200 Jahre Grimmsche MärchenRevolutionäre wider willen

Die Grimms wollten das Alte bewahren – und bahnten Neuem den Weg. Sie sammelten Mythen und Märchen, erforschten die Sprache und legten sich mit der Obrigkeit an. Eine Erfolgsgeschichte? Ja. Aber eine, die vom Mut zum Scheitern handelt von Steffen Martus

Sammler, Forscher, Gelehrte: Wilhelm (links) und Jacob Grimm auf einem Ölgemälde von Elisabeth Jerichau-Baumann von 1855

Sammler, Forscher, Gelehrte: Wilhelm (links) und Jacob Grimm auf einem Ölgemälde von Elisabeth Jerichau-Baumann von 1855  |  © Wikimedia Commons

Im Jahr 1831 veröffentlichten Jacob und Wilhelm Grimm ihre Autobiografien in einem hessischen Gelehrten- und Künstlerlexikon. Man zählte sie damit zu jenen Männern, auf die »unser Vaterland stolz zu seyn Ursache hat« – so stand es im Vorwort des Nachschlagewerks. 45 und 46 Jahre waren die beiden damals alt. Berühmtheiten schon zu Lebzeiten.

In Erinnerungssplittern scheint in den Lexikonartikeln die Kindheit in Hanau auf, wo die Brüder 1785 und 1786 kurz vor der Französischen Revolution geboren wurden. Auch von den idyllischen Jahren in Steinau ist die Rede, von der Schulzeit in Kassel und dem Jurastudium in Marburg . Die beiden Gelehrten erinnern sich an die Jahre der französischen Herrschaft 1806 bis 1813, als Kassel die Hauptstadt des napoleonischen Modellstaats Westphalen war und Jacob Grimm die Privatbibliothek Jérôme Bonapartes betreute. Sie lassen die Befreiungskriege und den Wiener Kongress Revue passieren. Abschließend wird die Zeit bis 1829 geschildert, jene Phase ruhiger Arbeit an der kurfürstlichen Bibliothek im Museum Fridericianum.

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Der Zeitpunkt für diesen biografischen Rechenschaftsbericht ist bezeichnend. Von Außenseitern des Gelehrtenbetriebs waren die Brüder während der zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts in dessen Zentrum vorgerückt. Sie hatten Maßstäbe gesetzt für die Beschäftigung mit Sprache, Literatur, Recht und Mythologie, während sie im Brotberuf als Bibliothekare arbeiteten. Die beiden ersten Fassungen der Kinder- und Hausmärchen (von 1812/15 und von 1819) lagen vor. Die Grimms hatten einen Band mit Deutschen Sagen (1816/19) herausgegeben und Editionen mittelalterlicher Gedichte wie des Armen Heinrich , die Geld für die hessischen Freiwilligentruppen der antinapoleonischen Befreiungskriege einbringen sollten. 1819 war zudem der erste Band von Jacob Grimms Deutscher Grammatik erschienen, ein Meilenstein der historischen Sprachforschung. 1821 kam Wilhelm Grimms monumentale Studie Über deutsche Runen heraus. 1829 knüpfte Jacob Grimm mit den Deutschen Rechtsalterthümern an sein Jurastudium bei Friedrich Carl von Savigny an, der ihn 1805 als studentische Hilfskraft bei seinen rechtshistorischen Studien in Paris beschäftigt hatte, während Wilhelm Grimm mit seiner Arbeit Die deutsche Heldensage seinen literarischen Neigungen folgte. Zweifellos also zählten die Grimms zum Kreis jener Gelehrten und Künstler, die der »gebildete Vaterlandsfreund« mit Achtung nannte, wie der Herausgeber des Gelehrtenlexikons versprach. Auch sie selbst betonten nachdrücklich ihre patriotische Gesinnung.

Stationen zweier Leben
1785/86

Im Haus am Alten Paradeplatz in Hanau kommen Jacob (4. Januar 1785) und Wilhelm Grimm (24. Februar 1786) zur Welt. In den nächsten Jahren folgen sechs Brüder und eine Schwester. Ein älterer Bruder stirbt als Säugling

1789

Mit dem Sturm auf die Bastille beginnt im Juli die Französische Revolution. Im selben Jahr lernen die Brüder Grimm in Hanau Lesen und Schreiben

1791/92

Im Januar 1791 zieht die Familie nach Steinau, wohin Vater Philipp Wilhelm als Amtmann versetzt worden ist. 1792 beginnt das revolutionäre Frankreich, Krieg gegen das »alte Europa« zu führen.

