Putin als Dragqueen bei Protesten in England © Neil Hall/Reuters

Putin-Fotograf Platon "Ich spürte die kalte Autorität"

Kein Foto hat das Bild von Wladimir Putin so geprägt wie jenes, das Platon von ihm aufnahm. Hier erzählt der Fotograf, wie es zustande kam. Ein Interview von

ZEITmagazin Nr. 18/2014

ZEITmagazin: Platon, Sie haben Wladimir Putin ursprünglich für das Cover des Time Magazine fotografiert, jetzt ziert das Porträt Demonstrationsplakate auf der ganzen Welt, zuletzt in der Ukraine. Freut Sie das?

Platon: Ich habe das Bild vor sieben Jahren gemacht, erstaunlich, wie lange es in Umlauf ist. Manchmal hält ein Bild eben einen Moment der Wahrheit fest. Ich bin sehr froh, dass dieses Foto von den Leuten auf der Straße vereinnahmt worden ist.

ZEITmagazin: Was glauben Sie, warum das Bild so viele Leute anspricht?

Platon:Das Putin-Foto funktioniert bei Leuten mit den unterschiedlichsten politischen Überzeugungen. Als es veröffentlicht wurde, haben in Russland viele kritisiert, das Foto feiere Putin. Putin-Anhänger wiederum haben sich beklagt, ich ließe ihn wie eine Figur aus dem Kalten Krieg aussehen. Putin ist sehr mächtig, eine ikonische Figur unserer Zeit. Je nachdem, woran man glaubt, löst er große Gefühle aus bei den Menschen.

ZEITmagazin: Wo haben Sie Putin damals getroffen?

Platon:Ursprünglich sollte das Foto im Kreml gemacht werden. Das Time Magazine hatte Putin zum Mann des Jahres gewählt und ein Interview mit ihm vereinbart. Ich wusste aber nicht genau, wann das Fotoshooting stattfinden sollte, also saß ich ungefähr eine Woche lang in einem Moskauer Hotelzimmer und wartete. Dann wurde ich eines Morgens mit einem schwarzen BMW abgeholt. Wir fuhren am Kreml vorbei aus der Stadt hinaus in einen dunklen, unheimlichen Wald. Es war Dezember, überall lag Schnee. Ich wurde plötzlich sehr nervös, ich dachte an den Kalten Krieg und glaubte, der KGB wolle mich entführen. Dann, nach etwa einer Stunde Fahrt durch den Wald, erreichten wir Putins Datscha. Überall standen Scharfschützen, und ich musste – die Waffen der Sicherheitsleute auf mich gerichtet – jede Kameralinse öffnen. Ich wurde dann in sein Büro gebracht und hatte zehn Minuten Zeit für den Aufbau. Dann kam Putin rein, gefolgt von Beratern, zwei Übersetzern und vielleicht zehn Sicherheitsleuten. Es war eine Entourage wie bei P. Diddy. Ich sagte, es ist toll, hier in Russland zu sein, oder so was Ähnliches und stellte ihm eine Frage: Sind Sie auch so ein großer Beatles-Fan wie ich? Alle haben sich erstaunt angesehen, die Übersetzer flüsterten eifrig in sein Ohr, und dann hat er fast alle nach draußen geschickt. Übrig blieben er, die Sicherheitsleute und ich. Putin sagte dann in perfektem Englisch: Ich liebe die Beatles. Ich fragte ihn, wer sein Lieblingsbeatle sei, und er antwortete: Paul. Ich fragte nach seinem Lieblingslied. Er sah an die Decke und antwortete: Yesterday. Was für ein aufschlussreicher Moment! Dann machten wir die Aufnahmen, und ein paar Augenblicke lang tat er genau das, was ich von ihm wollte.

ZEITmagazin: Was hat Sie das Treffen mit Putin gelehrt?

Platon:Ich habe erfahren, wie weit dieses einschüchternde Politiksystem gehen kann und wie man sich am besten dazu verhält. Ohne das Putin-Porträt hätte ich später nicht Mugabe, Gaddafi, Ahmadinedschad und all diese Typen fotografieren können. Es war mein Durchbruch als Fotograf. Beim Aufbau vor dem Shooting erzählte mir einer von Putins Übersetzern diese irre Geschichte über Boris Jelzin. Als Jelzin Präsident wurde und zum ersten Mal sein Büro im Kreml betrat, öffnete er die Türen zum Innersten der Macht und rief: Endlich ist keiner mehr über mir!

