Breivik-Attentat : "Gegen den Hass"

Anders Breivik ist nicht allein mit seinen Ideen. Das macht mir Angst. Doch es hilft nicht, sich zum Opfer zu stilisieren. Von Mahmona Khan, Oslo
Eine muslimische Frau fotografiert ein Meer an Blumen vor der Kathedrale in Oslo, vier Tage nach dem Attentat durch Anders Behring Breivik. © Cathal McNaughton/Reuters

Der 22. Juli 2011 wird mir als einer der schrecklichsten Tage meines Lebens in Erinnerung bleiben. Dieser Tag des Hasses hat mich so schockiert wie der Terrorangriff vom 11. September 2001.

Ich bin Norwegerin. Meine Eltern kamen vor rund 40 Jahren aus Pakistan hierher – so wie zahlreiche andere Migranten aus Asien und Afrika. Mitte der sechziger Jahre begann die moderne Geschichte Norwegens als Einwanderungsland.

Oft wird behauptet, Integration sei hier nie ein Problem gewesen, bevor Tausende Menschen aus nichtwestlichen Staaten ins Land kamen. Doch das ist nicht wahr: Norwegen hat eine mehr als tausendjährige Migrationsgeschichte, und auch Europäer taten sich mitunter schwer damit, ihren Platz in der norwegischen Gesellschaft zu finden.

Unterschiedlichkeit erzeugt unweigerlich Spannungen. Auch meiner Familie begegnete man mit Vorurteilen. Ich erinnere mich, dass wir »Pakis« genannt wurden. Aber alles in allem machte uns das nicht so viel aus. In gewisser Weise schien es mir sogar, dass sich die Dinge im Lauf der Zeit verbesserten, dass die Menschen einander kennenlernten. Die Kinder der Einwanderer mischten sich mehr und mehr in öffentliche Debatten ein, wurden zu einem aktiven Teil der Gesellschaft.

Diese neue Generation war der ihrer Eltern in vielem voraus: Sie war besser ausgebildet und engagierte sich stärker in der Gesellschaft. Und sie wagte es, sich gegen patriarchale, autoritäre Strukturen in den Familien aufzulehnen. Auch ich gehöre zu dieser Generation. Wir sitzen zwischen allen Stühlen. Aber ich blieb stets optimistisch, denn allen Schwierigkeiten zum Trotz waren die Dinge in Bewegung!

Dann kam der 11. September. Und mit ihm kamen Angst und Misstrauen. Die Terroristen haben für ihre Mordtat den Glauben von Millionen Menschen missbraucht und in ein so übles Licht gerückt, dass Muslime in aller Welt das Stigma spürten. Manche von ihnen distanzierten sich nun von ihrem Glauben, den sie bisher ganz entspannt gelebt hatten; andere identifizierten sich mit ihm umso stärker, je heftiger er angegriffen wurde. Auf einmal war die Gesellschaft wieder gespalten in »wir« und »ihr«. Der Karikaturenstreit von 2005 verstärkte dies noch.

1989 war es schon einmal zu einem ähnlichen Konflikt gekommen. Damals ging es um Salman Rushdies Buch Die satanischen Verse. Auf den norwegischen Verleger des Buches, William Nygaard, wurde ein Attentat verübt. Glücklicherweise überlebte er! 1989, 2001, 2005: Die Angst vor Muslimen und die Vorurteile gegen sie haben in diesen Jahren immer weiter zugenommen.

Auch die muslimische Community hat sich verändert. Vor dem 11. September kannte oder sah ich so gut wie keine Frau, die einen Hidschab trug, und keine Männer mit langem Bart. Heute bietet sich ein anderes Bild: Vor allem junge norwegische Muslime sind wieder viel konservativer in ihren Ansichten und stärker auf der Suche nach religiöser Identität. Ich denke, das hat auch damit zu tun, dass sie sich hierzulande nicht anerkannt fühlen, dass sie sich oft am Rand der Gesellschaft wiederfinden und deshalb anderweitig nach Zugehörigkeit streben.

Die Situation hat sich in Norwegen gefährlich hochgeschaukelt. Auf der einen Seite gibt es islamistische Extremisten. Sie befeuern die Ängste vor dem Islam – Ängste, die bei radikalen Rechten in offenen Hass umschlagen. Beide Seiten – die Islamisten und die radikalen Islamhasser – sind in einer symbiotischen Beziehung zueinander gefangen: Sie speisen den Hass der Gegenseite mit immer neuer Nahrung.

