ZEITmagazin Das neue Heft – im Video durchgeblättert

ZEITmagazin Nr. 33/2014

Die Themen im neuen ZEITmagazin

Sie nennen ihn Maniak, den Irren: In Russland wütet ein Serienmörder. Warum kann die Polizei ihn nicht fassen?

Habt ihr russischen Einwandererkinder einfach mehr Drive als wir müden Deutschen? 99 Fragen an die Moderatorin Palina Rojinski

ZEITmagazin 33/2014 © ZEITmagazin

Außerdem:
Martenstein fordert: Weniger Geld für Bildung!
Josefsohn im Plattenladen
Unabhängige Zeitschriften auf der Deutschlandkarte
Eine Gesellschaftskritik über ungeliebte Tattoos
Produzent Giorgio Moroder träumt Zukunftsmusik
Karotten à la Hollywood im Wochenmarkt
Willy Bogners Rettung durch Niederlagen

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Kommentare

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So, nun zum Thema: Lieber Harald Martenstein, wie immer sprechen Sie mir aus der Seele! Quo vadis, Bildungspolitik?, fragen wir uns mittlerweile nicht mehr nur noch in Hessen.
Damit wir uns nicht missverstehen: Ich verstehe mich als Linke und hatte durchaus den Anspruch in den vergangenen 20 Jahren, in denen ich als Lehrerin tätig war, durch mein Tun die Chancen von Kindern auf persönliches Glück/gesellschaftliche Akzeptanz/beruflichen Erfolg zu erhöhen. Leider musste ich dabei mehrfach gesellschaftlich ungeliebtes Verhalten zurückweisen, wie z.B. Faulheit ("Warum muss ich das aufschreiben? Es gibt doch heute Kopierer?" oder: "Können mir meine Eltern das auch ausdrucken?"), Bequemlichkeit ("So schreibe ich nun mal das r!"), Ignoranz ("Meine Tante hat gesagt, sie kennt das Buch auch nicht!"), Vermessenheit ("Ich will aber Abitur!"), grobe Unhöflichkeit ("Grüßen Sie doch erst mal mich!") und leider auch Dummheit ("Also, ich sehe es so, das Mädchen in der Geschichte, das findet den Wolf total süß und ..."), was nicht immer mit Wohlwollen aufgenommen worden ist.

Nach zwanzig Jahren intensiver Arbeit mit Aleyna/Elyiina, Lara/Laura, Elmir/Elmin und Fürchtegott-Christian (so heißen Kinder heute), auch unter Berücksichtigung des aktuell zur Verfügung stehenden methodischen Instrumentariums, muss ich leider sagen: Je mehr die Schule zu einem Spielball von Lobbyisten-Interessen wird (Der Sportverein: "Keine Hausaufgaben, bitte, sonst kommen die nicht zum Trainieren!", Die katholische Kirche: "Am Religionsunterricht müssen auch Kinder teilnehmen, die kein Wort Deutsch verstehen!", Die Elternverbände: "Unser Kind ist nur im Stress! Wir haben zwei Stunden an der Geschichtshausaufgabe gesessen!",

die Vertreter der Hochschulen: "Nach Studie X müssten sich die Leistungen von Lerngruppe Z signifikant verbessern, wenn zu Beginn jeder Unterrichtsstunde zehn Minuten Fingergymnastik zu Aktivierung der Hirnhälften konsequent durchgeführt wird!", die Bildungsverwaltung: "Damit begeben Sie sich rechtlich in eine Grauzone!", die Bildungsfunktionäre: "Wir fordern, dass für jedes Kind mit Lese-Schwierigkeiten ein Betreuer eingestellt wird!", die Bildungspolitiker: "Wir haben uns dafür entschieden, die Forderung jedes Kind dürfe selbst entscheiden, welchen Abschluss es nach zwölf Jahren Schulzeit erhält, als demokratisches Grundrecht ..." ). Im Rahmen dieses, stark von Einzelinteressen geleitetem Hin und Her geht die (im Ausland hoch angesehene, von einer ehemals sehr klar denkenden Sozialdemokratie eingeführten, reformierte) öffentliche Schule kaputt.
Ja, liebe Bildungspolitiker, in dieser Welt gibt es nun mal Dummheit, Faulheit, Vermessenheit, Verschlagenheit, Trunksucht und Narzissmus! Und Lehrherrn sind schlau: Die merken ziemlich schnell, wenn sie's mit jemandem zu tun haben, der wirklich multiplizieren kann. Natürlich kann der menschlich sehr angenehm sein (tatsächlich sind das viele von ihnen, weil ihre Jugend ja nicht an triviale Tätigkeiten wie Hausaufgaben oder Lesen verschwendet wurde), an die Kasse lässt man ihn trotzdem nicht.