ZEITmagazin: Das ist wahre Macht.

Platon:Wir machen uns zu viele Gedanken um die Macht an sich anstatt darum, was man Gutes mit der Macht tun kann. Putin ist eine der provokantesten Figuren auf der Weltbühne. Und trotz seiner fast absoluten Macht habe ich das Gefühl, dass die Leute heute in der Lage sind, ihn zur Rechenschaft zu ziehen. Deshalb prangt mein Bild jetzt auf den Demonstrationsplakaten. Die Bevölkerung ist dank der Sozialen Medien und neuen Kommunikationsmöglichkeiten selbstbewusst wie nie zuvor. Klar, Putin wurde wiedergewählt – aber wer hätte all die Demonstrationen gegen ihn vor der Wahl erwartet? Wir haben die Stimme des Volkes gehört, und das ist neu.

Putin als Hitler bei Protesten in den Niederlanden © Mark Kauzlarich/Reuters

ZEITmagazin: Wann haben Sie selbst das Foto zum ersten Mal auf einer Demonstration gesehen?

Platon:2009 wurde ich mit Human Rights Watch zu einer Konferenz zu Ehren des berühmten Regimekritikers Sacharow nach Moskau eingeladen. Dort habe ich die Menschenrechtsaktivisten unter den Konferenzteilnehmern fotografiert – Menschen aus Umweltorganisationen und Behindertenverbänden, ehemalige politische Gefangene, Journalisten, deren Kollegen getötet worden waren, weil sie das Regime kritisiert hatten. An einem freien Tag bin ich durch Moskau gelaufen, und da war eine Demonstration am Puschkin-Platz. Plötzlich sah ich Hunderte von Plakaten mit meinem Putin-Foto. Ich erlebte zum ersten Mal, dass eine Arbeit von mir so große Wirkung hat. Das war ein grandioser Augenblick und die größte Auszeichnung, die man mir machen kann.

ZEITmagazin: Kein Gedanke an Copyrights?

Platon:Die Urheberrechte liegen natürlich bei mir. Wenn eines meiner Bilder für kommerzielle Zwecke genutzt wird, bin ich sehr streng. Aber ein Foto wie dieses ist ein Selbstläufer. Jeder kann es sich aus dem Netz herunterladen und es mit Photoshop verändern – es gehört jetzt den Leuten auf der Straße. Sie malen Putin Rouge auf die Wangen und ein Hitlerbärtchen in Regenbogenfarben über die Lippen.

ZEITmagazin: Was genau unterscheidet das Bild von anderen Aufnahmen Putins?

Platon:Im Prinzip ist es ganz einfach: Es zeigt den Menschen Putin. Putin ist es egal, ob er gemocht wird, er agiert nicht, wie es zum Beispiel Barack Obama oder andere Politiker tun. Soweit ich weiß, hatte er sich nie außerhalb des Kremls porträtieren lassen. Ich habe versucht, auf zwischenmenschlicher Ebene eine Verbindung zu ihm zu finden. Ich habe ihm signalisiert, dass ich keine Angst vor ihm habe – was nicht so einfach war, denn er ist eine Furcht einflößende Person. Das liegt nicht nur an ihm, sondern an der Maschinerie um ihn herum, die einen einschüchtert. Ich war nur ein paar Zentimeter von seinem Gesicht entfernt, ich konnte seinen Atem auf meiner Hand spüren. Diese Intimität sieht man sonst nicht auf Bildern von Putin. Er hat ein Funkeln in den Augen, man spürt die kalte Autorität darin, diese Kaltblütigkeit. Man sieht das Bild und denkt sich: Das ist Putin!

ZEITmagazin: Haben Sie das vorher geplant?

Platon:Ehrlich gesagt wollte ich diese Aufnahmen einfach nur so schnell wie möglich hinter mich bringen. Ich wusste noch nicht mal zwei Minuten davor, ob es wirklich klappen würde. Dann hatte ich nur sieben oder acht Minuten Zeit und war so konzentriert, dass ich über das Shooting nicht hinausdenken konnte. Man muss sich da ganz auf seine Intuition verlassen. Bis ich vor Putin stand, wusste ich ja gar nicht, wie er wirklich sein würde. Ich fand ihn erstaunlich ruhig, er hat auf jeden Fall Charisma, aber eher ein inneres Charisma.

