Antitranspirant Deo ex Machina

Suchen Sie auch gerade ein Deo ohne Aluminiumsalze? Na dann viel Spaß. Von
ZEITmagazin Nr. 25/2014

Wir führten eine harmonische Beziehung, fünfzehn Jahre lang, mein Deo und ich. Ich bekam es einst zum Geburtstag geschenkt, das Präsent überzeugte mich sofort, das Deo duftete angenehm dezent, es hielt mich frisch, es machte seinen Job gut. So gut, dass ich bis in den späten Abend hinein gesellschaftsfähig blieb, ohne nachlegen zu müssen. Außerdem war es frei von jeglichen bedenklichen Zusatzstoffen. Mehr kann man von einem Deo nicht verlangen.

Anderthalb Jahrzehnte konnten wir uns aufeinander verlassen: ich mich auf die Wirkung des Rollers – und der sich darauf, von mir gekauft zu werden. Ihn zu beschaffen war keine leichte Aufgabe, aber vielleicht war es gerade diese Exklusivität, die unsere Beziehung so besonders machte – bis zum Ende, das völlig unvermittelt kam. Der Hersteller habe die Produktion eingestellt, teilte mir eine Verkäuferin vor Kurzem mit.

Mich befiel ein Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit, denn zeitgleich mit dem Beziehungs-Aus kam wieder einmal die Meldung, dass viele handelsübliche Deos immer noch fragwürdige Stoffe beinhalten, sogenannte Aluminiumsalze. Die vermindern das Schwitzen – stehen allerdings im Verdacht, Krebs und Alzheimer zu begünstigen. Das ist zwar seit Jahren bekannt, wenn auch wissenschaftlich noch nicht abschließend belegt; das Bundesinstitut für Risikobewertung hat nun dennoch die Empfehlung gegeben, die Aufnahme von Aluminium vorsichtshalber zu senken. Natürlich sind Antitranspirante sinnvolle Errungenschaften, die den zwischenmenschlichen Umgang oft erst möglich machen. Dafür die Gesundheit zu riskieren scheint dann aber doch unverhältnismäßig. Und so habe ich die zurückliegenden Wochen damit verbracht, ein neues Deo zu suchen. Das klingt vielleicht nach einer netten Freizeitbeschäftigung – ist es aber nicht.

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Ich habe mit Freundinnen gesprochen, unsere Treffen glichen bald Debattierklubs über Sinn und Zweck des Deos in der Moderne. Ich habe im Internet recherchiert, las Fachartikel und wurde nur noch mehr verunsichert. Ich habe Parfümeriefachverkäuferinnen konsultiert, deren Ahnungslosigkeit mich schockierte. Ich habe Drogeriemärkte aufgesucht und nach Produkten gegriffen, die zwar von der Zeitschrift Öko-Test gelobt wurden – aber doch das im Verdacht stehende Aluminiumsalz enthielten (von dem fragwürdigen Duft mal ganz zu schweigen). Ein Leben ohne Deo wurde langsam vorstellbar.

Dann war ich zufällig in einer Apotheke und dachte: Ach – frag doch mal. Die Frau hinter der Theke war mit der Problematik vertraut: In den letzten Wochen sei sie oft von Kunden darauf angesprochen worden. Sie empfahl mir das Deo eines französischen Kosmetikherstellers, aber der Roller sei momentan vergriffen. Man könne ihn bestellen, es würde allerdings etwas dauern. Eine Ansage, die mir bekannt vorkam und die mir gleich ein gutes Gefühl vermittelte. Längere Beziehungen sollte man nicht auf kurzfristige Entscheidungen aufbauen.

Kommentare

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Es gibt eine verblüffend einfache Lösung. Weil ich Deos mit Aluminiumsalzen nicht so gut vertrage und die Haut unter den Achseln juckte, habe ich einfach ein wenig Penatencreme aufgebracht. Zu meiner Verblüffung hat es nicht nur die Hautirritation behoben - sondern es schützt besser und länger gegen Schweissgerüche als die Standarddeos!! Es geht auch mit anderen Fettsalben oder auch mit Vaseline oder Melkfett, aber Penaten ist am wirksamsten. Seitdem nehme ich nur noch das und empfehle es im Freundeskreis, die alle ganz begeistert sind. Grundsätzlich fühlen sich Bakterien (die ja hauptsächlich für die Gerüche ursächlich sind) in einem fettigen Ambiente nicht wohl.