Mahmona Khan

wurde 1973 in Oslo geboren. Sie ist freie Autorin und betreibt das viel beachtete Weblog www.mahmnonakhan.no.

Was mich am meisten ängstigt, ist, dass Anders Breivik, der Attentäter von Oslo und Utøya, nicht allein ist mit seinen Überzeugungen. Sein Glaube hat viele Anhänger. Und das ist mindestens ebenso alarmierend wie der islamische Fundamentalismus, der den Islam so fürchterlich in Verruf gebracht hat und es weiter tut. Längst vertreten hierzulande sogar manche Intellektuelle und Akademiker die Ansicht, der Islam und die Muslime bedrohten Norwegen. Dass es einige Muslime gibt, die nichts anderes tun, als sich lautstark zu Opfern zu stilisieren, macht die Sache nur noch schlimmer.

Ich bin überzeugt, dass es möglich ist, Brücken zu bauen. Man muss die Angst bekämpfen – mit Fakten. Nur so können wir die gegenwärtigen Konflikte lösen. Ich bin eine stolze norwegische Muslimin mit einem reichen pakistanischen Erbe. Norwegen ist noch immer ein wundervolles, ein freiheitliches und in vieler Hinsicht junges Land. We shall overcome!

Aus dem Englischen von Christian Staas

Verlagsangebot

Die Macht der Vorurteile

Vorurteile prägen unseren Alltag. Woher sie kommen. Wem sie nützen. Und warum man sie so schwer loswird. Jetzt in der neuen ZEIT.

Hier lesen

Kommentare

51 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Was soll "Integration" überhaupt bedeuten?

In Norwegen habe man behauptet, Integration sei nie ein Problem gewesen, bis nicht Menschenmassen aus nichtwestlichen Staaten ins Land kamen.

Das war in D bis Ende der 70er nicht anders.

[..]

Gekürzt. Bitte beachten Sie das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/ls

Und da sind sie wieder

die bornierten Klischees. Die unreflektierte Angst, die "Ausländer" würden die Deutschen überrennen und zu einem Verschwinden der deutscher Kultur führen. Die Arroganz, das "Deutsche" mehr Rechte hätten, bevorzugt behandelt werden müssten, weil das Glück hatten, hier geboren zu sein. Weiß zu sein. Die deutsche Nationalität zu haben. Was bedeutet überhaupt "deutsche Kultur". Wer von den heutigen deutschen Jugendlichen kümmert sich überhaupt darum, dass er/sie bestimmte Traditionen lebt und welche sind das? Welche dieser Traditionen werden auch von Nichtdeutschen gelebt bzw. nicht gelebt? Eine Antwort interessiert mich sehr.

Man sollte sich hierbei vor Augen führen, dass Nationalstaaten schon immer etwas konstruiertes waren und kein Grund liefern dürfen, anderen Menschen gegenüber hochnäsig gegenüber zu treten. Ebenso ist es nicht nachzuvollziehen, warum die eigene Kultur als höherwertig, als bewahrenswerter angesehen werden sollte. Alle Kultur ist wertvoll und bewahrenswert. Allerdings ist "Kultur" kein statisches Konzept. Kulturen entwickeln sich und gerade interkultureller Austausch ist wichtig, damit sich Kulturen entwickeln können. Eine abgeschottete Kultur wird irgendwann sich selbst zur Referenz und bald zur Farce.

Wenn Sie hier die ganzen sozialen Probleme anführen, dann sollten Sie sehr vorsichtig sein, denn Sie vermischen und vertauschen Ursachen und Wirkungen. Evtl., um ihre festgefahrenen Bilder bestätigen zu können?

Welche Vorurteile wären das?

Etwa das Vorurteil, dass soziale Probleme vielschichtig und zu komplex sind, als sie auf einfache Zusammenhänge wie Muslim -> ungebildet oder Araber -> Sozialschmarotzer oder Ausländer -> kriminell zu reduzieren?

Ist es etwa ein Vorurteil, wenn ich das Phänomen betrachte und bei meinen Urteilen berücksichtige, dass soziale Gruppen sich auf sich selbst reduzieren und abspalten, wenn Teile oder einzelne Mitglieder von ihnen angegriffen werden.