ZEITmagazin: Sie haben ein Buch mit Porträts von über hundert Staatslenkern gemacht. Unterscheidet Putin sich von anderen Mächtigen?

Platon:Dieses Maß an kalter Autorität habe ich bei niemandem sonst gespürt. Ich glaube, das ist es auch, was man in dem Bild sieht.

ZEITmagazin: Sie sagten mal, dass Putin insbesondere jenes Ihrer Bilder gefällt, auf dem er wie ein Mafia-Gangster aussieht.

Platon:Da sitzt er in seinem Bürostuhl, der aussieht wie ein Thron. Soweit ich weiß, mag Putin das Foto, weil es ihn als harten Kerl zeigt. Im Kreml kamen meine Bilder übrigens so gut an, dass sich Putins Nachfolger Dmitri Medwedew unbedingt von mir fotografieren lassen wollte. Nach den Aufnahmen hat Medwedew noch eine Stunde lang mit mir geredet und mir sogar ein paar Jahre lang Weihnachtskarten geschickt, aber das hörte auf, als ich für Human Rights Watch arbeitete und russische Menschenrechtsaktivisten und Putin-Gegner aufnahm.

ZEITmagazin: Sie haben auch Barack Obama fotografiert, er kommt recht sympathisch rüber. Wäre ein Foto wie Ihres von Putin – eines, das von kalter Macht erzählt – auch von Barack Obama möglich?

Platon: Ich setze immer das gleiche Licht und verwende immer die gleiche Kamera – und doch kommen so unterschiedliche Bilder heraus, ob es nun Clinton, Carter oder Berlusconi ist. Weil ich mich hundertprozentig auf die jeweilige Person und ihre Ausstrahlung konzentriere. Es ist schwer zu erklären, wie das geht, weil es völlig intuitiv ist. Bei manchen siehst du Engel in den Augen, bei anderen Dämonen.

46 Kommentare

Eine "scheinbar neutraler" Artikel!

Dieser Fotograph hatte 10 min. Zeit zum Aufbauen, wie er sagte, wie ich mir vorstellen kann, war er umzingelt von Sicherheitleuten, die ihn kontrollierten und er hat in diesen 10 min. geschafft sich mit einem Übersetzter zu unterhalten, der ihn dann gesagt hat, dass " als Jelzin Präsident wurde und zum ersten mal sein Büro im Kreml betrat, öffnete er die Türen zum Innerste der Macht und rief: Endlich ist keiner mehr über mir!" , LOL und dann kam eine "unauffällige" Überleitung vom Thema Macht, auf Thema Putin u. Macht (indirekt soll der Leser denken: bei Putin war das wie bei Jelzin: "Endlich ist keiner mehr über mir" ). Nun hatte der Fotograph gerade mal 8 min Zeit um das Foto zu schiessen und in diesen 8 min mit Putin, weiss er zu 100% wie Putin ist (kalte Autorität, Kaltblutig,einschüchternd, führt einschüchternes Politiksystem, Macht(keiner steht über ihn, Diktator), -aber damit es bisschen neutraler wirkt-, hat Putin auch inneres Charisma und mag die Beatles, das empfinden wir aus dem Westen, ebenfalls als angenehm)!!!Warum schreibt ihr solche Lügen? Seit Putin geht's den Menschen in Russland soviel besser!!! Hätten die westlichen Staaten Russland nicht nach dem Zerfall der Sowjetunion bis 2014 ausgeraubt (Bodenschätze) würde es ihnen noch besser gehen! (informieren! )Oder noch besser macht eine Reise nach Russland um zu sehn, dass die Menschen dort sehr herzlich und angenehm sind und keine Kinder fressen!

Innere Politik

Ich mag seine Außenpolitik.

Seine Innenpolitik ist aber ein Desaster:

- Gesetzt zum Schutz der Kinder auf einer Seite, aber auf der Anderen Seite werden Kinder und Jugendliche in den Jugendknästen misshandelt und missbraucht, unter den Augen der Aufseher. Dieses Thema wird auch hier Totgeschwiegen. Warum?

- Die Kirche darf alles! Das wird aber nicht lange andauern.

- In den Waisenhäusern werden seine eigenen Gesetzte gebrochen!

Der Fotograf ...

... und das finde ich interessant, hat die Geschichte dieses Fotos schon wiederholt erzählt. Aber seltsamerweise ist es nicht immer dieselbe Geschichte.

