Antisemitismus Ohne mich

Eine Berlinerin jüdischer Abstammung zieht nach Israel. Wegen der Liebe. Das hören die Menschen gerne. Leider gibt es noch einen unangenehmeren Grund. Von

ZEITmagazin Nr. 50/2014

Warum ich nach Israel gehe, fragen mich die Menschen, und dabei gucken sie komisch. Immer anders komisch. Manche gucken irritiert, manche angegriffen, und wieder andere schauen verängstigt. Aber immer auf eine sonderbare Weise. Sie reagieren niemals normal irritiert oder normal angegriffen oder normal verängstigt. Und wenn ich ihnen dann antworte, dann tue ich das genauso sonderbar wie sie. Nie gewöhnlich, sondern immer außergewöhnlich. Ich antworte außergewöhnlich beruhigend. Außergewöhnlich angstnehmend. Und außergewöhnlich entschärfend.

Ich sage als Erstes, dass ich aus verschiedenen Gründen nach Israel gehe. Ich fange mit den verständlicheren an, weil ich hoffe, dass ich dadurch Empathie erzeuge. Ich sage, ich gehe nach Israel, weil dort ein Teil meiner Familie lebt und wegen der Liebe. Und daraufhin entspannen sich allmählich ihre Gesichter.

Dann sage ich, ich habe im Sommer den Mann meines Lebens kennengelernt. Ich sage, wir heiraten im Juni in Israel. Und dann kann ich in den Gesichtern so etwas wie Hoffnung entdecken, und wenn die Gesichter dann weich und voller Hoffnung sind, offen und warm, dann sage ich, dass diese Gründe aber nicht die einzigen sind, sondern dass ich nach Israel gehe, weil ich den Antisemitismus in diesem Land nicht mehr ertrage, dass der Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist und dass ich nicht mehr mit diesen komischen Gesichtern konfrontiert werden will, wenn ich sage, dass ich nach Israel gehe, oder wenn ich sage, dass ich in Israel war, oder wenn ich sage, dass ich jüdische Wurzeln habe. Dann verschwinden sofort die Hoffnung und die Sehnsucht und die Weichheit aus ihren Gesichtern, und diese drei Emotionen werden von Härte und Abwehr abgelöst.

Aber nicht nur die Gesichter verändern sich, sondern auch die Stimmen der Menschen. Sie werden tief und distanziert. Und die Menschen sagen, dass das doch Blödsinn sei, und fragen mich, wie ich auf so etwas überhaupt komme. Dann erzähle ich jedes Mal von einem Vorfall, immer von einem anderen. Einfach weil es in den letzten zehn Jahren so viele antisemitische Vorfälle in meinem Leben gegeben hat und weil ich ein bisschen Abwechslung in meine eigene Geschichte bringen will. Sonst fange ich noch an, mich mit mir selbst zu langweiligen.

Ich verstehe, dass sie nicht anders können, weil es eben keinen Antisemitismus geben darf. Nie wieder – das haben die Deutschen gelernt

Letztens erzählte ich also einem Arbeitskollegen, der am liebsten Acne-Jeans trägt, während er auf seinem Eames-Stuhl in seiner Wohnküche in Mitte sitzt, dass ich vor einem Jahr ein Date mit einem deutschen Schauspieler hatte und dass ich dann dieses Date beenden wollte, ohne mit diesem Schauspieler Geschlechtsverkehr zu haben. Und dass dann dieser Schauspieler begann, mich zu beschimpfen, weil ich nicht mit ihm in seine Eigentumswohnung kommen wollte, die man schon beim Promi Dinner bewundern durfte. Er dachte, diese doofe Journalistin will doch bestimmt auch mal in meine tolle Promi Dinner- Wohnung, aber das wollte ich eben nicht. Und weil ich mich für seine Promi Dinner- Wohnung nicht interessiert habe, hat er mich als dreckige, hässliche Jüdin bezeichnet. Mitten in einer verkehrsberuhigten Zone in Prenzlauer Berg, in der sonst Kinder Bionade trinken und Skateboard fahren.

Nachdem ich mit meiner Geschichte fertig war, antwortete mir der Arbeitskollege, dass dieser Schauspieler doch gar kein Antisemit sei, sondern nur enttäuscht gewesen sei. Gekränkte Männlichkeit, sagte der Arbeitskollege. Und als ich ihn dann fragte, ob es auch gekränkte Männlichkeit wäre, wenn er mich als dumme Negerschlampe bezeichnet hätte, sagte er, nein, das wäre natürlich Rassismus. Verstehe, antwortete ich. Ich antworte "verstehe", weil ich es wirklich tue. Ich verstehe, dass sie nicht anders können, weil es eben keinen Antisemitismus geben darf. Nie wieder Antisemitismus – das haben die Deutschen jetzt 70 Jahre lang gelernt. Und weil es keinen Antisemitismus geben darf, gibt es eben auch keinen. So einfach ist das für die Menschen.

Manchmal sagen sie sogar, aber Mirna, selbst die Israelis verlassen ihr Land und kommen nach Berlin. Selbst die Israelis! Und das machen die Menschen ja gerne, Israelis und Juden für ihre argumentativen Zwecke benutzen. Sie haben ja auch im letzten Sommer während des Gazakrieges am liebsten Gideon Levy und Amira Hass zitiert, zwei sehr, sehr linke Journalisten aus Israel, die die Besatzung und die israelische Regierung aufs Schärfste kritisieren. Die Menschen haben gesagt, die Israelis selbst kritisieren den Umgang mit den Palästinensern, dann muss ich das ja wohl auch dürfen, dann kann das unmöglich Antisemitismus sein, wenn ich das tue.

Ich rolle dann immer mit den Augen und sage, ja, ich weiß. Ich weiß, dass mittlerweile mehr als 20 000 Israelis in Berlin leben. Ich weiß, dass es diese Facebook-Seite Olim le Berlin gab, die von einem in Berlin lebenden Israeli gegründet wurde und nicht nur als Plattform diente, junge Israelis dazu aufzurufen, nach Berlin zu gehen, sondern vor allem, um die sozialen Bedingungen in Israel zu kritisieren. Und ich weiß, dass sie es toll finden, dass der Schoko-Sahne-Pudding in Berlin billiger ist als in Tel Aviv. Aber welcher normale Mensch kauft hierzulande diesen schrecklichen Schoko-Sahne-Pudding für 19 Cent? Den isst hier doch niemand, sage ich. Ich sage auch, dass ich die Israelis verstehe, genauso wie ich die Deutschen verstehe. Ich verstehe, warum sie nach Berlin kommen. Ich verstehe, dass es verschiedene Gründe dafür gibt. Genauso wie es bei mir verschiedene Gründe dafür gibt, nach Israel zu gehen. Sie kommen zum Beispiel nach Berlin, um die israelische Regierung zu verletzen, weil sie wütend sind. Verständlicherweise. Aber das ist eben wie in einem Rosenkrieg. Sie haben nach der Scheidung bei der Mutter gelebt, die den Vater sehr kritisch sieht, und weil die Mutter Regeln aufstellt, nach denen sie sich nicht mehr richten wollen, haben sie ihre Koffer gepackt, vor den Augen der Mutter, und haben gesagt, wir gehen jetzt zum Vater. Seitdem schicken sie ihrer Mutter täglich Handyfotos davon, dass sie bis Montagmorgen im Berghain tanzen, ohne dass der Vater sie ausschimpft, oder dass sie billiges Junkfood essen dürfen, ohne dass der Vater es verbietet. Das tut der Mutter natürlich weh.

