Harald Martenstein Über die vielen Universalgenies an deutschen Schulen

© Fengel

Seit Jahren heißt es, die Ausgaben für Bildung müssten steigen. Dabei werden die Zensuren der Schüler immer besser. Nur Lehrer schaden dem Notenniveau. Von

ZEITmagazin Nr. 33/2014

Seit Jahren werden die Schulnoten in Deutschland immer besser. Wenn man sich die Noten anschaut, dann ertrinkt das Land fast in einer Flut von Universalgenies. An der Spitze steht Berlin. Berlin ist offenbar Deutschlands Geniehauptstadt. In den wenigen Jahren von 2006 bis 2012 hat sich in Berlin die Zahl der Abiturienten mit dem Notendurchschnitt 1,0 vervierfacht.

Ein Bildungsforscher, Hans Peter Klein, hat eine Abiturklausur des Leistungsfaches Biologie aus Nordrhein-Westfalen, nur so zum Spaß, einer neunten Klasse vorgelegt. Fast alle haben bestanden, einer mit 1,0. Das gleiche Experiment wurde auch mit einer Mathe-Klausur durchgeführt, mit dem gleichen Ergebnis. Hans Peter Klein hat weitergeforscht. Er hat herausgefunden, dass die Lösungen der Abituraufgaben neuerdings "dem umfangreichen Arbeitsmaterial entnommen" werden können, das den Schülern an die Hand gegeben wird.

Wenn aber das wichtigste Abiturwissen darin besteht, eine Lösung abschreiben zu können, und wenn dieses Wissen nachweislich schon in der neunten Klasse vorhanden ist, dann kann man ohne Weiteres die Klassen 10 bis 13 streichen. Dieses Geld kann man sich sparen.

Hans Peter Klein ist noch einem weiteren Phänomen nachgegangen. Auffällig viele Schüler, die in Mathematik eine schlechte Note haben, eine 5 oder 6, wählen für die Präsentationsprüfung im Abitur ausgerechnet ihr Horrorfach Mathe. Der Schüler bekommt eine Aufgabe und hat vier Wochen Zeit, dann muss er die Lösung dieser Aufgabe öffentlich vorführen. Natürlich holen die Schüler sich Hilfe von Mathe-Cracks oder im Internet, wo sich sehr schöne Präsentationen zu den gängigsten Aufgabenstellungen mühelos finden lassen. Schüler, die vorher nichts kapiert haben, können plötzlich von ihrem ausgedruckten Papier ablesen oder sogar auswendig vortragen, wie es geht. Nicht wenige, die vorher auf "6" standen, gehen mit einer "2" aus der Prüfung hinaus, man muss sie also nur in Ruhe im Internet recherchieren lassen. Damit ist bewiesen, dass Lehrer dem Notenniveau nur schaden. Man kann sie alle entlassen.

Das Abitur wird immer einfacher, damit es soziale Gerechtigkeit gibt. Das Abitur soll kein Privileg von Besserlernenden oder Besserwissenden mehr sein, alle Schüler sollen es bekommen. Weil nun einmal nicht alle Menschen so intelligent, ehrgeizig oder fleißig sind, dass sie ein schwieriges Abitur ablegen können, muss es einfach sein. Da habe ich eine wunderbare Idee zur Bekämpfung der Armut: Die Regierung sollte Geld drucken und jedem Bundesbürger eine Million Euro in die Hand drücken. Das ist das gleiche Prinzip.

Seit Jahren höre ich, die Ausgaben für Bildung müssten steigen. Ich bin, seit ich die Notenstatistik kenne, gegenteiliger Ansicht. Wieso verlangen die Bildungspolitiker mehr Geld, während gleichzeitig die Schüler auf breiter Front immer besser werden? Wenn immer mehr Schüler immer bessere Schulabschlüsse bekommen, dann reicht das Geld doch. Andererseits, brauchen wir wirklich so viele Genies? Irgendjemand muss doch auch Straßen bauen und Heizungen reparieren. Ich finde, das größte Sparpotenzial beim Staatshaushalt befindet sich in den Bildungsetats. Allerdings muss es in Deutschland in jedem Fach immer noch mindestens eine Person geben, die durchblickt und die Lösungen ins Internet stellt. Das kann zur Not aber auch ein Professor aus den USA machen. Erst dann, wenn die deutschen Schüler nicht mehr lesen und deshalb auch nicht mehr abschreiben können, muss von einer echten Bildungskatastrophe gesprochen werden.