Beispiel:

... John Huey, stood up and said: "Mr Putin, I want to thank you for this interview. [...] We've flown in," (and obviously things get inflated in tense situations), "one of the greatest photographers in the world. Platon is standing here, waiting to take your picture."

I had had such a stressful week that hearing him say this about me just made me burst into tears. Putin looked at me, saw what a state I was in, and said: "I'll do it." I think he felt sorry for me.

I shook his hand, recovered a bit, and said to him: "I'm a big Beatles fan. Are you?" I wanted to break down the formality of the situation, and suddenly he started speaking perfect English. "I love the Beatles!" he said. I asked him what his favourite song was, and he said Yesterday. So I put my arm around him and shook his hand again - although I later found out that it is illegal to touch Putin past the wrist. He was cool with that, though. He was fine.

http://www.theguardian.co...

Auf diese Weise wäre Putin wohl nicht unsympathisch genug rübergekommen? (Tatsächlich bin ich sogar ziemlich sicher, daß er im persönlichen Umgang keineswegs unsympathisch ist, aber das ist kein Grund, meine Meinung in der Ukraine-Sache zu ändern.)

Gut so

Als die Russen noch einen ständig angeheiterten russischen Tanzbären zum Präsident hatten herrschte Anarchie im Land, Löhne wurden nicht gezahlt, ein paar skrupellose Oligarchen wurden unermesslich reich und das Land wurde vom Westen nach Strich und Faden ausgenommen. Kalte Autorität war exakt das was dieses Land nach dem Jelzin-Chaos brauchte. Das Bild löst daher bei Russen völlig andere Emotionen aus als im Westen.

Hetze

Jeder Fotograf kann von jedem Menschen Fotos machen,die das Gesicht und auch den Körper verzerren.Viele Aspekte spielen dabei mit.Es ist die Art der Beleuchtung,das Objektiv u.a.Herrn Putun in dieser Form aufzunehmen ist nichts weiter als bösartig.Ob dieser "Fotograf " wohl auch den Mut gehabt hätte G.W.Bush während dessen Amtszeit so aufzunehmen?Soll er doch mal seine Frau so aufnehmen,ob sie sich wohl scheiden lässt?

Bildsprache

Man kann in ein Foto Vieles hineninterpretieren. Hier direkt auf den Charakter eines Menschen zu schließen ist nichts weiter als Küchenpsychologie.

Wer sich auf die Suche bei Google begibt, wird jede Menge Bilder von Obama finden, auf denen er wahlweise wie ein grinsender Volldepp, überheblicher Karrierist, Gigolo nach der Bezahlung oder Schuljunge aussieht. Und was sagt uns das jetzt?

Das Einzige, was ich spüre, ...

...ist, dass mein Frühstück sich gerade auf den Rückweg macht.
Zusätzlich beschleicht mich das Gefühl, dass das Porträt auf Seite 1 leicht verzeichnet ist (leichter Fischaugeneffekt) - ich kann mich aber auch irren.
Mensch, noch ein und noch ein und noch ein Putin Artikel und wieder und wieder und wieder schaut mich ein Bild von ihm an. Statt - ohne Frage - wirksamer Bilder hätte ich persönlich gerne mal Hintergründe. Danke.

Zeit online

Teil der Propagandamaschine 2.0

Und da ist es wieder, das immer gleiche Muster.
Putin, Putin, Putin...

Kein einziges mal, wird sich mit Hintergründen der Entwicklung der letzten Monate beschäftigt.
Man bezieht sich nur auf die Person des russischen Präsidenten und ignoriert dabei ein ganzes Volk und dessen Bedürfnisse und Ängste.
Weiterhin viel Erfolg mit solcher Art Berichten.
Wie die ankommen könnt ihr ja selbst verfolgen.

Putin ist einfach ein cooler Typ, wem die Medien ...

... eine solche Aufmerksamkeit widmen, um ihn herunterzuschreiben, der hat etwas geleistet. Zum Einen hat die Putin-Gegnerschaft geopolitische Gründe, aber auch einen gesellschaftspolitischen Hintergrund.

Mit seiner medialen Inszenierung männlicher Stärke ist er natürlich eine Provokation für den politisch-medialen Mainstream im "Westen", der alles Weibliche zum Ideal auserkoren hat, in dem Männer zumeist als trottelige Sidekicks oder Täter vorkommen.

