Pro und ContraIch liebe Wagner / Ich nicht

Im Jubiläumsjahr wird lauter als sonst über Bayreuth diskutiert. Hanns-Josef Ortheil lässt sich gern mitreißen, Rolf Schneider hingegen hält nichts vom Wagner-Wahn.

Richard Wagner in einer historischen Darstellung

Richard Wagner in einer historischen Darstellung

Ich liebe Wagner
Denn seine Musik ist wie ein gewaltiger, alles mitreißender Strom

Die Musik Richard Wagners entdeckte ich als junger Musikstudent. Ich hatte eine Sängerin bei Opernproben am Klavier zu begleiten, und so vertiefte ich mich in die Klavierauszüge des Rings. War ich nach diesen Proben dann allein, konnte ich mich von der Musik nicht mehr trennen. Also spielte ich weiter Klavier und sang zu meiner eigenen Begleitung. Wagners Musik verlangt dieses Mitsingen oder Mitsummen geradezu, obwohl sie nicht aus einprägsamen Melodien oder Rhythmen besteht. Denn sie will etwas ganz anderes sein als eine Folge gepflegter oder raffinierter Harmonien.

Wie ein sich langsam anschleichender, gewaltiger, alles mitreißender und nicht aufhörender Strom besetzte Wagners Musik meinen Körper, lud ihn mit diesem Strömen auf und trieb ihn ins Freie, sodass ich sie noch zu hören glaubte, als ich den Frankfurter Probenraum in der Hochschule am frühen Abend längst verlassen hatte.

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Der Vorfrühling draußen mit seinen regennassen Straßen und dem lauwarmen Wind, der einen durch die fahlen Alleen schob, passte ideal dazu. Die Natur erschien wie von Wagner komponiert: säuselnd, summend, sich biegend, aufschäumend, verebbend – weiche, nachgiebige Materie, voll flutender Energie. Selbst der Straßenverkehr reihte sich in Wagners Musik ein: ein gleitender Autostrom, sanfte, rotierende Bewegung, rote Scheinwerferlinien in Sinuskurven. So bestanden die Dinge nicht mehr einzeln, für sich, sondern waren integriert in einen wallenden übergeordneten Klang, dem ich wie eine kleine, schwankende Figur ausgesetzt war.

Hanns-Josef Ortheil

1951 in Köln geboren, ist Schriftsteller und Pianist und lehrt Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Er hat unter anderem Das Glück der Musik geschrieben.

Ganz ähnlich ergeht es ja auch Wagners Figuren in seinen Opern. Im Grunde tragen sie vor allem die Musik, sind Klangzustände von vielen Minuten. Dass Wagner ihnen dennoch einen Text verschrieben hat, weil sie nun einmal in einer Geschichte auftreten müssen, empfand ich lange als Zumutung. Was hatten Wagners Figuren mit Texten zu tun? Und waren diese Texte, die den übergeordneten Klangzuständen beinahe devot unterlegt waren, nicht unendlich peinlich?

»Winterstürme wichen dem Wonnemond...« – mit solchen Vorfrühlingstexten hatte Wagner sich in der Walküre beholfen und sie seinem Siegmund offeriert, damit er strömen und singen konnte, vollkommen betört und verzaubert von Natur-Atmosphären, die etwas anderes waren als der bekannte liebliche Vorfrühlingskoller. Denn »Winterstürme wichen dem Wonnemond...« macht aus der Natur ein flirrendes und auch unheimliches Medium der Entrückung und der Ekstase. Weite, Unendlichkeit – das waren die geheimen Ziele, auf die eine solche Musik hinarbeitet, und genau deshalb war sie die erste Musik, die von vornherein als reine Droge gedacht war. Wenn man sie einnahm, wirkte sie so, dass die gestammelten Zeilen von »Winterstürme wichen dem Wonnemond...« der passende Halb-Unsinn zur Musik waren, ein Drogenlallen, ein Rausch.

So gesehen, war es nur konsequent, dass Wagner sich nie um einen Librettisten bemühte, sondern das Libretto für seine Opern gleich selber schrieb. Die Libretti bestehen daher aus halbgarer, brodelnder, köchelnder Sprache, die wie ein Gemenge großer Blasen in Musik aufgehen soll. Man sollte das Experiment wagen und Wagners Musik andere Texte unterlegen, Texte von heute, frei erfundenes, an der Grenze zum Unsinn lauerndes Wortkauderwelsch; ich bin überzeugt, das Experiment würde gelingen.