1796-1798

Vater Philipp Wilhelm Grimm stirbt 1796 an einer Lungenentzündung und lässt seine Frau Dorothea unversorgt zurück. Jacob und Wilhelm ziehen daraufhin nach Kassel, wo sie von ihrer Tante Henriette unterstützt werden und das Lyzeum besuchen

1801

Napoleon besiegt im zweiten Koalitionskrieg Österreich. Mit dem Frieden von Lunéville nimmt Frankreich endgültig die linksrheinischen Gebiete in Besitz

1802

Jacob beginnt ein Jurastudium in Marburg, Wilhelm folgt ein Jahr später. In der Bibliothek ihres Lehrers Friedrich von Savigny entdecken sie ihre Faszination für mittelalterliche Literatur. Savignys Verlobte Kunigunde führt sie in den Kreis ihres Bruders Clemens Brentano ein

1805

Nachdem Jacob sein Jurastudium abgebrochen hat und Sekretär im Kriegskollegium wird, bezieht die ganze Familie Grimm in Kassel das Haus in der Marktgasse. Die Brüder beginnen mit altdeutschen Studien und dem Märchensammelnabc

1806

Napoleon zieht durch das Brandenburger Tor in Berlin ein: Preußen ist besiegt, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hört auf zu existieren

1807

Jérôme Bonaparte, ein Bruder Napoleons, wird König von Westphalen. Das neue Königreich entsteht aus vormals preußischen Gebieten, außerdem gehört Kurhessen dazu. Kassel wird Hauptstadt

1808

Dorothea Grimm stirbt. Jacob wird Bibliothekar Jérôme Bonapartes und im darauffolgenden Jahr Beisitzer im Staatsrat

1809

Wilhelm reist mit Clemens Brentano nach Berlin. Dort besuchen die Freunde Achim von Arnim. Auf der Rückreise trifft Wilhelm in Weimar Johann Wolfgang von Goethe

1811

Die ersten Bücher der Grimms werden verlegt: »Altdänische Heldenlieder, Balladen und Märchen« von Wilhelm und »Über den altdeutschen Meistergesang« von Jacob Grimm

1812

Der erste Band der Grimmschen »Kinder- und Hausmärchen« erscheint. Im Jahr darauf wird das Kurfürstentum Hessen nach der Völkerschlacht bei Leipzig wiederhergestellt. Ebenfalls 1813 bringen die Brüder Grimm den ersten Band ihrer Zeitschrift »Altdeutsche Wälder« heraus

1814/15

Als Diplomat nimmt Jacob am Wiener Kongress teil. Währenddessen erscheint der zweite Band der »Kinder- und Hausmärchen«. Im Juni 1815 quittiert Jacob den diplomatischen Dienst. Vier Jahre später veröffentlicht er seine »Deutsche Grammatik«

1825

Wilhelm heiratet Henrietta Dorothea Wild, genannt Dortchen. Sie steuert einige Märchen zur Sammlung der Brüder bei. Zwischen 1826 und 1832 bekommen sie und Wilhelm vier Kinder, von denen eines gleich nach der Geburt stirbt

1829

»Die deutsche Heldensage« von Wilhelm Grimm erscheint. Weil Jacob nicht befördert wird, quittieren die Grimms den kurhessischen Bibliotheksdienst. Jacob wird 1830 Professor in Göttingen, Wilhelm erneut Bibliothekar. In ganz Europa führt die französische Juli-Revolution zu Aufständen

1831

Wilhelm erhält eine außerordentliche Professur in Göttingen. Am 21. Januar stirbt Achim von Arnim, ein bedeutender Autor der Romantik. Seine Werke gibt von 1839 an Wilhelm Grimm heraus

1833

Jacob und Wilhelm trauern um ihre Schwester Lotte, die am 15. Juni stirbt. Das Verhältnis der Grimms zu Lottes Mann, dem kurhessischen Minister Ludwig Hassenpflug, kühlt ab

1835

Wilhelm wird ebenfalls zum ordentlichen Professor an der Universität Göttingen ernannt. Jacob veröffentlicht seine »Deutsche Mythologie«

1837

Wilhelm und Jacob verlieren ihre Lehrstühle, weil sie mit fünf weiteren Professoren (»Göttinger Sieben«) gegen die Aufhebung der Verfassung durch König Ernst August von Hannover protestieren. Jacob wird des Landes verwiesen

1838

Jacob und Wilhelm kehren nach Kassel zurück. Sie leben von den Spenden zahlreicher Unterstützer und beginnen mit der Arbeit am »Deutschen Wörterbuch«

1841

Jacob und Wilhelm folgen dem Ruf des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. nach Berlin, wo sie Mitglieder der Preußischen Akademie der Wissenschaften werden und an der Universität lehren

1848

März-Revolution in Deutschland: In Berlin kommt es zu Straßenkämpfen. Jacob ist von Mai bis Oktober Abgeordneter der Nationalversammlung in Frankfurt. Er zieht sich aus der Lehre zurück, um mehr Zeit zum Forschen zu haben. Wilhelm tut es ihm 1852 gleich

1854

Der erste Band des »Deutschen Wörterbuchs« erscheint: A bis Biermolke. Erst 1961 wird der letzte Band von ost- und westdeutschen Sprachwissenschaftlern fertiggestellt

1859

Am 16. Dezember stirbt Wilhelm mit 73 Jahren in Berlin. Kurz zuvor (am 25. Oktober) hat sein Sohn Herman die jüngste Tochter Achim von Arnims geheiratet: Gisela von Arnim