Das NIveau dieses Artikels

Man sollte Putin bestimmt nicht unterschaetzen, er ist schon ein Taktiker und er vertritt die interessen Russlands wenn noetig auch mit Einsatz des Militaers und man fragt sich schon was er sich eigentlich denkt wenn er John Lennon's Imagine hoert. Wie gehehn die Beatles mit seiner Politik zusammen? Aber ihn als kaltbluetig darzustellen geht auf ein Niveau was unter der Bildzeitung liegt. Was kann Putin dafuer wenn er ein nordeuropaeischen Aussehen hat, und ja, die Menschen von dort sind stiller und wortkarg, haeufig auch einsam, aber das macht sie nicht automatisch zu schlechten Menschen. Oder sind alle diejenigen die die ganze Zeit am erzaehlen sind immer die bessseren? Ich kenne das auch noch aus der Schule, mir wurde auch vorgeworfen still zu sein und so manche vermuteten bei mir etwas tiefes unberrechanbares, ich glaube ich weiss es aber besser und ich war immer froh wenn ich in Skandinavian war und mich jeder wie ein normaler Mensch behandelte und keine erwartete das ich mit einem grossen Maul versuche Eindruck zu schinden. Was soll so ein Artikel ueberhaupt, ueber Aeusserlcikeiten den Charakter eines Menschen zu beschreiben, das hatte man doch auch mit den Juden so gemacht. Hier werden Vorurteile gegen Russen geschuert, was soll das? Die EU war dabei mit Russland Visafreiheit zu verhandeln, wenn Putin ei neuer Hitler ist, waere das wohl das letzte was er machen wuerde. Visafreiheit ist der richtige Weg, wir muessen mehr miteinenander sprechen, nicht weniger.

"Imagine" und Putins Politik

"man fragt sich schon was er sich eigentlich denkt wenn er John Lennon's Imagine hoert. Wie gehehn die Beatles mit seiner Politik zusammen?"

Klar, gerade auch Imagine passt so gar nicht zum Bild, was die westlichen Medien zeichnen. Aber das ist eben nur ein Hetzbild.

Sieht man sich die Realität an, sieht es schon anders aus. Imagine ist natürlich auch ein Lied, was vom Inhalt her das kommunistische Ideal in Reinkultur ist. Insofern passt es natürlich problemlos zu der Kultur, in der Putin aufgewachsen ist und erzogen wurde.

Passt das mit seiner Politik zusammen? Durchaus. Löhne und Renten sind gestiegen, die Armut hat sich verringert. Da spielen durchaus sozialistische Elemente in seiner Politik mit.

Und dass er nicht der Kriegstreiber ist, als der die westlichen Medien ihn darstellen, dürfte jedem schnell klar werden, der die westliche Propaganda nicht mehr für bare Münze nimmt.

Nehmen wir doch mal Syrien, wo er nach westlicher Lesart einen erzbösen Diktator dabei unterstützt, sein Volk zu ermorden. Wer sich nur ein bisschen darüber informiert hat, hat wohl mitgekriegt, dass dort jetzt islamische Fundamentalisten ganz offen das Zepter übernommen haben. Und dass das sunnitische, wahhabitische Fundamentalisten sind, für die Schiiten wie Christen einfach nur Feinde sind, die man umbringt. So dass große Teile der syrischen Bevölkerung einfach nur Assad als Überlebenschance unterstützen müssen. Und dass man daher mit Assad dem Ideal von Imagine immer noch näher ist.

Passt natülich zur Dämonisierung

In zivilisierteren Zeiten hätte sowas vielleicht seinen Platz irgendwo tief in der Boulevardpresse. Gelaber von einem Fotographen.

In den Zeiten des Kalten Krieges passt es hingegen sogar in eine "Qualitätszeitung". Schließlich dämonisiert es den Führer der anderen Seite. Er ist kalt und dämonisch - ganz im Gegensatz zum lieben und netten Obama.

Schämt Euch.

Sachlicher und höflicher Tonfall - aber ja doch gerne

ZON wollte mit diesem Interview endlich wieder die persönlichen positiven Stimmen zu dieser besonderen Person sammeln und hat den Photographen, der wegen seines Wechsels auf die andere Seite aus der Gunst des Kremls gefallen ist, gebeten neutral über diese Person zu berichten.

Natürlich ist der Eindruck und das Interview wegen der Wahrnehmung des Photografen nicht so positiv ausgefallen, wie von ZON erhofft.

