Bandidos Forster fühlt sich verraten

Er war ein Krimineller, der zum V-Mann bei den Bandidos wurde. Jetzt sitzt er im Gefängnis. Muss er die Rache der Rocker fürchten? Von

ZEITmagazin Nr. 27/2014

Ein Mann sitzt in einem gemieteten Mercedes, auf der Rückbank vier tschechische Prostituierte. Zollbeamte stoppen das Auto an der deutschen Grenze. Die Überprüfung ergibt schnell: Der Fahrer ist vorbestraft, gerade auf doppelte Bewährung draußen. Als der Polizist den Mann in Gewahrsam nehmen will, zieht dieser sein Handy aus der Tasche, wählt eine Nummer und reicht dem Beamten das Telefon. Der nickt, dann lässt er den Mann weiterfahren.

Rund drei Jahre später sitzt Mario Forster, der Mann, der diese Geschichte erzählt, in einem vier mal vier Meter großen Raum mit Backsteinwänden. Durch eine Plexiglasscheibe beobachten ihn drei Justizvollzugsbeamte. Forster, 47 Jahre alt, gelernter Motorenschlosser und ehemaliger Zuhälter, ist im Gefängnis. "Sechs zehn", sagt er und schüttelt seinen roten, runden Glatzkopf. "Sechs zehn!"

Sechs Jahre und zehn Monate Freiheitsstrafe wegen "unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge", so sehen es die Richter der 5. Strafkammer des Landgerichts Würzburg in ihrem Urteil. Sechs Jahre und zehn Monate Haft, obwohl er doch gegen die Drogenkriminalität gekämpft hat, im Namen des Freistaats Bayern, so sieht es Forster.

Mario Forster auf einer Bandidos-Party © privat

Knapp drei Jahre lang war Mario Forster bis 2011 für das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) als V‑Mann tätig, zuletzt beim berüchtigten Rockerclub Bandidos. "Ich habe kriminelle Energie in mir, keine Frage, aber diese Scheiße ist nicht gerecht." Forster fühlt sich verarscht.

An 35 Verhandlungstagen ging es vordergründig um die Frage, ob sich ein vorbestrafter Mann erneut schwere Schuld aufgeladen hat, indem er Drogen verkaufte. Doch eigentlich ging es um eine ganz andere Frage: Ist Mario Forster bloß ein Krimineller – oder ein Krimineller im Dienste des Staats? Ließ eine staatliche Behörde Verbrechen geschehen, um an Informationen aus einem Milieu zu kommen, das "komplett abgeschottet ist", wie der Leiter der Abteilung Organisierte Kriminalität des Bayerischen LKA einmal sagte? Oder hat sich Forster ohne Wissen der Beamten über das Gebot hinweggesetzt, als V-Mann keine Straftaten zu begehen? Diese Geschichte bietet die seltene Gelegenheit, in eine zwielichtige Welt zu blicken, in der Polizisten und Verbrecher Seite an Seite stehen. Es ist eine Welt, die es in einem Rechtsstaat eigentlich nicht geben dürfte und die es vielleicht doch geben muss, um diesen aufrechtzuerhalten.

Die Leute, die ich verpfiffen habe, sind Mülleimer, da tut es mir um keinen leid. Mario Forster

Mario Forsters Einsatz als V-Mann beginnt im Februar 2009. Der Winter in Bayern kommt mit Wucht zurück und Forster mal wieder aus dem Gefängnis. Schon vor drei Jahren hatte er sich den Beamten des Landeskriminalamts angedient, jetzt haben sie Verwendung für ihn. Forster übernimmt einen Nachtclub, er soll Informationen aus dem Rauschgiftmilieu beschaffen. "Die Leute, die ich verpfiffen habe, sind Mülleimer", sagt er, "da tut es mir um keinen leid." Es klingt, als habe er andere, die er nicht für Mülleimer hält, niemals verraten. Es ist ein Satz, der das ganze Dilemma offenbart, in dem V-Leute und Beamte stecken. Kann man sich wirklich aufeinander verlassen?