Ist es ein Vorurteil, wenn ich bedenke, dass Ressentiments gegenüber Ausländern, sozial Schwachen, Andersdenkenden, Andersgläubigen immer dann auf besonders fruchtbaren Boden fallen, wenn es eine Zeit sozialer Unsicherheit, wirtschaftlicher Schwäche, großer sozialer Unterschiede gibt?

Reaktion? - Vergleiche Kommentar 13

"Nehmen wir mal an, die Tochter der Dame auf dem Titelfoto
erklärt ihren Eltern, mit einem buddhistischen Bekannten
in ein Jugendcafe gehen zu wollen, auch sonst würde sie ihn sehr symphatisch finden. Reaktion?"
-
Wer weiß das schon. Die Reaktion kommt auf die Frau an, nicht auf die Religion. Auch nicht auf die Kleidung. Die kann man aus verschiedenen Gründen tragen (siehe Kommentar 13).

Borniert? Arrogant?

... "Die Arroganz, das "Deutsche" mehr Rechte hätten, bevorzugt behandelt werden müssten, weil das Glück hatten, hier geboren zu sein. Weiß zu sein. Die deutsche Nationalität zu haben." ...

Ja, für mich nehme ich es in Anspruch, hoffentlich in meinem Heimatland andere Rechte und Pflichten zu haben, als wenn ich mich als "dauerhafter Gast" in einem anderen Land aufhalte.

Ganz klar spürbar, wenn ich in meinem Heimatdorf bin, in dem meine Familie nachweislich seit dem 15. Jahrhundert ansässig ist - dort ist mein Status auch heute noch ein ganz anderer, als wenn ich zwanzig Kilometer weiter irgendwo als "Zugezogene" oder "Eingeheiratete" leben würde. In größeren Städten spielt diese Zugehörigkeit keine große Rolle mehr - obwohl in persönlichen Gesprächen gerne betont wird, wieviele Generationen schon in dieser Stadt lebten - oder man selbst mindestens seit 50 Jahren im gleichen Haus wohnt. - Und daraus ganz selbstverständlich für sich mehr Rechte ableitet... Das empfinde ich als legitim - weil solche Aussagen bekomme ich auch von befreundeten Familien im Ausland - ob Frankreich oder USA...

Ich finde es bewundernswert, wie die norwegische Gesellschaft um "Einheit in Vielfalt" kämpft, um ihre Vision von Frieden und Demokratie zu stärken. Das geht aber auch nur, wenn sich jede und jeder seiner Wurzeln und seiner Identität bewußt ist, denn ein Einheitsbrei schafft keinen wirklichen Frieden, sondern nährt die abstrusen Mordpläne von Attentätern jeder Couleur.

Das ist das Problem

Andere werden nur als "dauerhafter" Gast bezeichnet. Glückwunsch.

Ach, ist es nicht schön, sich als etwas "besseres" erleben zu dürfen, weil die eigene Familie schon seit dem 15. Jh. in besagtem Dorf lebt? Ist es nicht schön, auf den gewohnten Status, die überlieferten Traditionen zurückgreifen, zurückblicken zu können?
Wie wäre es, wenn jemand Außenstehendes nun versuchen würde, Ihrer Familie den Status, die Traditionen streitig zu machen, weil er/sie meint, Sie und Ihre Familie wären rückständig? Was würde passieren? Würden Sie sofort Ja und Amen sagen oder sich eher noch stärker auf Ihre Familie konzentrieren, sich gegen Anfeindungen zur Wehr setzen, sich einigeln?

Erkennen Sie, was ich Ihnen sagen will?

Erklärung

"Auch die muslimische Community hat sich verändert...Ich denke, das hat auch damit zu tun, dass sie sich hierzulande nicht anerkannt fühlen, dass sie sich oft am Rand der Gesellschaft wiederfinden und deshalb anderweitig nach Zugehörigkeit streben."

Es scheint für Islamismus keine andere Erklärung zu geben, außer nicht "anerkannt" zu werden. Lassen sich mit diesem Ansatz auch 70% Wahlerfolge für Islamisten in Ägypten erklären? Ich glaube nicht.
Wir müssen uns mit der Realität beschäftigen und dabei hilft nur eine ehrliche Bestandsaufnahme und Analys bestimmter Phänomene. Dazu gehört auch, dass die Integration von bestimmten Migrantengruppen gut und ziemlich problemlos funktioniert, hier und in Norwegen, und die Integration anderer Gruppen große Problem macht.

