Er gehört zu den bekanntesten, mächtigsten, aber auch rätselhaftesten Persönlichkeiten des Dreißigjährigen Krieges: der böhmische Adlige und Kriegsunternehmer Albrecht von Wallenstein. 1625 zum Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee ernannt, sorgte er für eine ebenso effiziente wie skrupellose Finanzierung seiner Truppen. Er führte den Kaiser zu beispielloser Machtfülle, bevor es zum Bruch mit dem Monarchen und zum jähen Untergang des Feldherrn kam.

Geradezu überwältigend ist das Interesse, das Wallenstein posthum auf sich gezogen hat. Schon kurz nach seinem Tod wurden Lebensberichte veröffentlicht und Theaterstücke auf die Bühne gebracht. Seit Schillers 1798/99 uraufgeführtem Drama inspirierte er zudem die deutsche Geschichtsschreibung: Allein bis 1910 wurden über 2500 einschlägige Studien veröffentlicht, auch danach erlahmte das Interesse nicht. Zahlreiche Historiker versuchten sich an Lebensbeschreibungen – von Leopold von Ranke, der ihm seine einzige Biografie widmete, bis zu Golo Manns tausendseitiger Erzählung. Dazu kommen etliche Romane, Wallenstein-Festspiele und in jüngerer Zeit auch Filme und Fernsehdokumentationen.

Doch Wallenstein gehörte lange Zeit auch zu den umstrittensten Persönlichkeiten des Dreißigjährigen Krieges. Durch seinen Tod, so behaupteten nicht wenige, seien die Weichen der deutschen Geschichte grundsätzlich in die falsche Richtung gestellt worden: Der Feldherr sei der letzte Protagonist des Krieges gewesen, der die Kämpfe hätte beenden und Deutschland in einen fest gefügten Zentralstaat verwandeln können. Widerspruch kam prompt, besonders heftig von denjenigen, die in Wallenstein nur einen gescheiterten Verschwörer sahen, ohne Moral und ohne tieferes politisches Verständnis. So wurde der General zum Gegenstand lebhafter Kontroversen.

Wer war dieser Mann, der solche Leidenschaften entfachen konnte?

Wallenstein wurde 1583 als Spross der Valdštejns geboren, eines alten, weitverzweigten, aber nicht sehr begüterten böhmischen Adelsgeschlechts. In seiner Familie wurde Tschechisch gesprochen, und erst später, als General in kaiserlichen Diensten, hat er sich entschlossen, den Namen "Wallenstein" zu führen. Zu dem wenigen, was wir über seine Jugend wissen, gehört, dass er sich 1599 einige Monate lang als Student an der lutherischen Universität Altdorf bei Nürnberg aufhielt, wo er durch besondere Rauflust auffiel. 1604 nahm Wallenstein im Rang eines Fähnrichs am Großen Türkenkrieg teil. Wie das einfache Soldatenleben aussah, wusste er seitdem aus eigener Anschauung.

Kurz nach seinem Ausscheiden aus der Armee, um 1607, folgte ein weiterer für den späteren Aufstieg bedeutsamer Schritt: die Konversion zum Katholizismus. Die Ernsthaftigkeit der religiösen Überzeugung Wallensteins, der auch großes astrologisches Interesse zeigte, ist stets umstritten geblieben. Unumstritten hingegen sind die weitreichenden politischen Folgen. Der junge Edelmann gehörte nun zur kleinen, isolierten, aber sehr aktiven katholischen Minderheit des Adels in den Ländern der Wenzelskrone (Böhmen, Mähren, Schlesien), die gute Beziehungen zum streng katholischen habsburgischen Herrscherhaus unterhielt.

Dieser Text stammt aus dem Magazin ZEIT Geschichte Nr. 5/17.

Durch die von Jesuiten vermittelte Ehe mit der reichen Erbin Lucretia von Landek avancierte er zu einem der größten Gutsbesitzer Mährens – der Grundstock seines späteren Vermögens. Von nun an finden wir Wallenstein im Dienst verschiedener habsburgischer Erzherzöge. Als besonders zukunftsträchtig erwies sich die enge Verbindung zu Ferdinand von Steiermark, der als Oberhaupt des Gesamthauses Habsburg ausersehen war.

Vor diesem Hintergrund überrascht Wallensteins Verhalten während der böhmischen Ständerevolution 1618 nicht. Ohne Zögern stellte er sich auf die Seite der habsburgischen Landesherrschaft, die er militärisch unterstützte. Diese Loyalität zahlte sich aus, als Ferdinand – inzwischen böhmischer König und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation – mit spanischer und bayerischer Hilfe seine Gegner in Böhmen und im Reich niedergeworfen hatte. Wallenstein war einer der Hauptprofiteure, als der Kaiser die gewaltigen Güter des "rebellischen" protestantischen Adels in Böhmen enteignete und zu Spottpreisen an Gefolgsleute verkaufte. Bereits hier zeigte sich jene Mischung aus Skrupellosigkeit und ökonomischem Geschick, die kennzeichnend für Wallenstein war.

Aus großen Teilen seines neu erworbenen riesigen Grundbesitzes formte Wallenstein ein geschlossenes Herrschaftsgebiet in Böhmen, für das der Kaiser ihm wenige Jahre später den Titel eines "Herzogs von Friedland" verlieh. Mit großer Akribie kümmerte er sich darum, den Ertrag seiner Güter zu steigern, was unter adligen Grundherren nicht alltäglich war. Auch Wallensteins höfisches Netzwerk entwickelte sich: Seit 1620 war er Mitglied des kaiserlichen Hofkriegsrats und unterhielt enge Beziehungen zu führenden kaiserlichen Räten, so zu Hans Ulrich von Eggenberg und zu Karl von Harrach, dessen Tochter Isabella er 1623 nach dem Tod seiner ersten Gemahlin zur Frau nahm.