Jeder V-Mann bekommt einen sogenannten Führungsbeamten zugeteilt. Im Fall von Mario Forster ist das Norbert K. "Der trat auf wie Graf Koks", sagt Forster, habe ständig mit seiner Macht geprahlt. " ›Mario‹, hat Norbert immer zu mir gesagt, ›wenn du jemals Probleme mit einem Polizisten hast, zieh deinen Joker. Ruf mich an, dann passiert dir nichts!‹ " Später, bei seinem Einsatz für die Bandidos, habe das genau so funktioniert. Zum Beispiel als er mit drei in Dänemark geklauten Baggern im Wert von rund 100.000 Euro auf einem Rastplatz gestellt wurde. Und auch an der deutsch-tschechischen Grenze. Forsters baumstammdicke Oberarme beben, wenn er von Norbert K. spricht. "Er sagte mir, sie schicken mich in den Zeugenschutz, wenn ich auffliege. Sie geben mir Geld für einen Neuanfang. Und jetzt? Ich sitze im Knast, die Bandidos wollen mich tot sehen, und die Penner vom LKA leugnen, dass ich überhaupt für sie im Drogenmilieu gearbeitet habe."

Wir schreiben das Jahr 2011, die Rockerkriminalität grassiert längst wieder, der 2010 geschlossene Friedensvertrag zwischen Hells Angels und Bandidos ist nur noch eine lächerliche Randnotiz. Der Chef von Norbert K. sagt dem Münchner Merkur: "Die Fachabteilung Organisierte Kriminalität verwendet einen großen Teil ihrer Kapazitäten für die Beobachtung der Rockerbanden." Rund ein Drittel der 1.500 Rocker in Bayern sind kriminell, schätzt das LKA. Ein V-Mann in dieser Szene wäre Gold wert.

Forster kommt durch einen Zufall zu den Bandidos. In seiner Stammkneipe lernt er eines Abends einen Mann kennen, der dort Member (Mitglied) ist. Der Rockerclub ist streng hierarchisch strukturiert, der Weg zum Member ist oft lang und demütigend. Die Hangarounds (Lakaien) und Prospects (Anwärter) dienen den Mitgliedern, sie müssen aufs Wort gehorchen, Bier bringen, Toiletten putzen, Kotze wegwischen. Als Forster seinem V-Mann-Führer K. von dem Kontakt berichtet, "hat der gleich leuchtende Augen gekriegt. Wenn ich einen Fuß da reinbekomme, sagte Norbert, dann machen die in München eine Rolle rückwärts."

Forster wird schon nach kurzer Zeit ins Clubhaus eingeladen. "Das ist bei denen so etwas wie eine Ehre." Er lacht über den Kindergartenstolz der Rocker. Kurz darauf darf er zur Geburtstagsparty des Clubs, "da lag direkt fett Koks auf dem Tisch. Ich hatte seit 20 Jahren nichts mehr genommen, aber hätte ich nicht mitgemacht, wäre ich sofort draußen gewesen." Wer nicht kokst, der ist ein Bulle, sagt Forster. Man kann sich leicht vorstellen, wie er bei den Bandidos Eindruck machte. Forster ist ein guter Erzähler, witzig, schlagfertig, trinkfest, Whisky-Cola schon am Morgen. Schimpfwörter klingen bei ihm wie Liebkosungen. Er weiß, wie er mit Verbrechern reden muss, er ist ja selbst einer. In der DDR wächst er als jüngstes von fünf Kindern auf, ist klug, IQ 106, umtriebig, aber als der Vater die Familie verlässt, bekommt sein Leben einen Knick. Mit 15 fängt er an zu trinken. Seine beiden Ehen scheitern, "ich bin beziehungsunfähig", sagt Forster. In Briefen, die er an seine Mutter schreibt, erkennt man den anderen Mario. Den, der sich um die Familie sorgt, der Fragen stellt. Einmal unterschreibt er mit: "Dein Kummersohn Nummer eins".