Ich verstehe natürlich auch, dass die Israelis vor dieser existenziellen Bedrohung fliehen wollen, aber sie tun das, indem sie in ein Land gehen, das überhaupt erst dafür gesorgt hat, dass das jüdische Volk auf einem Flecken Erde leben muss, wo es tagtäglich existenziell bedroht wird. Und das ist natürlich verrückt. Sehr sogar.

Ich verstehe auch, dass viele von den in Berlin lebenden Israelis einen deutschen Pass haben, weil ihre Großeltern Deutsche waren und Deutschland ungewollt verlassen mussten. Keiner von ihnen wollte nach Palästina, in diese farblose Steinwüste. Keiner von ihnen wollte die schöne Altbauwohnung in Charlottenburg verlassen. Ich verstehe, dass die Israelis einer Sehnsucht nachgehen, die sie von ihren Großeltern kennen, und dass sie vielleicht für ihre Großeltern zurückgehen, unabhängig vom Schoko-Sahne-Pudding und vom Berghain.

© DIE ZEIT

Warum ich in ein Land gehe, in dem es Krieg gibt und wöchentlich Anschläge, fragen mich die Menschen, und dann antworte ich ihnen, dass diese existenzielle Bedrohung eben auch Leben bedeutet. Das verstehen die Menschen überhaupt nicht, und dann versuche ich, es besser zu erklären. Ich sage dann, da, wo es noch so etwas wie Reibung gibt, ist Leben, weil Leben eben nicht glatt ist, sondern rau. Ich sage, dass Deutschland abgeschliffen wurde. Glatt gehobelt. Das Böse sollte weg, und dann hat man zusammen mit dem Bösen auch das andere, das Kantige, das Unangepasste, weggeschmirgelt. Jetzt bestimmen nur noch der Tatort und die Maut und das Opening eines Pop-up-Stores die tägliche Debatte in Deutschland.

Und daraufhin schütteln die Menschen den Kopf und gehen.

Mirna Funk, 33, ist gebürtige Ostberlinerin. Sie studierte Geschichte und Philosophie an der Humboldt-Universität in Berlin und arbeitet als freie Journalistin und Autorin

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe des ZEITmagazins, das Sie am Kiosk oder online erwerben können.

137 Kommentare

"Ich verstehe, dass sie nicht anders können", schreiben Sie. (und fahren fort: "weil es eben keinen Antisemitismus geben darf.")

Ich habe persönlich Antisemitismus nie so plump wie Sie erlebt, sondern sehr viel subtiler, unterschwelliger. Und automatischer, reflexhafter, gleichzeitig fast systematisch und sehr bösartig.

Von hundert Nicht-Juden verhalten sich, nach meiner Erfahrung, geschätzte 90 so.

So, wie man als Kind gelernt hat, nicht auf die heisse Herdplatte zu fassen oder Mücken zu erschlagen.

Es heisst ja oft, erst Propaganda, Menschen als Ungeziefer zu kategorisieren, habe die Massenmorde an den Juden hierzulande möglich gemacht.

Vielleicht, aber sicher bin ich, dass diese Vorstellung so tief verwurzelt ist, dass 'sie nicht anders können' (ich kenne auch welche, denen es bewusst geworden ist, auch für die gilt das, und sie quälen sich entsetzlich).

Ich weiss so gut wie nichts über die wirklichen Gründe, es scheint mir aber sehr viel mit einer Art Ordnungssinn zu tun zu haben, der ohne Nachdenken, bildhaft, wirkt, viel mit Status, Neid und Foulspiel zu tun hat.

Viel Glück, in dieser Hinsicht werden Sie Ihre Entscheidung bestimmt nicht bereuen!

Ok es gibt antisemitismus in Deutschland. wenn sie jedoch wegen der liebe nach Israel gehen wollen, dann tun sie das eben der Liebe wegen. Wenn sie jedoch ihrer Liebe nicht trauen, dann sollten sie nicht den Antisemitismus als Ersatzgrund missbrauchen. Dann genügt die Liebe vieleicht nicht.
Trotzdem viel Glück.

Ich würde auch nicht nach Syrien gehen und nicht in den umkämpften Teil der Ukraine und auf diese Art und Weise würde ich auch nicht nach Israel wollen. Oder wenn beispielsweise mein Sohn oder meine Tochter dahin wollte. Irgendwann habe ich mich auch mit dem in der BRD nach dem 2. Weltkrieg ausgesprochenen "Nie wieder Krieg!" identifiziert, blauäugig vielleicht. Aber die Abwesenheit von Bedrohung von Krieg ist eine Qualität, kein Fehlen von Leben. Es gibt sicher eine große Anzahl von Menschen, die sich wünschen würden, diese lebensechten Erfahrung nicht durchgemacht zu haben. Ich denke, man kann auch Lebensinhalt ohne diese Art von Reibung haben. Das der Antisemitismus immer noch und wieder auch teilweise öffentlich da ist, ist eine sehr gefährliche Entwicklung, da stimme ich Ihnen zu.

Es tut mir total leid, dass Juden und Menschen mit jüdischen Wurzeln in Deutschland auf so viel Hass und Ablehnung stoßen. Und es ist empörend, dass genau das von "den Deutschen" immer wieder verleugnet, abgestritten, und besser gewusst wird - anstatt zu denken wir wüssten, wie es wirklich ist, sollten wir mal auf die hören, die uns sagen können, wie es ist. Antisemitismus ist in der Mitte unserer Gesellschaft wieder an der kritischen Grenze angekommen - das höre ich von allen jüdischen Mitbürgern die ich kenne.

