Organspende Herzenssache

Ein Kind hat einen schweren Unfall. Mit einem Schlag stehen die Eltern vor der Frage: Sollen sie die Organe ihrer Tochter spenden? Von

ZEITmagazin Nr. 21/2014

Am 17. Januar 2013 verlässt Franziska Ilzhöfer ihr Elternhaus, sie will zur Schule, es ist 7.30 Uhr und noch dunkel in Berlin-Lichtenrade. Einige Minuten später liegt die 14-Jährige mit schweren Kopfverletzungen am Straßenrand. Ein Auto hat sie erfasst. Der Notarzt kommt. Einen Tag später ist sie tot. Oder zwei? So eindeutig ist das nicht zu sagen. Es gibt für den Zeitpunkt des Todes eine medizinische Definition. Doch das Gefühl sagt mitunter etwas anderes.

Dorit Ilzhöfer, die Mutter, will gerade in ihre Kinderarztpraxis am Rande Berlins fahren, als der Polizist klingelt. Sie lacht ihn an auf ihre fröhliche schwäbische Art und denkt: Unsere Tochter, die Leistungsturnerin, Einserschülerin, dieses wunderbar soziale Mädchen soll was ausgefressen haben? Da liegt Franziska schon im Krankenhaus Neukölln und wird operiert.

"Am 18. Januar um 21.15 Uhr bekamen wir die Diagnose Hirntod", sagt Dorit Ilzhöfer einige Monate später im Wohnzimmer ihres Hauses, "für mich ist sie aber erst am 20. Januar um 0.30 Uhr gestorben." Da hört Franziskas Herz auf zu schlagen und ist acht Minuten später auf dem Weg zu einem anderen Menschen.

In dieser Geschichte wiegt jede Minute schwer und jedes Wort. Schon das Wort Geschichte wirkt unpassend. Immerhin geht es um den Tod eines Kindes. Und es geht um die Fragen: Wann ist der Mensch tot? Und wie kann Abschied gelingen?

Fragen, die sich stellen, seitdem es Maschinen gibt, die ein – man muss hier dieses hässliche Wort verwenden – Zeitfenster öffnen können: zwischen dem Gehirn und dem Herzen. Ein Zeitfenster, in dem das Gehirn schon tot ist, aber das Herz noch am Leben gehalten wird: ein Zeitfenster, in dem man Organe entnehmen kann.

Um kurz vor neun, anderthalb Stunden nach dem Unfall, treffen die Eltern Dorit und Roland Ilzhöfer im Krankenhaus Neukölln ein. Ihre Tochter wird noch immer operiert. Um 11.20 Uhr öffnet sich die große weiße Tür des Operationssaales, der Neurochirurg Andreas Jödicke kommt heraus und sagt: "Wir haben gekämpft – aber diese Kopfverletzungen kann man nicht überleben." Dorit Ilzhöfer blickt den Mann an und kann es nicht begreifen. Als Ärztin weiß sie doch, wozu die Medizin heute fähig ist. Sie denkt: Franzi hat das Herz einer Sportlerin, sie ist eine Kämpferin – mein Kind wird doch nicht sterben!

Am Abend des Unfalltages sind die Eltern auf der Intensivstation am Bett ihrer Tochter, sie hängt an Schläuchen und Maschinen, sie ist warm, sie scheint zu atmen. Doch Franziskas Gehirn hat "irreversible Schäden". Das heißt, sagt Katrin Raff, Intensivmedizinerin der Station und Transplantationsbeauftragte des Krankenhauses Neukölln: "Mit hundertprozentiger Sicherheit wird keine Besserung eintreten."

Nun muss der Hirntod diagnostiziert werden, und es kommt eine Frage auf die Ilzhöfers zu: Würden sie die Organe ihrer Tochter spenden? Die Eltern signalisieren: Ja.

Die Hirntoddiagnostik läuft an. Es ist ein Verfahren, das von zwei Ärzten unabhängig und mit zeitlichem Abstand wiederholt werden muss. Ein Hirntoddiagnostiker der Berliner Charité wird dazu gerufen, er hat nichts mit der etwaigen Transplantation zu tun. Beide Ärzte testen die Reflexe, die Atmung und die elektrische Aktivität des Gehirns. Das kann 12 bis 72 Stunden dauern.