ZEIT Geschichte 1/2013
Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Geschichte Magazin, das am Kiosk erhältlich ist.

Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Geschichte Magazin, das am Kiosk erhältlich ist.

Am Frankfurter Hauptbahnhof stieg ich damals nach der Probe in einen Regionalzug nach Mainz und setzte mich irgendwohin. Doch es war ja Vorfrühling, und ich hatte bereits eine gewaltige Dosis Wagner in mir. Also stand ich rasch wieder auf und lief durch den Zug, riss hier und da ein Fenster herunter, steckte den Kopf in den Fahrtwind und sang (noch verhalten und nur für mich) mein »Winterstürme wichen dem Wonnemond«. Es hatte etwas von Raserei, aber ich konnte nicht damit aufhören, so sehr steckte ich nun drin in diesem Wehen und Weben.

In Mainz ging es rasch hinaus aus dem Zug und sofort in die Altstadt. All diese geduckten Fachwerkhäuschen und der sandsteinfarbene Dom und die Weinstuben mit ihren schimmernden Butzenscheibchen – hatte es mich plötzlich mitten in die Meistersinger (»das Blut, es wallt mit Allgewalt«) verschlagen? Und hatte mein Feuer nicht etwas vom Sangesfeuer Walther von Stolzings, der sich in den Meistersingern als Genie des Gesangs gegen die regelbesessenen Meistersinger mühelos behauptet?

Ich kehrte irgendwo ein, und da waren die Freunde, und da gab es den guten Rheingauer Wein. Wein mit Wagner in Verbindung zu bringen – das war die ultimative Überdosis, die mich in der kleinen Weinstube direkt am Rhein an ein verstimmtes Klavier trieb, um dort weiterzumachen, wo ich in der Frankfurter Hochschule aufgehört hatte. Nach kaum fünf Minuten standen die Mainzer Zecher auf Stühlen und Bänken und wiederholten: »in milden Lüften leuchtet der Lenz«. Und nach kaum einer Stunde war der orgiastische Kreis nicht mehr zu halten, und wir zogen hinaus auf die Gassen, und ich hatte endlich den großen Chor, den ich brauchte, um mitten in der nächtlichen Mainzer Altstadt Walthers Traumlied anzustimmen: »Nächtlich umdämmert der Blick sich mir bricht...«

Die Türen vieler Weinstuben öffneten sich, und die Trinker strömten nach draußen, ins Freie. Der Verkehr kam zum Erliegen, und am Ende mündete mein Singen im mitsummenden Chor: »Dein Sang erwarb dir Meisterpreis!« Eigentlich hätte zum Lohn (so wie in den Meistersingern) nun ein Evchen an meine Seite gehört (»Keiner wie du so hold zu werben weiß« – mitsamt Kuss, Meisterurkunde und Ehevertrag), aber damals, in den siebziger Jahren, gab es solche Evchen nicht mehr.

Heute dagegen träume ich in unruhigen Vorfrühlingsnächten manchmal von Katharina Wagner. Sie liegt einsam auf dem Grünen Hügel von Bayreuth, und ein Feuer umlodert sie. Schon lange wartet sie auf den Helden, der diesem Feuer trotzt und ein Wagnersches Werbungslied anstimmt. Ich stehe unten, am Fuß des Hügels, und blicke hinauf. Ich kenne meine Aufgabe, und die ist nicht leicht: Ein Wagnersches Werbungslied, ganz aus heutigem Text! Ich summe, ich taste mich vor, ich eile ans Klavier und mache mich an die Arbeit. Es-Dur, reines Werben und Weben: »Keine wie du...« Katharina lauscht und hebt den Kopf. Dann mache ich mich auf den Weg, den Grünen Hügel hinauf, mitten durch die lodernden Flammen.

Hanns-Josef Ortheil

Ich nicht
Denn Wagners Kunst erzeugt viel Rausch, aber wenig Erkenntnis

Richard Wagner war gebürtiger Obersachse. Ich bin das auch; von daher kann ich charakterliche Eigenarten in jener Ethnie, der wir entstammen, einigermaßen genau benennen. Man zeigt sich gerne wehleidig und humorlos, empfindlich, geschwätzig und hochproduktiv. Man schwankt zwischen Depression und Größenwahn. Man neigt der religiösen Sektiererei zu und im Politischen einem emsigen Opportunismus. Dies alles finde ich bei Wagner wieder, vergrößert ins Riesenhafte oder, wenn man denn will, ins Genialische.