"Die Menschen haben gesagt,

"Die Menschen haben gesagt, die Israelis selbst kritisieren den Umgang mit den Palästinensern, dann muss ich das ja wohl auch dürfen, dann kann das unmöglich Antisemitismus sein, wenn ich das tue."

Ok… heißt das also im Umkehrschluss, dass es sofort Antisemitismus ist, wenn man den Umgang mit den Palästinensern durch das Israelische Militär und die Regierung kritisiert? (Man merke, es ist "Kritik" wenn man sagt: "Ich finde die momentane israelische Politik moralisch falsch und für konterproduktiv." Es hört auf "Kritik" zu sein, wenn man dann noch hinzufügt:"Die Juden sind gegenüber Arabern Rassisten und keinen Deut besser als die Nazis.")

Merkt die Autorin eigentlich wie sehr sie die Politik der Regierung in Schutz nimmt und gleichstellt mit dem israelischen Volk, welches sie auch gleichzeitig auch mit dem jüdischen Volk gleichsetzt? Ja, klar gibt es zwischen diesen drei Gruppen Schnittmengen, aber nicht jeder Israeli vertritt die auf Konfrontation ausgerichtete Politik der Regierung (übrigens auch so mancher ultraorthodox jüdische Israeli nicht) und nicht jeder Jude auf der Welt ist Israeli. Ich finde es schon ziemlich verwegen all das mit einander gleichzusetzen und dann noch einen draufzusetzen indem man meint, jegliche Kritik an Israel ist Antisemitismus.

Kopfschmerzartikel - in der Tat! Aber die Autorin hat wohl ihr Ziel erreicht: Es ist hier mal nicht wieder nur über "Tatort und die Maut und das Opening eines Pop-up-Stores" debattiert worden, sondern zur Abwechslung mal wieder über "Antisemitismus". Bei dem Stichwort wird doch regelmäßig brav über's hingehaltene Stöckchen gesprungen. :D

Meine Güte, was für ein Kopfsch(m)erzartikel.
Liebe Mirna, wir reden nochmals, wenn Du 2-3 Jahre hier gelebt und (über)lebt hast. Dann solltest Du Deinen eigenen Artikel nochmals durchlesen.
Ich verspreche Dir, Du wirst dann auch Kopfschmerzen bekommen, bei dem realitätsfernen Mist den Du da geschrieben hast.
Ich wohne seit 10 Jahren in Israel. Man braucht ungefähr ein Jahr, bis die rosa Brille an Tönung verliert. Bei Deinem von Patriotismus vergifteten idealisierten Weltbild von Israel, wird es vielleicht ein wenig länger dauern, bis Deine Tele Tubby Landschaft an Farbe verliert.

Noch etwas, die angebliche Analogie:

"dreckige, hässliche Jüdin" und "Negerschlampe"

passt hier so nicht ganz. Eigentlich so gar nicht !!!

Klar "dreckig, hässlich" enspricht sicher der Qualität von "Schlampe".

Lassen wir mal beiseite, dass ein Jude genauso wie ein Moslem für sich erklären kann, kein Jude bzw. Moslem zu sein, während das ein Schwarzer nicht kann.

Aber wenn eine Jüdin, die es offensichtlich "stolz" präsentiert, Jüdin zu sein, "Jüdin" genannt wird, ist es deutlich was anderes, als wenn eine Schwarze, die sich sicher nicht als "Neger" präsentiert, "Neger" genannt wird!
Mit ein wenig Denken lässt sich der Unterschied schon erschließen. Denken wollen anscheinend aber wenige.

Ob wohl ein Netanjahu beledigt ist, wenn er "Jude" genannt wird ?
Ist ein Deutscher beleidigt, wenn er "Deutscher" genannt wird ?
Ist ein Türke beleidigt, wenn er "Türke" genannt wird ?
(Aber sachliche Gedanken, was das für ein Rassismus ist, dürften viele überfordern)

Selbstkritik ist sicher keine der Stärken der jungen Dame, die es so wichtig hier im Artikel befindet, sich von den ANTIrassisten Israels (die letztendlich gegen Ermordungen rassistisch unterdrückter Einsatz zeigen) zu DISTANZIEREN, um mutmaßlichen oder vermeintlichen Rassismus in Deutschland (hier im Artike bestehend aus einer(!) Beleidigung) zu beanstanden.

"<em>Ob wohl ein Netanjahu

"Ob wohl ein Netanjahu beledigt ist, wenn er "Jude" genannt wird ?"

Warum sollte Bibi "beleidigt sein? Warum sollte ein Jude beleidigt sein, wenn er Jude genannt wird? Er wird es ignorieren, wir werden es ignorieren, denn Menschen wie Sie, die "die Verbrecher Israels (Nethanjahu,...)" ( zu lesen unter http://www.zeit.de/politi... ) schreiben und damit einen ganzen Staat beschimpfen, ignorieren wir schon aus Prinzip.

Ohne mich

Ohne mich
www.zeit.de
mich macht das Thema immer verwirrter. Mich stört, dass mein Zugang (zu was?) immer noch die Brille ist, dass Juden hier Opfer der grausigen Vorgänge in Europa und Deutschland waren. Sobald ich mich mit Deutschland identifiziere, empfinde ich Scham und Schuld.

Wenn ich aber in den Kontakt mit Menschen komme, die mit Israel, mit der jüdischen Gemeinde, mit Verwandten jüdischen Glaubens oder sonst wie Kontakt haben oder einfach nur Assoziationen in mir auslösen, die dieses Thema berühren, merke ich: das reicht überhaupt nicht, um einem Kontakt auf gewöhnliche Weise zu genügen. Mir begegnen nämlich jede Art von Leuten, für die ich auch ohne diese Komponente bereits Schubladen habe. In jeder findet sich auch jemand, den ich mit diesem Thema verbinde.

Wenn Sie meine Aussage verwirrt, fürchte ich, dass das vermutlich Absicht war.

Nunja gemessen daran, dass auch Deutsche in Deutschland rassistisch beleidigt werden, finde ich ihre Argumentation extrem einfältig.

Sie bezeichnet Levy und Amira Hass als zwei "sehr, sehr linke" Journalisten aus Israel". Nun, Levy und Hass sind jetzt nicht dafür bekannt, die Interessen der israelischen Abeiterschaft zu vertreten, was man gemeinhin hier unter "Linkssein" versteht, sondern setzen sich primär für die Menschenrechte der Palästinenser und gegen die Völkerrechtsverbrechen Israels ein (sonstig auch gegen Rassismsus in Israel), für die Fr. Funk in Ihrem Artikel lediglich ein einziges Wort im Zusammenhang mit der Isr. Regierung findet ("Verständliche" Flucht nach Berlin), wenn(!) es überhaupt darauf bezogen war. Offensichtlich hält sie nicht viel davon, sich für die von Israel Menschenrechtsberaubten bzw. die von Israel Diskriminierten Menschen einzusetzen, so sehr sie sich von den beiden distanziert. Und dann seien ohnhin alle(!) Deutschen, die auf von Juden ausgesprochene Fakten hinweisen, Antisemiten. Das ist Rassismus gegen Deutsche!

