Qing-ImperiumTriumph der Barbaren
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 Im 18. Jahrhundert beginnt sich das Chinabild einzutrüben

Doch im 18. Jahrhundert beginnt sich das Chinabild allmählich einzutrüben: 1721 verweist Kaiser Kangxi nach Streitigkeiten über den chinesischen Ahnenkult die christlichen Missionare des Landes. Auch das Fortschrittsdenken der Aufklärung trägt dazu bei, dass China nicht länger als Vorbild angesehen wird. Porzellan, Schießpulver und moderne Buchdrucktechniken: Errungenschaften wie diese wurden lange Zeit als Zeugnisse chinesischer Fortschrittlichkeit gefeiert. Nun hingegen gilt das Qing-Reich mehr und mehr als Ort der Stagnation – uralten Riten verhaftet, dem Gestern, nicht dem Morgen zugewandt.

Zeitgleich zeichnet sich auch in China selbst eine Krise ab, denn in den Jahren des relativen Friedens und des materiellen Wohlstandes ist die Bevölkerung so schnell gewachsen wie nie zuvor. 1700 zählte das Land etwa 138 Millionen Einwohner. Ende des 18. Jahrhunderts sind es fast doppelt so viele, ohne dass sich die landwirtschaftlich nutzbare Fläche vergrößert hätte. In der Verwaltung gedeiht unterdessen die Korruption, wodurch der Staat grundlegende Aufgaben vernachlässigt: die öffentlichen Getreidespeicher zu kontrollieren, Flüsse zu regulieren, Kanäle und Deiche instand zu halten. Die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln ist nicht mehr gewährleistet. Lokale Aufstände und Rebellionen destabilisieren das Reich. Und auch dem Druck von außen kann es auf Dauer nicht standhalten. Was Qianlong Ende des 18. Jahrhunderts noch souverän zurückgewiesen hat – reguläre Handelsbeziehungen mit Europa aufzunehmen –, werden die Westmächte wenige Jahre später mit Gewalt durchsetzen.

Der Stoff, der dabei die entscheidende Rolle spielt, wird aus dem Milchsaft des Schlafmohns gewonnen und hat eine hypnotische, süchtig machende Wirkung: Opium. Hergestellt wird es um 1900 unter anderem in dem der britischen Krone unterstellten Bengalen, dem heutigen Bangladesch. Im frühen 19. Jahrhundert beginnen die Briten, die Droge verstärkt nach China zu verkaufen, um ihre Handelsbilanz aufzubessern. Im Jahr 1800 haben Engländer und Amerikaner noch für fast vier Millionen Pfund Sterling chinesischen Tee erworben. Nun fungiert Opium als Tauschmittel. Waren im Jahr 1729 nur 200 Kisten à 60 bis 70 Kilogramm Opium nach China geliefert worden, so sind es 1832 bereits mehr als 23.500.

Ungeahnte Ausmaße nimmt das Geschäft an, als im Jahr 1833 das Handelsmonopol der Ostindischen Kompanie aufgehoben wird: Europäische Händler überschwemmen das Kaiserreich nun geradezu mit dem Rauschgift. Tausende verfallen in China der Droge, Silber fließt in rauen Mengen außer Landes, was den Staat an den Rand des Bankrotts bringt. 1839 sagt daher der kaiserliche Sonderbevollmächtigte Lin Zexu dem Opiumhandel den Kampf an. Der Konsum wird verboten, Süchtige werden ausfindig gemacht und bestraft. Im Mai 1839 haben die Behörden bereits mehr als 1600 Chinesen inhaftiert und 16 Tonnen Opium beschlagnahmt.

Gegenüber den ausländischen Händlern jedoch fehlen China die nötigen Druckmittel. Lin Zexu versucht das Problem daher zunächst mit moralischen Appellen zu lösen. 1839 schreibt er an die englische Königin Viktoria: »Lasst uns fragen: ›Habt Ihr kein Gewissen?‹ Ich habe gehört, dass in Eurem Lande das Opiumrauchen streng verboten ist. Und das, weil der Schaden, den das Opiumrauchen verursacht, klar erkannt wird. Wenn es nicht erlaubt ist, Eurem eigenen Lande Schaden zuzufügen, dann solltet Ihr [das Gift] umso weniger zum Schaden anderer Länder weitergeben lassen.«

Doch Lin findet kein Gehör – woraufhin er versucht, die Herausgabe des in Kanton lagernden Opiums zu erzwingen. Schließlich befiehlt er, Lancelot Dents verhaften zu lassen, einen der führenden Opiumhändler. Doch die Briten liefern ihn nicht aus. Chinesischen Händlern wird daraufhin jeder Kontakt zu Ausländern untersagt, die ausländischen Niederlassungen in Kanton lässt Lin abriegeln. Ein Nervenkrieg beginnt. Und Lin gewinnt. Nach sechs Wochen geben die Händler ihre Lagerbestände heraus: 1400 Tonnen zu Ballen gepresstes Rohopium. Mit Wasser, Salz und Kalk vermischt, wird es unter behördlicher Aufsicht ins Meer gekippt.