Etwas Maßloses ist um ihn. Das betrifft seine Kompositionen, wofür »unendliche Melodie« nur ein freundlicher Euphemismus ist. Es betrifft seine Ansprüche und seine Nachwirkung. Neben Jesus, Luther und Marx zählt er zu dem meistberedeten und umstrittensten Figuren der Geistesgeschichte.

Ich selbst bin kein Anti-Wagnerianer aus dem Geist Eduard Hanslicks. Übrigens ist auch der klassische Wagnerianer eben dabei zu verschwinden und mit ihm jene Art der handgreiflichen Auseinandersetzung, die den Wagnerianer Pringsheim, Thomas Manns Schwiegervater, einen Bierseidel als Waffe verwenden ließ, was ihm den reizenden Spitznamen »Schoppenhauer« eintrug.

Ich habe mich, allem landsmannschaftlichen Argwohn zum Trotz, in Bayreuth den Festspielen ausgesetzt, und dies mehrfach. Ich kenne alle Opern des dortigen Kanons, Rienzi und die Wesendonck-Lieder kenne ich außerdem. Ich finde, dass der Fliegende Holländer eine rundum gelungene Oper ist und die Meistersinger, ungeachtet des antisemitischen Beigeschmacks, ein ausgezeichnetes Libretto haben. Der Tristan-Akkord berührt auch mich, freilich ist es eine Wirkung, der ich misstraue; dazu später mehr.

Rolf Schneider

1932 in Chemnitz geboren, schreibt Hörspiele, Theaterstücke und Romane. Unter anderem erschienen von ihm Wagner für Eilige und Levi oder die Reise zu Richard Wagner.

Nun lässt sich der Tonsetzer Wagner von dem Schriftsteller Wagner kaum trennen. Dem ist außer manch Gelungenem, so dem Tristan-Libretto, viel Problematisches und auch Unsägliches unterlaufen. Das beginnt bei dem Tannhäuser-Libretto, und vornehmlich die Ring-Tetralogie weist allerlei dramaturgisch-mythologische Brüche, Widersprüche und Merkwürdigkeiten auf, von der oft unsäglichen Stabreimerei zu schweigen. »So wisst denn, Winselnde, / was die verbrach, / um die euch Zagen / die Zähre entbrennt!«, singt Wotan, und ein Frauenname wie Helmwige für eine der Walküren muss einem erst einmal einfallen.

Die Autobiografie Mein Leben kann ich gut lesen, schon weil ihr parfümiertes Pathos mich heiter stimmt. Das Kunstwerk der Zukunft enthält bemerkenswerte Ideen. Das Judenthum in der Musik ist ein entsetzlicher Text. Wagner verbreitete darin Ideen, deren schreckliche Folgen bis hin zur Schoah Teil unserer nationalen Schande sind.

Nun wäre, dessen ungeachtet, Wagner nicht der erste und einzige Fall, da ein geniales Kunstwerk von jemandem stammt, der persönlich ein Widerling oder gar ein Verbrecher ist. Bei Richard Wagner freilich lässt sich die Wirkungsmacht des Werks nicht denken ohne die Person des Schöpfers und deren Eigenarten. Ein Großteil der Anhängerschaft akzeptiert ihn selbst darin, wobei sie seine Unarten teils verharmlost, teils entschuldigt, teils uneingeschränkt billigt.

Ich weiß, dass sich seine Persönlichkeit auf den Protz, die grässliche Schuldenmacherei, das pseudoreligiöse Gehabe und die alberne Oberbekleidung nicht reduzieren lässt. Wie auch seine Nachwirkung sich nicht in seinem Antisemitismus erschöpft. Zunächst geht es da um Ästhetik: Richard Strauss, Gustav Mahler, Anton Bruckner und Claude Debussy sind nicht denkbar ohne ihn. Selbst Arnold Schönberg steht in seiner Nachfolge, mit den Gurre-Liedern und später, wenn er die musikalische Spätromantik, deren Fürst Wagner war, im hegelschen Sinne aufhebt, Thomas Mann handelt davon in seinem Roman Doktor Faustus.