Der Kamm ist wieder da...

... über den so oft doch alle geschoren werden.
Das ist genau einer der Kernpunkte der Debatte, finde ich.
Mal wieder sind es "die Muslime" und "die Islamisten". Was hat denn bitte eine junge norwegische Frau, deren Eltern vor 40 Jahren aus Pakistan kamen, mit den Wahlergebnissen in Ägypten zu tun, nur weil sie und die dort lebenden Menschen formal der gleichen Glaubensrichtung angehören?
Kann man mich mit dem Ku Klux Klan vergleichen, nur weil ich mich ebenso wie dessen Anhänger als Christ bezeichne und uns tausende von Kilometern trennen?

Ich denke schon, dass für viele junge europäische Muslime auch einfach die Ablehnung, die ihrem Glauben entgegenschlägt, dazu führt, dass dieser offener zur Schau gestellt wird, also mit Bart oder Hidschab.
So wie "Schaut her, ich gehöre trotzdem dazu und schäme mich nicht für meine Religion, die ihr plötzlich so pauschal verurteilt". Möglicherweise wird Extremismus auch geschürt dadurch, dass man sich fremd fühlt und deshalb mehr zusammenrottet. Möglicherweise möchten einige junge Menschen aber auch einfach nur zeigen: "Sehr her, wir sind Muslime. Und zwar ganz offensichtlich. Und trotzdem sind wir vollwertige, normale Mitglieder dieser Gesellschaft."
Man kann auch langen Bart oder Kopftuch tragen, und trotzdem oder gerade deshalb voll im normalen Leben stehen, ohne gleich ein potentieller Terrorist zu sein!

@maristra

Sie wollen nicht ernsthaft eine marginale, geächtete und gesellschaftlich bekämpfe Gruppe wie den Ku Kluks Klan mit überall in der islamischen Welt anzutreffenden islamistischen Massenorganisationen verlgeichen, welche zahlreiche Staaten regieren und gesellschaftlich prägen?

Ansonsten ist in einer globalisierten Welt eine isolierte Betrachtung kaum möglich und das trifft natürlich auch auf Migranten aus islamischen Staaten zu. Dafür ist der Einfluss durch Internet, Satellietenfernsehen und Verwandte aus diesen Ländern viel zu groß. Von der ersten freien Wahl in Tunesien kennt man das Wahlergebnis der Auslandstunesier, also von denen, die als Migranten hier in Deuschland, Frankreich etc. leben. Leider haben die in noch stärkerem Maße islamistische Parteien wie Enhada gewählt, als Leute in Tunesien selbst. Das kann man natürlich ignorieren und sagen alles ist gut, oder man setzt sich mit der Realität auseinander.

Ansonsten kann ich nur sagen, dass ich mich sehr intensiv mit den Inhalten des Islams, nachzulesen in Koran und Sunnah, auseinandergesetzt habe. Je tiefer ich in diese Materie eingetaucht bin, desto kritischer wurde ich. Nur ein Beispiel, es ist eben ein einschneidendes Erlebnis, wenn man plötzlich eine positiv dargestellte Ehrenmordgeschichte im Koran findet, obwohl man sonst immer nur hört, Ehrenmorde hätten nichts mit dem Islam zu tun.

MFG Monchi

Oh, Aufklärungsbewegungen

gibt es auch im Islam, nur wird das hier gern unter den Tisch gefallen lassen. Es passt nicht so gut ins Bild vom rückständigen Islam.

Darüber hinaus muss man folgendes beachten: Die Aufklärung im Christentum kam von innen und dauerte viele Jahre und Jahrzehnte. Und sie ist meiner Meinung nach noch immer nicht abgeschlossen. Entscheidend für meine Argumentation ist aber, dass die Bewegung von innen kam und nur deshalb erfolgreich sein konnte. Bei Druck von außen wäre dies sicherlich anders verlaufen. So etwa wie: "Was maßen sich diese Ungläubigen an, über unsere Religion zu urteilen?"

