Marianne Faithfull Gefahrensucherin

© Edel Books

Kaum eine Frau steht so für die wilden sechziger Jahre wie die Musikerin Marianne Faithfull. Gespräch mit einer Überlebenden. Von

ZEITmagazin Nr. 37/2014

Im altehrwürdigen Pariser Café de la Rotonde, in Montparnasse, wo schon Pablo Picasso und Ernest Hemingway zu Gast waren, sitzt Marianne Faithfull an einem Spätsommernachmittag im Halbdunkel, gekleidet in einen dunkelgrauen Hosenanzug. Sie ist müde und gereizt nach einem Tag voller Interviews. Hinzu kommen beständige Schmerzen, seitdem sie sich im Urlaub auf Rhodos ihre Hüfte gebrochen hat. Wie zur Tarnung fällt ihr das blondgraue Haar ins Gesicht, neben ihr lehnt ein schwarzer Gehstock mit Silberknauf. Ihr lauernder Blick signalisiert, dass sie am liebsten anderswo wäre, vermutlich in ihrer Wohnung, nicht weit von hier am Boulevard du Montparnasse, in der sie seit einigen Jahren lebt.

ZEITmagazin: Frau Faithfull, welche Frage möchten Sie bitte nie wieder hören?

Marianne Faithfull

67, begann vor 50 Jahren ihre Laufbahn als Sängerin, bald darauf debütierte sie als Schauspielerin. 2007 brillierte sie in dem Film Irina Palm. In Kürze erscheint ihr Album Give My Love to London

Marianne Faithfull: Es wäre toll, wenn man mich endlich nicht mehr mit Mick Jagger behelligen würde! All dieses: "Haben Sie noch Kontakt zu Mick? Waren Sie eigentlich in Keith verliebt? Wann waren Sie zuletzt auf einem Konzert der Rolling Stones?" Bitte nie wieder fragen! Oder, besser noch: Interviewen Sie doch einfach die Rolling Stones und nicht mich!

ZEITmagazin: Werden Sie heute als Musikerin anders wahrgenommen als früher?

Faithfull: Das werde ich tatsächlich, denn seit einigen Jahren wird mir endlich etwas Respekt entgegengebracht. Ich kann gar nicht sagen, wann das genau begann, aber das ist noch relativ frisch. Ich nehme jedenfalls deutlich zur Kenntnis, dass sich die Berichterstattung zu meinen Gunsten verändert hat. Aber, glauben Sie mir, ich habe immer noch mit vielen Idioten zu tun.

ZEITmagazin: Ihr neues Album heißt Give My Love To London ...

Faithfull: Dieser Titel ist natürlich sarkastisch gemeint, das ist Ihnen doch hoffentlich klar, oder?

ZEITmagazin: Warum steht dann im Booklet des Albums, dass Sie sich "erneut in London verliebt" hätten?

Faithfull: (Lacht laut) Ach ja, den Typen, die das da reingeschrieben haben, fällt es schwer, sich damit abzufinden, dass ich London nicht ausstehen kann. Na ja, solange ich dort nicht mehr leben muss, ist es okay.

ZEITmagazin: Sie wohnen seit einiger Zeit in Paris ...

Faithfull: ... und in Irland.

ZEITmagazin: Wie teilen Sie die Zeit zwischen Ihren Wohnsitzen auf?

Faithfull: Das geht Sie, verdammt noch mal, überhaupt nichts an! Das ist privat. Wo ich mein Leben verbringe, betrifft nur mich allein. Aber lassen Sie es mich mal so sagen: Die Mischung aus Paris und Irland ist das Interessante für mich. Merken Sie sich trotzdem eines: Ich werde mich hier von Ihnen auf gar nichts festnageln lassen, damit das mal klar ist!

Die Fotos sind dem Band "Marianne Faithful: Bilder meines Lebens" entnommen, der am 7. Oktober bei Edel Books erscheint © Edel Books

ZEITmagazin: Wenn Ihnen London so zuwider ist, warum haben Sie dann Ihr neues Album dort aufgenommen?

Faithfull: Weil man dort die besten Musiker und Studios zur Verfügung hat. Alles, was man benötigt, um gute Musik einzuspielen, findet man in London. Paris hat dafür die Mode.

ZEITmagazin: Nehmen Sie das Modeleben in Paris wahr?

