Angela Merkel in China Sternstunde der Diplomatie

© Getty Images/Feng Li
Bei ihrem Staatsbesuch in Peking bekam Angela Merkel von Wen Jiabao ein Gedicht. Wir haben es übersetzt. Von
ZEITmagazin Nr. 32/2014

Ich schaue in den Sternenhimmel,
er ist so grenzenlos und weit
Seine unendliche Wahrheit
inspiriert mich zu angestrengter Reflexion, ihm zu folgen

Ich schaue in den Sternenhimmel,
er ist so feierlich und heilig
Seine strenge Gerechtigkeit
erfüllt mich mit Ehrfurcht und Leidenschaft

Ich schaue in den Sternenhimmel,
er ist so frei und ruhig
Sein weites Herz
lässt meine Seele zur Ruhe kommen

Ich schaue in den Sternenhimmel,
er ist so großartig und strahlend
Sein ewiges Lodern erfüllt mein Herz mit Hoffnung
und klingt wie ein Frühlingsgewitter

Der ehemalige chinesische Premier Wen Jiabao liebt die Poesie. Bisweilen treibt er seine Dolmetscher zur Verzweiflung, weil er vor Gesprächspartnern spontan ein klassisches Gedicht zitiert, das auf Anhieb nicht so schnell zu übersetzen ist. Er dichtet auch selbst, etwa oben stehende Zeilen, die er in Peking Angela Merkel überreichte. Das Gedicht bezieht sich auf die berühmte Zeile Immanuel Kants: "Der gestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir". Soll ungefähr heißen: Die moralischen Gesetze des Menschen sind so bewunderungswürdig wie der Kosmos. Und ja, man sagt, Angela Merkel habe sich sehr gefreut.

Etwas prosaischer ist da das Geschenk, das der amtierende Präsident und Fußballfan Xi Jinping der Kanzlerin beim selben Besuch machte. Er überreichte ihr eine Plakette mit einem rund achthundert Jahre alten Bild, das Chinesen beim Fußballspielen zeigt. China, na klar, das Land, das schon den Kompass und das Schießpulver erfand, rühmt sich, auch das Fußballspiel erdacht zu haben. Die ersten Chinesen kickten angeblich bereits in der Song-Dynastie. Ein großer Trost ist das nicht angesichts der notorischen Schwäche der chinesischen Nationalmannschaft, viele Chinesen jubelten deshalb bei der WM für die Deutschen. Deutschland hat sich bereits angeboten, Fußballstrukturhilfe zu leisten, und hat Xi zum Amtsantritt ein Trikot des FC Bayern überreicht.

Das beliebteste chinesische Staatsgeschenk waren jedoch stets die Pandas. Wo sonst sollte man diese schönen Tiere herbekommen, wenn nicht aus China? Zwischen 1957 und 1982 verschenkte China 24 Pandabären ans Ausland. Weil das Volk es aber nicht goutierte, dass das Nationalsymbol einfach an Zoos weitergereicht wird, ist man inzwischen dazu übergegangen, die Tiere nur zu verleihen.


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