Lins Triumph aber ist von kurzer Dauer. Denn mit der Vernichtung der europäischen Opiumbestände in Kanton haben sich die Chinesen nicht nur mit den ausländischen Händlern, sondern auch mit der englischen Krone angelegt. Und die reagiert mit Waffengewalt: Auf Druck der britischen Kaufleute entsendet England im Sommer 1839 sechzehn schwer bewaffnete Kriegsschiffe, vier Dampf- und mehr als zwanzig Transportboote nach China – der Beginn des ersten Opiumkrieges. Eilig verstärken die Chinesen die Verteidigungsanlagen um Kanton. Doch die Engländer beschränken sich darauf, den dortigen Hafen zu blockieren, und fahren mit ihren Schiffen nach Norden, wo sie weitere Häfen und Handelswege unter ihre Kontrolle bringen. Erst als die britischen Kanonenboote sich Tianjin, der Hafenstadt vor Peking, nähern, erklären sich die Chinesen zu Verhandlungen bereit. Das Abkommen, das der Großsekretär des Kaisers im Januar 1841 mit den Briten schließt und in dem er unter anderem die Einrichtung einer ausländischen Konzession in Kanton zugesteht, empört den Kaiser indes so sehr, dass er es für ungültig erklärt. Nicht minder unzufrieden ist die englische Krone. Umgehend schickt sie einen neuen Verhandlungsbevollmächtigten: Sir Henry Pottinger.

Die Niederlage des chinesischen Kaiserreichs ist damit besiegelt. Denn anders als sein Vorgänger verfolgt Pottinger eine auf die Kapitulation Chinas gerichtete Offensive. Erneut stößt die britische Flotte nach Norden vor und nimmt Xiamen, Ningbo und die Insel Zhoushan ein. Shanghai und Zhenjiang werden gestürmt – sämtliche chinesischen Verhandlungsangebote schlägt Pottinger aus. Erst als der Angriff auf Nanking bevorsteht und die chinesische Seite um Frieden ansucht, lenken die Briten ein.

China kann den gegnerischen Forderungen nun nichts mehr entgegensetzen: Am 29. August 1842 diktiert das Vereinigte Königreich seine Bedingungen – im Friedensvertrag vom Nanking, der als erster der »ungleichen Verträge« in die Geschichte eingeht. Er sieht die Öffnung von insgesamt fünf chinesischen Häfen für den internationalen Handel vor (Xiamen, Fuzhou, Guangzhou, Ningbo, Shanghai), die Abtretung Hongkongs an Großbritannien und Entschädigungszahlungen in Höhe von 21 Millionen Silberdollar. China ist in die Knie gezwungen. Ein Schock, der auch die Intellektuellen aufschreckt: Fiebrig beginnen sie nach Rezepten zur Selbststärkung des Landes zu suchen, denn die gewaltsame Öffnung Chinas für den internationalen Handel hat aller Welt die Unterlegenheit des chinesischen Heeres und der Marine vor Augen geführt.

Leserkommentare
  1. "Im August 1900 erreichen deutsche, amerikanische, britische, französische, japanische, italienische, russische und österreichische Truppen Peking. Ihre Strafmission kennt kein Erbarmen. Die Soldaten plündern, zerstören, prügeln und exekutieren."

    ähnlich wie beim irak krieg.

    der iran krieg wird seltsamerweise von den selben parteien geplant. es hat sich nicht viel geändert, damals hat man wenigsten seine absichten nicht verheimlicht.

    5 Leserempfehlungen
  2. Genau aus den in diesem Artikel genannten Gründen wissen chinesische Regierungen, dass sie gut daran tun, allen westlichen Staaten zu Misstrauen. Etwas weniger episch ist die Geschichte der kolonialistisch-imperialistischen Überfälle auf China von Fernand Braudel in seiner kurzen Weltgeschichte beschrieben: A History of Civilizations

    Historisch gesehen, konnte sich China nur durch den Kommunismus von den imperialistischen Mächten befreien. Jetzt sind sie wieder ein Weltreich und eine Weltmacht. Und sie haben gelernt.

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  3. viel geändert hat sich nicht seit der Zeit der Qing-Kaiser. Keinerlei Transparenz, stattdessen Vetternwirtschaft, Korruption und Gängelung von Andersdenkenden. Und die neue "Verbotene Stadt" liegt genau einen Block westlich der alten.

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  4. Damit man auch weiss wie die Drogengelder 'kanalisiert' wurden.
    Die Drogenbosse von einst sind die Bankenbosse von heute , die HSBC Bank spielt dabei eine entscheidende Rolle.

    http://www.thetruthseeker...