Anfang 1989 versucht Forster nach der Ausbildung zu fliehen und wird zum ersten Mal eingesperrt. Nach der Wende, er ist jetzt 22 Jahre alt, zieht er nach Bayern, doch beim Versuch, aufrecht durchs Leben zu gehen, steht ihm die Verlockung des schnellen Geldes zu oft im Weg. Er erpresst, unterschlägt, hehlt und schleust, fälscht und betrügt. Er führt eine Spedition in die Pleite, häuft acht Millionen Euro Schulden an. Insgesamt 13-mal wird er verurteilt. So gesehen ist seine spätere Tätigkeit als V-Mann eine Blaupause für sein ganzes Leben. "Ich wollte schnell Kohle verdienen, ich bin ja nicht der Retter des Rechtsstaats!", sagt er über seine Zeit als V-Mann, in der er erneut auf die Schnauze fällt. Auch, so sieht er das, weil er zu viel vertraut hat. Der unausgesprochene Vertrag zwischen Polizist und V-Mann lautet: Mach keine Scheiße hinter meinem Rücken, dann lass ich dich nicht fallen. Dieser Fall zeigt: Es ist fast unmöglich, ihn einzuhalten. Für beide Seiten. Ein guter V-Mann darf, ja muss Scheiße bauen, doch wo ist die Grenze?

Wenn ich höre, dass sich Leute über einen Nazi-V-Mann aufregen, der in zehn Jahren 100.000 Euro verdient hat, muss ich lachen. Das habe ich in einem Jahr bekommen. Mario Forster

Forster kommt weit bei seinem Bandido-Einsatz. Schnell wird er Prospect, doch wer Prospect sein will, braucht eine Harley-Davidson. Das LKA kauft ihm eine. Er bekommt auch ein Handy, eine E-Klasse mit Tankkarte, 30 Euro pro Stunde und erhält alle Spesen erstattet. "Wenn ich höre, dass sich Leute über einen Nazi-V-Mann aufregen, der in zehn Jahren 100.000 Euro verdient hat, muss ich lachen. Das habe ich in einem Jahr bekommen." Klar habe er da auch beschissen, in Rechnungen aus einer 6 eine 8 gemacht. Gerichtlich verwertbare Informationen sammelt Forster keine. "Geschäfte bei den Bandidos laufen konspirativ, meist nur zwischen zwei Membern." Er merkt, dass er so nicht weiterkommt. "Ich hab gesagt: Hör zu, Norbert, wenn ihr wirklich Infos wollt, dann muss ich als richtiger Rocker mitmachen." Will heißen: Straftaten begehen. K. habe sein Einverständnis gegeben, sagt Forster. Vor Gericht hat der Führungsbeamte das vehement bestritten.

"Ich hatte schon mit vielen Kriminellen zu tun, aber diese Jungs sind Berufsverbrecher. Die sind bis an die Zähne bewaffnet, teils völlig irre"

Dem Präsidenten der Bandidos in Regensburg dient sich Forster als Fahrer an. Ein Mann wie ein Turm sei das, "wenn der mich in die Finger kriegt, tötet der mich in drei Sekunden". Er konnte nun melden, mit wem sich dieser trifft, aber mehr auch nicht. "Dann habe ich gestreut, dass ich Nutten besorgen kann. Das ist die wichtigste Währung, denn jeder Club hat Probleme, Weiber ranzuschaffen. Und plötzlich war ich Gott." Forster fährt nun ständig ins Ruhrgebiet, die Chapter (Ableger) dort gelten als die größten weltweit. In der Zentrale der deutschen Bandidos lernt er den Führungszirkel kennen. "Ich hatte schon mit vielen Kriminellen zu tun, aber diese Jungs sind Berufsverbrecher. Die sind bis zu den Zähnen bewaffnet, teils völlig irre." Man muss sich Forster als Wolf vorstellen, der in einen Tigerkäfig geschleust wird. "Ich hab mich dauernd umgesehen, hatte am Ende Verfolgungswahn." Es ist die Krankheit, die viele V-Leute befällt, wenn sie irgendwann nicht mehr unterscheiden können, auf welcher Seite sie stehen.