Faithfull: Ich wurde gerade eingeladen und mit irre viel Geld gelockt, um mit der jungen Britin Anna Calvi auf einer Show von Chloé aufzutreten. Ein toller Deal, weil ich Geld und obendrauf noch was zum Anziehen bekomme.

ZEITmagazin: Was bedeutet Ihnen Mode?

Faithfull: Mode war für mein Leben nie wichtig. Allerdings liebe ich schöne Dinge zum Anziehen. Wenn sie mir über den Weg laufen, bin ich begeistert – aber ich brauche sie nicht. Was gerade en vogue ist und was nicht, das war mir schon immer herzlich egal.

ZEITmagazin: Wer sind Ihre Favoriten unter den Modemachern?

Faithfull: Dieser Tage sind das Hedi Slimane, Azzedine Alaïa und ganz besonders Karl Lagerfeld. Der ist wirklich ein Genie und ein guter Freund.

ZEITmagazin: Auf der neuen Platte haben Ihnen befreundete Songwriter wie Nick Cave und Roger Waters geholfen. Wie kam das zustande? Haben Sie die einfach angerufen?

Faithfull: Die sind alle gute Freunde. Nick hat einen Song für mich gemeinsam mit seinen Zwillingssöhnen geschrieben. Das hat mich sehr gerührt. Er hat vorher noch nie mit seinen Söhnen etwas komponiert. Das ist doch nett, oder?

ZEITmagazin: In Texten mit Zeilen wie "And if I was to die then, I wouldn’t really care" reisen Sie in Ihre turbulente Londoner Vergangenheit zurück, in die dunklen Jahre der frühen Siebziger, die Zeiten von Drogenabstürzen und Obdachlosigkeit.

Faithfull: Nein, nein, nein! Ich lebe voll und ganz in der Gegenwart! Lesen Sie aus meinen Texten, was Sie wollen, bitte sehr! Aber ich habe mit meiner Vergangenheit längst meinen Frieden gemacht und betrachte sie als abgeschlossen.

ZEITmagazin: Aber wenn Sie mal in London unterwegs sind, um zum Beispiel eine Platte aufzunehmen, überwältigt Sie da an manchen Orten nicht doch die Vergangenheit?

Faithfull: In Ordnung, ja, in London holt mich meine Vergangenheit schon mal ein. Was meinen Sie denn, warum ich einen großen Bogen um diese Stadt mache? London ist ja ein toller Ort, das Problem bin ich. So ist das nun mal. Wenn ich in Soho bestimmte Straßen entlanggehe, kommt alles zurück, das sogenannte Swinging London, aber auch die dunkle Zeit danach, und mir wird ganz schummrig, ja! Zufrieden? Denn natürlich sind es meistens keine schönen Erinnerungen. Es sind Geschichten, von denen ich nichts mehr hören möchte.

ZEITmagazin: Wie wichtig ist der finanzielle Erfolg Ihrer Platten?

Faithfull: Der bedeutet viel für mich, denn davon bestreite ich meinen Lebensunterhalt. Was Kritiker von meinen Platten halten, ist mir letztlich irre egal. Wichtig ist, dass ich mit meinen Alben etwas Geld verdiene. Von Haus aus hatte ich nämlich nie ein Vermögen, für alles, was ich besitze, habe ich gearbeitet. Meine einzige beständige Einnahmequelle sind seit langer Zeit die Tantiemen, die mir für die Mitarbeit an dem Rolling-Stones-Song Sister Morphine zustehen. Aber auch das ist ja kein Geschenk, sondern das Resultat meiner Arbeit. Das brachte mir früher regelmäßig anständige Beträge, in den vergangenen Jahren ist auch das ganz schön zurückgegangen. Aber ich komme schon zurecht.

ZEITmagazin: Sie mögen es nicht, eine "Überlebende" genannt zu werden. Warum eigentlich nicht?

Faithfull: Mit "Überlebenden" bringe ich eher Menschen in Verbindung, die dem Holocaust entkommen sind. Von solchen Dramen ist meine Biografie nun wirklich sehr weit entfernt. Okay, ich habe schwierige Zeiten durchlebt und sie überstanden. Das war wirklich kein großes Verdienst. Das Einzige, was man vielleicht daraus ableiten kann, ist, dass ich wohl eine gewisse innere Stärke habe. Also gut, ich bin stark.