Deshalb hat man noch ein Plakat als Bild veröffentlicht, das zeigt welche sympathischen Züge der allseits verabscheute GÖFAZ gehabt hätte, wenn er denn Putins Gesichtszüge gehabt hätte.

Den Warnungen, nicht andere Personen aus seinem direkten Umfeld zu interviewen, wie seine Putzfrau, seine Fußpflege oder seinen Metzger, weil sonst ein negatives Bild entstehen könnte, hat die Redaktion offensichtlich als Zweifel an ihrer absoluten Neutralität aufgenommen.

Als Gipfel der Unverschämtheit hat die Redaktion jedoch die Warnung
aufgenommen, Herrn Gerhard Schröder zu interviewen, weil dieser wegen seiner Verwicklungen mit den Umweltzerstörungen der Gaz Prom – (anders als beim Fracking in den USA) möglicherweise diesen von ZON permanent als Sympathieträger dargestellten Mann negativ belastet.

Wegen der Permanenz der allzu positive Darstellung habe ich angeraten, diesen Artikel und die unendliche Reihe zu positiver Darstellungen einer Person nicht dem ehemaligen Herausgeber vorzulegen, da seine angeschlagene Gesundheit dadurch gefährdet werden könne.
Ironie off

Verzerrt

Ist das Foto wirklich ein gutes Porträt? Irgendetwas stimmt nicht, man erkennt Putin zwar problemlos, aber man fragt sich, warum er so ein langes Gesicht macht.

Ich hatte immer gedacht, dass man Porträts von etwas weiter entfernt aufnehmen soll und nicht mit der Kamera fünf Zentimeter vor der Nase des Porträtierten.

Das Foto ist ohne Zweifel sehr wirkungsvoll und ikonisch, auch aufgrund der kalten Farben und des fast ausdruckslosen Gesichts eines Politikers, der sich keine Mühe gibt, sympathisch zu wirken. Aber die Proportionen sind verzerrt, und das scheint auch bei anderen Fotos von Antoniou so zu sein. Große Nasen, lange Wangen und gestauchte Stirnen. Das macht die Fotos zwar zu Hinguckern, weil diese Perspektive ungewohnt ist, aber sie ist es deshalb, weil sie unvorteilhaft und unnatürlich ist.

Putins Porträt

da ich mich mit Fotografie und Bildbearbeitung auskenne. Kann ich folgendes zu diesen "warum auch immer es hier so hochgepriesen servierst wird" einiges sagen.

In Fotografie gibt es Regeln wie auch bei anderen Sachen auch. Zum Beispiel darf das Gesicht nicht auf ganzes Foto verteilt sein, weil man sowas schnell als ein Fahndungsfoto assoziert und es negativ empfinden wird. Entweder ist dieser Fotograf ein Depp, der nichts von seinem Job versteht oder er machte es absichtlich um genau diese Assoziationen herbeizurufen:)

Das Licht spielt auch eine große Rolle, es kann Spannung erzeugen. In diesem Bild ist es misslungen, da ein großer Schatten unter der Nase ist. Das ist ein fataler Fehler :)

Das Bild wurde auch heftig mit Photoshop bearbeitet. Kalte Farben ausgewählt damit es schön kühl wirkt :)

Den Schatten um das Bild herum ist auch extrem übertrieben und macht keinen seriösen Eindruck, entweder ein Amateur der kein Plan von Fotografie hat oder absichtlich so gemacht :)

Der Schatten um Hals herum gibt dem Ganzen das letzte.

Hier hat man versucht visuell Putin negativ darzustellen, ich lache immer wenn ich solche übertrieben bearbeitete Fotos sehe :)

Es ist ein Foto: Diese Augen!

Danke, abdm, endlich ein ernstgemeinter Kommentar zur Fotografie. Einerseits haben Sie völlig Recht: der extreme Weitwinkel, die Schlagschatten unter der Nase und der "fehlende" Hals, dann der Heiligenschein um den Kopf herum. Das wirkt handwerklich entweder nachlässig, oder gar zu effektgewollt. In der Tat, das fällt einem auf, wenn man das Bild analysiert, sich die Zeit nimmt, die Wirkmächtigkeit des Fotos bewusst ausblendet. Dann treten die "Fehler" zu Tage.
Aber sind es Fehler?
Das Bild ist ja tatsächlich eine Ikone, also wirkt es emotional, und das erzeugt ein Fotograf dadurch, dass er bestimmte Techniken anwendet. Er lenkt damit den Blick auf die Partien des Bildes, die es in sich haben: Bei diesem Bild von Putin die Augen und der Mund. Und dabei ist eindeutig zu sehen, dass Antoniou mit großer Konzentration gearbeitet und diese beiden Gesichtspartien perfekt herausgearbeitet hat. Diese Augen! Bisschen bearbeitet, die Temperatur runtergedreht, klar, noch stahlblauer.
Wie Ihnen allerdings auch gefällt mir diese sehr eindeutig in die emotionale Kälte tendierende Lichtkomposition und Bildbearbeitung nicht, und dieser bekloppte Heiligenschein... nee, das geht gar nicht.