1863

Jacob Grimm stirbt 78-jährig am 20. September in Berlin über der Bearbeitung des Stichworts »Frucht« im »Deutschen Wörterbuch«. Er überlebt Ludwig Emil, den jüngsten Bruder, um wenige Monate

Und doch: Genau diese vaterländische Achtung hatte man den Grimms noch kurz zuvor schroff verweigert. In völliger Verkennung ihrer Verdienste hatte ihnen der Kurfürst von Hessen-Kassel 1829 die Beförderung an der dortigen Bibliothek vorenthalten, mit der sie seit Jahren gerechnet hatten. Stattdessen war der Marburger Professor Johann Ludwig Völkel an ihnen vorbei zum Direktor der kurfürstlichen Bibliothek ernannt worden, ein Mann, den sie nicht ernst nehmen konnten, hatte er doch tatsächlich einmal Scherben aus Kasseler Haushalten für Zeugnisse der Antike und ein anderes Mal Wurmspuren auf Steinen für Überbleibsel von germanischen Runen gehalten. Die Grimms waren brüskiert. Gerüchteweise hörten sie von den Worten, mit denen der Kurfürst ihren Abgang nach Göttingen halb ironisch kommentiert haben soll: »Die Herrn Grimms gehn weg! grosser Verlust! sie haben nie etwas für mich gethan!«

Es sollte dies nicht das letzte Mal bleiben, dass die Grimms verkannt und gekränkt wurden. Immer wieder gerieten Jacob und Wilhelm mit ihren Vorgesetzten aneinander. Immer wieder erlebten sie, dass die Zeitgenossen ihre Leistungen nicht anerkannten. Genau deshalb aber ist die Karriere der Grimms so aufregend: weil sie eben nicht nur von Triumph zu Triumph führte.

ZEIT Geschichte 4/2012
ZEIT Geschichte 4/2012

Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Geschichte Magazin, das am Kiosk erhältlich ist.

Dies gilt auch für die Geschichte der Kinder- und Hausmärchen , die erst spät zu jenem Welterfolg wurden, der sie bis heute sind. Zunächst war die Sammlung alles andere als ein Bestseller. Bereits kurz nach Erscheinen der ersten Auflage gab es heftige Kritik an der Märchensammelei der Grimms. Zu den »Ammenmärchen«, die sich 1813 in ihrer Zeitschrift Altdeutsche Wälder fanden, bemerkte der prominente und einflussreiche Romantiker August Wilhelm Schlegel in einer harschen Rezension: »Wenn man die Rumpelkammer wohlmeinender Albernheit ausräumt und für jeden Trödel im Namen der ›uralten Sage‹ Ehrerbietung begehrt, so wird in der That gescheiten Leuten allzu viel zugemuthet.«

Wie Schlegel dachten damals viele: Als 1819 die zweite Auflage der Kinder- und Hausmärchen erschien, war der erste Band von 1812 zwar vergriffen, von den rund tausend Exemplaren des zweiten Bandes aus dem Jahr 1815 aber war rund ein Drittel liegen geblieben und wurde eingestampft. Auch danach riss man den Händlern die Märchenbücher nicht gerade aus den Händen. 1833 zog der Berliner Verleger Georg Andreas Reimer Bilanz: Von der zweiten Auflage, notierte er, habe er noch mehrere Hundert Stück auf Lager.

Mit vielen späteren Werken erging es den Brüdern nicht anders. Immer wieder wurden ihre Hoffnungen enttäuscht. Ihre sprach- und literaturhistorischen Forschungen, ihre Untersuchungen zu Sagen, Märchen und Mythen, ihre Schriften zur Geschichte des Rechts, der Sitten und Gebräuche oder ihre politischen Aktivitäten wurden selten so geschätzt, wie sie es selbst für angemessen hielten. Die Zeitgenossen, so schien es, waren einfach nicht zu jener »Andacht zum Unbedeutenden« bereit, die der Kunsthistoriker Sulpiz Boisserée den Brüdern Grimm 1815 in einem Brief an Goethe abschätzig zugestanden hatte.

Der Autor

Steffen Martus, Jahrgang 1968, ist Professor für Neuere deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zuletzt erschien seine große Doppelbiografie »Die Brüder Grimm« (Rowohlt Berlin, Berlin 2009)

Und tatsächlich: Warum sollte man sich mit schwer verständlichen Bruchstücken aus den Schutthalden der mittelalterlichen Poesie aufhalten? Warum sich in die Wortkolonnen der Deutschen Grammatik vertiefen und die Feinheiten der historischen Sprachlehre erkunden? Warum sich als aufgeklärter Mensch für Geschichten von alten Recken und Rittern, von Hexen und Zauberern interessieren? Und führten die Kinder- und Hausmärchen die Fantasie von Kindern nicht eher auf Abwege, als dass sie zur Erziehung taugten? Doch die Grimms glaubten an das, was sie taten. Immer wieder waren sie bereit, das Risiko des Misserfolges auf sich zu nehmen, mit jedem ihrer Projekte aufs Neue.