Wagner hat der Nummernoper die (von dem verhassten Meyerbeer vorbereitete) Durchkomposition entgegengestellt. Er hat konsequent das Leitmotiv eingesetzt; erfunden hatte es E.T.A. Hoffmann in Undine. Wagner hat die sommerlichen Opernfestspiele ersonnen, längst ein Ereignis mit Massenpublikum; in Bayreuth laufen sie durchaus angenehm ab, fast familiär, bescheidener jedenfalls als im aufgedonnerten Salzburg, wo man sich einem meiner persönlichen Abgötter widmet.

Warum aber liebe ich Mozart, während ich Wagner misstraue? Dies hat vornehmlich mit der Musik zu tun. Ernst Bloch, der lange in Wagners Geburtsstadt Leipzig gelebt und gelehrt hat und seinerseits ein unbedingter Wagnerianer war, sprach von des Meisters »Rückenmarksmusik«. Gemeint ist die emotionale Wirkung. Die hat nun jegliche Musik, keine andere Kunst zielt so unmittelbar aufs Gefühl, aber es macht einen Unterschied, wie uns – oder muss ich sagen: mich? – der Don Giovanni ergreift im Vergleich mit dem thematisch ähnlichen Tristan.

Sehr vereinfacht gesagt: Mozart wirkt durch die Melodie, Wagner durch den Klang. Themen, die zu musikalischem Allgemeingut wurden, sind deswegen bei Wagner merkwürdig rar, sie beschränken sich auf die Vorspiele zum Lohengrin und zu den Meistersingern, auf den Walkürenritt und einzelne Gesänge. Das allermeiste versinkt im majestätischen Klangteppich der Partituren, und immer sind es der Klang, seine Inszenierung, seine Modulationen, die jenen Effekt erzeugen, den Ernst Bloch in der Medulla spinalis lokalisiert.

Der Effekt ist Rausch. Dieser Rausch ist erotisch-sexuell fermentiert. Mozarts Musik berauscht nicht, sie rührt an oder erschüttert. Ich misstraue dem Rausch. Er ist ungesund und lähmt das Denken. Wagners Musik ist, allem ästhetischen Raffinement zum Trotz, zutiefst antiintellektuell. Dergleichen wird man weder Mozart noch Bach nachsagen können, auch Haydn nicht, so wenig wie, um die Moderne zu bemühen, Sergej Prokofjew oder Alban Berg oder Béla Bartók, von John Cage nicht zu reden.

Nun gehört das Rausch-Erlebnis zu den häufigsten Vergnügungen des Menschengeschlechts. Soll ich hier sagen, dass Wotans Abschied aus der Walküre zu den bedeutenden Kunsterlebnissen zählt, die ich hatte? Einerlei, die Arie der Gräfin aus dem Figaro stelle ich darüber, und lieber als Isoldes Liebestod höre ich allemal Das Wohltemperierte Klavier.

Rolf Schneider

 
Leser-Kommentare
  1. Das Erste was mir immer spontan zu Wagner einfällt und auch wirklich köstlich gefällt, ein Zitat von Woody Allen: »Immer wenn ich Wagner höre, spüre ich den inneren Drang, in Polen einmarschieren zu müssen.«

    Quelle - http://www.zeit.de/2009/3...

    7 Leser-Empfehlungen
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    Die Pointe ist billig zu haben, gibt sich kennerschaftlich, belesen, sicher viel Beifall - und völlig ohne Wahrheit.

    Wagner löst ein breites Spektrum an Emotionen aus, aber keine Mordgelüste.

    • xelo
    • 03.03.2013 um 13:39 Uhr

    Denken du und Woody Allan dann auch z.B. bei Franz Liszt immer an die "Deutsche Wochenschau" oder den "Wehrmachtsbericht"?
    http://de.wikipedia.org/w...

    Franz Liszt kann nichts dafür, dass sein Werk von den Nazis benutzt wurde.
    Wagner auch nicht.
    Vielleicht sollte man sich Wagner nicht nur durch Wochenschauen oder Spielfilmen über das III.Reich annähern, sondern vorurteilsfrei einfach nur mal anhören ohne sich durch kaputte Assoziationen verblenden zu lassen.