Was für ein Rassismusproblem sie hat, kann man erlesen. Auch, dass es nicht Rassismus an sich ist.

In Israel sollte sie glücklich werden können. Gründe für ein schlechtes Gewissen, dass sie Deutschen einzureden versucht, kann ich nicht finden.

Wundervoll. Jetzt ist man selber wieder Opfer. Super. Kennen wir von den weißen Polizisten in den USA, die benutzen die selbe Taktik.

Rassismus gegen Deutsche! in unserem eigenen Land!! - Israelkritik ist nicht Antisemitisch! Das dürfen wir doch wohl noch sagen! Ein schlechtes Gewissen brauch ich nicht haben! Hier gibt es kein Antisemitismus und wenn, dann gibt es Rassismus gegen alle.

Sie sind wiedermal ein tolles Beispiel für diesen Artikel. Bravo.

#le boche payera tout

#le boche payera tout

Ein paar Antworten auf Ihre Fragen und Bemerkungen, die schon ein wenig seltsam erscheinen. Flott und frei sollen sie wohl daher kommen.

Der Neid kein Jude zu sein, scheint bei Ihnen geradezu zu nagen.

Antisemitismus-Vorwürfe, ob berechtigt oder nicht, sind selbstverständlich keine Allzweckwaffe, auch wenn Ihnen das so vorkommt, was ja bei Ihnen geradezu logisch erscheint. Und wieso so militärisch überhaupt?

Selbstverständlich kann man "Jude/Jüdin" schreiben oder sagen. Der von Ihnen treffend als umständlich gewundene Begriff des "jüdischen Mitbürgers" öffent langsam aber sicher Ihre Haltung Juden gegenüber. Sie sprechen nämlich von sich.

Jeder sollte wissen, woran er ist, wenn er mit Juden zu tun hat, wenn er sich nicht windet. Welcher Jude/Jüdin hat sich bei Ihnen empört, wenn Sie sie wie jeden anderen Menschen behandelt oder angesprochen haben? Wollen Sie etwa Mitleid erregen?

Warum sollte man Juden mit Samthandschuhen anfassen? Also, bevor ich zu Ihrer Bemerkung über J. Joffe komme, sage ich mal: Sie haben in der Tat Probleme mit jüdischen Mitbürgern. Aber das ist alleine Ihr Problem, nicht das der Juden/Jüdinnen.

Jetzt werden Sie in Israel auf der anderen Seite stehen, Frau Funk. Nicht mehr auf der Seite der Opfer von Rassismus, der Minderheit, der Anderen, derer, die nicht gehören. Was planen Sie mit der Verantwortung zu machen, die damit einhergeht? Werden Sie den Strand in TLV genießen, oder gegen den israelischen Rassismus kämpfen? Den Rassimus gegen Araber, schwarze Juden, Einwanderer und Asylanten aus Sudan und Eretria, die in großen offenen Haftanstalten in der Wüste gehalten werden? Darauf kommt's an!
Die große Mehrheit der neuen Einwanderer nach Israel wählen die erste Option, und sehen lieber die häßliche Realität nicht. Und die Realitätsweigerung der Mehrheit, die sie in ihren ursprünglichen Heimatländern erfuhren, vergessen sie allzu schnell, um selbst unter dieser Krankheit zu leiden.
Ihre Geschichte ist die Geschichte Israels.

Es ist traurig, dass sich Frau Funk gedrängt fühlt, Deutschland zu verlassen. Das ist eine Schande fûr dieses Land.

Frau Funk schreibt, sie gehe in ein Land, in dem es Krieg gibt und wöchentlich Anschläge, aber das diese existenzielle Bedrohung eben auch Leben bedeutet. Dass es dort noch so etwas wie Reibung gibt. ich finde diese Stelle haarsträubend. Es ist fûr mich ein Ausdruck von Wohlstandsverwahrlosung und Langeweile, wenn man sich mehr am Leben fühlt, wenn man bedroht ist.

"Jetzt bestimmen nur noch der Tatort und die Maut und das Opening eines Pop-up-Stores die tägliche Debatte in Deutschland. "

Frau Funk lebt scheinbar sehr abgeschnitten von den täglichen Debatten dieses Landes. Seit Monaten wird über den Islam und Flüchtlinge debattiert. Wie kann man das nicht bemerken?

Fraglos gibt es Antisemiten in Deutschland. Vor allem den schlechtgetarnten Abertyp, der nach dem Muster agitiert: Ich hab nichts gegen Juden, aber...Und dann folgen die sanft maskierten Haßtiraden. Ichs kanns verstehen, dass man dies unerträglich findet und weggeht. Was mich, liebe Frau Funk , an Ihrem Artikel irritiert, ist die mich verfolgende Frage: Würden Sie in D. bleiben, wenn es keinen Antisemitismus gäbe, auf den Geliebten und die Familie verzichten? Oder ist der Antisemitismus nur ein ergänzender, nachgereichter Grund? Redet das Letztere den A. nicht unangemessen klein, wird es dem generationsübergreifenden deutschen Problem gerecht? - Ich würde Ihre Ausreise besser verstehen, wenn Sie nach gewissen deutschen Haßdemonstrationen während des letzten Kampfes gegen den Hamasterror in Gaza Knall auf Fall weggegangen wären. Schon diese widerlichen Manifestationen von Rassismus sind sicher ein hinreichender Grund, Deutschland zu verlassen, sich ohne wenn und aber zu Israel zu bekennen.

Liebe Frau Funk, sie schreiben viel. Einiges kann ich nachvollziehen, einiges ist in meinen Augen Quatsch. Ihre Ansicht der Geschichte Israels hat Simon Ostertag ja schon kommentiert. Wenn sie mal in Tel Aviv sind empfehle ich Ihnen den Besuch der Independence Hall (16 Rothschild Boulevard).

Das sie sich mit irgendwelchen Idioten treffen, die dann verbal ausfallend werden, sorry - wen interessiert das hier? Das Ihr Bekannter irgendwas faselt, na und? Willkommen im Leben.

Ich würde mich freuen von Ihnen möglichst objektive Beobachtungen von Ihrem (Altags-)Leben in Israel zu lesen. Wenn Sie auch in Israel so empfindsam bleiben in Bezug auf Bemerkungen, Gesichtsausdrücke, Tonlage der Stimme, wie Sie es hier sind, dann wird das sicher eine für den Leser lustige Lektüre werden.

