Der Mond wurde bombardiert
Auch die Amerikaner legten ihr Bombardierungsprojekt im Januar 1959 ad acta, denn inzwischen war selbst Projektleiter Reiffel von A119 nicht mehr überzeugt. Er fürchtete, dass die öffentliche Reaktion negativ sein würde: »Wäre das Projekt bekannt geworden, hätte es einen Aufschrei gegeben«, sagte er dem Guardian im Jahr 2000.
Publik wurde der Plan, nachdem der Astrophysiker Carl Sagan 1996 gestorben war. Sagan war nicht nur Naturwissenschaftler, sondern auch Fernsehmoderator, schrieb Romane und glaubte fest an die Existenz außerirdischer Intelligenz. Bei seinen Recherchen für eine Biografie dieser schillernden Gestalt entdeckte der Autor Keay Davidson Hinweise auf das Mondprojekt: Als Doktorand des ebenfalls an A119 beteiligten Astrophysikers Gerard Kuiper hatte Sagan die Entwicklung der Staubwolke auf dem Mond in einem mathematischen Modell berechnen sollen, um bestimmen zu können, wann die Sonne den aufsteigenden Pilz optimal beleuchten würde, sodass er besonders gut zu sehen wäre.
Bis heute wurden weder die amerikanischen noch die sowjetischen Pläne in allen Einzelheiten offengelegt. Und noch immer macht es den Anschein, als wolle die US-Regierung von A119 lieber nichts wissen. Eine Nachfrage bei Roger D. Launius, Chefkurator der Space History Division im Washingtoner Smithsonian National Air and Space Museum und langjähriger Nasa-Chefhistoriker, ergab zwar eine freundliche Antwort, aber keine neuen Erkenntnisse.
Lieber erinnert man sich in den USA an den ruhmreichen Ausgang des space race: Nachdem die Supermächte die Idee eines »Atomtests« auf dem Mond beigelegt hatten, konzentrierten sie sich auf die bemannte Raumfahrt als neues Prestigeobjekt. Mit großem Aufwand wurde sie sowohl in den USA als auch in der UdSSR forciert. Allein die Kosten für das amerikanische Apollo-Programm lagen bei 25 Milliarden US-Dollar. Trotzdem hatten die Sowjets zunächst die Nase vorn: 1961 flog der Luftwaffenpilot Juri Gagarin als erster Mensch ins All.
Ein Jahr später zogen die USA nach. Mit dem Mercury-Raumschiff umkreiste der Astronaut John Glenn mehrfach die Erde. 1965 schwebte dann der sowjetische Kosmonaut Alexej Leonow, nur mit einer Leine gesichert, für zwölf Minuten außerhalb des Raumschiffes. 1966 schaffte die Sowjetunion die erste weiche unbemannte Mondlandung. Am Ende aber machten die USA das Rennen: 1969 betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond.
Die Idee, Atomwaffen auf dem Mond zu zünden, war indes nicht aus den Köpfen verschwunden. Als amerikanische Visionäre Mitte der sechziger Jahre Siedlungen auf dem Erdtrabanten planten, entwickelten Ingenieure der General Electric Company die kühne Idee, unter der Mondoberfläche eine große Kammer mit Atombomben frei zu sprengen. Anschließend sollte sie dekontaminiert, abgedichtet und mit Luft gefüllt werden. In dieser künstlichen Atmosphäre sollten sich Menschen frei bewegen können. Der Plan wurde niemals Wirklichkeit. 1967 schließlich untersagte der Weltraumvertrag, Kernwaffen ins All zu bringen.
Trotzdem wurde der Mond noch bombardiert – allerdings nicht mit Atomsprengköpfen: Um die Mondoberfläche zu untersuchen, ließ die Nasa im Oktober 2009 zwei Flugkörper nahe dem Mond-Südpol aufschlagen. Der Aufprall beförderte rund 100 Liter Wasser an die Oberfläche. Die Vermutung, dass es auf dem Mond Wasser gibt, war damit nachgewiesen.
Besonderes Aufsehen erregen solche Meldungen heute freilich nicht mehr. Bereits 1969, mit der amerikanischen Mondlandung, war der Höhepunkt der allgemeinen Begeisterung für Raketentechnik und Mondflüge erreicht. Es zeigte sich nur zu rasch, dass Neil Armstrongs »großer Schritt für die Menschheit« nirgends hinführte. Ein Weg in eine neue Zukunft eröffnete sich stattdessen auf der Erde. Im selben Jahr, in dem das space race endete, begann dort die Ära der neuen Ostpolitik.
- Datum 05.11.2012 - 09:45 Uhr
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explodieren zu lassen, nur um die eigene Überlegenheit zu demonstrieren, ist wirklich unglaublich dumm. Und richtig schlimm ist, dass die Menschen seither kaum klüger geworden sind.