Wie gesagt - Aufklärungsbewegungen gibt es und die haben es heute genauso schwer wie damals, gegen jahrhundertealte Gewohnheiten, Überzeugungen, Traditionen anzukommen. Das muss man einfach mal akzeptieren. Gesellschaftliche Veränderungen sind nicht etwas, was über Nacht oder auch nur in ein, zwei Jahrzehnten erreicht wird.

Was ich mir wünsche, ist eine weniger überhebliche Sicht, ein weniger selbstverliebtes Auftreten der "westlichen" Völker gegenüber dem Islam bzw. den Muslimen.

Ist es nicht so, dass Menschen viel eher dazu bereit sind, ihre eigenen Handlungsweisen und Überzeugungen zu reflektieren, wenn man ihnen auf Augenhöhe begegnet? Wenn man ihnen nicht permanent vorhält, ihre Ansichten wären falsch? Wenn man ihnen das Gefühl gibt, ebenbürtig zu sein und sie nicht fortwährend als rückständig betrachtet?

@stabilobox

"Die Aufklärung im Christentum kam von innen und dauerte viele Jahre und Jahrzehnte...Entscheidend für meine Argumentation ist aber, dass die Bewegung von innen kam"

Die Behauptung dass die Aufklärung in Europa von innerhalb des Christentums, also primär der Kirchen kam, mag ihrer Argumentatation entprechen, aber nicht der Realität.
Es war gerade der aufklärerische Druck von Außen, der dazu geführt hat, dass es zu Veränderungen kam. Diese gesellschaftlichen Veränderungen stärkten dann wiederum christlich-liberale Kräfte innerhalb der Kirchen und führten so zu Veränderungen.

Ansonsten gefällt mir Ihre stark relativistische Betrachtung von Kulturen nicht. Alle gleich gut oder schlecht, so mögen Sie die Sache sehen, ich aber nicht. Denn ich finde ein Kultur, die z.B. das Recht von Mädchen auf körplerliche Unversehrtheit schützt, besser als eine Kultur, die das nicht tut und Mädchen zwangsbeschneidet, ähnlich bei Jungen. Ich will kein Ranking von Kutluren, aber ich will das Tacheless geredet wird und dazu gehört dass babarische und rückständige Elemente von Kulturen als genau das auch bezeichnet werden dürfen, ja müssen. Falsch verstandene politische Korrektheit macht die Sache nämlich nicht besser.

Da habe ich mich missverständlich ausgedrückt

Mit "innen" meinte ich die Gesellschaften.

Und nun zur Beschneidungsdebatte.
Hat das Beschneidungsritual Sie schon immer am Judentum und am Islam gestört oder ist dieses Argument erst seit dem Urteil des LG Köln auf Ihrer Liste?

Ich finde es übrigens falsch, einen Menschen aus religiösen oder traditionellen Motiven heraus zu verletzen. Ob das Opfer minderjährig ist oder nicht. spielt für mich da keine Rolle. Ebenso wenig, ob es sich um physische oder psychische Verletzungen handelt.
Das nur als Klarstellung. Aber ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, dass das Urteil für viele "Islamkritiker" genau zur richtigen Zeit kommt. Ein weiterer Punkt, diesen Glauben anzuzählen und ihm Rückständigkeit vorwerfen zu können.

Ich bin immer dafür, erst mal vor der eigenen Haustür zu kehren. Zum Beispiel könnten wir beim Katholizismus anfangen. Frauen gelten hier immer noch als Menschen zweiter Klasse, Homosexualität als Sünde, usw.

Ich mag es einfach nicht, auf andere Leute, andere Gesellschaften mit dem Finger zu zeigen, wenn bei uns selbst noch genügend im Argen liegt. Ich finde sowas heuchlerisch und pseudo-aufgeklärt.

Was lernen wir daraus?

