Deutschlandkarte Pilzvergiftungen

Von
ZEITmagazin Nr. 41/2014
© Jörg Block

In diesem Jahr ist bislang in ganz Nordamerika genau ein Mensch von einem Bären getötet worden. Gemessen an der Zahl der Schilder, die in den Wäldern dort vor Bären warnen, ist das eine niedrige Zahl. In deutschen Wäldern stehen üblicherweise keine Schilder, die vorm Pilzesammeln warnen. Obwohl doch relativ viel schiefgeht dabei: Münchener leben, siehe oben, besonders gefährlich, der naturliebende Großstädter scheint ein Problem zu sein. Pilzsammler sagen interessanterweise auch, sie "gehen in die Pilze". Das klingt wie "ins Wasser gehen", fast schon selbstmörderisch. Zwar enden die wenigsten Pilzvergiftungen tödlich, aber die Faszination des Todes spielt immer mit: Kinder zeigen sich begeistert von Grünen Knollenblätterpilzen und Fliegenpilzen, Pfifferlinge lassen sie kalt. Pilze sind für den Mitteleuropäer das, was für Japaner der Kugelfisch ist, für Amerikaner der Grizzly, für Australier der Hai: eine Prise Gefahr, die dem langweiligen Sonntagsausflug einen angenehmen Thrill verleiht.

9 Kommentare

Die armen Pilze!

Die armen Pilze!
Netter Kulturvergleich. Und doch fällt ein Unterschied auf, was die genannten Fressfeinde des Homo sapiens angeht. Kugelfische, Grizzlys und Haie sind, dem Vernehmen nach, im Ernstfall erheblich wehrhafter als die friedlichen Pilze und verfügen über Zähne und Klauen. Ein Ausweichen ist für den Kicksuchenden nicht immer möglich. Der Pilz aber leistet keinerlei Widerstand, selbst wenn er angegriffen wird. Man könnte ihn einfach stehen lassen. Wen's andernfalls dann später erwischt, sollte nicht so ein Gewese machen. No risk, no fun.

Einfache Regel: Was ich nicht kenne, nehme ich nicht. Wo Verwechslungen leicht möglich sind, nehme ich sie nicht. Wo auf Grund von Jugendstadium etc. bestimmte Merkmale noch nicht ausgeprägt sind, nehm' ich nicht....
Was mich also wirklich interessiert hätte: Was für Pilze verursachten die Vergiftungsfälle? Da wäre für den Leser ein Erkenntnisgewinn möglich gewesen.

Man erwartet von der ZEIT eigentlich einen etwas gehobeneren Journalismus - auch wenn er, wie hier, bloß unterhaltsam sein soll. "Pilze sind für den Mitteleuropäer das, was für Japaner der Kugelfisch ist, für Amerikaner der Grizzly, für Australier der Hai." Das ist nun wirklich ein unsinniger Vergleich. Mit einem 'Thrill' hat es wohl kaum etwas zu tun, wenn Leute Pilze sammeln, ohne sich aus zu kennen. Das ist schlicht leichtsinnig.

In den USA wird übrigens nur in National Parks vor Grizzly Bären gewarnt, vorausgesetzt es gibt dort welche.

Nebenbei: Das Korrekturlesen spart man sich wohl auch bei der ZEIT. Das Wort "nötigte" sollte wohl "benötigte" heißen.

Wie schön. Ein Journalist versucht was.
Wenn in München 13 Menschen wegen möglicher (!) Pilzvergiftung behandelt wurden und in (als willkürliches Beispiel) Warendorf 2, dann ist es für einen kleinen Journalisten natürlich in München gefährlicher. Schließlich kommt da in Warendorf ein Fall auf 18.500 Einwohner, während in München 108.000 Einwohner auf einen Fall kommen.
Mal ganz abgesehen davon, dass es in München (was in Warendorf existiert weiß ich aber nicht) im Klinikum Rechts der Isar eine Abteilung für Klinische Toxikologie gibt, die wird auch aus dem Umland "bedient".
[Dass es in Berlin statistisch noch weniger sind, hat diesbezüglich nichts zu sagen. Der Satzteil "Münchener leben ... besonders gefährlich" ist einfach journalistisch zwar normal, aber eben trotzdem "sehr seicht".]
"Pilzsammler sagen interessanterweise auch, sie "gehen in die Pilze". " Na ein echter Münchner wird dies sicher nicht sagen, liegt es daran? ;-)

Auch bei - eventuell - nicht ganz ernsthaften Beiträgen sollte man zumindest sich ein bisschen anstrengen, Niveau zeigen und den Schein der Sorgfalt waren.

Die Bevölkerungsgrößen der Städte nicht mit in die Statistik einzubeziehen kann nur mit völliger Unbedarftheit oder Absicht erklärt werden. Weiter hätte es natürlich auch noch einer Evaluierung (natürlich für jede genannte Stadt) bedurft wie oft man Pilze sammeln geht oder zumindest wie beliebt Pilzgerichte sind.
Der Gedanke, daß die Großkliniken die Fälle aus dem Umland abziehen ist übrigens sehr gut.

Wieso hat das mit Berlin nichts zu sagen? Weil es in und um Berlin keine Pilze gibt? Irrtum. Weil die keiner sammelt? Ebenfalls Irrtum. Weil das Umland seine eigenen Spezialabteilungen hat und die nicht nach Berlin schickt? Noch ein Irrtum. Was wird es also sein? Das ist immerhin das Fünffache, relativ gesehen!

Und um das noch einmal zu präzisieren:
Die Karte spricht von BEHANDELTEN SCHWEREN Pilzvergiftungen, nicht von möglichen.
Für Bayern gibt die Karte, wenn ich mich nicht verzählt habe, 67 schwere Vergiftungen an. Macht 1 Fall pro 185.000 EW. Für Berlin / Brandenburg sind es 15, also 1 Fall pro 400.000 EW. Damit ist der Faktor Bevölkerungsgröße der Stadt genauso eliminiert wie der Faktor, dass ins Einzugsgebiet der Großklinik gegangen wird. Es bleibt das Phänomen, dass dies in Bayern mehr als doppelt so viele betrifft wie in Berlin / Brandenburg. So ganz will das klassische Bayerndenken hier also nicht greifen.
Da, wie geschrieben, auch in Berlin/Brandenburg viel gesammelt wird, kann es daran also auch nicht liegen. Um diese Zeit sieht man Karawanen mit Körben aus den Wäldern ziehen.
Meine Vermutung geht in eine ganz andere Richtung, die weniger mit dem Gedanken wir haben die Größte (Klinik im Umland) zu tun hat: Liegt es daran, welche Pilze gesammelt werden?

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