    ...fallen beim Walkürenritt immer die Nazis ein, die mit dem Auto vom Himmel fallen, im Film "Blues-Brothers" ;-)

    • Kanzel
    • 03.03.2013 um 19:00 Uhr

    Wenn Sie tatsächlich Wagner kennenlernen wollen um einen qualifizierten Kommentar abgeben zu können, dann sollten Sie sich schon bemühen eine Wagneroper - am besten live - zu erleben.

    Gekürzt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    • FranL.
    • 03.03.2013 um 20:52 Uhr

    Und Wagner ist der Größte aller Opernkomponisten.

    Die Pointe ist billig zu haben, gibt sich kennerschaftlich, belesen, sicher viel Beifall - und völlig ohne Wahrheit.

    Wagner löst ein breites Spektrum an Emotionen aus, aber keine Mordgelüste.

    • xelo
    • 03.03.2013 um 13:39 Uhr

    Denken du und Woody Allan dann auch z.B. bei Franz Liszt immer an die "Deutsche Wochenschau" oder den "Wehrmachtsbericht"?
    http://de.wikipedia.org/w...

    Franz Liszt kann nichts dafür, dass sein Werk von den Nazis benutzt wurde.
    Wagner auch nicht.
    Vielleicht sollte man sich Wagner nicht nur durch Wochenschauen oder Spielfilmen über das III.Reich annähern, sondern vorurteilsfrei einfach nur mal anhören ohne sich durch kaputte Assoziationen verblenden zu lassen.

    ...fallen beim Walkürenritt immer die Nazis ein, die mit dem Auto vom Himmel fallen, im Film "Blues-Brothers" ;-)

    • Kanzel
    • 03.03.2013 um 19:00 Uhr

    Wenn Sie tatsächlich Wagner kennenlernen wollen um einen qualifizierten Kommentar abgeben zu können, dann sollten Sie sich schon bemühen eine Wagneroper - am besten live - zu erleben.

    Gekürzt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    • FranL.
    • 03.03.2013 um 20:52 Uhr

    Und Wagner ist der Größte aller Opernkomponisten.

  2. Wagner polarisiert wie kaum ein Anderer.

    Warum muss ich Wagner lieben oder hassen? Warum dieses Extrem?

    Ich hasse Wagner nicht, ich kann aber nur bedingt etwas mit ihm anfangen. Was ich allerdings "hasse" ist der Malus, der mir von einigen Wagnerianern deshalb angeheftet wird. "Da oben" die Wagnerfans, die schier zu kollabieren scheinen, wenn sie sich über die Mystik und die nicht enden wollende Komplexität auslassen, jenen Sphären, in die nur ein geweihter Kreis Einzug erhält, die anderen bleiben außen vor. Man hat das Gefühl, dass da mit einigen doch ein wenig die Pferde davon galloppieren und sie zu viel Parsifal geschnupft haben.

    Wagner hat in Teilen schöne Musik gemacht. Wagner hat sich aber in anderen Teilen ordentlich verritten! So stark verritten, dass aus Zuvieldesguten Ungut wird.

    Just gestern habe ich der Liveübertragung des Parsifal aus der MET beigewohnt. Eine faszinierende Inszenierung! Trotz - so möchte ich eher sagen - nicht wegen Wagner. Wagner ist maßlos und das nicht zu seinem Vorteil! Wahre Kunst wäre es gewesen, mehr Essenz im Blick zu haben. Den Parsifal statt in 4,5 Stunden in der Hälfte! So tritt nicht nur Ermüdung ein, sondern schlicht Langeweile (Sakrileg!) Es passiert über weite Strecken musikalisch eben nichts mehr.

    Ich liebe Wagner nicht, ich hasse ihn nicht. Ich find ihn ab und an schön, oft langweilig, manchmal unerträglich.

    [...] Gekürzt. Die Redaktion/kvk

    2 Leser-Empfehlungen
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    • jvz
    • 06.03.2013 um 12:13 Uhr

    Entfernt. Kein konstruktiver Beitrag. Die Redaktion/kvk

    • jvz
    • 06.03.2013 um 12:13 Uhr

    Entfernt. Kein konstruktiver Beitrag. Die Redaktion/kvk

  3. Warum sollte man Mißtrauen in rauschhafte Gefühle haben? Weil dann der Verstand ausgeschaltet wird? Vielleicht hat in der Welt der Verstand mehr Unheil angerichtet als ein Einssein mit der Welt im Rausch der Gefühle. Wahre Musik kommt aus dem Bauch und nicht aus dem Kopf. Und jener ist bei Wagner deutlich mehr vertreten als bei Bach oder Mozart.