Forster liefert den Bandidos im Westen jetzt wöchentlich Frauen. Zudem habe es einen regen Drogenaustausch zwischen den Chaptern gegeben. Ständig sei man mit einem halben Kilo Crystal hochgefahren, zurück ging es mit der gleichen Menge Koks. Es ist eine von vielen Anekdoten, die er im Besucherraum der JVA Würzburg erzählt. Es geht auch um einen NPD-Politiker, der bei den Bandidos mit Waffen handelt, um einen toten Anwalt und Norbert K., der ihm Tipps gegeben habe, wie man Drogen über die Grenze schmuggele. Beweise gibt es dafür keine, aber ist es vorstellbar, dass er sich das alles nur ausdenkt? Der Psychologe Max Jäckel hat Forster untersucht und eine Persönlichkeitsstörung mit "paranoiden und depressiven Merkmalen" diagnostiziert. Forsters Wahrnehmung der Realität erscheint ihm verzerrt, er neige zum Festhalten an "irrigen, möglicherweise wahnhaften Inhalten". Hinzu komme eine Abhängigkeit von Alkohol und Amphetaminen. Falls seine Geschichten bloß die Hirngespinste eines drogensüchtigen Märchenerzählers sind: Wie konnte das Bayerische LKA so einen als V-Mann engagieren? Forster hat während seiner Tätigkeit als V-Mann gedealt. Er hat seiner Tochter sechs Mal je rund 30 Gramm Crystal besorgt – angeblich, um für das LKA an einen größeren Dealer heranzukommen. "Ich habe das auch gemacht, um sie zu schützen", sagt er heute. "Ich dachte: Solange ich unter dem Schutz des LKA stehe, kann ihr auch nichts passieren." Was er nicht weiß: Seine Tochter wird von der Würzburger Kriminalpolizei überwacht, die unabhängig vom LKA ermittelt. So gerät Forster selbst in die Fahndung und den Verdacht, mit Drogen zu handeln. Laut einer Stellungnahme des LKA wurde ihm danach die Beendigung der Zusammenarbeit "durch K. für den Fall angedroht, dass sich die Vorwürfe von Drogengeschäften bestätigen sollten". Sein Ende als V-Mann naht.

Hat eine bayerische Sicherheitsbehörde Straftaten gedeckt und einen V-Mann abserviert, als er ihr nichts mehr nützte?

Als er im November 2011 bei einer Kontrolle mit knapp zehn Gramm Crystal erwischt wird und trotzdem auf freien Fuß gesetzt wird, bekommt Forster Angst. Wie soll er den Bandidos erklären, dass er schon wieder davonkommt? Ein Member bestellt ihn ins Clubhaus, man müsse dringend reden. Forster ist sich sicher, enttarnt worden zu sein. "Ich bin ein harter Hund, aber das hat mir die Schuhe ausgezogen." Verrat ist eine Todsünde bei den Rockern, deren Grundsatz lautet: Gott vergibt, Bandidos nicht. Forster ruft Norbert K. an, den einzigen Mann, dem er jetzt noch vertrauen kann. K. nimmt ihm sein "Diensthandy" ab. "Er sagte mir, alles werde gut, ich käme bald in den Zeugenschutz." Zwei Stunden später nimmt die Polizei Forster fest. Seit 30 Monaten sitzt er nun in Haft. "Als sie merkten, dass ich enttarnt war, haben sie mich fallen lassen", sagt Forster. In seine geballte Wut mischt sich in diesem Moment auch Enttäuschung. Kurz ist er wieder das Kind, das von seinem Vater verlassen wird.

Was ist nun die Wahrheit? Hat eine bayerische Sicherheitsbehörde Straftaten gedeckt und einen V-Mann abserviert, als er ihr nichts mehr nützte? Oder hat dieser sich an dem Geld des Landeskriminalamts gelabt und die Straftaten zu seinem Vorteil begangen? Wer ist der größte Bösewicht in dieser Geschichte voller Bösewichter? Vor Gericht jedenfalls haben auch Beamte des Bayerischen Landeskriminalamts ein zweifelhaftes Bild abgegeben.

In seiner ersten von zwei Aussagen räumte V-Mann-Führer K. zwar ein, Forster sei V-Mann gewesen, aber nie im Rahmen der Drogenbekämpfung. Doch das widerlegt eine als "nur für den Dienstgebrauch" eingestufte Verschlusssache des Innenministeriums, die dem ZEITmagazin vorliegt. Dort schreibt Staatssekretär Gerhard Eck: "Er war während dieser Zeit vorwiegend bei der Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität eingesetzt."