Am nächsten Tag, dem 18. Januar, um 14.15 Uhr ruft die Transplantationsbeauftragte der Klinik im Berliner Büro der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) an. Dort hat Gunnar Urban Bereitschaft, er ist Internist und als Koordinator für die korrekte Übermittlung der Spenderorgane verantwortlich. Ein ernsthafter Mann mit grauen Haaren, der im nun möglichen Einsatz sehr viel Druck aushalten muss. Er erfährt von der "infausten Prognose" eines 14-jährigen Mädchens im Krankenhaus Neukölln. Infaust ist Latein und bedeutet hier: aussichtslos.

Urban erfährt, dass die Eltern im Ernstfall spenden würden, und benachrichtigt seine Kollegin Petra Saenger. Sie ist zum Zeitpunkt von Franziskas Tod die einzige Angehörigenbetreuerin der DSO in Deutschland und für die Region Nord-Ost zuständig: Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern. Saenger ist Intensivschwester und Katastrophenhelferin, sie begleitet die Angehörigen wie eine Therapeutin, erklärt ihnen die nächsten Schritte, ist für Fragen da und für Zweifel. Sie spricht auch über den Abschied und die Bestattung. Und sie will verhindern, dass die Angehörigen ihre Entscheidung später bereuen, denn sie weiß: "Manche stehen noch Jahre später am Grab und denken: Darin liegt eine ausgeweidete Hülle, die ich im Stich gelassen habe." Saenger will die Angehörigen nicht alleinlassen, in einer Situation, die in einer Broschüre der DSO beschrieben ist als: "Die schwierigste Frage zum schmerzlichsten Zeitpunkt an die unglücklichste Familie."

In Deutschland warten rund 11 000 Menschen auf ein Organ. Die Bereitschaft zu spenden ist stark zurückgegangen

Das Transplantations-Gesetz von 1997 will, dass die Angehörigen nach dem mutmaßlichen Willen des potenziellen Organspenders entscheiden. Weniger als zehn Prozent der Menschen in Deutschland haben diesen Willen in einem Organspendeausweis kundgetan. Dort kann man auch sein Nein verzeichnen. Spenderorgane stammen – so sie nicht wie Nieren oder Teile der Leber von Lebenden gespendet werden können – überwiegend von hirntoten jungen Menschen, die einen Unfall mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma hatten, einen Tumor oder eine Hirnblutung – mit der Diagnose Hirntod. In neun von zehn Fällen müssen die Angehörigen entscheiden. Und, so wünscht es das Gesetz: die Tragweite ihrer Entscheidung verstehen.

"Am Abend des 18. Januar um 21.15 Uhr kam dann die Nachricht mit der Diagnose Hirntod", sagt Franziskas Vater, "und man schaltet ab." Er meint das emotional. Im Krankenhaus sprechen sie von diesem Zeitpunkt an nicht mehr von lebenserhaltenden Maßnahmen, sondern von organerhaltenden. Auch wird nicht mehr vom "Patienten" gesprochen, sagt die Intensivmedizinerin Katharina Raff. "Leichnam" sei allerdings auch nicht der richtige Ausdruck. Durch eine Leiche fließe kein Blut mehr. Eigentlich müsste man von dem Verstorbenen reden.

Nur wirkt der Mensch nicht wie ein Toter, nicht für die Angehörigen und auch nicht für diejenigen, die ihn noch operieren müssen. Die Mutter sagt: "Franziska lag da, äußerlich unversehrt, ihre Haut war warm, ihr Herz schlug, ihr Brustkorb bewegte sich." Und die Mediziner und Schwestern müssen eine Operation durchführen, die nichts mit ihrem eigentlichen Auftrag zu tun hat: den Menschen, der vor ihnen liegt, zu retten.