Das Deutschland glatt gehobelt ist und angepasst. Tja, das ist der Teil, wo ich Ihnen leider recht geben muss. Ohne Reibung ist es allerdings auch nur für die Angepassten, wer Kanten hat, der hat davon (Reibung) auch hier genug.

Ich wünsche Ihnen alles Gute. Im Ausland leben ist immer eine spannende Erfahrung und etwas anderes als im Urlaub die Familie zu besuchen.

Ich habe den Eindruck, es ist selten, dass man in Deutschland Juden trifft.
Immer wieder präsent hingegen ist die schreckliche Geschichte, die Deutschland und das Judentum teilen. Noch heute sind Menschen sprachlos, schämen sich, ignorieren oder versuchen zu verstehen.
Angesichts dessen, halte ich ein bisschen Verkrampfung bei einer tatsächlichen Begegnung mit in Deutschland lebenden Juden für nicht ganz ungewöhnlich. Das hat nicht zwingend mit Antisemitismus zu tun, obwohl ich glaube, dass es diesen in allen Schichten der Bevölkerung gibt.
Ich kann gut nachvollziehen, wenn man hiervon unberührt ganz normal seinen Alltag leben möchte. Ich hoffe, das wird irgendwann möglich sein. Der Autorin wünsche ich, dies in Israel zu finden und uns allen wünsche ich mehr Toleranz.

Auch wenn an einer Stelle historisch doch arg verkürzt wurde, illustriert der Kommentar sehr schön, was man im Alltag hierzulande beobachten kann. Leider ist der latente Alltagsrassismus vielen Leuten nicht klar, vor allem wenn es um Menschen jüdischer Herkunft geht, kommt noch ein ablehnender Schuldreflex hinzu. Ebensowenig wie latenter Sexismus, Klassismus etc. ist dies im öffentlichen Bewusstsein. Es fehlt hierzulande die entsprechende Diskurskultur. Man muss sich halt sehr intensiv mit sich selbst und seiner historisch-sozialen Disposition auseinandersetzen um solcherlei reflektieren zu können. Viele wollen oder können das nicht... und als Deutscher tuts vielleicht noch etwas mehr weh. Ich kann die Autorin jedenfalls sehr gut verstehen und wünsche ihr viel Glück in der neuen Heimat!
Was mich aber doch gestört hat: "Normale" Leute essen keinen 20-Cent-Billigpudding? Da fühle ich mich ja auch schon wieder fast marginalisiert, denn ich liebe den! ;)

"Ich verstehe natürlich auch,

"Ich verstehe natürlich auch, dass die Israelis vor dieser existenziellen Bedrohung fliehen wollen, aber sie tun das, indem sie in ein Land gehen, das überhaupt erst dafür gesorgt hat, dass das jüdische Volk auf einem Flecken Erde leben muss, wo es tagtäglich existenziell bedroht wird. Und das ist natürlich verrückt. Sehr sogar."

Diese Aussage vereinfacht die Geschichte Israels enorm und ignoriert den Zionismus nach Theodor Herzl völlig. Die geschichtliche Entwicklung in diesem Kommentar aufzuarbeiten würde den Rahmen sprengen. Es sei so viel gesagt, bereits vor 1928 sind Schätzungen zu Folge in den ersten vier Einwanderungswellen 170.000 Juden nach Palästina eingewandert. Darüber hinaus sind während der Einwanderungswellen aus muslimischen Ländern und der Sowjetunion, in den 1970er und 1990er Jahre, Millionen Juden nach Israel eingewandert.

Das Leid, welches europäische Juden durch die nationalsozialistische Tötungsmaschinerie erfahren haben ist unbestritten. Viele dieser Juden waren unendlich dankbar über eine Heimat wie sie ihnen durch Israel oder Palästina geboten wurde. Die Ansiedlung von Juden in Palästina, dem heutigen Israel, geht in ihren Ursprüngen jedoch nicht auf den deutschen Nationalsozialismus und deren Terrorherrschaft zurück.

Diese Aussage ist also entweder auf Unwissenheit zurückzuführen, was ich bedenklich finden würde, oder auf Populismus, was ich als noch bedenklicher empfinden würde.

Außerdem ist das eine Geschichten erzählerin.

Ich stehe dazu ich habe nichts gegen Juden, Moslems oder Christen. Wir sindn alles nur Menschen und wir machen Fehler und ich fühle mich als Deutscher keiner Schuld bewusst, was andere vor mir gemacht haben, weil ich das Gedanken gut von Früher kenne und weiß es ist vieles Falsch gelaufen und es läuft heute auch noch nicht alls richtig. Das ist der Lauf der Dinge! Man muss die Vergangenheit akzeptieren und es besser machen und nicht auf alten Sachen rumreiten, man sieht ja den 1000 jährigen Krieg in Israel, ist das ein gutes Beispiel das man aus der Vergangenheit lernt???? Wohl eher nicht Frau M. Funk!

Liebe Frau M. Funk lernen Sie aus der Vergangenheit und machen es besser und zeigen nicht mit Ihrem Jungen Finger auf Leute die nichts für die Vergangenheit können!

Vielen Dank und viel Glück in Israel!

Also diese Frau ist 33 Jahre

[...]

Die Frau wirkt auf mich genauso wie in anderen Kommentaren schon ganz deutlich beschrieben als Überheblich. Gerade wenn man ihre Biografie und Ihren Journalismus durchleuchtet, alles andere als Seriös erscheint. Und wenn man Leute so vor die Wand fahren lässt, muss man sich wirklich nicht wundern wenn die Leute "komisch" und "irritiert" reagieren. :-)

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke, die Redaktion/sam

Die Frau ist 33 Jahre jung und hat ja auch die Lebenserfahrung über so ein Thema zu schreiben. Diese frau kaut nur das wieder, was Sie selbst von Ihreren Verwandten gelehrt bekommen hat.
Es mag sein, dass es eine Minderheit gibt die "Juden" nicht akzeptieren. Aber das ist nur eine Rand erscheinung. Einen neuen Holocaust wird es so lange ich lebe auf Deutschen Boden nicht geben!
Es ist gut das man sich daran erinnert, was passiert ist und ich bedauere es zu tiefst! Aber wir Nachfahren auch Frau Funk ist eine nachfahrin und hat nicht die geringste Ahnung wie es damals war.
Wir sollten uns die Hände reichen und nicht gegenseitig mit dem Finger auf einander zeigen und sagen, ihr seid immer noch Schuld. Ich fühle mich nicht als Schuldig und werde es auch nie mal fühlen. Aber ich bedauere, alles was passiert ist zu tiefst! Ich bin auch 33 Jahre jung und fühle mich weder über Frau Funk noch stelle ich mich über Sie. Dies ist meine Meinung auf Augen höhe und ich finde es Wichtig. Aber es gibt wirklich schlimmeres in dieser Welt als worthülsen wie "Antisemitismus". Tut mir leid wenn ich dies so hart sage.