Photographie

Bei Ihrer Einstellung frage ich mich, ob Sie wirklich ein guter Fotograf sein können.

Es gibt keine "Regeln", höchstens erprobte Vorgehensweisen. Wie aber bei jeglicher Kunst gilt: Wer nur die etablierten Methoden verwendet, der schafft nichts Neues oder Kreatives. Erst das Brechen der Regeln (wenn gut gemacht) macht aus Kunsthandwerk Kunst.

Sie beschweren sich darüber, dass der Fotograf angeblich krampfhaft versucht, Putin negativ darzustellen. Nun erklärt der Fotograf ja im Interview ganz klar, dass er genau diese Kälte, die man im Foto sieht, auch persönlich gespürt hat. Wenn es ihm also gelingt, dies durch das Foto auch zu uns zu transportieren, dann hat er seinen Job mit Erfolg gemacht.

Die Kamera sieht nie alles, was wir als Menschen wahrnehmen. Es ist die Aufgabe eines guten Fotografen, es nach Möglichkeit trotzdem irgendwie einzufangen. Was nach Ihrem eigenen Bekunden hier wohl funktioniert hat.

Das Foto entstand übrigens nicht gegen Putins Willen. Ditto für die Auswahl des Fotografen. Vermutlich hat er das Foto sogar vor Veröffentlichung durch Time noch mal authorisiert. Wahrscheinlich gefiel sich der Macho Putin sogar in der bedrohlichen Pose.

Das....

ist albern überhaupt über dieses Foto zu diskutieren. Dieses Artikel ist ein typisches Boulevard Presse Erzeugnis. Ich frage mich, warum wird hier nichts über Paris Hiltons neue Tasche berichtet. Ist Putin ein neuer Trend in der Welt der Boulevard Presse, so dass er Parins Hilton in den Schatten stellt?

Ein Fotograf macht hier Werbung, nichts weiter. Ich fühle es.

Quatsch.

Sie wollen Fotograf sein, finden es aber schlecht, wenn in der Zeitung über die Hintergründe Ihres Berufes gesprochen wird? Etwas unglaubwürdig.

Und in der Boulevardpresse würden Sie einen solchen Artikel wohl kaum finden.

>Ein Fotograf macht hier Werbung, nichts weiter.

Das gilt für so ziemlich jeden Interviewpartner, egal aus welchem Bereich, dass er das Interview bis zu einem gewissen Grad auch zur Selbstdarstellung nutzt.

"Aber das kann man doch nicht Propaganda nennen"

Wer glaubt unsere Medien würden immer noch neutral und ausgewogen berichten, sollte sein Wahrnehmungsgefühl ernsthaft in Frage stellen.

Als Obama nach Deutschland kam, war das für viele bestimmt wie Hollywood. Zu der Zeit hätte wohl niemand gedacht, dass ein so fröhlich lachender Mensch wie Obama jeden Tag die Kill-List unterschreiben würde und damit den Tod hunderter Zivilisten und Kinder sowie Unschuldiger ohne jeglichen Beweis oder gar Prozess zu Verantworten hat.

Heute ARTE Bericht

"Wer glaubt unsere Medien würden immer noch neutral und ausgewogen berichten, sollte sein Wahrnehmungsgefühl ernsthaft in Frage stellen.

Als Obama nach Deutschland kam, war das für viele bestimmt wie Hollywood. Zu der Zeit hätte wohl niemand gedacht, dass ein so fröhlich lachender Mensch wie Obama jeden Tag die Kill-List unterschreiben würde und damit den Tod hunderter Zivilisten und Kinder sowie Unschuldiger ohne jeglichen Beweis oder gar Prozess zu Verantworten hat."

