© Jason Lowe

Wochenmarkt Dieses Curry verlangt keinerlei Begabung

Kochen erfordert Geduld und Konzentration – beides nicht unbedingt Eigenschaften, die typisch für unsere Zeit sind. Zum Glück gibt es dieses indische Curry. Von
Aus der Serie: Wochenmarkt ZEITmagazin Nr. 29/2014

Manchmal werde ich gefragt, ob ich nachkoche, was hier in der Rezeptkolumne vorgestellt wird. Offenbar gehört Kochen heute so wenig zum Alltag, dass man sich nicht einmal eine kochende Kochkolumnistin vorstellen kann. Ich gebe zu, Kochen ist schwierig und oft nervig. Wie viele Stunden meines Lebens habe ich mit leerem Gesichtsausdruck neben einer Pfanne gestanden, in der Gemüse endlich mal weich werden sollte? Kochen erfordert Geduld und Konzentration, und das sind nicht die Eigenschaften, die späteren Generationen unserer Zeit als typisch zuschreiben werden. Viel soziale Anerkennung gibt es auch nicht für das tägliche Abendessenzubereiten. Aber andererseits: So schwierig ist Kochen auch wieder nicht. Dieses Currygericht zum Beispiel verlangt keinerlei Begabung. Am Ende schmeckt es, was an den Gewürzen und an der Kokosmilch liegt. Es handelt sich um ein Grundrezept für indisches Curry, das in dieser Jahreszeit um neue Kartoffeln und grüne Bohnen ergänzt wird. In der Pfanne werden Senfkörner in Öl erhitzt. Wenn sie zu springen anfangen, gibt man Knoblauch, Ingwer, Chili und Zwiebel dazu. Unter Rühren 7 Minuten lang braten, auf niedrige Hitze schalten, damit nichts anbrennt. Gelbwurz und Koriander untermengen. Kartoffeln und Bohnen hinzufügen sowie Kokosraspel. Die Kokosmilch nach und nach dazugießen, eventuell weniger als angegeben, denn das Curry sollte nicht zu flüssig werden. Köcheln lassen, bis Kartoffeln und Bohnen gar sind und die Kokosmilch eingedickt ist. Das sollte 20 Minuten dauern, die Sie damit verbringen, aus dem Küchenfenster zu starren oder das Koriandergrün zu waschen, zu trocknen und grob zu hacken – eine Tätigkeit, die mich persönlich zu Tode langweilt, die ich aber immer und immer wieder ausführe, denn das Kochen lehrt die Einsicht, dass Langeweile und Wiederholung leider zum Leben dazugehören.

Curry mit Kartoffeln, Bohnen und Kokos (für 1 bis 2 Personen)

Zutaten – Pflanzenöl, ½ TL Senfkörner, 2 Knoblauchzehen, ein 1 cm großes Stück Ingwer, 1 frische grüne Chilischote (in Scheiben geschnitten), 1 Zwiebel (gehackt), ½ TL Gelbwurz, ½ TL gemahlener Koriander, 200 g Kartoffeln (je nach Dicke in Würfel oder 0,5 cm dicke Scheiben geschnitten), 150 g grüne Bohnen (in 1 bis 2 cm große Stücke geschnitten), 3 EL Kokosraspel, 250 ml Kokosmilch, Salz, frischer Koriander.

Kommentare

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Wie viele Stunden meines Lebens habe ich mit leerem Gesichtsausdruck auf einen Fernseher, einen Computerbildschirm oder auf ein Werkstück auf dem Schweißtisch gestarrt? Ich weiß es nicht mehr, aber es war vertane Zeit. Die Zeit, die ich mit dem Zubereiten von Mahlzeiten, auch kochen genannt, verbrachte, habe ich auch nicht gestoppt, aber die Zeit war nicht vertan. Kochen entspannt mich, es bereitet mir Freude, mit Lebensmitteln zu hantieren und aus vielen Zutaten ein leckeres Gericht zu machen. Ok, manchmal schmeckt es nicht ganz so doll, wie ich erwartet habe, aber dann fängt der Spass erst richtig an. Was mache ich anders, damit es besser wird? Kochen macht Spass und ich mache es gern, die Zeit dafür ist fester Teil des Tages, den ich mir auch (fast) nicht nehmen lasse.
Das Curry hört sich gut an und schmeckt mit Blumenkohl statt Bohnen sicher auch. Ich werde beides ausprobieren.