Fr.Funks Entscheidung, nach Israel umzusiedeln, weil sie ihrer Erfahrung nach permanent/zu oft/"aus der Mitte der Gesellschaft" mit Antisemitismus (über dessen Definition zwar immer wieder gestritten wird, aber darauf kommt es hier nicht an) konfrontiert wird, ist verständlich.
Dass das geschilderte Rencontre mit dem wohnungsbesitzenden Promi-Dinner-Teilnehmer ein Beispiel für den Antisemitismus der Mitte der Gesellschaft ist, bezweifle ich dagegen; sie hat sich da anscheinend mit einem Narzissten getroffen, der auf Zurückweisung übel reagiert (das hätte auch noch schlimmer als "nur" mit rassistischer Beschimpfung ausgehen können).
Dass sowohl die anderen, als auch sie selbst komisch gucken + angespannt sind, wenn es um die Beantwortung der Frage des Warum ihres Umzugs geht, finde ich aber gar nicht überraschend: es handelt sich schließlich um einen schwerwiegenden Vorwurf an "die Deutschen" (die Mitte=die Mehrheit=der Durchschnitt), den zu hören oder zu machen nicht leicht ist, u. der per se Distanz ausdrückt + schafft. Ich hoffe, ihre Freunde begegnen ihr, selbst wenn sie anderer Ansicht bezüglich der Mitte der Gesellschaft sind, trotzdem mit Empathie+Verständnis. Und ich wünsche ihr, sie findet in Israel eine Gesellschaft, die in ihrer Mitte dem Rassismus so entgegentritt, wie sie sich das wünscht (vielleicht berichtet sie ja mal darüber)...

Klar gibt es Rassismus und Antisemitismus in Deutschland. Wie stark das jeweils ausgeprägt ist, ist eine andere Frage. Das Verhalten des abgewiesenen Verehrers kann Antisemitismus sein. Durchaus möglich.

[...]

Gekürzt. Wir wünschen uns eine möglichst artikelnahe Diskussion in unserem Kommentarbereich. Bitte schweifen Sie nicht vom Thema "Antisemitismus in Deutschland" ab. Vielen Dank! Die Redaktion/dd

Ich verstehe Sie sehr gut, Mirna. Es gibt Antisemitismus und latenten Rassismus in diesem Land und keiner will dies ernst nehmen und etwas tatsächlich effektiv dagegen machen. Ich respektiere und bewundere die Juden und werde nie begreifen, wie ist es möglich, das Menschen massenhaft und organisiert so viel Unmenschliches, Unzivilisiertes, Böses und Vernichtendes anderen Menschen machen dürften und heute irritieren sich, dass dies nicht in Vergessen versinkt. Sie sind mutig und ich wünsche Ihnen sehr viel Glück und auch Erfolg!

Sehr gut dargestellter Beitrag. Und auch hier im Kommentarbereich zeigt sich die beschriebene verkrampfte und besserwisserische Haltung von Deutschen im Umgang mit dem Thema. Bzw. darüber allgemein der Umgang mit Andersartigkeit, bzw. speziellen "Eigenheiten", wenn man es für den Moment einmal simplifizierend so nennen möchte. Es ist wie so oft, und wie auch im und über den Text dargestellt: Jemand, der "anders" ist als die Mehrheit bzw. explizit Vertreter einer Minderheit ist, schildert eigene Erfahrungen und stellt dar, dass diese keine Ausnahmeerfahrungen sind, sondern diese vielfältig und häufig sind - sodass sich bei den Betroffenen irgendwann auch eine gewisse Müdigkeit einstellt, immer Verständnis für unreflektiertes, unhöfliches oder schlichtweg handfest diskriminierendes Verhalten aufbringen so sollen. Oder immer wieder aufs Neue der Erklärbär sein zu müssen. Diese Schilderung wollen dann viele Vertreter der Mehrheit nicht hören. Sofort heißt es: Heul hier nicht rum, habt Euch nicht so. Es geht Euch doch gut/besser als früher/besser als Du es darstellst. Es ist die Nichtanerkennung einer anderen Erfahrung von Lebensrealität. Klar, als Mehrheit muss man sich auch nicht zwingend Gedanken über Minderheiten machen wollen, ist sogar bequem das nicht zu tun. Anderen ihre realen Erfahrungen abzusprechen, diskriminiert worden zu sein, bleibt trotzdem Ignoranz. Die Person dann zu diskreditieren (Beauti-Journalistin hat jetzt Antisemitismus-Thema für sich entdeckt) ist schlichtweg niederträchtig.

Anti...ismus als multiple Intoleranz

Frau Funk ist eine wunderschöne, kluge und gebildete Frau, die verletzt wurde. Und das immer wieder. Und nun geht sie und flüchtet dabei ein wenig vor einem Anti...ismus, den sie nicht länger ertragen will.
Leider hat sie aber kein Monopol auf Anti...ismen, denn Menschen neigen überall, furchtgetriebenen, zu Anti...ismen, die ihnen geeignet erscheinen, auf andere Menschen einzuschlagen, weil sie diese fürchten oder, aus persönlicher Enttäuschung, eben nicht leiden können.
Wieviele Menschen jüdischen Glaubens aber kennen Sie?
Ich kenne zwei und mag beide sehr.
Aber da unsere Großeltern eben nicht alle im Widerstand waren, was uns auch heute noch sehr peinlich ist und bleiben muss, sondern wegsahen, zusahen oder selbst Hand anlegten, als Millionen ihrer Mitmenschen und Mitbürger umgebracht wurden, eben weil jene jüdischen Glaubens waren, finden sich heute leider so wenige Nachkommen jüdischer Kultur.
Vielleicht sollten wir einfach dankbar sein, wenn ein Mensch, trotz eines vergangenen, präsenten oder künftigen Anti...ismus in diesem Land leben kann und mag? Deutschland darf aber, auch auf diesem Gebiet, ruhig noch etwas besser werden, wie ich finde...

Ihnen aber Alles Gute, Frau Funke! (Sie finden sicher noch Ihren Weg, mit all den Anti...ismen dieser Welt umzugehen; immer in Bewegung bleiben, ist besser, als nur still zu verharren...)

