Islamische KulturgeschichteTausendundeine Idee

Vom Kaffee bis zum Taschenrechner: Viele unserer Alltagsdinge bergen ein Stück islamischer Kulturgeschichte. von 

Der Kaffee

Noch vor wenigen Generationen reimte sich »blass und krank« auf »Türkentrank«, doch schon damals hatte der Kaffee seinen weltweiten Siegeszug vollendet. Glaubt man der Legende, so begann er vor 1.200 Jahren in Äthiopien: Ein Hirte trieb seine Ziegen in neues Hügelland, und dort fraßen die Tiere rote Beeren mit starker Wirkung. Bald hielt die Frucht, ausgekocht zu einem bitter-aromatischen Getränk, auch Menschen wach, und durch Pilger, Händler, Reisende verbreiteten sich Rezept und Pflanze in der muslimischen Welt.

Im 15. Jahrhundert erreichte der Kaffee Mekka, etwa zeitgleich wurde er zum Trank der Türken (die das Pulver der gerösteten Beeren, Wasser und Zucker zusammen kochten und ungefiltert ausschenkten), die Bürger Kairos genossen ihn wohl erstmals im 16. Jahrhundert. Nun war es nicht mehr weit.

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1645 eröffnete das erste Kaffeehaus Europas in Venedig; ein türkischer Kaufmann brachte die Beeren fünf Jahre darauf nach London; in Wien, so heißt es, ließ das geschlagene Heer der Osmanen 1683 gleich säckeweise Kaffee zurück. Nur die Städter des 21. Jahrhunderts, die ihn meist gehend zu sich nehmen, in Pappe und Plaste, halten ihn womöglich (Allah bewahre!) für einen Amerikaner.

Leserkommentare
  1. ja einmal Vortschritt gewesen, ich frage mich nur warum der Islam insgesamt diesen Fortschritt vom Mittelalter bis heute nicht fortgesetzt hat, zum Beispiel bei Menschenrechten etc.

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    • tecnyc
    • 11. Juni 2012 18:15 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie differenzierter. Danke, die Redaktion/se

    • Acrux
    • 11. Juni 2012 20:58 Uhr

    laesst sich zumindest zeitlich ziemlich gut festlegen. Im Westen der Verlust Granadas (das Ende der Reconquista), im Osten die Eroberung Konstantinopels.

    Die Gruende sind vielfaeltig (und wie der Niedergang Roms wird sich darueber wohl nie ein Konsens finden), aber bezeichend ist schon, dass sich mit dem osmanischen Reich ein einziges islamisches Grossreich etablierte, dass jahrhundertelang aus den frueheren Errungenschaften bequem leben und ueberleben konnte. Aehnlich wie in anderen statische Kulturen (China) fehlten einfach Impulse von aussen, die zur Aenderung zwangen.

    Die Kleinstaaterei Europas, in der sich nach Rom nie wieder eine unwidersprochene Hegemonialmacht etablierte (was hauptsaechlich geostrategische Gruende hat, Europa endgueltig zu unterwerfen war durch Gebirge, Waelder, und Fluesse praktisch unmoeglich), befoerderte dagegen Konkurrenz und Entwicklung. Nachdem sich Europe erstmal von der kulturellen Katastrophe des roemischen Niedergangs erholt hatte, war es kaum noch aufzuhalten. Bereits das Spaetmittelalter brummt schon wieder von Erfindungen und Leistungen, die den arabischen nicht nachstehen (und teilweise Produkte der Endzeit der islamischen Bluete direkt uebernahmen, etwa durch Kopernikus).

    • tecnyc
    • 11. Juni 2012 18:15 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie differenzierter. Danke, die Redaktion/se

    Antwort auf "na das ist"
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    • postit
    • 11. Juni 2012 18:30 Uhr

    Der Kommentar auf den Sie Bezug nehmen, wurde bereits entfernt. Die Redaktion/se

  2. 3. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Äußerungen, die als diskriminierend wahrgenommen werden können. Danke, die Redaktion/jp

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    • doof
    • 11. Juni 2012 18:40 Uhr

    aber: ich weiss nicht ob die konstruktion eines autos mit römischen ziffern gelungen wäre.
    auch nicht, ob viren und bakterien ohne fortschritte in der optik (z.b.) aber auch in der medzinischen forschung und der chemie (al-kīmiyā!, auch aus dem arabischen !) etc. entdeckt worden wären noch ob irgendwas, was mit naturwissenschaften zusammenhängt fortgetrieben worden wäre - immerhin war europa zu der zeit geprägt von magischem denken ... selbst die kathedralen brauchten einfluss aus dem "morgenland" ... !
    ausserdem: bagdad und cordoba (nur als beispiel) sind nun nicht gerade in persien, und persien hatte viel wiederum aus china entlehnt... aber weiter auch weiter entwickelt oder angepasst!
    zu 1: habe sie schonmal was von den kreuzzügen und der reconquista gehört?
    übrigens wurden da auch grosse und reiche jüdische gemeinden aus spanien vertrieben, die nämlich hatten in der zeit als die araber dort herrschten ein recht gutes leben - ohne progrome... soviel dann auch zu den menschenrechten: vielleicht lesen sie mal was über die eroberung jerusalems 1099....

    was wir ohne die Araber über die Kultur der griechischen Antike wüßten? Ziemlich wenig.