Harald Martenstein ist Redakteur des Tagesspiegels.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

28 Kommentare

Aus dem Kommentar von J.-W. Brunsema:

"Schon Albert Einstein sagte: 'Ich gehe davon aus, daß zwei Dinge unendlich sind, das Weltall und die menschliche Dummheit' "

Wohl wahr. Ich kenne in diesem Zusammenhang auch noch ein schönes Zitat: "Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens"

(Wer den Urheber kennt, kriegt eine Tafel Schokolade... ;-)

Ich habe diese Glosse wie jeden anderen Text von Martenstein mit großem Vergnügen gelesen - auch vor dem Hintergrund leidvoller Erfahrung mit der Berliner Schullandschaft.
Aufgestoßen ist mir lediglich die Schlusssequenz: Mir scheint hier eine Gleichsetzung von Genie/ Intelligenz mit Abitur zu erfolgen - bei gleichzeitiger Abwertung anderer Ausbildungswege. Das ist meines Erachtens einer der fundamentalen Irrtümer und auch grundlegenden Fehler der Bildungsreformen: Das Abitur ist mitnichten ein Maß für Intelligenz (ich habe genug dumme Akademiker kennengelernt ...), sondern höchstens Ausdruck für eine bestimmte Art von Intelligenz. Unbenommen davon gibt es künstlerische, musische, soziale und handwerkliche Intelligenz - um diese zu fördern, bedarf es keines Abiturs. Ich kenne somit auch genug intelligente Menschen, die kein Abitur vorweisen können und in ihrem Leben mehr zum Wirtschafts- und Forschungsleben beitragen als die sogenannte Intelligenz. Und mir ist ein Straßenbauer, der sein Fach versteht, allemal lieber und für mich ehrenwerter, als der ach so "intelligente" Nobelpreisträger, der den Einsatz von Giftgas fordert und fördert.

Die Rechtschreibreform ist keine Reform, sondern lediglich eine Legitimation für das unbekümmerte Drauflosdilettieren.
Meine Buchempfehlung: „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ – Neues aus dem Irrgarten der deutschen Sprache – Autor Bastian Sick.
Textauszug: „Wenn alle Fälle davonschwimmen – wenn „dem Kandidat“ das Zeug zum Kandidaten fehlt oder wenn „dem Chirurg“ mehr vertraut wird als dem Chirurgen – dann ist es Zeit, dem Dativ zu gedenken.“

Mit Amüsement las ich den Artikel von Harald Martenstein. Er spricht an, worüber ich mich
eigentlich nicht mehr wundere. Denn die Notengebung - nicht nur beim Abitur in Berlin - scheint mir schon länger eine Farce zu sein. Sie ist jedoch politisch gewollt: Wenn das Leistungsniveau vieler Schüler nicht ausreicht, muss es eben künstlich angehoben werden, indem man die Ansprüche senkt und die Noten am grünen Tisch verbessert.
Nett finde ich auch den Satz: "Damit ist bewiesen, dass Lehrer dem Notenniveau nur schaden." Zum Glück las ich in einem der Leserkommentare, dass es sich bei dem Artikel um eine Satire handle. Zwar bin ich der Meinung, es sei eher eine Glosse, aber das ist nebensächlich. Auch ich finde, dass man die Lehrer getrost entlassen kann (Achtung, Satire!), aber ich darf mir das erlauben, weil ich beide Seiten kenne - die freie Wirtschaft als ehemaliger Redakteur und den Schulbetrieb als Gymnasiallehrer (und das sogar mit Zweitem Staatsexamen!).
Noch eine kurze Anmerkung zur Kritik von Leser donquichotte an Leser Baxx: Irgendwie lustig, wenn der/die eine auf den/die andere/n eindrischt, obwohl er/sie im Glashaus sitzt. Die Kommasetzung und falsche Deklination ("dank" mit Dativ) sind tatsächlich nicht "abiturwürdig". Allerdings gibt auch Leser donquichotte mit "mE" (richtig: "m. E.") und der alten Schreibung "daß" für "dass" kein Glanzstück in Orthografie ab.
In diesem Sinne ein Vorschlag zur Güte: Leben und leben lassen.