Hiroshima und Nagasaki wurden auch zur Demonstration der eigenen Überlegenheit vernichtet. Mondlandung und Pyramidenbau haben da im Vergleich schon etwas mehr Charme.
Dann lesen Sie auch über die Tests auf Nowaja Semlja im russischen Norden. Da wurden gewaltige Bomben noch vor Ende des Kalten Krieges gezündet, die nur Macht demonstrieren sollten — sonst gar nichts. Die Folge: Bis heute Sperrgebiet und ungewisse Informationen über Nachwirkungen wie geparktem Strahlschrott.
Hiroshima und Nagasaki wurden auch zur Demonstration der eigenen Überlegenheit vernichtet. Mondlandung und Pyramidenbau haben da im Vergleich schon etwas mehr Charme.
Dann lesen Sie auch über die Tests auf Nowaja Semlja im russischen Norden. Da wurden gewaltige Bomben noch vor Ende des Kalten Krieges gezündet, die nur Macht demonstrieren sollten — sonst gar nichts. Die Folge: Bis heute Sperrgebiet und ungewisse Informationen über Nachwirkungen wie geparktem Strahlschrott.
Anstatt die Überlegenheit der eigenen Wirtschafts- bzw. Gesellschaftsform dadurch zu beweisen, dass man das System ist, in dem es den meisten Menschen am besten geht, realisiert man sinnlose Prestigeprojekte zur Ablenkung.
Andere Beispiele für derartiges Verhalten verrückt gewordener Eliten: Die Mondlandung, der Pyramidenbau, das Kolosseum.
Selbst in unserer Zeit geben Staaten öffentliches Geld zur Förderung des Spitzensports aus. Da werden Leute vom Staat dafür bezahlt, dass sie sich hauptberuflich dem Verteilungskampf (die Gesamtmenge an Goldmedaillien, nationalem Prestige usw. wächst ja nicht - es geht nur um die Verteilung zwischen Staaten) widmen. Da man medizinisches "Nachhelfen" auch noch verbietet, dürfte selbst der wissenschaftliche Nutzen weit geringer sein als bei irgendwelchen Weltraumprogrammen.
Selbst in unserer Zeit geben Staaten öffentliches Geld zur Förderung des Spitzensports aus. Da werden Leute vom Staat dafür bezahlt, dass sie sich hauptberuflich dem Verteilungskampf (die Gesamtmenge an Goldmedaillien, nationalem Prestige usw. wächst ja nicht - es geht nur um die Verteilung zwischen Staaten) widmen. Da man medizinisches "Nachhelfen" auch noch verbietet, dürfte selbst der wissenschaftliche Nutzen weit geringer sein als bei irgendwelchen Weltraumprogrammen.
Hiroshima und Nagasaki wurden auch zur Demonstration der eigenen Überlegenheit vernichtet. Mondlandung und Pyramidenbau haben da im Vergleich schon etwas mehr Charme.
"Hiroshima und Nagasaki wurden auch zur Demonstration der eigenen Überlegenheit vernichtet."
um es nicht so stehen zu lassen, Sie hätten es gleich dazuschreiben können:
verneinen Sie damit die allgemeine Theorie, Vermeidung der Invasion in Japan, Millionen Tote auf beiden Seiten?
so schlimm die beiden Bomben für auch sind, wenn man diese gedankliche Alternative sieht, bzw. in Deutschland die reale Alternative, muss man sie dann nicht als bessere Wahl bewerten?
über reine Demonstration ohne direkten militärischen Zweck,
zumal zu Friedenszeiten des Kalten Krieges, geht das doch hinaus,
oder ist jeder 'normale' Einsatz einer Waffe letztlich eine Demonstration?
vielmehr kann man fragen, ob es nicht damals angebracht gewesen wäre, tatsächlich zunächst eher zu demonstrieren, auf einen eher unbewohnten Landstrich in Japan,
falls die USA damals deutlich mehr als zwei Bomben hatten,
gibt es dazu Wissen?
"Hiroshima und Nagasaki wurden auch zur Demonstration der eigenen Überlegenheit vernichtet."
um es nicht so stehen zu lassen, Sie hätten es gleich dazuschreiben können:
verneinen Sie damit die allgemeine Theorie, Vermeidung der Invasion in Japan, Millionen Tote auf beiden Seiten?
so schlimm die beiden Bomben für auch sind, wenn man diese gedankliche Alternative sieht, bzw. in Deutschland die reale Alternative, muss man sie dann nicht als bessere Wahl bewerten?
über reine Demonstration ohne direkten militärischen Zweck,
zumal zu Friedenszeiten des Kalten Krieges, geht das doch hinaus,
oder ist jeder 'normale' Einsatz einer Waffe letztlich eine Demonstration?
vielmehr kann man fragen, ob es nicht damals angebracht gewesen wäre, tatsächlich zunächst eher zu demonstrieren, auf einen eher unbewohnten Landstrich in Japan,
falls die USA damals deutlich mehr als zwei Bomben hatten,
gibt es dazu Wissen?