    .....westlichen Erfindungen basiert auf Grundlagen, die die Moslems festgelegt haben. Wobei die Moslems ihrerseits nicht wenig ihres Wissens auf von den Alt-Griechen uebernommenen, stuetzten.

    Eine Seite, die sich lohnt:

    http://www.1001inventions...

    • tecnyc
    • 11. Juni 2012 18:27 Uhr
    4. [...]

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie das Artikelthema. Anmerkungen zur Moderation senden Sie gern an community@zeit.de Danke, die Redaktion/mk

    • DDave
    • 11. Juni 2012 18:27 Uhr

    Nun ja, es stimmt die mittelalterliche Stadt war eine Kloake, aber auch nur im christlichen Bezirk und nicht im Stadtteil der Juden, bzw in deren Ghetto. Diese hatten auch schon Körperpflegerituale. Warum die damalige Bevölkerung es nicht übernommen hat, keine Ahnung? Aber das die von den Arabern übernommen wurde lässt sich wohl nicht eindeutig klären...
    Im Bezug auf die Wasserschnecken, wenn die Römer das schon hatten, dann ist es ein bisschen anmaßend von islamischer Kulturgeschichte zu schreiben.
    Ja, die Araber haben viele Innovationen in das dunkle Mittelalter bzw in die darauffolgenden Geschichtszeiten gebracht, aber alles nun auch wieder nicht und nur, weil man anderer Generationenentdeckungen nochmal neu verkauft, ist es definitiv nicht deren Innovation....

    • postit
    • 11. Juni 2012 18:30 Uhr
    6. Danke

    Der Kommentar auf den Sie Bezug nehmen, wurde bereits entfernt. Die Redaktion/se

    Antwort auf "Das liegt daran, dass"
  3. Dem Mathematiker al-Chwarizmi in allen Ehren (er wird afaik mit 'z' und nicht mit 's' geschrieben), er hat viel geleistet. Jedoch hat seine Arbeit nichts mit dem Islam zu tun, oder stand irgendwie in Relation dazu. Er hätte genauso Buddhist sein können. Nur weil Gauß ein ebenso, eigentlich noch bedeutender Mathematiker war, kann man wohl kaum sagen, dass das Christentum (ich glaube er war Katholik) für die heutige Mathematik ein Grundstein ist. Zudem geht die Algebra, wenn man den Begriff 'Neuerung' hernimmt auf den griechen Diophant von Alexandrien zurück.

    Eine Leserempfehlung
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    was sein Leben prägte nicht aber seine Wissenschaft, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Er machte einfach nur Mathematik seit er ein Kind war.

    Doch das hatte ausgesprochen viel mit dem Islam zu tun. Die islamische Kultur schätzte damals nämlich Wissenschaft, Experimente und Fortschritt. Kalifen förderten Forscher und Fortschritt wurde allgemein begrüßt. Im Gegensatz zum christlichen Umfeld zur damaligen Zeit, das rational-wissenschaftlichen Erkenntnissen ja eher zweifelnd gegenüber stand (ja, das ist ein Understatement).

    Algebra – wie man sie bis zum Beginn der modernen Mathematik verstand – stammt übrigens direkt von Al-Chwarismi ab. Auch wenn zwar nicht alles entdeckt hat, war er doch tatsächlich der Erste der das mathematische Wissen seiner Zeit systematisch aufschrieb und in verständlichen Algorithmen weitergab.

    Was uns zu zwei weiteren Punkten führt weshalb die islamische Kultur wichtig war: Erstens war sie damals wesentlich toleranter gegenüber Andersgläubigen, was viele der Fortschritte überhaupt erst ermöglichte. Zweitens war das Volk auch wesentlich gebildeter als es in Europa üblich war. Durch dieses breite Interesse an Bildung und Wissen konnten sich Werke wie die von Al-Chwarismi überhaupt erst soweit verbreiten, das es bis nach Europa gelangen konnte.

    die fröhliche Feierrunde mit ihren Fakten.

    • tecnyc
    • 11. Juni 2012 18:38 Uhr

    Was ich eigentlich sagen wollte, ist, dass die islamische Welt vielmehr Sachen erfunden hätte, wenn sie auf solche Leute wie ihn hier gehört hätte:
    http://www.youtube.com/wa...

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    • postit
    • 11. Juni 2012 18:47 Uhr

    halt an dieser Stelle noch einmal und spreche Ibrahim Al-Buleihi hier meine Hochachtung aus. Wenn ich dann auch noch den Bezug auf das Sonderheft der ZEIT weglasse, werden unsere Kommentare dieses Mal ja vielleicht nicht wieder entfernt.

    Schönen Tag noch
    postit

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  • Schlagworte Islam | Orient | Kaffee | Brille | Gitarre | Mathematik
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