Aber gerne doch, lieber Mitforist, das "leben lassen" ist eigentlich das Credo, das ich jeden Morgen vor mich hinmurmele - nur hatte die/der junge Bildungsgereifte einen erschreckenden Ausfall in Satirentoleranz zu Werke gebracht. Das mußte sogleich "gerochen" werden. Und damit wären wir beim Vehikel aller Kommentare, der Sprache, die sich mE (dabei bleibe ich einfach) allen Rechtschreibreformdiktaten entziehen sollte. Also: "Daß" weiterhin mit ß - es ist weitaus weniger schlimm als das inkonsequente "Orthografie" - warum nicht "Orthographie"? Keine Angst, ich bin wirklich der letzte, der etwas gegen praktizierten Pluralismus hätte - "dank" mit Dativ - aber ja! Rettet dem Dativ! Aber "einen Autoren" - aua, hier stöhnt der Akkusativ. Sollte mir schnuppe sein - nur bin ich empfindlich geworden, seitdem mir mein Uni-Rektorat per Dekret die amtliche Verwendung der Rechtschreibreform aufoktroyieren wollte. Das habe ich mit Lust und Laune höchst subversiv hintertrieben - soviel Widerstandsrecht muß schon sein.

Die Rechtschreibreform ist keine Reform, sondern lediglich eine Legitimation für das unbekümmerte Drauflosdilettieren.
Meine Buchempfehlung: „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ – Neues aus dem Irrgarten der deutschen Sprache – Autor Bastian Sick.
Textauszug: „Wenn alle Fälle davonschwimmen – wenn „dem Kandidat“ das Zeug zum Kandidaten fehlt oder wenn „dem Chirurg“ mehr vertraut wird als dem Chirurgen – dann ist es Zeit, dem Dativ zu gedenken.“

Beim Klassentreffen anlässlich unseres 33 Jahre zurückliegenden Abiturs entschuldigte sich unser Klassenlehrer für den Notendurchschnitt von 3,3. Bis zu seiner Pensionierung war der Abiturs-Durchschnitt kontinuierlich gestiegen, bis zur 2,3. Die Frage, warum die heutigen Absolventen so viel klüger sind als wir damals, beantwortete er nicht. Er grinste nur und zuckte mit den Schultern.
Die Antwort interessierte auch nicht wirklich. Andere Zeiten, andere Sitten. Gewiss ist das Abitur heute leichter zu bestehen als zu unserer Zeit, gerade dann wenn die G-8-Jahrgänge auf Teufel komm raus bestehen müssen, da sonst das ganze System infrage stünde. Schlimmer ist es jedoch, dass die wirklich Bildungshungrigen heute leer ausgehen und sich die Klasse mit solchen teilen müssen, bei denen die Fußballbegeisterung größer ist als das Interesse, einer Sache auf den Grund zu gehen.

Lieber Herr Martenstein,

Lieber Herr Martenstein,
wie kommen Sie dazu, sehr gute Schulnoten mit Genialität gleich zu setzen? Aus meiner Sicht erzeugt unser antiquiertes Bildungssystem überholte Anpassung auf kognitiven Mastweiden mit emotionalen Analphabetismus. Ich freue mich, dass Schüler dieses überholte Schulssystem aushebeln und ad Absurdum führen. Unser bestehendes Schulsystem gehört grundlegend reformiert oder auf den Müllhaufen der Geschichte, sonst werden wird unser gesellschaftliche und wirtschaftliche Spitzenposition in den nächsten Jahren ganz schnell verlieren.

Ohja, ich als Abiturient in NRW aus dem Jahre 2013 kann bestätigen wie einfach meine Prüfungen waren. Eigentlich wollte man mich zuerst auf eine Waldorfschule schicken aber hat sich dann doch für ein Gymnasium entschieden. Ein glücklicher Zufall denn dank dem Bildungssystem an deutschen Schulen konnte ich mein Abitur in Physik, Englisch, Geschichte und Deutsch mit 2,0 bestehen, obwohl ich gar nicht schreiben oder rechnen kann! Ein Glück auch, dass mir die vier Wochen Vorbereitungszeit für mein Referat in der mündlichen Physikprüfung nur wie zwanzig Minuten in einem Nebenraum mit 4 Augenpaaren auf meinen Fingern vorgekommen sind. Sonst wäre ich vielleicht nervös geworden, soviel wie ich im Internet nach den Lösungen herumgesucht habe. Außerdem habe ich in den letzten vier Jahren meine Zeit an der Schule eigentlich nichts mehr dazu gelernt, was ich in der Prüfung gebraucht hätte. Meine Prüfung hätte ich schon mit 15 Jahren ablegen können.

