Dreirad Trikke eV6.1 Von A nach B

© Trikke Europe
Nur Skifahren ist schöner. Unser Autor rast mit dem Dreirad Trikke eV6.1 durch Kassel. Von
ZEITmagazin Nr. 29/2014

"In wenigen Minuten erreichen wir Kassel-Wilhelmshöhe", sagt der Schaffner über die Lautsprecher. Nichts regt sich im Waggon. Aussteigen? In Kassel? Ist denn schon wieder Documenta? Tausende Menschen kommen täglich hier vorbei, ob mit dem Auto, über die berüchtigten Kasseler Berge, oder eben mit dem ICE. Doch die wenigsten steigen aus. "Die hässlichste Stadt westlich von Sibirien", urteilte einst der Kunstkritiker Benjamin Buchloh. Über dreißig Jahre ist das her. Das Urteil aber hält sich hartnäckig.

Ob Kassel wirklich so hässlich ist?, frage ich mich, als ich an diesem sonnigen Frühsommertag dem Zug entsteige. Nach Nordhessen hat es mich wegen einer Testfahrt verschlagen. Testobjekt ist das Trikke eV6.1, ein Dreirad ohne Sitz, dafür aber mit Elektromotor. Gesteuert wird im Stehen, bei maximal 25 Stundenkilometern.

Auf dem Bahnsteig klappe ich den Aluminiumrahmen mit wenigen Handgriffen in Betriebsposition. Der Motor startet per Knopfdruck. Ich steige auf, drehe am Griff, und schon schiebt sich das Dreirad über die lange Rampe in die Bahnhofshalle. Ich fahre hinauf zu Kassels Wahrzeichen, dem Herkules, einer Statue im Bergpark Wilhelmshöhe. Auf der steil ansteigenden Straße muss der Motor mächtig schuften. In Schrittgeschwindigkeit rolle ich die kurvige Fahrbahn entlang und blicke in viele irritierte Gesichter. Erst in diesem Jahr wurde das futuristische Gefährt auch in Deutschland zugelassen, natürlich mit Versicherungsschutz. Im Straßenbild ist es allerdings noch ein Fremdkörper.

Oben angekommen, drehe ich eine Runde durch den Park. Malerisch und grün liegt Kassel unter mir. Die Fahrt hinunter geht dann rasend schnell. Die kleinen Räder surren, und ich werde mutiger, lege mich mit dem Oberkörper in die Kurven und steuere mit ausladenden Schwüngen wie beim Skifahren. Das Dreirad ist wie gemacht für solche rasanten Abfahrten.

Über den Königsplatz, vorbei am Fridericianum, nähere ich mich meinem Ziel: der Karlsaue. Auf der Wiese vor der barocken Orangerie parke ich und breite die Picknickdecke aus. Hier lässt es sich aushalten. Vielleicht sollte Herr Buchloh mal wieder vorbeischauen.

Technische Daten 

Motorbauart: Elektromotor im Vorderrad, Leistung: 350 W (0,5 PS), Gewicht: 20 kg, Reichweite: 40 km, Höchstgeschwindigkeit: 25 km/h, Basispreis: 2.850 Euro

Dennis Deuermeier ist Hospitant beim ZEITmagazin

Kommentare

6 Kommentare Kommentieren

Als jemand, der seit 1968 in Kassel lebt, kann ich nur sagen: Sie haben sich die schönsten Orte in Kassel herausgesucht! Die Stadt, insbesondere die Innenstadt, ist architektonisch ziemlich hässlich. Was nach dem Krieg als modern galt - "autogerechte" Stadt, die wenigen verbliebenen Gebäude oder Ruinen abreisen (z.B. das alte Staastheater) zugunsten hässlicher, gesichtsloser Zweckbauten - ist nun der "Fluch" der Stadt.