Am Morgen des 19. Januar, zwei Tage nach Franziskas Unfall, fahren Urban und Saenger in die Klinik, um den Ilzhöfers möglichst ohne Druck zu erklären, was sie wissen müssen. Urban sagt: "Wenn ich den Eindruck hätte, die Angehörigen verstehen nicht, worum es geht oder sind sich untereinander nicht einig, dann würde ich, falls sich der Verstorbene nie zu der Frage geäußert hat, wegen der immensen Tragweite von einer Spende absehen."

Franziskas Eltern haben sich mit dem Thema Organspende auseinandergesetzt. Roland Ilzhöfer arbeitet für eine Krankenversicherung, und Dorit Ilzhöfer kennt als Ärztin Patienten, die dringend auf Organe warten. Für beide ist klar: Spenden! "Franziska hätte das bestimmt auch gewollt", sagt Roland Ilzhöfer, "und wir wollten anderen Familien ersparen, was uns selbst widerfahren ist." Seine Frau fügt hinzu: "Etwas von Franziska sollte weiterleben – besonders ihr starkes Herz." Nach dem Gespräch mit Urban und Saenger gehen die beiden für einige Stunden nach Hause. Dort haben sie ja noch ein Kind. Dorit Ilzhöfer kann noch immer nicht fassen, dass Franziska stirbt.

Gunnar Urban muss jetzt prüfen, welche Organe für eine Spende infrage kommen: Welche sind gesund, welche vermittelbar? Am 19. Januar um 18.06 Uhr kann er der Stiftung Eurotransplant in den Niederlanden melden: 1 Herz, 1 Lunge, 1 Leber, 2 Nieren, 1 Bauchspeicheldrüse. Bitte passende Empfänger finden!

In Deutschland warten rund 11.000 Menschen auf die Transplantation eines Organs. Im letzten Jahr gab es aber nur 876 Spender, die 3.034 Organe spendeten.

Um 18.52 Uhr hat Gunnar Urban die Leber vermittelt, um 19.06 Uhr das Herz, um 19.17 Uhr die Lunge, um 19.38 Uhr die Bauchspeicheldrüse. Es können Empfänger in Deutschland, den Benelux-Ländern, Kroatien, Slowenien, Ungarn, Österreich oder der Schweiz sein. Sie können für manche Organe auch älter sein als die Spenderin. Die Empfänger von Herz und Lunge werden sofort informiert, womöglich per Beeper beim Abendessen. Sie müssen in den OP, wo der Brustkorb geöffnet wird – synchron mit dem Körper Franziskas. Herz und Lunge müssen innerhalb weniger Stunden beim Empfänger sein. Die Organe werden von Kurieren transportiert, mitunter begleitet von Chirurgen. Sie reisen per Hubschrauber, Turbo-Prop oder Lear-Jet. "In dieser Zeit darf kein Fehler mehr passieren", sagt Urban, "sonst sterben im schlimmsten Fall zwei Menschen: der Spender und der Empfänger."

Am 19. Januar um 22 Uhr wird sich die große weiße Tür noch einmal hinter Franziska schließen. Vorher muss sich die Mutter von ihrem Kind trennen. Auf der Intensivstation umarmt sie ihre Tochter. Die Fachleute nennen das den "warmen Abschied", und viele Angehörige belassen es dabei. Doch Dorit Ilzhöfer will Franziska nach der Organentnahme noch einmal sehen. Was werden sie mit ihr gemacht haben? Und ist sie dann wirklich ...?

Einige auf der Station versuchen, ihr diesen Wunsch auszureden. Sie glauben, dieser letzte Anblick sei zu schrecklich. Für das Personal in der Klinik bedeutet er auch mehr Aufwand an Zeit und Empathie. Doch Petra Saenger unterstützt die Mutter: "Weil wir den Tod nur Schritt für Schritt begreifen können." Einen Angehörigen nach dem Abschalten der Geräte noch einmal zu sehen, nennt Saenger den "kalten Abschied". Im Krankenhaus Neukölln kann er in einem gesonderten Raum stattfinden, im "Raum der Stille". Eine solche Möglichkeit gibt es nur in wenigen Krankenhäusern. Und es gibt nicht immer so viel Beistand. Franziskas Fall ist eine Ausnahme, nicht nur weil die Eltern ansprechbar und gut informiert sind, auch weil hier einige Menschen die Familie Ilzhöfer nicht allein lassen. Petra Saenger geht sogar mit in den OP.