Den Grund für diese erstaunliche Beharrlichkeit entdeckten sie selbst in ihrer Kindheit. So handelt denn auch ein beachtlicher Teil ihrer Selbstdarstellung im Gelehrtenlexikon von 1831 nicht von heroischen Forschungsleistungen, von bedeutenden Entdeckungen und wissenschaftlichen Großtaten, sondern von der Kindheit und Jugend der Gelehrten: vom Pfirsichbaum hinter dem Haus der Eltern, vom Garten, in dem sie gespielt hatten, vom Lesen- und Schreibenlernen, von Kinderkrankheiten, von Soldatenparaden, Kutschfahrten mit Verwandten oder von der Schulzeit in Kassel.

Die arrivierten Gelehrten bestückten ihre Autobiografien also mit genau jenem Material, das viele ihrer Zeitgenossen für unwichtig und belanglos halten mussten: mit Reflexionen über Kinderwesen und Kindersitten , wie der Titel eines Essays von Wilhelm Grimm aus dem Jahr 1819 lautet. Mehr noch: Sie erklärten mit großer Lust an der Provokation die kindliche Aufmerksamkeit und die Aufmerksamkeit für das Kindliche zum wesentlichen Element ihres Forschungsprogramms. Wer mit den »reinen Augen« eines Kindes in die Welt schaue, der interessiere sich für jene Kleinigkeiten und Nebensächlichkeiten, die dem erwachsenen Blick entgingen.

Ebendiese Offenheit für das Kleine habe in den wissenschaftlichen Revolutionen der vergangenen Jahrzehnte zu großen Entdeckungen geführt. »Naturforscher«, so erklärt Jacob Grimm in seiner Studie Über Frauennamen aus Blumen (1852), »beachten, mit gewaltigem Erfolg, das Kleine wie das Große gleich sorgsam, da im Kleinsten Beweise für das Größte enthalten liegen.« Warum also, fragt er, »sollte nicht auch in der Geschichte und in der Poesie das scheinbar auch Geringste [...] gesammelt werden und betrachtet?« Im Detail liege der Schlüssel zur Welt, nicht im Großen, Sensationellen und Spektakulären.

Daher schwärmt Wilhelm in seinem Lebensbericht auch von Studien, die sich dem »Besondern« widmen, wie etwa Pierre Lyonets Werk über die Weidenraupe: »Solche Beiträge für die Wissenschaft können an Umfang gering sein, aber ihr Einfluß ist unberechenbar und ihr Werth unvergänglich.« Lyonets Traité anatomique de la chenille, qui ronge le bois de saule von 1762 ist eine mehr als 600 Seiten lange, monumentale Studie über ein winziges Tier. Wie andere Werke der im 18. Jahrhundert florierenden Insektenkunde zählt sie zu den Büchern der Aufklärung und dokumentiert eine fundamentale Veränderung des Weltverhältnisses. Die Autoren der Aufklärung pflegten nicht die barocke Kultur des Staunens, es ging ihnen nicht um die Erforschung dessen, was jedermann überrascht, sondern um die Beobachtung von gewöhnlichen Dingen, die man leichthin unterschätzt und übersieht. Aufmerksam zu sein wurde zu einer Arbeitshaltung. Permanent damit zu rechnen, dass einem ein wichtiges Detail, eine scheinbare Nebensächlichkeit entgehen könnte, galt fortan als unabdingbar für jedwede Art von wissenschaftlicher Erkenntnis.

Diese aufklärerische »Andacht zum Unbedeutenden« bildete den Kern des Grimmschen Selbstverständnisses – und diente ihnen zugleich als Verteidigung gegen die Kritik all jener, die ihre Arbeiten nicht angemessen wahrnehmen wollten. »Leicht wird [...] als unnütz hinweg geworfen, worin sich das Leben am bestimmtesten ausgeprägt hat, und man ergiebt sich Betrachtungen, die vielleicht berauschen, aber nicht wirklich sättigen und nähren.« Mit diesen Worten beendet Wilhelm Grimm den Abschnitt über die kindliche Sammelleidenschaft in seiner Autobiografie. Leicht also landen die unscheinbaren Details, auf die es ankommt, auf dem Abfallhaufen der Geschichte. Und ebenso leicht konnte man ignorieren, wie fundamental wichtig die Studien der Grimms waren.

Diese Haltung wissenschaftlicher »Andacht« ging mit einem ausgeprägten Bewusstsein für die Vergänglichkeit der Dinge und des Lebens einher. Das Werk der Grimms ist durchdrungen vom Pathos des »noch«. Sie erlebten am eigenen Leib, wie stabile Lebensentwürfe sich in Staub auflösen können, wie schnell sich die Zeitläufte mitunter ändern, und so begründeten sie auch die Dringlichkeit ihrer Forschungsvorhaben damit, eiligst retten zu wollen, worüber die Geschichte sonst hinwegzugehen drohe: »Noch« gebe es Reste alter Sprachformen, die deren Rekonstruktion erlaubten. »Noch« stoße man auf Spuren des alten deutschen Rechts, die sich gegen den Erfolg des römischen behauptet hätten. »Noch« könne die alte deutsche Poesie vor dem völligen Vergessen bewahrt werden. »Später könnte es für immer zu spät geworden sein«, schreibt Jacob Grimm in seiner Aufforderung an die gesammten Freunde deutscher Poesie und Geschichte (1811), die wie so viele Appelle der Grimms ungehört verhallte.