Ich bin durch eine Freundin auf diesen Hass-Artikel gestoßen und muss mich fragen aus welchem Grund die Zeit, die ich bisher immer als seriöse Zeitung wahrgenommen habe, solch einen schlecht recherchierten (=erfundenen?) Artikel mit derartiger Polemik veröffentlicht. Ich kenne den Autoren nicht. Ich möchte ihn auch nicht mehr kennen lernen. Dieser Mann hat mit diesem Artikel keinen Journalismus betrieben, sondern Propaganda.

Ohja, liebe/r AbiturientIn, mit Ihrer Zwei in Deutsch sind Sie aber ganz gut bedient (katastrophale Kommasetzung, schlechte Deklination, umständlicher, manchmal wirrer Argumentationsstil). Bleiben wir lieber bei Ihrer Aussage: "Hass-Artikel", "Propaganda". Ich fürchte, Sie haben nicht begriffen, daß der Ausgangspunkt dieser Satire (buchstabieren: S-a-t-i-r-e) belegbare Fakten sind, die die jüngere bildungswissenschaftliche Forschung herausgearbeitet hat. Eine heutige "2,0" entspricht mE in etwa einer "2,3" vor 10 Jahren, einer "2,5" vor ca. 20 Jahren. Das hat ursächlich etwas mit der Numeri-clausi-Seuche in diversen Uni-Studiengängen zu tun. Mit einer heutigen "2,0" gehören Sie keineswegs zur Notenelite, sondern zum guten Durchschnitt - den zu "fördern", also studierfähig zu machen, sich die Kultusminister aller Bundesländer aufs Panier geschrieben haben. Also bleiben Sie ganz cool: Sie dürfen doch studieren - zwar nicht alle gewünschten Fächer, aber immerhin. Und dort sollten Sie beherzigen, daß es bei höchst subjektiven Wertungen immer auf die jeweilige Textsorte ankommt. Viel Glück ...

"..Er hat herausgefunden,

"..Er hat herausgefunden, dass die Lösungen der Abituraufgaben neuerdings dem umfangreichen Arbeitsmaterial entnommen" werden können, das den Schülern an die Hand gegeben wird......
....Das Abitur wird immer einfacher, damit es soziale Gerechtigkeit gibt. Das Abitur soll kein Privileg von Besserlernenden oder Besserwissenden mehr sein, alle Schüler sollen es bekommen."

Je hirnverbrannter etwas etwas ist, desto mehr Bewunderer findet es, wie ja der ärgste Mist fast immer auf den Beifall aller zählen kann.

Wenn also das seelische Wohlbefinden und die Bewunderung der Masse mit zunehmender Stümperhaftigkeit steigen, wozu sollte da einer echte Bildung vorziehen, die erstens viel kostet, zweitens recht überspannt macht und schließlich nicht halb so gut ankommt?

Der Anteil der Dummen ist eine Naturkonstante und wir stets unterschätzt.

Schon Albert Einstein sagte: "Ich gehe davon aus, daß zwei Dinge unendlich sind, das Weltall und die menschliche Dummheit"

Warum aber können sich die weniger Dummen nicht gegen diese Entwicklung in unserem Bildungswesen wehren? Weil die ganz Dummen (weniger privilegierten?) nichts von ihrem Zustand ahnen. Dies verstärkt noch die Durchschlagskraft und Effizienz ihrer Handlungen.

Na, da scheint der Weg doch vorgezeichnet: wenn erst bald alle Abiturienten in Berlin 1,0 haben, werden die Noten abgeschafft, und jeder der 12 Jahre in der Schule ausgehalten hat, bekommt sein Abitur. Darin steht dann nur noch ein kurzer Text über Sozialverhalten und kommunikative Fähigkeiten (wie in der 1. Klasse) - natürlich nur das positive.