Rational betrachtet ist der Patient tot, wenn er hirntot in den OP kommt. Emotional betrachtet ist er tot, wenn die Geräte ausgeschaltet werden

Auch der DSO-Koordinator Gunnar Urban ist im Operationssaal. Er spritzt Franziska ein Muskelrelaxans. Weil Bewegungen des Körpers vom Rückenmark gesteuert werden, kommt es manchmal vor, dass sich bei hirntoten Menschen Beine, Arme oder die Bauchdecke bewegen. Mediziner bezeichnen das als Lazarus-Phänomen, nach dem Toten aus dem Neuen Testament, der wiederauferstand. Das Phänomen ist unter Schwestern und Pflegern gefürchtet. Eine Anästhesie muss nicht gemacht werden, denn Schmerz wird vom Gehirn verarbeitet, und das funktioniert nicht mehr. Urban sagt: "Natürlich ist der Mensch tot. Die Würde des Menschen besteht aber über seinen Tod fort; deswegen ist er mehr als sein Bewusstsein. Die Integrität von Körper und Bewusstsein ist unwiderruflich zerstört. Die Körperfunktionen werden vorübergehend künstlich vital gehalten." Das heißt: Der Mensch hat kein Bewusstsein mehr, aber sein Körper ist noch lebendig.

Von nun an befinden sich im OP: der Koordinator, die Angehörigenbetreuerin, zwei OP-Schwestern, drei Kardiotechniker und drei OP-Teams: zwei Chirurgen für die Lunge, zwei fürs Herz und drei für den Bauchraum. Einige der Chirurgen werden die von ihnen entnommenen Organe auch wieder einsetzen.

Um 22 Uhr wird das Skalpell angesetzt und vom Kehlkopf bis zum Schambein geschnitten. Es beginnen die Vorbereitungen zur Explantation. Die Hauptschlagader wird abgeklemmt und eine Perfusionslösung durch Franziskas Organe gespült. So werden die Organe gekühlt und in einen energiesparenden Zustand versetzt. Wenn die Perfusion beginnt, schaltet der Koordinator die Beatmungsmaschine aus. "Es ist ein seltsames Gefühl", sagt Urban, "denn erst dann werden auch äußere Todeszeichen sichtbar." Das Leben beginnt restlos aus dem Körper zu entschwinden. Es wird sehr still im Raum.

17 Kommentare

@DropBearHunter (Nachtrag...)
Wegen der Entscheidung *für* oder *gegen* eine (eigene) Organspende sollte sich definitiv niemand rechtfertigen oder auch nur erklären müssen. Der Schutz dieser persönlichen Freiheit sollte mit höchster Priorität dauerhaft gewährleistet werden. Außerordentlich bedenklich finde ich Ihr Ansinnen, betroffene Patienten durch eine Verknappung der verfügbaren Organe in "Geißelhaft" zu nehmen, um so eine Regulierung der Vergabepraxis durchzusetzen. Die meisten heute üblichen Organtransplantationen sind mittlerweile Routine-Eingriffe und gelten als Behandlungsstandard bei bestimmten klinischen (v.a. terminalen) Befunden. Wenn betroffenen potentiellen Empfängern die Ermöglichung einer Transplantation erschwert wird, so wiegt dies m.E. als Einschnitt in persönliche (Freiheits-)Rechte mindestens genauso schwer, als würden potentielle Spender bei ihrer freien Willensbildung beeinflusst.

Mein Mitgefühl der Familie. Der Bericht verdeutlicht noch einmal eindringlich, wie konstruiert der Begriff "hirntot" ist, und wie grausam organisiert und methodisch bei der Organentnahme verfahren wird. Da hilft alle psychologische Betreuung nichts, es ist einfach nur schrecklich. Nach dem Lesen dieses Artikels bin ich weniger denn je zu einer Spende bereit, und würde es auch für meine Angehörigen ablehnen. Warum all diese Seelenqual auf sich nehmen, um ein anonymes Leben, das man niemals kennenlernen wird, vielleicht zu retten oder zu verlängern. Das ist sehr abstrakt und übersteigt das Empathievermögen des einzelnen Menschen. Um es zu verdeutlichen: Jeden Tag sterben Menschen durch Kriege und Hunger und ich rette sie nicht; nicht weil ich so böse bin, sondern weil ich sie nicht kenne.

