Stilkolumne Von Schönem umringt

© Peter Langer
Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 30/2014

Die meisten Menschen würden wohl behaupten, dass sie ihren Schmuck nur deshalb tragen, weil er ihnen an sich selbst gefällt. Wie man mit Ketten, Diademen, Ohrringen und Halsbändern wirklich wirkt, können einem aber eigentlich nur die anderen sagen. Auch wenn die meisten es abstreiten, so schmücken sie sich wohl doch vor allem, um für andere Menschen als etwas Besonderes erkennbar zu sein.

Ringe hingegen haben seit je eine besondere Bedeutung. Sie schmücken die Hand. Der Träger hat den Ring also selbst immer im Blick. Außerdem ist die Hand symbolisch mit dem Handeln verbunden. Ringe stehen deshalb für die persönliche Identität.

Mittelalterliche Ringe trugen oft eine Inschrift, an der man die Bedeutung des Rings ablas: Er konnte ein Ausdruck religiösen Eifers sein, als Zeichen der Liebe getragen werden und auch als Amulett. Ein Geschäft galt erst als besiegelt, wenn der Siegelring in das Wachs gedrückt war. Bis heute ist ein Papst erst ein Papst, wenn er seinen Ring trägt. Wer seinen Ehering ablegt, verrät seinen Partner. An einem amerikanischen Verlobungsring ist ziemlich genau abzuschätzen, wie viel der Zukünftige verdient: Drei Monatsgehälter soll der Bräutigam dafür ausgeben, und das ist an der Größe des Steines erkennbar. Als solcher kommt natürlich ausschließlich ein Diamant infrage. Dass nur dieser gut genug erscheint, um unverbrüchliche Liebe zu bezeugen, liegt übrigens an einer Werbekampagne: A Diamond Is Forever. Damit pries der Minenkonzern De Beers 1947 seine Fundstücke an. Die gedankliche Verknüpfung des ungewöhnlich harten Schmucksteines mit der für die Ewigkeit erträumten menschlichen Bindung machte den Diamanten zum Bestseller gegenüber all den farbigen Steinen, die man bis dahin noch oft trug.

Nun wird es wieder beliebter, Ringe in allen Farben zu tragen – und sogar mehrere zugleich, mit nicht ganz so teuren Steinen. Saphir, Rubin, Citrin etwa. Das wird erst dadurch möglich, dass der Ring an Symbolkraft verloren hat. Das macht ihn weniger magisch, aber unterhaltsamer und variantenreicher. Es gibt heute nicht mehr nur den einen Ring. Für den Verlobungsring gilt das natürlich nur eingeschränkt. Außer man hat einen Ring beziehungsweise Mann "an jedem Finger". Das gab es ja sprichwörtlich schon immer.

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