Universitäten und künftige Arbeitgeber müssen dann einfach komplett auf Eignungsprüfungen / Einstellungstests etc. setzen, um herauszufinden, ob trotz der Schulbildung mit den Leuten etwas anzufangen ist.

Aber wer braucht schon qualifizierte Leute - Flughäfen kann man doch auch ohne total sexy bauen. Und 100% umweltfreundlich, keinerlei Kerosinabgase mehr ;-)

4 Wochen Vorbereitungszeit für die mündliche Prüfung?!?

Ich habe in Berlin Abi gemacht. Mündliche Abiprüfung: Vorbereitungsraum, Prüfungsfragen bekommen, 20 min. Zeit, sich vorzubereiten (unter Aufsicht). Nix mit googlen oder so.

Da ich Mathe LK hatte, kann ich mir auch nicht so recht vorstellen, was das für Abiaufgaben sein sollen, die man 4 Wochen lang vorbereiten und dann "präsentieren" soll.

@Bruno Büffel: Das mit Hamburg und NRW kapier ich nicht. Wo hat Martenstein denn das behauptet?

Es handelt sich da um eine sog. Präsentationsprüfung. Ganz BWL-gestreamlined dürfen die Buben und Mädchen sich da von jemandem, der sich auskennt, eine Powerpoint-Präsentation basteln lassen, die sie dann vorstellen müssen. Ganz ohne Fachkenntnis geht das allerdings auch nur, wenn die Prüfer kläglich versagen.

@ hafensonne:

@ hafensonne:
Herr Martenstein schrieb:"Ein Bildungsforscher, Hans Peter Klein, hat eine Abiturklausur des Leistungsfaches Biologie aus Nordrhein-Westfalen, nur so zum Spaß, einer neunten Klasse vorgelegt. "
Der Link in diesem Satz verweist aber auf die Situation in Hamburg.
Herr Martenstein hat sich also entweder vertan oder der entsprechende Hinweis auf NRW ist einer Kürzung zum Opfer gefallen.

Wissen ist wie Werbepause - wie das?? Ganz einfach - gewußt, wie: Die Schwarmintelligenz ist unterwegs. Vor 6 Jahren gab es eine interaktive TV-Show mit G. Jauch: "Die Weisheit der Vielen". Sie basierte auf der (aus US-Finanz- und Statistikerkreisen hochgelobten) angeblichen "Wisdom of Crowds", der zufolge die Mehrheit der Beteiligten sich zielgenau (statistisch gemittelt, natürlich) auf die richtige Lösung zubewegt. Die letzte Quizfrage betraf das "Andenhörnchen" - und dazu 4 durchaus gleichwertig und plausibel erscheinende Antworten. Man hätte also (bei 130.000 Antworten) eine Verteilung um 4 x 25% erwarten dürfen. Heraus kam die richtige Antwort mit über 32% - alle anderen lagen somit deutlich unter 25%. Wieso? Der Sender hatte, nachdem die Frage gestellt worden war, eine Werbepause von 6 Minuten zwischengeschaltet - genug Zeit für einen kleinen Googlehupf, den über 7% genutzt hatten. Heutzutage läge - unter gleichen Bedingungen - die richtige Quote bei 80-90%. O Tempora, o mores, o mora instruendi ...

Unterschiedliche Erfahrungen:
"Es gibt, eigentlich ganz wie gewohnt, auch diesmal eine sehr gute Zensur für die Klassenarbeit.

Unglaublicher Weise entwickelt sich jedoch trotzdem eine ziemlich miese Laune und auch der Heimweg dehnt sich länger als an anderen Tagen. Als sei im Schulranzen eine unbestimmte, bedrückende Unsicherheit mit unterwegs.