Ich möchte mich dem Lob des Artikels ausdrücklich anschließen.

Trotzdem eine Anmerkung: Mit der Roten Ampel als Aufmacher wird wiederum ein Klischee bedient.

Ich bin sicher, dies geschah unbeabsichtigt, dennoch erinnert es mich daran, wie ansonsten leider oft mit dem Thema Verkehrssicherheit umgegangen wird. Man muss nicht unbedingt an das skandalöse Plakat der Hannelore-Kohl-Plakat erinnern, in dem ein Kind in seinem Blut vor einem Auto liegt - mit der Überschrift "Helme schützen".

Es muss dringend etwas für Verkehrssicherheit auf unseren Straßen getan werden. Und dabei müssen Rechtfertigungsstrategien und falsche Schuldzuweisungen aufgedeckt werden.
Dies ist eine Notwendigkeit, die vor der ultima ratio steht, die in "Herzenssache" behandelt wird. Null Verkehrstote, das muss das Ziel sein. Verkehrserziehung durch Angstmachen - das ist es, woran ich zuallererst bei dem Aufmacher denken musste. Es hatte nichts mit dem Artikel zu tun, wohl aber mit der Zeitung und ihrer Gestaltung.

Mein Mitgefühl für die Familie. Sein Kind bzw. die Schwester/den Bruder sterben zu sehen, das ist ganz einfach schrecklich.
Abgesehen davon: Nettes PR-Stückchen. Ich war ja geneigt, den Artikel nicht so harsch zu kritisieren, aber es sind dann doch zu viele Faktoren zusammengekommen. Da sind die Fotos: herrlich, wie die Familie und das Bild der Verstorbenen von der Sonne angestrahlt werden, während das Foto der "kritischen" Krankenschwester Beate Lichy mit dem dunklen Hintergrund auf mich fast dämonisch wirkt.
Und dann ist da noch der Faktor, dass der Vater nach meinen Recherchen für die Kassenärztliche Bundesvereinigung arbeitet. Bei Google taucht da die Bezeichnung "Pressesprecher" auf... Da erscheint doch das Urteil auf ein Recht des Vergessen werdens in ganz neuem Licht.

Mal wieder nichts verstanden!? In dem Artikel geht es nicht um Werbung für eine Organspende. Es wird berichtet, wen eine Organspende alles betrifft und das sind mehr Menschen, als man zunächst denken würde. Die ausschlaggebende Information ist aber doch vor allem: Die Angehörigen sind überfordert mit der Aufgabe, eine Entscheidung zu treffen. Deshalb sollte jeder einen Organspende Ausweis bei sich tragen, auch wenn er da angibt, keine Organe spenden zu wollen.

"Der/Die Betroffene darf auch

"Der/Die Betroffene darf auch gar nicht verstorben sein, wenn die Organe entnommen werden, weil sie in diesem Falle nicht mehr verwendbar wären."

Das stimmt so nicht, in anderen Ländern gibt es auch die Möglichkeit der NON-HEART-BEATING-DONATION, bedeutet eine Organentnahme nach dem Herz-Kreislauf-Tod.

http://en.wikipedia.org/w...

http://www.bag.admin.ch/t...

In den USA oder auch in den Niederlanden ist das durchaus der Fall und es gibt z.B. Angehörigen die Möglichkeit erst Abschied zu nehmen und es werden die Maschinen abgestellt, bis es zum Herztod kommt und erst dannach werden dem toten Patienten die Organe entnommen!

Ist der letzte Vergabe Skandal schon so lange her, dass jetzt mit intensiver Beleuchtung der Spender-Seite Reklame gemacht werden muß/kann?

Kein Wort über die Empfänger, natürlich aus Datenschutz-Gründen.
Kein Wort über die Vergabepraxis, welche die "kränkeren" Patienten bevorzugt.