Dieses Pathos des »noch«, die Sorge um die Vergangenheit, ergab sich nicht zuletzt aus einer historischen Erfahrung. Infolge der Französischen Revolution hatte sich Europa in atemraubendem Tempo verändert: Napoleon überrannte den Kontinent, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hörte auf zu existieren, der Deutsche Bund wurde gegründet unter dem Vorsitz Fürst Metternichs, während zugleich nationale, liberale und demokratische Ideen in den deutschen Landen Fuß fassten. In seiner Autobiografie von 1831 bemerkt Wilhelm Grimm: »Wir fühlen es nicht immer, wie unaufhaltsam alles versinkt, aber ich kann mich der Bewegung nicht erwehren, wenn eine Erinnerung mich auf einen Augenblick in eine längst untergegangene Zeit, die andern Schmerz und Freuden hatte, mitten hinein rückt.«

Noch sehr viel früher pointiert Jacob Grimm in einem Brief an Achim von Arnim diese Haltung, die das Gedächtnis an die Jugend mit der Erinnerung an alte Zeiten und Kulturen im Zeichen von Verlust und Vergänglichkeit verbindet: »Glaubst Du nicht, daß etwas ebenso unwiederbringlich untergehe als die Jugend, und ebenso nothwendig ein anderes kommen muß als das Alter? Ausgegangen sind die großen reinen Thiere, welche Pflanzen aßen, und die Elephanten vermindern sich; die großen viel Tage langen Wälder sind ausgehauen worden, und das ganze Land ist mehr und mehr in Wege, Canäle und Ackerfurchen getheilt – warum sollte die epische Poesie allein können geblieben sein?«

»Noch« also lassen sich zumindest Überbleibsel und Reste der Vergangenheit erfassen, bald aber werden sie für immer verloren sein. Wenn sich die Grimms an die Erinnerungsreste ihrer Kindheit klammern, dann stellen sie ihre Angst vor dem Vergessen aus. Sie führen an ihrem eigenen löchrigen Gedächtnis vor, wie schnell »etwas ebenso unwiederbringlich [untergeht] als die Jugend«.

Das Pathos des »noch« bedeutet umgekehrt: Jeder Moment der Vergangenheit ist bewahrenswert, um die geschichtlichen Zusammenhänge zu verstehen. Vielleicht sieht man gerade am Unscheinbaren, dass die Welt einmal ganz anders gewesen ist, ganz anders erfahren wurde. Dass andere Werte wichtig waren, dass andere Verhältnisse geherrscht haben, dass sich die Ordnung der Dinge seitdem verändert hat.

Genau dieser Sinn für die Vergänglichkeit und für die Andersartigkeit historischer Epochen weist die Grimms als moderne Forscher aus. Ihre Wahrnehmung der Vergangenheit als flüchtig und der Gegenwart als immens beschleunigt gehört zu den Grunderfahrungen der Moderne. Und auch die Grimms selbst waren Revolutionäre. Sie haben der wissenschaftlichen Neugierde kulturhistorische Gebiete erschlossen und neue Forschungshaltungen ausgeprägt. Ihre Arbeitsformen und Darstellungsweisen waren radikal modern, ihre Unnachgiebigkeit und Kompromisslosigkeit in Sachfragen kannte keinen Respekt vor verbürgten Autoritäten. Geradezu umstürzlerisch bewahrten sie so die Sprache und deren Geschichte, die Mythen, Märchen und Sagen. Jacob und Wilhelm Grimm waren moderne Traditionalisten. Ihr Blick richtete sich in die Vergangenheit, ihre Haltung aber gehörte ganz der Gegenwart.

Und sie stellten die Vergangenheit nicht still. Im Gegenteil: Die Forschungen der Grimms lieferten sie vielmehr jener Unruhe aus, die sie in der Gegenwart erfuhren. Die Kinder- und Hausmärchen etwa legte Wilhelm, der diese Sammlung federführend betreute, bis zur Fassung letzter Hand kurz vor seinem Tod am 16. Dezember 1859 in immer neuen Versionen vor. Und Jacob hinterließ der Germanistik sein unvollendetes Monumentalwerk der Deutschen Grammatik nicht nur als eine gigantische Ruinenlandschaft. Neue Einsichten, Erkenntnisse und Materialien bewegten ihn dazu, die einzelnen Bände – jene »Quader an Gelehrsamkeit«, die Heinrich Heine vermuten ließen, Jacob Grimm habe »dem Teufel seine Seele verschrieben« – ständig zu überarbeiten, zu renovieren, neu zu konzipieren, umzuschreiben und zu ergänzen. 1819 lag der erste Band vor, 1822 die zweite Fassung, 1840 die dritte; im Nachlass fanden sich weitere Materialien. Selbst das Deutsche Wörterbuch , ein Lexikon also, bei dem man glauben sollte, es diene der Fixierung von Wissen, war für die Grimms in der ersten Fassung nur ein vorläufiges Ergebnis ihrer Arbeit. Unmittelbar nach Erscheinen legten sie Korrekturbögen neben ihre Arbeitstische und begannen mit der Revision ihrer Wörterbucharbeit. Als wissenschaftliche Revolutionäre wider Willen wurden die Grimms zu Säulenheiligen der deutschen Kultur.

