Friedrich der Große Der König der DDR
Vom Inbegriff des Militarismus zum respektierten Ahnherrn des antifaschistischen Deutschland: Die sonderbare Karriere Friedrichs »des Großen« unter Ulbricht und Honecker. Eine Spurensuche
Anno 1997 war’s, im Sommer der großen Flut. Das Oderbruch erwartete den Untergang, jene Provinz, die Friedrich »der Große« nicht mit Waffengewalt, sondern durch Eindeichung gewann. Doch nun drohte der Fluss sich zu rächen, wie einst Maria Theresia, nachdem ihr Friedrich Schlesien entrissen hatte. Das Volk wurde evakuiert, das Oderbruch abgeriegelt. Auf Schleichpfaden gelangte der Reporter ins verwaiste Hauptstädtchen Letschin. An der Friedrichstraße wachte Friedrich, lebensklein, in Bronze. Im Gasthaus Zum Alten Fritz zechten königstreue Wasserfeinde. Sie hieben ihre Krüge auf den Tisch und brüllten kampflustig: Jetzt kommt die Schweinepresse!
Gazetten dürfen nicht genieret werden!, rief der Reporter, im Namen des Königs. Ich denke, hier mussten alle raus?
Frauen und Kinder seien in Sicherheit, erklärte der Wirt Uwe Holeschak. Aber die Letschiner hätten so viel für den Alten Fritz getan, da werde der seine Hand über das Oderbruch halten.
Zur DDR-Zeit, erfuhren wir, versteckten Einheimische den bronzenen Friedrich, um ihn vor der Verschrottung zu bewahren. Jener Bürger, in dessen Schuppen sich die Majestät verbarg, trat dem polizeilichen Suchkommando mit erhobener Axt entgegen und gelobte: Wer hier rinn will, den schloo ick to Boden! Friedrich blieb unentdeckt und dankte es 1997 den Seinen. Die Deiche hielten, das Oderbruch blieb verschont.
Friedrichs wunderbare Rettung hat sich in der DDR nicht nur einmal zugetragen. Das größere Wunder geschah in Berlin. Christian Daniel Rauchs berühmtes Reiterstandbild, 1851 Unter den Linden enthüllt, überlebte den Zweiten Weltkrieg in gemauerter Umhausung. 1947 löste der Alliierte Kontrollrat den Staat Preußen auf und exekutierte damit demonstrativ die Keimzelle des deutschen Militarismus. 1950 ging die junge DDR, regiert vom Preußenhasser Walter Ulbricht, gegen die Ostberliner Hinterlassenschaften vor. Das ausgebrannte Hohenzollernschloss wurde gesprengt, der à la Wehrmacht ostwärts reitende Friedrich vom hohen Ross geholt, gevielteilt und nach Potsdam entsorgt. Im Park von Sanssouci verbarg ihn ein Meister der Baufirma Stuck und Naturstein auf deren Lagerplatz. 1961 erkundigte sich der Mann beim neuen DDR-Kulturminister Hans Bentzien, ob das Denkmal tatsächlich eingeschmolzen werden solle. Dies hatte Berlins SED-Chef Paul Verner angewiesen. Unverzüglich organisierte Bentzien mit fritzfreundlichen Spießgesellen Friedrichs Überleben. Bei Nacht und Regen brachte ein Tieflader die Denkmalteile in ihr neues Versteck. Der Sachse Verner wurde mit einem gefälschten Schrottschein vom Feuertod der militaristischen Bestie überzeugt. 1963 baute man das Denkmal wieder zusammen und stellte es stillschweigend in den Park von Sanssouci.
Den Tatbericht verdanken wir Hans Bentzien. Friedrichs Ego scheint anzustecken. Wie der Letschiner Wirt imaginierte sich der gewesene DDR-Kulturminister als Monarch. 2006 erschien ein Buch mit dem bescheidenen Titel Ich, Friedrich II., in dem Bentzien sein, des Königs, Leben offenbart. Kattes Enthauptung: »Da lag ich bereits im Nervenfieber.« Krieg und Schlachten: »Vierzehn Tage später besetzte ich Breslau wieder [...]. Das Wichtigste aber war, daß das Volk, zuvor skeptisch oder sogar offen gegen den Krieg eingestellt, nunmehr für meine Pläne Verständnis zeigte.« Landesfürsorge: »Dann zog ich durch meine Provinzen.« Sachsen: »Die Schlösser des Grafen Brühl ließ ich verwüsten, er war ein Verschwender.« Homosexualität: »Dazu äußere ich mich nicht.«
- Datum 24.01.2012 - 14:59 Uhr
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- Quelle ZEIT Geschichte
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"Groß aber nennen wir Preußens zweiten Friedrich nicht. Unendlich größer waren seine Leichenberge."
Wie viele Leute die "der Große" genannt werden haben keine Leichenberge hinterlassen?
0?
Viele heutige deutsche Historiker und Journalisten brauchen es anscheinend, ständig ganz demonstrativ nur von "Friedrich II." zu schreiben. Nur wenn es um den vielleicht wirklich größten militärischen Zocker aller Zeiten geht, würden die niemals "Alexander III." schreiben. Auf die Konsequenz warte ich bis heute noch vergeblich.
Viele heutige deutsche Historiker und Journalisten brauchen es anscheinend, ständig ganz demonstrativ nur von "Friedrich II." zu schreiben. Nur wenn es um den vielleicht wirklich größten militärischen Zocker aller Zeiten geht, würden die niemals "Alexander III." schreiben. Auf die Konsequenz warte ich bis heute noch vergeblich.
Eine sehr interessante Abhandlung über die Wandlung der Einschätzung einer historischen Figur dem jeweiligen Zeitgeist oder der staatlichen Obrigkeit entsprechend!