Ein Argument was in anderen Artikeln oft auftaucht: die Menschen werden immer älter, deswegen steigt der Badarf an Organen...

Schickt mir bitte ein Memo sobald der-/diejenige meine Organe bekommt, welche(r) die besten Überlebenschancen hat;
und nicht der vermeintlich kränkste, der dann möglicherweise zugleich mit jemandem Stirbt der nie ausreichend schlechte Blutwerte hatte um operiert zu werden, aber möglicherweise 20 Jahre länger damit gelebt hätte.

Der letzte "Vergabe-Skandal"

Der letzte "Vergabe-Skandal" hatte jedenfalls einen erheblichen Rückgang an Organspenden zur Folge und - soviel steht fest - zahlreichen potentiellen Empfängern das Leben gekostet. Anlass für den Skandal (wie für die meisten vorhergehenden) war aber mitnichten die Bevorzugung bestimmter Empfänger, sondern der "Wettbewerb" von einzelnen Transplant-Chirurgen bzw. sonstigen Ärzten untereinander um Spenderorgane für "ihre Patienten". Die Patienten des "obsiegenden" Arztes waren aber gleichermaßen zum Empfang der Organe berechtigt, wie die des "unterlegenen" Arztes. Niemand ist zugunsten eines weniger akuten Empfängers benachteiligt worden. Die Motivation zur Organspende sollte davon unberührt bleiben - schließlich haben Spender und Angehörige ohnehin keine Informationen über den konkreten Empfänger. --- Es ist (auch!) der Verbreitung von solchen unreflektierten Thesen zu verdanken, dass bei vielen Betroffenen das "ungute Bauchgefühl" in Ablehnung umschlägt. Niemand setzt sich freiwillig und mit Wohlbehagen mit diesem Thema auseinander. Besser wäre es aber, über die Zusammenhänge konsequenter öffentlich aufzuklären.

@dakl1477
ich verbreite keine "unreflektierten Thesen" ich habe zusammengefasst was an anderer Stelle von einem Transplantationsartzt als Motivation für die Manipulationen angegeben wurde.
Ich spende nicht wegen eines "unguten Bauchgefühls" nicht, sondern weil mir die Vergabepraxis nicht gefällt. Die Spenderverweigerung ist das einzige Mittel ist was ausreichend Druck aufbauen kann um an der Praxis was zu ändern. Inklusive besserer öffentlicher Aufklärung.

@dakl1477
ich danke Ihnen für die gut formulierten Erklärungen
genau so ist es

@DropBearHunter

jeder Mensch kann frei entscheiden ob er spenden will oder nicht
und muß sich NICHT rechtfertigen

manche Rechtfertigungen, zeigen davon, dass man ein schlechtes Gewissen hat....und das muß man nicht haben, s.o.

außerdem ist es unlogisch, die Vergabepraxis sicherer zu machen, indem es weniger Organe gibt
genau umgekehrt macht es Sinn

Und wieder einmal wird der Zustand „tot“ im Zusammenhang mit diesem wichtigen Thema mißverständlich verwendet. Beispiel: „Nur wirkt der Mensch nicht wie ein Toter, nicht für die Angehörigen und auch nicht für diejenigen, die ihn noch operieren müssen.“ Der/Die Sterbende braucht auch nicht wie ein Toter zu wirken, denn er ist nicht tot, sondern sterbend. Aus diesem Grund wurde nach der ersten gelungenen Herztransplantation der Begriff „Hirntot“ geschaffen, der nicht den physiologischen Zustand des Gesamtorganismus beschreibt, sondern sich auf bestimmte neurologische Parameter beschränkt. Der/Die Betroffene darf auch gar nicht verstorben sein, wenn die Organe entnommen werden, weil sie in diesem Falle nicht mehr verwendbar wären. Aus diesem Grund ist übrigens in manchen Ländern auch eine Vollnarkose des/der Sterbenden während der Organentnahme vorgeschrieben.

Neuere Kommentare anzeigenNeuere
Ältere Kommentare anzeigenÄltere