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Ich weiss nicht, ob dieser Mann Antisemit ist. Anhand der Bemerkung würde ich es nicht festmachen - Ich denke, er hat v.A. gesagt, womit er hoffte, die Autorin am meisten zu verletzen. Das würde ich übrigens auch bei dem anderen Beispiel denken. Als wundgeschrubbte Minderheit kann man oft nicht mehr zwischen den Verletzungen unterscheiden, sie schmerzen alle ausnahmslos (und das sage ich, weil ich selber der ein oder anderen Minderheit angehöre ...)

Problematisch finde ich, wenn / dass es anscheinend einen Hass auf Juden gibt in Deutschland ( und ich meine wirklich nicht, die Kritik an der Politik Israels, die wichtig ist. - vielleicht haben aber die Deutschen ihr Recht verwirkt, diese Kritik zu äußern und sollten das anderen Staaten überlassen), auf Juden als Religionsgemeinschaft, als "Gruppe".
Neben der Tatsache, dass ich das nicht verstehe (es kann uns doch egal sein, zum wem wer betet, solange sie nicht die ganz Welt bekehren wollen wie manche Christen, Muslime, ...), tut es mir Leid. Der Teil meines inneren Teams mit deutschen Wurzeln bedauert dies, guckt auch hilflos und verunsichert aus der Wäsche und wünscht sich, es wäre nicht so. Der ganze Mensch denkt: Das darf nicht sein und - Siedlungspolitik hin oder her - das darf es hier und nirgendwo geben.

Ich denke Fr. Funk schießt in Ihrer Beurteilung Deutschlands über das Ziel hinaus - ich persönlich bin froh in einem Land zu leben, daß, was äussere Konflikte angeht - Konfliktarm ist und das hier eben nur über die Maut diskutiert wird. Es ist aus meiner Sicht auch nicht wahr, daß "alles böse" weggehobelt wurde - es existiert weiterhin, auch im öffentlichen Diskurs. Der Vorfall mit dem Rendezvous-Partner ist natürlich abstossend, keine Frage, aber ich denke, daß der Antisemitismus zumindest in der Mitte der Gesellschaft längst erloschen ist - an den Rändern existiert er leider weiter und muss auch bekämpft werden, ganz klar, aber genausowenig wie jeder andere möchte ich, daß von einem Vorfall gleich auf ein ganzes Volk geschlossen wird, daß ärgert mich doch sehr.

Da kann man direkt neidisch werden, wenn man kein Jude ist.
Der Antisemitismus-Vorwurf ist eine dermaßen scharfe Waffe, die in Deutschland ihresgleichen sucht.
Eine Allzweck-Waffe, die gerade in Deutschland Juden letztendlich rundum gegen alles und jeden immunisiert. (Darf man "Jude" überhaupt noch schreiben, oder muß man es umständlich gewunden als "jüdische Mitbürger" oder "Deutsche jüdischen Glaubens" umschreiben?)
Das kann dann je nach Lust und Laune ausgespielt oder kritisiert werden, man weiß nie, woran man ist.
Behandelt man einen Juden / eine Jüdin wie jeden anderen Menschen, kann einem Empörung entgegenschlagen, weil es zwischen Juden und Deutschen schließlich "nie wieder 'Normalität'" geben könne und dürfe, und man doch nicht einfach so tun könne, als sei nie irgendwas gewesen.
Faßt man sie dagegen mit Samthandschuhen an, kann es einem blühen, daß in aller Unschuld die Frage gestellt wird, warum "die Deutschen" im Umgang mit Juden bloß immer so verkrampft seien, und ob "die Deutschen" mit Juden etwa "immer noch" ein Problem hätten?

Ja, an dem Zvi-Rex-Bonmot, das ich jetzt nicht zitieren muß, weil es sowieso schon jeder bis zum Abwinken gehört hat (Josef Joffe und vielen anderen scheint jedes Mal einer abzugehen, wenn er es nochmal bringen darf), ist durchaus etwas Wahres dran.
Das Genervt-Sein darüber ist dann seinerseits schon wieder ein Beweis für Antisemitismus.
Es gibt kein Entrinnen.
Es ist in den USA oft festgestellt worden, daß die Selbstdefinition über den Holocaust ein Ersatz für die schwindende eigentliche jüdische Religion geworden ist: Wenn die Religion nicht mehr da ist, dann bleibt nur noch der Antisemitismus der anderen, sich der eigenen jüdischen Identität zu vergewissern.
Ein Bedarf dafür ist offenbar da.

@kertkamp

@kertkamp
Das überschreitet die Grenze des guten Geschmacks sehr weit, und Ihre weiteren Ausführungen untermauern Satz für Satz, wes Geistes Kind Sie sind.

Aha.

Na vielen Dank für die Blumen.

Da haben Sie wieder "einen von denen" aufgespürt, wa?
Aber ihr beflissenen Nazijäger und -riecher kommt leider 80 Jahre zu spät! Damals hätten wir euch gebraucht. Heute ist es kein Kunststück. Heute steht ihr sogar eher in der Tradition derjenigen, die - ermutigt dadurch, auf der "richtigen" Seite zu stehen und mit dem herrschenden Zeitgeist konform zu gehen - lautstark Mitbürger, die "nicht mitmachen", denunzieren und öffentlich an den Pranger stellen.

Ansonsten hätte ich gerne statt aufgeblasener Empörungsrhetorik lieber mehr Inhalt, auf den ich dann auch inhaltlich antworten könnte...
Also wohin genau geht jetzt Ihre Kritik?

Ich bin als Jüdin in Deutschland geboren und aufgewachsen, mit großer Verwandtschaft in Israel. Mirna Funk bringt nur ein Beispiel für den Antisemitismus den sie angeblich ständig erlebt. Und das ist von einem Mann, der sie beschimpft, weil sie nicht mit ihm schlafen will. Also jemand, der keinen Respekt vor Frauen, vielleicht sogar vor Menschen hat. Dass er sie nicht als blöde Kuh, sondern als dreckige Jüdin bezeichnet, ist doch nur die Spitze vom Eisberg. Ja, er ist wohl Antisemit. Sie hat Recht, manche gibt es. Ich persönlich habe in 27 Jahren noch keinen erlebt. Von der Mitte der Gesellschaft kann also keine Rede sein.

Sie bezeichnet den Konflikt in Israel/Palästina als "Reibungsfläche". Das ist einfach nur zynisch. Auf israelischer Seite mag das stimmen. Man ist so militärisch überlegen, damit man auch ja nicht zu viele von den eigenen Leuten opfert, da kann man mit so einem Konflikt gut von innenpolitischen Zuständen ablenken. Auf palästinensicher Seite bedeutet diese "Reibungsfläche" leider mehrere tausend Tote.