    ...""David Sassoon was born in Baghdad, Ottoman Iraq in 1792, son of Saleh Sassoon, a wealthy banker and treasurer to Ahmet Pasha, governor of Baghdad (making him the “court Jew”—a highly influential position). When Ahmet was overthrown for corruption in 1829, the Sassoons fled to Bombay, India, the strategic trade route to India and gateway to the Far East. Soon the British government granted Sassoon “monopoly rights” to the manufacture of cotton goods, silk, and most importantly, Opium—at that time the most addictive drug in the world!
    The Jewish Encyclopedia of 1905, states that Sassoon expanded his opium trade into China and Japan. He placed his eight sons in charge of the major opium exchanges in China. According to the 1944 Jewish Encyclopedia: “He employed only Jews in his business, and wherever he sent them he built synagogues and schools for them. He imported whole families of fellow Jews . . . and put them to work.” ...

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    Interessante Webseite, auf die Sie hier verlinken. Man klickt so ein bisschen und schwupp! ist man bei der Holocaustleugnung. Ach ja, nothing ever changes.

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    Danke Rudi , man tut was man kann...

    nun, wie der israelische Offizier dem Dänen die Maschinenpistole ins Gesicht haut, das ist schon starker Tobak und deckt sich mit vielen Berichten, die Sie aber generell abstreiten, auch Ehud Barack kommt da zu Wort mit seiner Aussage des Erstschlages. dessen Möglichkeit Sie auch abstreiten.

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    nun, wie der israelische Offizier dem Dänen die Maschinenpistole ins Gesicht haut, das ist schon starker Tobak und deckt sich mit vielen Berichten, die Sie aber generell abstreiten, auch Ehud Barack kommt da zu Wort mit seiner Aussage des Erstschlages. dessen Möglichkeit Sie auch abstreiten.

  6. 6. Opium

    Ein peinliches Kapitel europäischer, insbesondere englischer Geschichte.
    Wer kann es da jemand den Chinesen verdenken, wenn sie nun die europäische Wirtschaft ruinieren.
    Immerhin akzeptieren sie jetzt nicht nur Silberbarren sondern Papiergeld, was sich aber als unglücklich herausstellen könnte, denn Papier lässt sich unbeschränkt drucken.

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    das Pappiergeld macht zwar kein Individuum abhängig, aber auf dauer wird es den Chinesen nicht weniger schaden.

    • pinero
    • 19.04.2012 um 2:37 Uhr

    "Wer kann es da jemand den Chinesen verdenken, wenn sie nun die europäische Wirtschaft ruinieren."

    Die Chinesen ruinieren die europäische Wirtschaft? Die These müssen Sie aber einmal genauer erklären, wie kommen sie darauf?
    Ganz im Gegensatz zu den Zeiten der Qing-Dynastie ist die chinesische Wirtschaft heute doch so eng mit allen anderen Volkwirtschaften der Welt verwoben wie kaum eine andere.
    Jede Krise in Europa / den USA etc. hat daher unmittelbar negative Auswirkungen auf das chinesische Wachstumsmodell.
    Gerade deshalb sorgt sich China über die Verschuldungspolitik und das dilettantische Krisenmanagement hier, obwohl es an den Ursachen (unregulierte Finanzmärkte etc.) nun wirklich nicht Schuld ist.

    das Pappiergeld macht zwar kein Individuum abhängig, aber auf dauer wird es den Chinesen nicht weniger schaden.

    • pinero
    • 19.04.2012 um 2:37 Uhr

    "Wer kann es da jemand den Chinesen verdenken, wenn sie nun die europäische Wirtschaft ruinieren."

    Die Chinesen ruinieren die europäische Wirtschaft? Die These müssen Sie aber einmal genauer erklären, wie kommen sie darauf?
    Ganz im Gegensatz zu den Zeiten der Qing-Dynastie ist die chinesische Wirtschaft heute doch so eng mit allen anderen Volkwirtschaften der Welt verwoben wie kaum eine andere.
    Jede Krise in Europa / den USA etc. hat daher unmittelbar negative Auswirkungen auf das chinesische Wachstumsmodell.
    Gerade deshalb sorgt sich China über die Verschuldungspolitik und das dilettantische Krisenmanagement hier, obwohl es an den Ursachen (unregulierte Finanzmärkte etc.) nun wirklich nicht Schuld ist.

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    Danke Rudi , man tut was man kann...

    Antwort auf "Seltsame Webseite"
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    Der Inhalt dieser Webseite stellt in der Bundesrepublik Deutschland eine Straftat dar.

    Warum nur bin ich überhaupt nicht überrascht, dass jemand wie Sie auf eine solche holocaustleugnende webseite verlinkt?

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    Warum nur bin ich überhaupt nicht überrascht, dass jemand wie Sie auf eine solche holocaustleugnende webseite verlinkt?

  8. 8. video

    nun, wie der israelische Offizier dem Dänen die Maschinenpistole ins Gesicht haut, das ist schon starker Tobak und deckt sich mit vielen Berichten, die Sie aber generell abstreiten, auch Ehud Barack kommt da zu Wort mit seiner Aussage des Erstschlages. dessen Möglichkeit Sie auch abstreiten.

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    Ich streite überhaupt nichts ab in dieser Hinsicht. Aber was soll man von einer Webseite voller Holocaustleugnung nur halten?

    Ich streite überhaupt nichts ab in dieser Hinsicht. Aber was soll man von einer Webseite voller Holocaustleugnung nur halten?

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