Ich habe in jeder Sekunde beim Kochen so eine Freude, dass ich nichts anderes machen könnte. Den Zwiebeln beim Sautieren zuschauen? Genial. Die Tomaten simmern leise vor sich hin und werden immer zuckriger? Ein Quell des Glücks. Der Geruch nach frischem Tymian, Rosmarin aus dem Garten, gerade das von Ihnen geschilderte Koriandergrün? Alleine der Duft öffnet für mich Welten. Wenn oben auf der Suppe langsam immer mehr Augen zurückstarren, wenn Parmesanscheibchen auf heissen Nudeln tanzen, wenn cremiges Eis sich zu glänzend leckeren Kugeln formen und mir immer mehr das Wasser im Mund zusammenläuft, frage ich mich persönlich, wie Menschen es schaffen NICHT zu kochen. Das ist für mich eine derart abstruse Vorstellung, dass ich lieber nicht daran denke.

Keine Ahnung, wie Sie es schaffen, da Langeweile oder sogar Worte wie "nervig" zu empfinden.

Ich liebe Kochen. :-)

Seltsame Kochkolumne, in der die Autorin völlig niedergeschlagen vom Kochen zu sein scheint.
Davon abgesehen finde ich es ein wenig übertrieben, dieses Gericht "indisches Curry" zu nennen. Zunächst mal wäre da der doch recht grosse Unterschied zwischen südindischer und nordindischer Kueche. Die Kokosnuss macht es wohl zu einem Vertreter der äquatornahen Gebiete.

Der zweite, viel wichtigere Punkt ist aber, wo sind denn die in der indischen Küche allseits anzutreffenden Curry- Blätter, der Kreuzkümmel, der Kardamom und der schwarze Pfeffer? Von schwarzem Koriander, Asa foetida Bockshornklee, Tamarinde, Nelken usw. möchte ich gar nicht erst anfangen.

Wenn es ein Charakteristikum der indischen Küche gibt, dann wohl die Vielfalt der Gewürze. Das hier präsentierte Curry mag sicherlich dem ein oder anderen schmecken, aber es als indisches Curry zu bezeichnen, halte ich für Blasphemie. Besser passen würde wohl "Kartoffel- Bohnen- Pfanne mit Kokosnuss", was auch dem sehr trockenen Aussehen auf dem Foto besser gerecht würde.

Entschuldigung für die Besserwisserei, aber wenn man die Leser glauben machen will, dass ein indisches Rezept präsentiert wird, dann doch bitte eines, dass auch einem typischen Vertreter des Originals entspricht. Wer sich wirklich dafür interessiert, wird im Internet tausende bessere Alternativen finden.

PS: In Südindien isst man üblicherweise Reis als Beilage, nicht Roti/Naan.

Ich koche gerne und täglich (kochen ist überhaupt die einzige Hausarbeit, die mir Spaß macht).

Gegen aufkommende Langeweile kann ich nur empfehlen, sich eine gute Stereoanlage in die Küche zu stellen und sich beim Kochen Hörspiele reinzuziehen ;o).

Momentan höre ich "Die Grandauers" (die wurden als "Löwengrube" mit Jörg Hube und Christine Neubauer verfilmt). 28 CDs - eine Folge schöner als die andere, die Hauptrollen sprechen Ilse Neubauer und Karl Obermayr (mit seiner wunderbar sonoren Stimme) und der bayerische Dialekt ist meiner Meinung nach auch für Nordlichter sehr verstehbar.