Ich habe einen Traum Patricia Arquette

© Jonathan Leibson/Getty Images
"In einem Traum wurde ich von einer lebensgroßen Porzellanpuppe gejagt" Von
Aus der Serie: Ich habe einen Traum ZEITmagazin Nr. 23/2014

Ich stehe an einer Straßenecke und höre eine Sirene. Dann sehe ich einen Krankenwagen, der mit hoher Geschwindigkeit vorbeirast, er stammt aus den fünfziger Jahren und hat große Ähnlichkeit mit einem Leichenwagen. Am Ende der Straße fahren Polizeiautos davon. Mitten auf der Fahrbahn und auf dem Bürgersteig sehe ich menschliche Körperteile, einen Arm, ein Bein. Ich gerate in Panik und frage mich, warum die Obrigkeit nie da ist, wenn man sie braucht. Dann sehe ich diesen Jungen. Er ist ungefähr zwölf Jahre alt und hält eine Axt in seiner Hand. Ich wache auf, schreiend, voller Angst.

Diesen Traum hatte ich, als ich selbst zwölf oder dreizehn Jahre alt war. Meine Mutter war Therapeutin, wir haben noch in derselben Nacht über den Traum geredet. Ich glaube seitdem, dass dieser Traum in etwas bizarrer Weise von meinem sexuellen Erwachen handelte, von den damit verbundenen Unsicherheiten, Ängsten und Bedrohungen.

Als kleines Mädchen hatte ich ein paar Wahrträume. Eines Nachts wurden meine Brüder und ich gleichzeitig wach, wir hatten alle einen ähnlichen Albtraum gehabt, in dem uns ein Feuer zu verschlingen drohte. Unsere Eltern brachten uns wieder ins Bett, aber eine halbe Stunde später brannte unser Haus tatsächlich. Am anderen Ende der Straße lebte ein Gangmitglied, eine andere Gang wollte sein Haus anzünden und hatte irrtümlich unseres mit einer Brandbombe erwischt.

Einen ganz anderen Traum, an den ich mich sehr gerne erinnere, hatte ich kurz nach dem Tod meiner Mutter. In diesem Traum war ich mit Freunden auf einer Party, als ich sie unter den Gästen sah. Sie trug einen Umhang mit einer Kapuze und sah wunderschön und zufrieden aus. Ich war so glücklich, sie zu sehen! Ich fragte sie, wieso sie auf dieser Party sei. "Ich habe diese wunderbare Maschine", sagte sie und zeigte mir ein primitives Instrument, das aus einer aufgeschnittenen Blechdose und einigen platt geklopften Nägeln bestand. "Wenn ich darauf spiele, verändert sich die Umgebung, in der ich mich befinde." Genau so ein Instrument steht daher nun auch in meinem Schlafzimmer.

Aber ansonsten sind die Träume, an die ich mich erinnere, meistens dunkel und bedrohlich. Als Kind habe ich zum Beispiel von einem Berg geträumt, auf dem ein Affenvolk lebte, dessen König es liebte, Köpfe abzuhacken, die ich dann die Berghänge hinunterrollen sah. In einem anderen Traum – damals drehte ich gerade mit David Lynch Lost Highway – wurde ich von einer lebensgroßen Porzellanpuppe gejagt.

Es gibt diesen Ort der Trauer und des Schmerzes in mir, den ich nicht begreife. Vielleicht stammen auch meine Albträume aus dieser Quelle. Die Traurigkeit ist immer da; sogar wenn ich Babyfotos von mir betrachte, sehe ich sie in meinen Augen. Oft habe ich mir gewünscht, dieses Gefühl zu verstehen und loswerden zu können. Zumal ich die meiste Zeit meines Lebens ein glücklicher, unbeschwerter und sogar alberner Mensch bin. Aber vielleicht ist ja genau das der Grund für diese Traurigkeit. Vielleicht ist sie eine Art Ausgleich, den ein Teil von mir sucht und braucht.

Kommentare

1 Kommentar Kommentieren