Bei einem Fall von Drogenhandel, für den Forster letztlich verurteilt wurde, stritten die Beamten ab, vorab davon gewusst zu haben. Laut einem Schreiben eines LKA-Kriminalrates, das dem ZEITmagazin ebenfalls vorliegt, stimmt aber auch das nicht. Demnach hatte Forster "K. bereits vor dem Zugriff informiert, dass die Personen Rauschgift von Tschechien nach Deutschland schmuggeln würden".

Als Forsters Rechtsanwalt die Beschlagnahme sämtlicher Unterlagen beim LKA beantragt, erlässt das Bayerische Innenministerium eine Sperrerklärung. Diese ist nach Paragraf 96 der Strafprozessordnung für den Fall vorgesehen, "dass das Bekanntwerden des Inhalts [...] dem Wohl des Bundes oder eines deutschen Landes Nachteile bereiten würde". Geht es da um polizeitaktische Bedenken? Oder soll die Öffentlichkeit nicht erfahren, wie viele Verbrechen toleriert werden, um Informationen zu gewinnen? Die Sperrerklärung ist ein mächtiges Instrument, Forster hat kaum eine Chance, sich zu verteidigen. Die Richter erkennen diesen Umstand in ihrem Urteil an. Dort heißt es, "dass die Erkenntnismöglichkeiten des Gerichts [...] beschränkt sind". Dies zwinge zu einer besonders vorsichtigen Beweisführung. Auch bei der Bewertung der Angaben des V-Mann-Führers K. ist das Gericht besonders vorsichtig. Dieser sagt unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Zum Beispiel, dass er Forster nie vor polizeilichen Maßnahmen gewarnt habe. Doch das stellt sich wohl anders dar. Als die Würzburger Kriminalbeamten Forster und seine Tochter bei einem zuvor telefonisch vereinbarten Drogendeal auf frischer Tat ertappen wollen, ruft der Ermittlungsleiter vor dem Einsatz bei Norbert K. an und erzählt ihm von seinem Vorhaben. Eine halbe Stunde vor der geplanten Festnahme klingelt Forsters Telefon, am anderen Ende der Leitung: Norbert K. Nur drei Minuten später ruft Forster seine Tochter an und sagt ihr, die Polizei wisse alles. Als die Beamten zuschlagen, finden sie bei beiden keine Drogen.

Die Warnung wäre als Strafvereitelung im Amt strafbar gewesen – dass K. sie leugnet, kann nicht weiter überraschen. Was aber überrascht, ist, dass er ebenso leugnet, vom Würzburger Beamten über den Einsatz informiert worden zu sein. Was aber hätte dieser für einen Grund, vor Gericht zu lügen und Forsters Angaben damit zu bestätigen? Die Richter glauben Norbert K. nicht: Es sei nicht zu dem Drogendeal zwischen Forster und dessen Tochter gekommen, "weil etwas dazwischenkam, nämlich die Warnung durch den Zeugen K.".

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe des ZEITmagazins © ZEITmagazin

Das Bayerische LKA äußert sich gegenüber dem ZEITmagazin aufgrund der Sperrerklärung nicht zu dem Fall. "Zum jetzigen Zeitpunkt ist (...) eine weitergehende Beantwortung Ihrer Fragen leider nicht möglich." Nur so viel: Es seien "geeignete Sicherheitsvorkehrungen zu Forsters Schutz getroffen" worden, die "bis zum heutigen Tag fortgeführt werden". Als Forster diesen Satz in der JVA Würzburg hört, lacht er bitter. Ständig erreichten ihn "schöne Grüße" von den Bandidos, einer habe rumgetönt, man müsse "dem Scheiß-V-Mann den Kopf abschneiden". Forster will ins Zeugenschutzprogramm. "Ich kämpfe hier um mein Leben!" Er schreit jetzt fast. Das LKA hatte dem Gericht während der Verhandlung geschrieben, dass "keine konkreten Gefährdungen" vorlägen, die Aufnahme in ein Zeugenschutzprogramm komme nicht in Betracht. Forster werde ja nicht gegen die Bandidos aussagen und habe sich zudem selbst enttarnt. Forsters Rechtsanwalt will den Zeugenschutz jetzt einklagen. Die Richterin hat im April die Prozesskostenhilfe bewilligt, "da der Rechtsstreit hinreichend Aussicht auf Erfolg bietet". Sollte Forster das neue Verfahren gewinnen, müsste ihn jene Behörde verstecken, die ihn vor fast drei Jahren fallen ließ: das Bayerische Landeskriminalamt.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe des ZEITmagazins, das Sie am Kiosk oder online erwerben können.