... Dass wir den tieferen Sinn der alten Schriften verstehen sollen (und können) und dann mittels unserer durch 2000 oder 1400 Jahre weitergegangene Geschichte gewachsenen Bewusstwerdung sorgfältig prüfen, was uns in den alten Schriften tatsächlich weiterhilft bzw. was uns behindert. Viele Stellen sind einfach Berichte, nicht nur davon wie man es machen soll - viele Stellen zeigen auch, wie man es gerade nicht machen soll und diese Stellen sind nicht immer als solche gekennzeichnet. Das hat seinen Sinn, denn Unterscheidungsvermögen kann man nur lernen und sinnvoll einsetzen, wenn man eigene, echte standfeste Kriterien gefunden hat. Die Welt entwickelt sich nämlich dauernd weiter und so gibt es keine überall tragfähigen fertigen Problemlösungsrezepte - auch nicht in den heiligen Schriften. Sie sind nicht unnütz - sie helfen oft in besonderer Weise die richtigen und wichtigen Fragen zu stellen! Aber dann muss man selbst durch lebendiges persönliches und historisches Wahrnehmen und logisches Schliessen grundlegende Linien erkennend nachvollziehen und vorausdenken. So wird daraus eine auch von einer Einsicht in die subtileren Aspekte menschlichen Seins getragene innere Haltung, die große Unglücke vermeiden und gute Entwicklungen unterstützen hilft.

@monchi

Der Ku Klux Klan mag von den meisten intelligenten Menschen geächtet sein. Das gilt für den Islamismus aber auch. Natürlich hinken Vergleiche immer, und das Beispiel war bewusst überspitzt, sollte man aber eigentlich auch bemerken...
Die fremdenfeindlichen Ansichten, die der Ku Klux Klan vertritt, haben aber auch insgesamt mehr Anhänger als Sie vielleicht glauben wollen. Nicht unbedingt so offensichtlich, und nicht unbedingt ausgerechnet nur fixiert auf dunkelhäutige Menschen, aber der Kern des Übels ist vorhanden.
Oder wie sonst erklären Sie sich den in Europa und USA immer offensichtlicher werdenden Zulauf zu Rechtspopulisten und Nationalisten, die verstärkte Ablehnung gegen alles Fremde, sei es Moscheenbau, Euro, Griechenlandhilfe oder was auch immer?

Islamkritik hat viele Bestandteile

Die Kritik am Islam allein auf die durch den islamistischen Terrorismus geschürte Angst zu beschränken ist zu kurz gegriffen. Auch die viel weiter verbreitete Diskriminierung von Frauen und Andersgläubigen ist ein Problem.
Die Menschen fürchten den Islam, denn er betreibt im Namen der Religion vielerorts in der Welt auch Politik. Der politische Islam darf sich nicht unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit verstecken! Ich kenne nicht ein islamisches Land, welches seinen Bürgern auch nur annähernd soviele Rechte zugesteht wie die westlichen Länder christlicher Prägung.

Und Christen tun dies nicht?

Es gibt bei uns sogar Parteien, die ganz offiziell im Namen des Christentums Politik betreiben. Ob diese Parteien, dem christlichen Anspruch noch in Gänze gerecht werden, mag dahin gestellt bleiben, aber Ihr Argument greift in jedem Fall ins Leere, denn das Christentum betreibt genauso im Namen der Religion Politik.

Der einzige Unterschied ist, dass wir hier an diese Politik gewöhnt sind. Der "Westen" ist durch das Christentum geprägt und daher wird christlich motivierte Politik nicht bewusst als religiös motivierte Politik wahrgenommen.

Nicht überzeugend

"ich kenne nicht ein islamisches Land kennen, dass auch nur annähernd soviele Rechte zugesteht wie die westlichen Länder christlicher Prägung"

Nur weil Sie keines kennen, heisst schon lange nicht, dass Islam der Grund für den Unterschied ist. Mangelnde Menschenrechte hat in vielen Ländern, ob Christlich oder Islamisch, viele Ursachen. Ob die dominierende Religion einer der Gründe ist, kann sicherlich debattiert werden. Aber das einfach so zu behaupten ist kein Argument. Die meisten Ländern mit einer überwiegend moslemischen Bevölkerung haben aktuell mit einer Vielzahl von Problemen zu kämpfen wie Armut, Korruption, Krieg, Hunger usw. Ob es eine Verbindung zwischen all diesen Problemen und der Religion an sich gibt, ist nicht so offensichtlich, wie Ihr Kommentar unterstellt. Ich kann an vielen Ländern denken, die als westlich bzw. Christlich gelten, wo die Rechte der Bürgern nicht viel Wert sind. Für unser komfortables Leben hier im "Westen" gibt es viele Gründen. Ob das Christentum einer davon ist, möchte ich bezweiflen.