ZEITmagazin: Wenn man Ihre Biografie liest, in der von Krankenhausaufenthalten und einem Selbstmordversuch die Rede ist, staunt man schon, dass Sie noch unter uns weilen.

Faithfull: Es liest sich wahrscheinlich ziemlich heftig, aber für mich war es einfach die Realität und deshalb nichts Besonderes. Ich habe das alles erlebt und überlebt, und es ging dann immer weiter. Dass ich das als normal empfinde, ist für Außenstehende vielleicht schwer nachzuvollziehen. Waren Sie schon mal in lebensbedrohlichen Situationen?

ZEITmagazin: Nein.

Faithfull: Dann wissen Sie auch nicht, ob Sie nicht vielleicht in manchen Lebenslagen genauso gehandelt hätten wie ich. Sie werden es auch hoffentlich nie herausfinden. Mein Überleben ist jedenfalls nichts, womit ich angebe.

ZEITmagazin: Sie begehen in diesem Jahr Ihr 50. Bühnenjubiläum. Erinnern Sie sich an Ihren ersten Auftritt?

Faithfull: Ja, und zwar ganz genau. Das war 1964, ich war auf Tour mit den Hollies, Freddie and the Dreamers und ähnlichen Beatbands. Der Start war in London, im Apollo Theatre am Hammersmith Broadway. Das ist mir unvergesslich, denn ich hatte nur meine Stimme und eine Gitarre zu bieten, mein Programm bestand aus Songs von Joan Baez. Mein Auftritt war auf exakt acht Minuten begrenzt. Tito Burns, damals einer der großen, einflussreichen Konzertpromoter in London, hörte mich an jenem Abend und war so angetan, dass ich bei den folgenden Auftritten immer 15 Minuten zugesprochen bekam.

ZEITmagazin: Waren Sie bei Ihrem ersten Auftritt nervös?

Faithfull: Ich war noch nie in meinem Leben nervös! Als ich sang, war es in der Halle so leise, dass man eine Stecknadel fallen hören konnte. Auf genau so eine Chance hatte ich mein Leben lang gewartet.

ZEITmagazin: Sie sind im feinen Londoner Stadtteil Hampstead Heath aufgewachsen. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Faithfull: Das Beste an meiner Kindheit war meine Großmutter, Granny Faithfull! In meiner Wohnung hier in Paris, am Boulevard du Montparnasse, hängt über meinem Bett noch ein Stickbild, das Granny Faithfull für mich gemacht hat. Sie war es auch, die mich in das Musical West Side Story mitnahm, was mein Leben stark beeinflusste. Ich war acht und wollte unbedingt auch auf so einer Bühne stehen und singen, tanzen, Dinge aufführen! Aber das wusste damals niemand außer Granny und mir. Und ich hatte nie den Hauch eines Zweifels, dass ich das könnte. Ich war geboren für diesen Job!

ZEITmagazin: Haben Sie eine musikalische Ausbildung?

Faithfull: Nur die aus der Schule. Da bekam ich Gesangsunterricht und lernte, Noten zu lesen. Ich habe auch im Kirchenchor gesungen.

ZEITmagazin: Hatten Sie neben der Karriere als Sängerin noch einen Plan B?

Faithfull: Ich hatte noch nie irgendeinen Plan! Als Teenager wollte ich später Philosophie, Literatur und spannenden esoterischen Kram studieren. Da ich ja außerdem schon früh wusste, dass meine Stimme ganz hübsch ist, war der Besuch einer Musikhochschule mit anschließender Karriere als Operndiva auch eine Option. Mozart zu singen – das wäre ein Traum gewesen!

ZEITmagazin: Kommen da Ihre österreichischen Gene ins Spiel?

Faithfull: Man muss ja wohl kaum Österreicherin sein, um Mozart zu mögen!

ZEITmagazin: Das ist wohl wahr. Ihre Mutter war Eva Hermine von Sacher-Masoch, Ihr Großonkel Leopold von Sacher-Masoch, auf den der Begriff des Masochismus zurückgeführt wird.