Heute ARTE - amerikanischer Bericht: Tote durch Drohnen in Pakistan 2013:

Terroristen: 49

Zivilisten: 1000

Kinder: 200

Unbekannt: 2500

Aber man muss gar nicht der Putin rechtfertigen - wie viele "Guantanamo-Versteher" hier schreiben - es kommt wie es kommt. Tatsachen sind wichtig.

Nixon war verhasst - war aber ein begnadeter Politiker.

Oder der Franz Josef Strauß, auch einer der Besten.

Die haben Politik gegen den Wind gemacht und mit Klartext.

Was ist Obama heute? Oder Merkel? Nur Heuchler.

Erschreckend

Es ist einfach erschreckend wie weit die Russlandverehrung der meisten hier geht. Das die USA auch so einiges auf dem Kerbholz haben scheint für so manchen Rechtfertigung genug für jegliche russische Provokation und Kriegstreiberei. Anscheinend hat Putin eine Art Blankoscheck da er in den Augen des Forenpöbels den verhassten USA die Stirn bietet. Da ist dann auch militärisches Muskelspiel bei unseren antiamerikanischen Radikalpazifisten plötzlich kein Problem mehr - solange nur keine deutsche oder amerikanische Flagge auf dem Panzer oder Flugzeug ist, findet sich dafür auch noch eine Rechtfertigung. Das böse Erwachen kommt dann wenn der friedliebende Kremlherrscher sich den schwächlichen, friedensverwöhnten EU-Haufen vornimmt. Da werden sich einige noch wundern.

Ja, sagen Sie mal, wissen Sie eigentlich, was Sie da reden?

"Das böse Erwachen kommt dann wenn der friedliebende Kremlherrscher sich den schwächlichen, friedensverwöhnten EU-Haufen vornimmt."
Fänden Sie es eigentlich so echt stärker, oder männlicher, wenn die EU besser 60/70 Jahre weiter Krieg - wie die Amis - geführt hätte, anstatt den Frieden in Europa zu stabilisieren? Aus welcher Kruft sind Sie denn entsprungen? Mit Goethe haben Sie aber nichts gemein.

übrigens

9."Anscheinend hat Putin eine Art Blankoscheck da er in den Augen des Forenpöbels den verhassten USA die Stirn bietet."

nein,das würde ich nicht so sagen..er hat jedoch inzwischen den Blankoscheck der heuchlerischen EU bisschen was entgegenzusetzen...und nicht jeder der eine völlig andere Meinung hat wie Sie persönlich muß gleich zum "Pöbel" gehören;-)

Na ja ...

"Da ist dann auch militärisches Muskelspiel bei unseren antiamerikanischen Radikalpazifisten plötzlich kein Problem mehr "

.. da dürften wohl die wenigsten davon Radikalpazifisten sein, sondern eher klassische Anhänger des Nationalismus. Denn für die ist der derzeitig praktizierte russische Nationalismus ein wunderbares Vorbild - geeint gegen Amerika und die EU. Insbesondere da letztere über Jahrzehnte Strukturen geschaffen hat, die dem Nationalismus abträglich sind. Dass die Linken dafür den willfährigen Steigbügelhalter spielen, ist noch eine nette Randnotiz der Geschichte.

Also irgendwie ist ZON der wahre Putinversteher

Kein Tag ohne Putin-Text, meistens eher mysteriös und dämonisierend, aber auch eine Art umgekehrter Personenkult. Interessant fand ich den Text auch, aber es ist doch eher ein Stück Spionageroman.
Wir mystifizieren und personifzieren so sehr, dass es interessant wäre, zu analysieren, ob all das nicht mehr über uns aussagt, als über Putin und Russland und ob es sich auch letztendlich um unsere Projektionen handelt. Aber welche? Schuldgefühle gegenüber Russland wegen den gebrochenen Versprechen bezüglich NATO-Osterweiterung? Angst vor der multipolaren Welt? Suche nach einem Feindbild um unsere Probleme zu kaschieren?

Besser selber spüren

Kaltblütig sind höchstens Reptilien. Fangt endlich an selber zu spüren, Leute. Dann müsst ihr euch auch nicht von anderen erzählen lassen, was ihr zu fühlen und zu denken habt! Beachtenswert auch, dass hier die Hitlervergleiche unter dem Mäntelchen journalistischer Darstellung so durchgehen, gleich mehrfach und in Farbe, während an anderer Stelle da gleich die Münder offenstehen. Fazit: Propagandaartikel.

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