Die Aufmerksamkeitshaltung der Brüder hatte nicht zuletzt eine politische Seite. Jacob und Wilhelm Grimm waren keine Stubengelehrten, sie beobachteten die Welt nicht nur von ihren Schreibtischen aus, um dann recht schlaue, aber weltfremde Gedanken zu formulierten. Nein, sie kannten das politische Geschäft vom Anfassen. Beide arbeiteten immer wieder als Journalisten, und Jacob Grimm bekleidete viele politische Posten. 1809 wurde er von Jérôme Bonaparte im Königreich Westphalen in den Staatsrat berufen. 1813, während der Befreiungskriege, begleitete er die alliierte Armee auf dem Vormarsch nach Paris. 1814/15 diente er auf dem Wiener Kongress als Delegationssekretär. Danach gehörte er – von 1816 bis 1829 – der Kasseler Zensurkommission an. 1848 schließlich saß er im Paulskirchen-Parlament. Auch die Entscheidung des Kasseler Kurfürsten gegen die Grimms hatte politische Gründe: Der Fürst hatte bei ihnen eine bestimmte Form der Untertänigkeit vermisst.

Dennoch waren und blieben die Grimms überzeugte Monarchisten. Schon als Kinder entwickelten sie eine Abneigung gegen den Umsturz. Sehr aufmerksam beobachteten sie im Briefwechsel mit ihrem Großvater die Folgen der Französischen Revolution. Gut waren in ihren Augen die Nachrichten, die von der Niederlage der Revolutionäre berichteten, und bei allem Ärger, den die durchmarschierenden Truppen der Revolutionsgegner ihnen bescherten – Einquartierungen und »Theuerungen« durch den erhöhten Lebensmittelbedarf –, begrüßten Großvater und Enkel die Preußen und Russen: »Der Sache muß doch einmahl ein Ende gemacht werden, es gehe auch so hart wieder, als es wolle«, heißt es in einem der Briefe.

Eine durchaus untypische Haltung. So unterschiedliche Zeitgenossen wie die Dichter und Philosophen Ludwig Tieck , Wilhelm Heinrich Wackenroder, Johann Gottlieb Fichte, Joseph Görres oder Friedrich Schlegel zeigten sich, zumindest anfangs, einhellig begeistert von den Ereignissen in Frankreich und hatten den Eindruck, mit der Revolution eine historische »Morgenröte« und den Anbruch einer neuen Zeit zu erleben. Für die Grimms hingegen war von Anfang an der Eindruck prägend, dass nun die Vergangenheit für immer verloren gehen könnte.

Tatsächlich entwickelten sich die Grimms zu Revolutionären, weil sie Revolutionen ablehnten. Denn ihre Kritik richtete sich nicht nur gegen den politischen Umsturz – der in ihren Augen dem natürlichen Gang der Geschichte widersprach –, sondern gegen jedweden Akt der Willkür, auch gegen diejenige von Potentaten. Wenn diese im Gefühl ihrer Souveränität die historischen Zustände und Erfordernisse ignorierten, ihre Entscheidungen ohne Gespür für das »Volk« fällten und die politische Stimmung ausblendeten, dann war dies für die Grimms nicht weniger fatal und zerstörerisch als eine Revolution von unten.

Gleichwohl formulierten sie ihre Studien nie als direkte Empfehlungen an die Adresse der Politik. Jacob und Wilhelm Grimm glaubten nicht ernsthaft, dass etwa das alte deutsche Recht wieder eingesetzt oder ein vergangener gesellschaftlicher Zustand wiederhergestellt werden könnte. Es ging ihnen vielmehr darum, eine bestimmte Art der Aufmerksamkeit zu erzeugen, eine Aufmerksamkeit für die vielen Kleinigkeiten, die in ihrer Gesamtheit eine politische Stimmungslage ausmachen. Politisch waren die Werke der Grimms also ihrer Haltung nach. Sie forderten vom Monarchen eine gleichsam empirische Gesinnung, die nicht gegen, sondern mit dem »Volk« arbeitet und ihm prinzipiell durch »Treue« verbunden ist. Verlässlichkeit war für sie eine wissenschaftliche wie eine politische Tugend. Und sie erwarteten sie von einem guten Fürsten.