Faithfull: Ich will meine österreichische Herkunft auch gar nicht verleugnen, im Gegenteil, ich bin sehr stolz auf sie! Ich habe ja theoretisch sogar einen Titel, bin eine "von Sacher-Masoch". Ich bin aber keine Baronin, wie oft fälschlich geschrieben wird, sondern ein "Ritter". Aber ich würde diesen Titel nie benutzen.

ZEITmagazin: Haben Sie noch Familie in Österreich?

Faithfull: Nein, die sind alle tot. Meine Cousine Barbara war die Letzte, aber die lebt auch schon lange nicht mehr.

ZEITmagazin: Verstehen Sie eigentlich Deutsch?

Faithfull: (Auf Deutsch) "Ja, ich verstehe." Ich kann Deutsch nicht mehr wirklich sprechen, aber fließend lesen. Was Sie über mich schreiben werden, kann ich also verstehen. Als Kleinkind in Wien lernte ich Deutsch von meiner Mutter und meinen Großeltern. Aber dann gingen wir nach England, der Heimat meines Vaters, wo meine Mutter noch lange versuchte, meine Deutschkenntnisse aufrechtzuerhalten. Aber ich weigerte mich, weil ich eben ein Kind war. Ich wollte keine Sprache können, die aus dem Rahmen fiel. Kinder haben Angst, anders zu sein, insbesondere Mädchen. Aber davon haben Sie ja ohnehin keine Ahnung ...

ZEITmagazin: Doch! Meine Tochter ist elf.

Faithfull: Ah, dann ist sie süchtig nach Rosa, oder?

ZEITmagazin: Das ist ausgestanden. Jetzt sind Schwarz, Lila und Dunkelblau angesagt.

Faithfull: Meine Enkelin ist zwei Jahre alt, der habe ich gerade einen Berg Anziehsachen und Bilderbücher gekauft: alles in Pink! Aber natürlich das coole Dunkelrosa, nicht das hässliche grelle Pink. Wolljacken in Dunkelrosa, ein Traum! Das habe ich in einem Riesenpaket meinem Sohn Nicholas geschickt.

ZEITmagazin: Verstehen Kinder ihre Eltern besser, je älter sie werden?

Faithfull: Das ist wohl so. Für meine Mutter empfinde ich heutzutage großes Mitgefühl. Mit genügend Abstand werden die Handlungen und Haltungen der eigenen Eltern sehr viel verständlicher. Mein Sohn lässt jetzt auch mir gegenüber Milde walten. Unser Verhältnis war lange schwierig, ist aber zum Glück inzwischen sehr eng. Er ist 48, und es dämmert ihm, dass auch ich immer mein Bestes gegeben habe. Das freut mich natürlich, denn ich liebe Nicholas sehr. Ich würde ihn allerdings genauso lieben, wenn er kein Verständnis für mich hätte. Lange Zeit war er sehr wütend auf mich. Damals, in den frühen Siebzigern, als es mir nicht so gut ging, musste er ohne mich klarkommen, gleichzeitig wurde ihm lange ein ganz falsches Bild von mir vermittelt. Aber jetzt fragen Sie mich bloß nicht, welches!

ZEITmagazin: Sie galten als große Gefahrensucherin der Popkultur. Alles Verbotene probierten Sie aus. Gegen so eine Mutter konnte Ihr Sohn nicht rebellieren, oder?

Faithfull: Drogen haben ihn zum Glück nie gereizt. Aber er hat schon seine Wege gefunden, mich auf Trab zu halten.

ZEITmagazin: Wäre Ihr Leben anders verlaufen, wenn Sie 1964 nicht auf diese legendäre Party gegangen wären, auf der Sie Andrew Loog Oldham trafen, den Manager der Rolling Stones, der Sie dann unter seine Fittiche nahm – und Sie mit Mick Jagger bekannt machte?

Faithfull: Natürlich, alles wäre anders gewesen! Oh, ich erinnere mich an die Party, als wäre es gestern gewesen. Und all die tollen, wilden Dinge, die über diese Party geschrieben wurden, sind wahr! Es war traumhaft. Ob sie mir guttat? Keine Ahnung. Aber sie veränderte unzweifelhaft den Lauf meines Lebens. Damals projizierten viele Plattenfirmenmenschen und Produzenten das Bild, das sie von mir hatten, auf mich. Ich war zu jung, um mich dagegen zu wehren, ich war ja erst 17, als ich bekannt wurde. Wie auch immer: Der Song As Tears Go By, den Keith Richards und Mick Jagger damals für mich geschrieben hatten, war schon ein besonders tolles Stück.