Die Sage "Sanssouci sei 1945 von der Roten Armee vor der faschistischen Zerstörung bewahrt worden und dürfe schon deshalb nicht verfallen" ist dabei frappant beispielhaft wie man Kunstbeutejäger zu -Rettern hochstilisiert.
Ebenso vielsagend wie pietätlos sind die letzten beiden Zeilen des Artikels.
Und wenn die ZEIT noch so viele kleingeistige Schmähartikel zu F2 verfasst - Friedrich bleibt einer der bedeutendsten deutschen und der bedeutendste preußische Herrscher.
Dass die Medien der heutigen Bundesrepublik mit Preußen, seinen Tugenden und Schwächen, so wenig anzufangen wissen, spricht für den verkorksten Bildungsweg der Meinungseliten.
Die meisten von ihnen stehen halt leider in der geistigen Tradition der Rheinbundstaaten, ganz im Sinne von Teilstaatgründer Adenauer.
Wenn sich unser Geschichtsbild endlich von seiner kranken Fokussierung auf die schlimmsten 12 Jahre emanzipiert haben wird, dann finden auch Friedrich II und Bismarck wieder ihren angestammten Platz im "deutschen Olymp".
Von den Politikern unserer Zeit fällt mir da niemand ein, der auch nur annähernd deren Format hätte. Aber das kann man auch nicht vergleichen.
Jaja, die DDR und Preußen. Für Mitterand war beides ja gleichzusetzen. Und wenn man sich Uniformen, Stechschritt und die "aufgabenorientierte" Führung in der Gesellschaft anschaute, war da sicher was dran. Ich kann mich übrigens noch an ein Theaterstück erinnern, muss Mitte, Ende der achtziger Jahre gewesen sein. Protagonist war der Alte Fritz. Von der Handlung weiß ich eigentlich nichts mehr, nur der Schlussakt blieb in meinem Gedächtnis. Hier wurde die Würdigung Preußens durch die DDR auf´s Korn genommen: der alte Fritz trat von der Bühne, es wurde dunkel und dann konnte man die Umrisse eines Mannes mit kräftiger Statur und Pickelhaube erkennen. Er fragte sich, wann er denn endlich seinen Auftritt bekommt.
Viele heutige deutsche Historiker und Journalisten brauchen es anscheinend, ständig ganz demonstrativ nur von "Friedrich II." zu schreiben. Nur wenn es um den vielleicht wirklich größten militärischen Zocker aller Zeiten geht, würden die niemals "Alexander III." schreiben. Auf die Konsequenz warte ich bis heute noch vergeblich.
Viel mir auch auf, als ich neulich dieses -nachtstudio- zum Thema sah :
http://www.zdf.de/ZDFmedi...
Und wie eine der Gäste/innen (mit was wichtigem beschäftigen sich die Leute bei der Rechtschreibreform eigentlich?) so beschrieb, nämlich die Frau Trevert, da fiel mir hier im Artikel auch auf, daß ihm der zweite Vorname fehlt, der laut erwähnter Frau Trevert wohl
Friedrich II "merchandising himself" von Brandenburg-Preußen
hätte lauten können.
Seltsam das keine Kartoffelsorte nach ihm heißt, aber, wie gehört, er schon zu Lebzeiten sein Konterfei vermarktete.
Aber an Alexander hatte ich auch gedacht.
Viel mir auch auf, als ich neulich dieses -nachtstudio- zum Thema sah :
http://www.zdf.de/ZDFmedi...
Und wie eine der Gäste/innen (mit was wichtigem beschäftigen sich die Leute bei der Rechtschreibreform eigentlich?) so beschrieb, nämlich die Frau Trevert, da fiel mir hier im Artikel auch auf, daß ihm der zweite Vorname fehlt, der laut erwähnter Frau Trevert wohl
Friedrich II "merchandising himself" von Brandenburg-Preußen
hätte lauten können.
Seltsam das keine Kartoffelsorte nach ihm heißt, aber, wie gehört, er schon zu Lebzeiten sein Konterfei vermarktete.
Aber an Alexander hatte ich auch gedacht.
wie kann ein grosser deutscher feldherr auch einfach nur "gross" sein, ohne dass man auf seine ruchlosigkeit aufmerksam machte? werden aktuelle (westliche) staatenlenker dereinst ebenso streng an ihren leichenbergen gemessen werden? wie sagte hillary clinton lachend, als sie das video mit gadhafis hinrichtung sah: "we came, we saw, he died." der libyenfeldzug hatte 10'000 tote gefordert.
100'000 tote natürlich.
100'000 tote natürlich.
100'000 tote natürlich.
Da war doch einmal die Rede von "preußischen Tugenden" ... ?!
Aber andererseits, eine Bananenrepublik ist durch eine Banane schon angemessen vertreten ... ... !!
... eine "Rehabilitierung" Friedrichs des Großen und anderer großer Deutscher gar nicht mehr zu wollen, sondern eher als Missbrauch anzusehen.
Oder zumindest müde darüber zu lachen, wie sich Geschichte wiederholt und nun ein zweiter deutscher Nachkriegsstaat meint, mit ein wenig (!) Preußens Gloria seinen Niedergang zu kaschieren. Da erkenne ich durchaus eine Parallele.
... eine "Rehabilitierung" Friedrichs des Großen und anderer großer Deutscher gar nicht mehr zu wollen, sondern eher als Missbrauch anzusehen.
Oder zumindest müde darüber zu lachen, wie sich Geschichte wiederholt und nun ein zweiter deutscher Nachkriegsstaat meint, mit ein wenig (!) Preußens Gloria seinen Niedergang zu kaschieren. Da erkenne ich durchaus eine Parallele.
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