Diese Klassenarbeit wird den Eltern jedenfalls erst einmal nicht gezeigt. Sie wird schleunigst weggepackt und, beinahe wie zufällig[...]"

http://bit.ly/1qmUHGs

Zitat Martenstein: "Die

Zitat Martenstein: "Die Regierung sollte Geld drucken und jedem Bundesbürger eine Million Euro in die Hand drücken."
Die Ökonomie der Schulzensuren lebt von der Ungleichverteilung der Noten. Genau so wie die Ungerechtigkeit des Finanzsystems davon lebt, dass den Bonusbankern und den Spekulanten, die gerade Pleite gegangen sind, staatlicherseits das Geld in den Rachen geworfen wird, um sich zu sanieren, während die Mehrheit dafür mit Geldzuwendungen knapp gehalten wird.
Das dahinter stehende Machtprinzip ist grundsätzlich die Willkür, egal ob die Zuwendung nun in Geld oder in der Zensurengebung liegt; der Verteiler kann daraus einen Sozialismus machen, er kann das ideelle Gut nach Zufall erteilen oder an irgend ein erwünschtes Verhalten knüpfen - egal was es ist.

Man sollte vielleicht die Verhältnisse umkehren, die Bonusbanker werden statt mit Geld nur noch mit Zensuren beglückt und die Schüler erhalten dafür Geld, wenn sie fleißig ins Internet gehen oder für das, was sonst noch so für Schulwissen gehalten wird. ^^

Obwohl der Nachwuchs immer schlechter wird, schreitet der technologische Fortschritt und der allgemeine Wohlstand stetig voran. Wie kann das sein, bei soviel Bildungsferne? Opa konnte vielleicht noch im Kopf multiplizieren, die heutigen Kinder können dafür Software programmieren. Ich kann zwar sehr gut verstehen warum man an alten Bildungsidealen festhalten möchte, doch bin ich gespannt was die Zukunft bringt – auch durch copy&paste entstehen eigenständige Sachen.

Als jemand, der Informatik studiert und später auch noch zusätzlich in einer Ausbildung genossen hat, frage ich mich, wie man anständig programmieren will, wenn man die Grammatik der verwendeten Sprache(n!) nicht beherrscht - auch der Debugger hilft da nicht in jedem Fall, zumindest ist es ein erheblicher Mehraufwand, wenn man das jeder Programmiersprache innewohnende Regelwerk bei Schreibung und Zeichensetzung nicht beherrscht. Ein Großteil dessen, was viele Schüler unter Programmieren verstehen, beruht genau auf Copy& Paste - nämlich dem Zusammensetzen von Bausteinen. Das ist kaum Programmieren zu nennen.
Und mitnichten geht es um das Beherrschen von Kopfrechentechniken um des Kopfrechnens willens - es geht im Kern um das Erfassen und Beherrschen der algebraischen Strukturen. Und hier ist der Wissensverlust immens.
Genausowenig ersetzt Copy& Paste das eigenständige, tiefgründige Erfassen von Texten, Argumentationsstrukturen, Metaphern usw., um diese dann auch selbst anwenden zu können.
Wenn ich sehe, wie wenig diese Dinge - selbst auf geringem Niveau - auch von Gymnasiasten/ Abiturienten beherrscht werden, wie sich dieser Leistungsabfall zwangsläufig an den Universitäten fortsetzt, so wird mir schon mulmig zumute.

Ich mag die Aufsätze von Herrn Martenstein. Die Berliner Verhältnisse kann man getrost auf NRW übertragen. Aber mit den besseren Zensuren wächst der Stolz. Früher ist man in Jeans nach vorne geschlurft und hat sich sein Abi-Zeugnis abgeholt - und das war es dann. Einige ganz Coole haben es sich nach Haus schicken lassen. Heute wird mit und um das Abi herum die gefühlt zwanzigste Party gefeiert. Die Hauptparty ist ein Total-Event von gekauften Managern gestaltet. Die Mädels sitzen stundenlang beim Friseur, um beim Abi-Promi-Ball so richtig herauszukommen. Und Eltern gehen noch mal zur Tanzstunde, um sich nicht zu blamieren. Also: Inflation bringt doch was - und wenn es nur die Zensureninflation ist, die inzwischen galoppierende Züge aufweist. Wir leben in einer Zeit, in der dick aufgetragen wird. Fast, wie vor hundert Jahren!

ja das Abschreiben ist in Mode.
Stellt sich nur die Frage ob dieser Trend sich von berühmten Abschreibern (div.Minister, Abgeordnete und sicher viele andere) auf den Weg in die Schulen gemacht hat oder umgekehrt:
das eben dieses Abschreiben als Grundfertigkeit in der Schule erworben und dann eben nur weiter beibehalten wurde.

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