ZEITmagazin: Wie kam es dazu, dass Sie den berühmten Rolling-Stones-Song Sister Morphine mitschrieben?

Faithfull: Der Song brauchte sechs Monate. Mit der Melodie hatte Mick ewig herumgespielt, aber er kam nicht wirklich voran damit. Ich registrierte das, hielt mich aber raus und dachte mir, wenn er einen Tipp will, muss er mich schon fragen. Irgendwann nervte mich die verdammte halbfertige Melodie aber dann doch so sehr, dass ich einfach einen Text dazu schrieb. Er erzählte von einem Mann, der einen Autounfall hat, in ein Krankenhaus kommt und nach immer mehr Morphin verlangt. Und tatsächlich gefiel Mick dieser Text.

ZEITmagazin: Nach Ihrer Trennung von Mick Jagger und langjährigen, heftigen Drogenabstürzen kehrten Sie Ende der Siebziger mit dem Album Broken English eindrucksvoll ins Rampenlicht zurück. Die Musik darauf, haben Sie einmal gesagt, sei von "großer Wut" motiviert gewesen. Von einer Wut, die Sie auch bei Ulrike Meinhof ausmachten, der Sie das Album widmeten. Woher kam Ihr Zorn?

Faithfull: Ach, Ulrike Meinhof. Ich glaubte zu ahnen, was sie antrieb, und das löste mein Mitgefühl aus. Die Wut auf die Welt saß tief in uns beiden drin. Sie entschied sich, diese Energie in Form von Gewalt rauszulassen und Menschen zu töten, während ich die Wut in Songs kanalisierte, um vielleicht Menschen zum Grübeln zu bringen. Und, ja, ich zelebrierte diese Wut. Ich werde Ihnen jetzt nicht im Detail verraten, woher meine Wut kam. Eines Tages war sie nun mal da. Glauben Sie jetzt nicht, dass ich eine unglückliche Kindheit hatte, sie war herrlich. Gut, von ein paar Kleinigkeiten abgesehen, wie etwa, dass meine Mutter zu viel trank.

ZEITmagazin: Rettete Broken English Ihnen dann nach all den Abstürzen Ihr Leben?

Faithfull: Unbedingt. Da konnte ich zum ersten Mal ausdrücken, was ich wirklich dachte, ich war ganz bei mir. Und das einzige Land, in dem ich damals dafür ernst genommen wurde, war Deutschland. Dafür liebe ich es bis heute!

ZEITmagazin: Fällt es Ihnen schwer, Ihr öffentliches Leben zu ertragen?

Faithfull: Mein Leben ist schon ewig sehr öffentlich, ziemlich genau ein halbes Jahrhundert, also ist das längst kein Problem mehr für mich, ich bin ja nichts anderes gewohnt. Was man nicht kennt, kann man nicht vermissen. In dem Moment, in dem mich Andrew Oldham auf jener Party entdeckte, endete meine private Existenz.

ZEITmagazin: Haben Sie sich große Geheimnisse bewahren können?

Faithfull: Oh ja, gewaltige Geheimnisse. Dinge, die wohl nie einer erfahren wird. Zum Glück!

ZEITmagazin: Sie gehen demnächst auf Tournee. Stimmt es, dass das Ihre letzte Konzertreise sein soll?

Faithfull: Das ist wohl so. Nach dieser Tournee werde ich vielleicht noch ein oder zwei Mal im Jahr irgendwo auftreten, aber mit dem Herumreisen wird dann Schluss sein. Vergessen Sie nicht, dass ich bald siebzig sein werde. Ich habe wirklich genug erlebt.

Kommentare

6 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Was ist denn an diesen typen hart, das sie sich dem drogenrausch hingaben, im Luxus lebten, während jeder andere junkie am rande der Gesellschaft lebt?
Ich erkenne da keine Härte, nicht bei enschen die aus wohhabenden Verhältnissen kommen in den drogen sumpf abgetauchen und dann gefeiert werden als hätten sie die Härte, die sie selbst verschuldet haben neu erfunden.
Was richtige Härte ist haben eine Menschen nicht erlebt, sonst würde das Interview nicht so von Arroganz strotzen.