Diese Erwartung jedoch fanden sie gleich mehrfach enttäuscht in ihrem Leben: zunächst auf dem Wiener Kongress, auf dem die Neuordnung Europas über den Willen der Beherrschten hinweg beschlossen wurde, dann durch den Kasseler Kurfürsten, der sie 1829 nicht beförderte und sie damit bewegte, an die Universität Göttingen zu wechseln, schließlich durch den dortigen König, denn auch in Göttingen fanden sie nicht die erhoffte Ruhe, auch hier verhielt sich die Obrigkeit nicht »treu«. So schlitterten die Grimms, kaum hatten sie sich an der ungewohnten Institution eingerichtet und sich als Professoren im neuen Umfeld etabliert, 1837 in die Affäre um die »Göttinger Sieben«.

Weil der hannoversche König beim Amtsantritt gleichsam als eine Art souveräner Revolutionär auftrat und die Verfassung, auf welche die Grimms ihren Professoreneid abgelegt hatten, mit einem Handstreich außer Kraft setzte, protestierten sie mit fünf weiteren Kollegen. Jacob und Wilhelm Grimm war der Verfassungstext dabei herzlich egal. Immer wieder betonten sie, dass sie sich um den mehr oder weniger liberalen Geist des Grundgesetzes nicht scherten. Sie forderten von König Ernst August I. lediglich jene Treue, die sie ihm zu geben bereit waren und die sie als Haltung ihren Studenten vermitteln wollten. In ihrer großen Selbstrechtfertigung betonten sie, dass sie mit einer Zustimmung zur Politik des Königs ihre Glaubwürdigkeit als Wissenschaftler aufs Spiel gesetzt hätten.

Ernst August indes stellte sich brave Untertanen anders vor. Am 11. Dezember 1837 unterzeichnete er die Entlassungsurkunden für die Brüder Grimm und die anderen Professoren der »Göttinger Sieben«. Wilhelm wurde nur seines Postens enthoben, Jacob aber als Rädelsführer unmittelbar des Landes verwiesen. In Kassel trafen sie sich wieder.

Erneut hatten sie sich nach Kräften engagiert – und waren gescheitert. Auch die Stellensuche der beiden gelehrten Berühmtheiten entwickelte sich schwieriger, als sie erwartet hatten. Erst nach langem Hin und Her landeten sie schließlich in Berlin , wohin sie 1840 der just inthronisierte preußische König Friedrich Wilhelm IV. holte – im Übrigen nicht an die Universität: Dies wäre ein Affront gegen das verwandtschaftlich verbundene hannoversche Königshaus gewesen. Der »Romantiker auf dem Thron« berief die Grimms an die Berliner Akademie der Wissenschaften, damit sie sich dort – bezahlt aus seiner Privatschatulle – dem Deutschen Wörterbuch widmeten.

Mit diesem riesenhaften Lexikonprojekt, diesem Monumentalwerk, das ihre Lebenskraft völlig überfordern sollte, stellten die Brüder Grimm ihr Arbeitsethos ein letztes Mal vor aller Augen unter Beweis – und fügten ihrer Lebensgeschichte ein weiteres typisch Grimmsches Kapitel hinzu, in dem sich Erfolg und Scheitern eigentümlich verbanden: Aufs Neue demonstrierten sie ihre »Andacht zum Unbedeutenden« und ihre »Treue« gegenüber den Äußerungen des »Volks«. Erneut zeigte sich in ihrer Methode ihre ganze, noch heute beeindruckende Modernität. Für die »geschichtliche Haltung« des Lexikonprojekts, schrieb Wilhelm Grimm 1839 an Savigny, sei alles, »was bisher in diesem Fache getan ist«, nutzlos.

Das ist ebenso konservativ wie revolutionär formuliert. Die strikte Treue gegenüber der Geschichte sollte zu einem wissenschaftlichen Umsturz führen, zu einer radikalen Innovation der Lexikografie – zumindest der Grimmschen Selbstwerbung zufolge. Doch die Terminpläne erwiesen sich als illusorisch. Was die Grimms sich mit ihrem Wörterbuch vorgenommen hatten, war nicht in einem, nicht in zwei Menschenleben zu schaffen. Erst ein Jahrhundert nachdem sie die Arbeit aufgenommen hatten, erschien der Abschlussband ihres Wörterbuchs. Das Interesse der Leser indes verpuffte nach anfänglichem Enthusiasmus schon zu Lebzeiten der Autoren.

Wieder einmal waren die Grimms ein hohes Risiko eingegangen, für ein Projekt, das am Ende in vielem zu einem Sinnbild für ihre Biografie und ihr gesamtes Schaffen wurde: erfolgreich und gescheitert zugleich, so zukunftsfähig wie vergänglich. Was aus dem Werk wurde, hatten sie nicht mehr in der Hand. Vielleicht hätten sie sich darüber geärgert, dass die nachfolgenden Bearbeiter die Konzeption des Wörterbuchs permanent revidierten. Gewundert hätte es sie sicherlich nicht, auch wenn sie es sich gewiss in manchem anders gewünscht hätten. Jedem großen Erfolg, das wussten diese beiden modernen Traditionalisten, wohnt ein Scheitern inne und jedem grandiosen Scheitern ein Erfolg. Die Zeiten aber, als das Wünschen noch geholfen hatte, waren unwiederbringlich vorbei.