Kommentare

5 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Typisch für manche Polizeibehörde

und wohl besonders typisch für bayrische Polizeibehörden, diese Kaltschäuzigkeit.

Die Lehre daraus ?
Vertraue niemals auf Schutzzusagen des Staates.
Ob die bayrische Justiz dem Strafverfolgungssystem insgesamt damit auf die Zukunft gesehen einen Erfolg tut ?

Sicher, der Typ scheint bestrafenswürdig zu sein und sollte ruhig seine Strafe abbrummen müssen. Aber nach der Vorgeschichte doch bitte mit dem notwendigen echten Schutz vor Rache der Bandido-Bande.

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V-Leute-System: Verbrechen als Abenteuer statt Ausstieg als Zeuge

Der Artikel unterstreicht, welche Doppelmoral der Staat bei der Bekämpfung Organisierter Kriminalität zeigt und dass das V-Leute-System wohl aus mindestens drei Gründen prinzipiell falsch konzipiert ist.

Steuerfinanzierte Verbrechen: So wie Bandido-Forster zwangsläufig Drogen nehmen und mit Frauen handeln musste, um auf Kumpels glaubwürdig zu wirken, so müssen Rechtsextreme den Hitlergruß zeigen, indizierte Musik hören und gegebenenfalls Undeutsche schlagen. Unser Staat weiß und zahlt es!

Täter- geht vor Opferschutz: Aufgrund der gleichen Logik sind Bagatelldeliktopfer denkbar dumm dran, falls sie Opfer eines V-Manns werden. Im Interesse des Quellenschutzes werden Bagatellen garnicht erst oder bewusst falsch aufgenommen bzw. nicht gerichtsfest ermittelt. Falsche Staatsräson geht vor!

Kontraproduktives Anreizsystem: Statt gezielt Aussteiger zu belohnen, werden Menschen wie Forster innerhalb deren geliebter Organisationen sogar erst aufgebaut! Warum sollte so einer denn schwerere Straftaten verraten? Das Geld fließt doch auch für Petitessen, zugleich erhält man sich die Kumpels und meidet ein Zeugenschutzleben in Angst. War ein von V-Leuten umzingelter NSU vielleicht nur deshalb unantastbar? Sinnvoller wäre doch, größere Summen erst Aussteigern im Zeugenstand zu bewilligen!

Und insgesamt muss man das gegenwärtige System aus weltanschaulichen Gründen zutiefst ablehnen, denn ist dies eines Rechtsstaats würdig? Sachzwänge und Staatsräson dürfen nicht jeden Missstand rechtfertigen!

Die zuständigen Richter für M. Forster wird dies hier genau wie der Staatsanwalt lesen müssen und werden nun wohl wach werden und merken wie schlecht der Deutsche Staat respektive LKA ist. Beweise haben die ja nun genug vertuscht. Fakten folgen so Forster und da sind diese nun aufgetaucht und offen gelegt.
LKA vertuschen nicht vieles sondern alles und bringen Menschen wie Forster denen Sie alles versprochen haben hinter Gitter und trauen sich dann noch lächelnd zu sagen " Wir tun alles das Herrn Forster nicht s passiert". V-Mann sein ist nicht schön zugegeben aber ausspionieren z.b. der Bandidos ist Lebensgefährlich und dann dafür vergleichsweise sehr kleine Gehälter zu zahlen für das Risiko was die Menschen eingehen das ist nicht Tragbar. Die Richter dürften bei der Sachlage wie Forster sie nun belegen kann nicht umhin kommen den Zeugenschutz anzuordnen und Forster s Urteil mehr als 6 Jahre aufzuheben. Ich bin gespannt wie es weiter geht ...........