Das hätten die Jungs aber echt vorher wissen können, dass es ohne Atmosphäre auch keinen Atompilz geben kann ...
Und wahrscheinlich weiter als in einer Atmosphäre, weil diese die Staubpartikel ja hemmt. Aber es hätte ganz anders ausgesehen. Und einen eigenen Krater hätten sie auch fabriziert. Ja, darauf hätten sie stolz sein können :-(
Und wahrscheinlich weiter als in einer Atmosphäre, weil diese die Staubpartikel ja hemmt. Aber es hätte ganz anders ausgesehen. Und einen eigenen Krater hätten sie auch fabriziert. Ja, darauf hätten sie stolz sein können :-(
Skrupellose Länder, die die Vernichtung von anderen billigend in Kauf nehmen.
Ich denke, daran hat sich bis heute nichts geändert. Ich wäre nur allzu gerne ein Mäuschen und würde dann die geheimen Europa-Strategiepapiere der NATO ausspionieren. Denn es ist klar: Der nächste Weltkrieg findet sicher wieder nicht in den USA statt!
Skrupellose Länder, die die Vernichtung von anderen billigend in Kauf nehmen.
Ich denke, daran hat sich bis heute nichts geändert. Ich wäre nur allzu gerne ein Mäuschen und würde dann die geheimen Europa-Strategiepapiere der NATO ausspionieren. Denn es ist klar: Der nächste Weltkrieg findet sicher wieder nicht in den USA statt!
"Hiroshima und Nagasaki wurden auch zur Demonstration der eigenen Überlegenheit vernichtet."
um es nicht so stehen zu lassen, Sie hätten es gleich dazuschreiben können:
verneinen Sie damit die allgemeine Theorie, Vermeidung der Invasion in Japan, Millionen Tote auf beiden Seiten?
so schlimm die beiden Bomben für auch sind, wenn man diese gedankliche Alternative sieht, bzw. in Deutschland die reale Alternative, muss man sie dann nicht als bessere Wahl bewerten?
über reine Demonstration ohne direkten militärischen Zweck,
zumal zu Friedenszeiten des Kalten Krieges, geht das doch hinaus,
oder ist jeder 'normale' Einsatz einer Waffe letztlich eine Demonstration?
vielmehr kann man fragen, ob es nicht damals angebracht gewesen wäre, tatsächlich zunächst eher zu demonstrieren, auf einen eher unbewohnten Landstrich in Japan,
falls die USA damals deutlich mehr als zwei Bomben hatten,
gibt es dazu Wissen?
Verehrter Slater,
Tote mit Toten abzuwägen ist sehr absurd, wenn man das Leben eines Individuums als einzigartig betrachtet und dessen Schutz an die Menschenwürde knüpft. Beide Lösungsansätze sind daher weder Alternativen noch relativ besser. Beide sind Tragödien und beherbergen Gräuel, die die Ausdruckskraft aller gesprochenen Sprachen sprengen.
Der Abwurf der Atombomben auf Japan war ein Verbrechen, da gibt es nichts zu ruetteln.
Die Schutzbehauptung, dass man dadurch zehntausende US-Amerikaner (bei Ihnen sind es jetzt schon Millionen) retten wuerde, kam erst nach Abwurf der Bomben und der daraufhin einsetzenden Kritik auf.
In Japan hatte man im Sommer 1945 nachweislich nicht einmal mehr genug Oel, um die Flugzeuge zu betanken und da rechnen sie heute noch mit vielen Toten?
Verehrter Slater,
Tote mit Toten abzuwägen ist sehr absurd, wenn man das Leben eines Individuums als einzigartig betrachtet und dessen Schutz an die Menschenwürde knüpft. Beide Lösungsansätze sind daher weder Alternativen noch relativ besser. Beide sind Tragödien und beherbergen Gräuel, die die Ausdruckskraft aller gesprochenen Sprachen sprengen.
Der Abwurf der Atombomben auf Japan war ein Verbrechen, da gibt es nichts zu ruetteln.
Die Schutzbehauptung, dass man dadurch zehntausende US-Amerikaner (bei Ihnen sind es jetzt schon Millionen) retten wuerde, kam erst nach Abwurf der Bomben und der daraufhin einsetzenden Kritik auf.
In Japan hatte man im Sommer 1945 nachweislich nicht einmal mehr genug Oel, um die Flugzeuge zu betanken und da rechnen sie heute noch mit vielen Toten?
Dann lesen Sie auch über die Tests auf Nowaja Semlja im russischen Norden. Da wurden gewaltige Bomben noch vor Ende des Kalten Krieges gezündet, die nur Macht demonstrieren sollten — sonst gar nichts. Die Folge: Bis heute Sperrgebiet und ungewisse Informationen über Nachwirkungen wie geparktem Strahlschrott.
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