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Leserkommentare
  1. Ein schöner Artikel über zwei der bedeutendsten Autoren am Anfang der Moderne. In einer Zeit in der es an Revolutionärem nicht fehlte. Die Veränderungen, die ihren Anfang in technischen, wohnbedingten, sozialen etc. Neuerungen haben, hallen in den alltäglichen Gepflogenheiten bis heute nach. Wohl ebenso wie die Inhalte der Märchen. So traditionell und bewahrend die Märchen auch sein mögen, haben sie als Motive doch auch immer ein Funken Hoffnung auf Besserung in sich. Der Mangel, den zahlreiche Helden am Beginn ihrer Geschichte auf einem mühsamen Weg zu einer besseren Welt ausgesetzt sind, kann auch als Projektion der gesellschaftlichen Befindlichkeit gedeutet werden. Ernst Bloch hat dies als einer von wenigen erkannt. So können auch utopische Vorstellungen, die Überwindung der Gegenwart, Kritik an den Verhältnissen und das Aufzeigen eines guten Ausganges, sich in den Geschichten wiederspiegeln. Aber das Scheitern gehört scheinbar zum Erfolg dazu.

  2. Ich finde es bedenklich dass die Brüder Grimm hier als Heroen der Wissenschaft dargestellt werden. Sicher war der Blick auf das Einfache, auf die Kultur der kleinen Leute ein wichtiger Paradigmenwechsel, zu dem die Grimms durchaus ihren Teil beigetragen haben. Allerdings ist nicht erst seit kurzem bekannt, dass gerade bei der Sammlung der "urdeutschen Sagen und Märchen" die zu Grunde liegende Kontinuitätsprämisse (Das einfache Volk ist nicht so verbildet/ durch die abgeschiedene Lage am Land hält sich "altes Wissen" über Generationen) wissenschaftlich nicht tragbar ist. Na gut, falsche Hypothesen gehören zum Wissenschaftsprozess dazu. Aber: Das Gewährsmännerprinzip, die Methode zur Absicherung und Überprüfbarkeit ihrer Ergebnisse, ist nicht nur an sich ungenügend, die Grimms haben hier auch nachweislich getrickst. So wurden Gewährsfrauen erfunden, französische Großmütter eingedeutscht, und auch sonst wurde das Material sehr frei bearbeitet.
    Man mag sich fragen, wieso die "urdeutschen Grimmschen Märchen" merkwürdig starke Übereinstimmungen mit den vorher veröffentlichten "contes de feés" von Charles Perrault besitzen, verfolgt man aber die Spur der angeblichen Gewährsfrauen, so lässt sich die französische Herkunft so manches "deutschen Märchens" deutlich nachzeichnen.
    Die Grimms nahmen es mit der Wahrheit nicht so genau. Ihnen lag doch mehr am nationalen Gedanken, den sie mit einer gehörigen Portion gemeinschaftsstiftender Mythologie zu unterfüttern suchten.

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    • vonDü
    • 24. November 2012 7:25 Uhr

    Ein Teil der Märchen, geschätzt ca. 1/3, sind hugenottischen Ursprungs und durch den Kontakt der Grimms zu den Kindern hugenottischen Familie Hassenpflug in deren Märchensammlung gelangt. Deren einziger Sohn, mit der Schwester der Grimms in erster Ehe verheiratet war, als Minister Karriere machte, und als "Hassenpflug der Hessenfluch" in die Geschichte eingegangen ist. Seine äußert umstrittene Politik war die Ursache des Zerwürfnisses beider Familien. http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Hassenpflug

    Dass ein Teil der Märchen, Analogien im französischen Sprachraum hat, ist daher kein Mysterium. Wissenschaftlichen Ansprüchen genügten die Grimms nicht, wobei die Frage ist, ob das Absicht oder Zweck bei den gesammelten Märchen war?

    • vonDü
    • 24. November 2012 7:25 Uhr

    Ein Teil der Märchen, geschätzt ca. 1/3, sind hugenottischen Ursprungs und durch den Kontakt der Grimms zu den Kindern hugenottischen Familie Hassenpflug in deren Märchensammlung gelangt. Deren einziger Sohn, mit der Schwester der Grimms in erster Ehe verheiratet war, als Minister Karriere machte, und als "Hassenpflug der Hessenfluch" in die Geschichte eingegangen ist. Seine äußert umstrittene Politik war die Ursache des Zerwürfnisses beider Familien. http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Hassenpflug

    Dass ein Teil der Märchen, Analogien im französischen Sprachraum hat, ist daher kein Mysterium. Wissenschaftlichen Ansprüchen genügten die Grimms nicht, wobei die Frage ist, ob das Absicht oder Zweck bei den gesammelten Märchen war?

    • Trypsin
    • 01. Dezember 2012 15:54 Uhr

    'Auch die Entscheidung des Kasseler Kurfürsten gegen die Grimms hatte politische Gründe: Der Fürst hatte bei ihnen eine bestimmte Form der Untertänigkeit vermisst'

    Wieso erinnert mich das an mein eigenes Leben?!

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