    Ich für meine Person traue dem Gefühl mehr als dem Verstand, da das Gefühl eigentlich immer recht hat, der Verstand hingegen schon oft falsche Wege ging, vor allem, wenn er sich eingebildet hat, der Natur überlegen zu sein und die einzige Bestimmung des Menschen zu sein.

    3 Leser-Empfehlungen
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    Sich von "Gefühlen" leiten zu lassen, ist nichts besonderes. Das tun nämlich die meisten Menschen - zum Leidwesen ihrer Zeitgenossen (Stimmungsschwankungen, Hass, Eifersucht...).
    Nicht das Gefühl, sondern die Vernunft braucht DRINGEND unseren Beistand. DAS ist es, was Menschen von anderen Lebewesen unterscheidet und uns erst zu Menschen macht.

    Doch wie wenige sind es, die ihre Leidenschaften durch Vernunft geläutert haben?

    Der größte Irrtum der Romantik war die Behauptung, der Verstand unterdrücke das Gefühl.
    In Wahrheit ist es GENAU UMGEKEHRT.
    Der "Kampf" gegen die Anmaßungen des "Gefühls" ist jedem Menschen als Lebensaufgabe mitgegeben.

    Zum Artikel selbst: Herr Wolf Schneider, ungeteilte Zustimmung!

    Sich von "Gefühlen" leiten zu lassen, ist nichts besonderes. Das tun nämlich die meisten Menschen - zum Leidwesen ihrer Zeitgenossen (Stimmungsschwankungen, Hass, Eifersucht...).
    Nicht das Gefühl, sondern die Vernunft braucht DRINGEND unseren Beistand. DAS ist es, was Menschen von anderen Lebewesen unterscheidet und uns erst zu Menschen macht.

    Doch wie wenige sind es, die ihre Leidenschaften durch Vernunft geläutert haben?

    Der größte Irrtum der Romantik war die Behauptung, der Verstand unterdrücke das Gefühl.
    In Wahrheit ist es GENAU UMGEKEHRT.
    Der "Kampf" gegen die Anmaßungen des "Gefühls" ist jedem Menschen als Lebensaufgabe mitgegeben.

    Zum Artikel selbst: Herr Wolf Schneider, ungeteilte Zustimmung!

    • hairy
    • 03.03.2013 um 11:39 Uhr

    Ich 'liebe' Wagner gewiss nicht, sondern finde manche seiner Werke (Musik UND Schriften) sehr interessant, anrührend und/oder jedenfalls empfehlenswert. Kein Grund zu Heroisierungen. Genausowenig Grund, ihm ein Hakenkreuz anzuheften.

    4 Leser-Empfehlungen
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    • Kanzel
    • 03.03.2013 um 19:04 Uhr

    Auch ich finde es unerhört ständig Wagner mit den NS-Schergen zu verbinden. Wäre das Hakenkreuz nicht auf dem o.g. Cover, würde ich es kaufen - so jedoch nicht.
    Wagner-Aufführungen in der Kölner Oper meide ich mittlerweile grundsätzlich, selbst beim "Meistersänger von Nürnberg" wurden einem bei der Aufführunge KZ-Bilder aufgezwungen - unsäglich.

    • Kanzel
    • 03.03.2013 um 19:04 Uhr

    Auch ich finde es unerhört ständig Wagner mit den NS-Schergen zu verbinden. Wäre das Hakenkreuz nicht auf dem o.g. Cover, würde ich es kaufen - so jedoch nicht.
    Wagner-Aufführungen in der Kölner Oper meide ich mittlerweile grundsätzlich, selbst beim "Meistersänger von Nürnberg" wurden einem bei der Aufführunge KZ-Bilder aufgezwungen - unsäglich.

  4. die Musik so mögen, wie es dem persönlichen ästhetischen Empfinden beliebt, auf die Person und deren Handlungen nicht mehr geben, als es dem persönlichen Interesse entspricht.

    Und die alljährliche Diskussion darüber, so weit wie möglich mit dem gebotenen Desinteresse begegnen.

