt es den Deutschen so schwer, einfach und ungezwungen auf sich selbst stolz zu sein genauso wie es die Franzosen und Polen ihnen vorpraktizieren? Nachfolgend der Link zu einem in der heutigen (15. Sept. 2011) Wall Street Journal - Druckausgabe erschienenen Artikel zur amerikanischen Geschichte der gleiche Zeitspanne.
http://online.wsj.com/art...
deswegen lese ich die Zeit...
Dazu fällt mir nur der alte Brecht ein:
Wer baute das siebentorige Theben?
In den Büchern stehen die Namen von Königen.
Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?
Und das mehrmals zerstörte Babylon
(...)
http://ingeb.org/Lieder/w...
Na ja, Personen machen Geschichte?
Man kann düber streiten!
...genau sie machen Geschichte, weil nämlich genau ihr Einfluss ausschlaggebend ist.
Und dazu ist der Bau von Städten nun ein wirklich schlechtes Beispiel.
Soldaten führen Befehle aus, Politiker Anweisungen.
Wer diese gibt macht eben den Unterschied.
...genau sie machen Geschichte, weil nämlich genau ihr Einfluss ausschlaggebend ist.
Und dazu ist der Bau von Städten nun ein wirklich schlechtes Beispiel.
Soldaten führen Befehle aus, Politiker Anweisungen.
Wer diese gibt macht eben den Unterschied.
...genau sie machen Geschichte, weil nämlich genau ihr Einfluss ausschlaggebend ist.
Und dazu ist der Bau von Städten nun ein wirklich schlechtes Beispiel.
Soldaten führen Befehle aus, Politiker Anweisungen.
Wer diese gibt macht eben den Unterschied.
Ich habe was dazugelernt, danke.
Für unsere Foristen nochmal deutlich : die amerikanische Revolution konnte erst durch den Einsatz der französischen Marine erfolgreich beendet werden. Durch ausländische Hilfe.
Also in Libyen nicht nur schimpfen.
Warum fällt es den Deutschen so schwer, einfach und ungezwungen auf sich selbst stolz zu sein genauso wie es die Franzosen und Polen ihnen vorpraktizieren? Nachfolgend der Link zu einem in der heutigen (15. Sept. 2011) Wall Street Journal - Druckausgabe erschienenen Artikel zur amerikanischen Geschichte der gleiche Zeitspanne.
http://online.wsj.com/art...
dass im Zusammenhang mit dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gegen England die Rolle Steubens auch in der DDR ihren Nachhall durch Namensgebung von Straßen fand.
Was ich in diesem Zeitartikel gut fand war, dass der Unabhängigkeitskrieg auch einmal kritisch betrachtet wird, anstatt ihn ständig zu heroisieren.
Von diesem Unabhängigkeitskrieg profitierten vornehmlich die Großgrundbesitzer und Vermögenden, die eben auch die meiste Steuer nach England abführen mussten.
Für den einfachen Mann änderte sich erst einmal nichts und das besonders hehere Ziel der Verfassung, also Gleichheit aller Menschen, wurde über 150 Jahre großflächig missachtet und wird es stellenweise heute noch.
Nicht umsonst zogen die wirklich freiheitsliebenden Einwanderer, die wenig besaßen, immer weiter nach Westen.
MfG
AoM
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