Am 19. August 14 n. Chr. starb Augustus im süditalischen Nola in den Armen seiner Frau Livia. Ein ganzes Zeitalter trägt bis heute seinen Namen. Denn der Erbe Caesars hatte nicht nur der Macht ein neues Gesicht gegeben, sondern alle Lebensäußerungen seiner Zeit geprägt. Ihre Spuren findet der Betrachter in Politik und Gesellschaft, in Religion und Kunst. Er trifft auf sie an vielen Orten des Mittelmeerraums und der angrenzenden Länder. Augustus war der Herr eines Imperiums, und weit über dessen Grenzen hinaus entschied er über das Glück der Menschen.

Viele jedoch, die ihn nach seinem Tod beweinten, verdrängten die Erinnerung an seine ersten Jahre. Denn in ihnen war Ciceros prophetischer Satz bittere Wirklichkeit geworden: "Geschehen wird, was die wollen, die die Macht haben, und die Macht wird immer bei den Waffen sein."

Alles begann im Frühsommer des Jahres 88 v. Chr. – 15 Jahre bevor Augustus zur Welt kam. In jenem Jahr erreichte der Kampf um die Macht in Rom eine neue Stufe der Gewalt. Zum ersten Mal brannten die Wachtfeuer römischer Truppen auf dem Forum wie in Feindesland. Zum ersten Mal trieben Legionäre Senatoren und Ritter aus ihren Häusern, zum ersten Mal verlas im Senat ein General seine Befehle. Sein Name: Cornelius Sulla, sein Amt: Konsul, seine Passion: der Kampf, sein Ziel: das Kommando im großen asiatischen Feldzug, das ihm seine Gegner trotz aller seiner Verdienste um den Staat vorenthalten wollten.

Ohne Zögern waren seine Truppen auf Rom marschiert, hatte er ihnen doch einen leichten Krieg in Ländern versprochen, in denen unerhörte Beute und Ruhm warteten. Nach dem Sieg winkte als Lohn für ihre Treue die Versorgung mit Land in Italien. Der Zorn eines Generals über die Kränkung, die ihm seine Widersacher angetan hatten, verband sich mit der Furcht seiner Truppen, um den Feldzug geprellt zu werden, der sie reich machen und aller künftigen Sorgen entheben sollte. Mit ihnen erreichte Sulla, was er forderte, und darüber hinaus nach seinem Triumph im Osten das Amt des dictator in Rom.

Was die Zeitgenossen allenfalls erahnen konnten: Sulla hatte die Axt an die Wurzeln der Adelsrepublik gelegt. Jeder, der nach ihm Macht, Ehre und Ruhm begehrte, kannte nun die Zauberformel, die den Weg dorthin öffnete. Und nur allzu schnell zeigte sich, dass die Schar der Lehrlinge wuchs, die diese Formel gebrauchten und den Pakt zwischen Soldat und General immer fester schmiedeten.

Wie aber kam es dazu? Was brachte einen Staatsbeamten dazu, die Heimat mit Krieg zu überziehen?

Der Historiker Tacitus fand dafür eine einfache Erklärung: Die alte, in den Menschen verwurzelte Gier nach Macht sei mit der Vergrößerung des Reiches gewachsen, habe die Gleichheit der Adelsfamilien zerbrochen und einige wenige übermächtig werden lassen. Anders formuliert: Als Rom die Eroberung der Welt auf seine Fahnen schrieb, entfesselte es Energien, die schließlich die Republik selbst an den Abgrund drängten.

Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Geschichte Magazin, das am Kiosk erhältlich ist.

Die Armeen, über die Roms Feldherren geboten, um Krieg in alle Himmelsrichtungen zu führen, überstiegen bereits unter Pompeius (106–48 v. Chr.) und Caesar (100–44 v. Chr.) alles, was die Republik notfalls gegen sie aufbieten konnte. Mit Sulla marschierten sechs, mit Caesar zwölf und mit Octavian, dem späteren Augustus, sogar zwanzig Legionen. Die meisten waren kriegserprobt und durch Hilfssoldaten aus den Provinzen verstärkt.

Das soziale Gesicht der Legionen hatte sich gründlich verändert. Statt bäuerlicher und staatstreuer Milizionäre heuerten mehr und mehr Berufskrieger an, die einzig auf ihr Wohl bedacht waren und ihren Kommandeuren auf jeden Kampfplatz folgten, gleichgültig, wer ihnen dort entgegentrat. Die Hoffnung auf Lohn und Beute und die Versorgung mit Land nach der Entlassung ließen sie die jahrelange Abwesenheit von der Heimat und das harte Leben an fernen Einsatzorten ertragen.

Im Januar des Jahres 49 v. Chr. überschritt Caesar mit seinen Armeen den Rubicon und begann einen Bürgerkrieg, der fünf Jahre dauerte und alle Provinzen des Reiches in Not und Elend stürzte. Der Auslöser war wie bei Sulla gekränkte Ehre. Der General, der ganz Gallien für die Republik erobert hatte, forderte als Lohn das Konsulat und ein neues Kommando im Krieg gegen die Parther. Beides verweigerten ihm der Senat und seine adligen Konkurrenten, wohl wissend, dass einem siegreich aus dem Osten heimkehrenden Caesar die Alleinherrschaft nicht zu nehmen war. Sie wehrten sich mit dem Dolch in der Faust und erschlugen den Übermächtigen an den Iden des März des Jahres 44 v. Chr. – einen Tag bevor er mit seinen Soldaten gegen die Parther ziehen wollte.