    • cmim
    • 03.03.2013 um 12:26 Uhr

    allzu poetisch, als er sagte: Wagner war ein wunderschöner Sonnenuntergang, den man fälschlich für einen Sonnenaufgang gehalten hat.
    Ich erinnere mich an eine meiner ersten Vorlesungen in der Kunstgeschichte, in denen diskutiert wurde, ob das gezeigte Gemälde ein Sonnenaufgang oder -untergang abbildete. Die Diskussion war endlos und führte letztlich z u keinem druckreifen Ergebnis. Manches ist nicht festzustellen und schlußendlich eine subjektive Frage von Vorlieben. Da Wagner allerdings. ein musikalisch autodidaktisches 'Genie' war, hat er sowohl schlechte Voraussetzungen wie wohl auch einen wohlwollenden Bonus.

    via ZEIT ONLINE plus App

    Eine Leser-Empfehlung
    • cmim
    • 03.03.2013 um 12:30 Uhr

    aber der Tannhäuser soll einige guten Passagen bieten

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  5. Sich von "Gefühlen" leiten zu lassen, ist nichts besonderes. Das tun nämlich die meisten Menschen - zum Leidwesen ihrer Zeitgenossen (Stimmungsschwankungen, Hass, Eifersucht...).
    Nicht das Gefühl, sondern die Vernunft braucht DRINGEND unseren Beistand. DAS ist es, was Menschen von anderen Lebewesen unterscheidet und uns erst zu Menschen macht.

    Doch wie wenige sind es, die ihre Leidenschaften durch Vernunft geläutert haben?

    Der größte Irrtum der Romantik war die Behauptung, der Verstand unterdrücke das Gefühl.
    In Wahrheit ist es GENAU UMGEKEHRT.
    Der "Kampf" gegen die Anmaßungen des "Gefühls" ist jedem Menschen als Lebensaufgabe mitgegeben.

    Zum Artikel selbst: Herr Wolf Schneider, ungeteilte Zustimmung!

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    Verzeihung!

    Liebe, Mitgefühl, Solidarität, Freude,... sind auch Gefühle. Nicht jedem, so denke ich, muß der Kampf gegen das Gefühl eine Lebensaufgabe sein, es hängt wohl vielmehr davon ab, welche Gefühle jeweils in einem schlummern.

    (Kunst, und Musik im Speziellen, vollzieht ihre Wirkung aber nun einmal auf der Gefühlsebene - das hat Richard Wagner in seinen theoretischen Schriften sehr klar erkannt. Und damit hat er gearbeitet. Dem einen ist das unheimlich, für den anderen ist es aufregend.)

    • jvz
    • 06.03.2013 um 12:19 Uhr

    Oh doch, der Verstand unterdrückt die Gefühle, wie die Gefühle den Verstand unterdrücken. Im Idealfall arbeiten die beiden Hand in Hand (oder Kopf in Bauch?). Mann muss sich um ein Gleichgewicht zwischen beiden, wenn möglich eine Einigung bemühen.

    Gedanken ohne Gefühle sind kalt, Gefühle ohne Gedanken sind leer
    oder so ähnlich.
    Erinnert sich jemand daran, wie das Zitat eigentlich lautet? ...

    Sergeant

    Verzeihung!

    Liebe, Mitgefühl, Solidarität, Freude,... sind auch Gefühle. Nicht jedem, so denke ich, muß der Kampf gegen das Gefühl eine Lebensaufgabe sein, es hängt wohl vielmehr davon ab, welche Gefühle jeweils in einem schlummern.

    (Kunst, und Musik im Speziellen, vollzieht ihre Wirkung aber nun einmal auf der Gefühlsebene - das hat Richard Wagner in seinen theoretischen Schriften sehr klar erkannt. Und damit hat er gearbeitet. Dem einen ist das unheimlich, für den anderen ist es aufregend.)

    • jvz
    • 06.03.2013 um 12:19 Uhr

    Oh doch, der Verstand unterdrückt die Gefühle, wie die Gefühle den Verstand unterdrücken. Im Idealfall arbeiten die beiden Hand in Hand (oder Kopf in Bauch?). Mann muss sich um ein Gleichgewicht zwischen beiden, wenn möglich eine Einigung bemühen.

    Gedanken ohne Gefühle sind kalt, Gefühle ohne Gedanken sind leer
    oder so ähnlich.
    Erinnert sich jemand daran, wie das Zitat eigentlich lautet? ...

    Sergeant

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