Des Weiteren stellt sie die These auf, dass viele Israelis, die nach Berlin kommen, vor allem vor dem Konflikt fliehen, weil sie die existentielle Bedrohung in Israel nicht mehr ertragen. Die Israelis, die ich hier kenne, sind hier, weil sie nicht länger in einem Staat leben wollen, der rassistisch regiert wird und sie die menschenverachtende Politik gegen alles, was nicht jüdisch, möglichst weiß und natürlich israelisch ist, nicht länger unterstützen wollen.

1. Ich bin Deutscher und werde weiterhin Israels Politik kritisieren. Die Religion der Knesset-Abgeordneten spielt dabei keine Rolle, wäre Bibi Patafarian und ließe sich mit Nudelsieb für den Ausweis fotografieren, er wäre trotzdem ein Ar***loch. Ich kann Leute nicht ernst nehmen, die sich ernsthaftem Diskurs über die Umsetzung der Zweistaatenlösung mit reflexhaften Antisemitismus-Vorwürfen entziehen wollen.

2. Es gibt nur einen antisemitischen Deutschen und den 82 Millionen mal? Jungen Israelis kommen nur ins böse Deutschland um dem Schlaraffenland Israel eins auszuwischen (to be fair: Israel hat in der Tat wunderschöne Ecken)? Geht's vielleicht noch ein bisschen platter?

Ich finde Frau Funk stellt die typische deutsche Reaktion auf Antisemitismus sehr gut dar. Sie hat recht, dass daran etwas falsch ist.
Wo kommt es her? Dieses "Es darf nicht mehr passieren" und es passiert trotzdem die ganze Zeit um uns herum.
"Es darf nicht mehr passieren" ist der einzige Schutz, den wir haben. Unsere Mütter und Großmütter sind massenhaft vergewaltigt worden, unsere Väter und Großväter brutal ermordet worden.
Natürlich ist ja unsere eigene Schuld. Also Mund zu, nur nicht zeigen, weitermachen mit dem Leben. Hauptsache ist, es passiert nie wieder. Aber es passiert überall.
Wir brauchen eine volle Stimme; ja Deutschland ist ein wichtiger Schauplatz der Weltgeschichte. Furchtbare Dinge sind passiert für fast alle Menschen in Mitteleuropa, aber schaut euch eure eigene Sprache an. Wie leicht wird aus furchtbar, fruchtbar.

Ich glaube es stünde allen Menschen erheblich besser zu Gesicht, die Empfindlichkeiten rund um und mit Religionen in den absolut privatesten Bereich zu isolieren und Menschen grundsätzlich nicht im Kontext mit irgend einer dieser Ideologien zu verbinden. Ich bekomme aufgrund von Religiösität inzwischen nur noch Beißreflexe!
Die einen meinen sich über sämtliche Arbeitsrechte hinwegsetzen zu müssen und erhalten dafür auch noch richterlichen Zuspruch. Die nächsten meinen, ihr und nur ihr Gott sei der einzig Wahre, wollen die gesamte Welt bekehren und schrecken in ihrem Fundamentalismus Wahn vor keinem Gewallmittel zurück und wieder die nächsten reagieren über-übersensibel auf alles, was irgendwie auch nur ansatzweise als Kritik verstanden werden könnte. Gibt es einen Begriff, der noch inflationärer genutzt wird, als Antisemitismus? Diesen steigert man inzwischen sogar in sekundären oder gar tertiären Antisemitismus und das alleine verwundert zu bennen, macht einen ebenfalls sofort des Antisemitismus verdächtig. Sagt man "häßlicher Katholik", ist man nur ein Idiot. Sagt man dagegen "häßlicher Jude", ist man sofort eines dieser Monster, welches sich von der menschlichen Gemeinschaft verabschiedet hat oder so ähnlich. Alles ziemlich verrückt!
Diese ganzen "Befindlichkeiten" kann man als nicht religiöser Mensch mitunter nur noch schwer ertragen!
Ich kann daneben ja noch gut nachvollziehen, dass man sich im extra weichgespülten Deutschland nicht wohl fühlt. Tägliches Sterben jedoch als "Reibeung ist Leben" zu interpretieren, halte ich allerdings für einigermaßen Dekadent!

Liebe Frau Funk,

der Liebe folgend dahin zu gehen, wo weniger Hass herrscht, ist verständlich und ehrenhaft. Leider dient dazu weder Ihr Herkunfts- noch Ihr Zielland. Nur die Opfer des Hasses sind andere. Dieses sollten Sie sich im Klaren sein. Ansonsten wünsche ich Ihnen alles Gute und מזל טוב (masel tov)!

via ZEIT ONLINE plus App

In Ihrem Alter, Mirna Funk, zog ich aus meiner westfälischen Heimat nach Frankreich. Da erhielt ich doch tatsächlich von einem mir nicht wohlgesonnenen bundesrepublikanischen Zeitgenossen ein Schreiben, in welchem er mich als Republikflüchtling bezeichnete. Fand ich lustig. Als meine jüdische Schwester mit ihrem Mann, ebenfalls etwas über 30, aus Israel nach Deutschland fortzog, bezeichneten Arbeitskollegen sie als Verräter. Fand meine Schwester komisch. Machen Sie sich ihr Leben nicht selbst schwer, Frau Funk, nehmen Sie es mit Humor.

Mich macht die Formulierung "Unsere Autorin" unruhig - hat Mirna Funk, die sich bisher primär mit Beauty-Artikeln inklusive ausgeprägter Produktbewerbung profilierte http://www.amazedmag.de/b... http://www.fridafridafrid... nun ein neues Geschäftsmodell entdeckt - den oberflächlichen Life-Style-in-Israel-und-warum-Journalismus?

Gibt's im Zeitmagazin demnächst den besten Concealer in Tel Aviv und den einzigwahren Nagellack in Jerusalem, ggbfs. mit Bombenalarm aufgebrezelt? Möchte ich nicht lesen.

Ein Vorgeschmack: http://www.interview.de/m... http://mixology.eu/stadtg...

Auf mich wirken Sie, Frau Funke leicht überheblich, fast als würden Sie Verachtung gegenüber ihren Gesprächspartnern empfinden. Sie lenken ganz bewußt das Gespräch, den Verlauf des Abends nur um ihren gegenüber am Ende auflaufen zu lassen und wundert sich dann, das der andere irritiert ist. Zudem geben Sie ein Bild vor, sie ist als Jüdin das Opfer, der Deutsche der Täter. Würde Sie von Anfang an mit offenen Karten spielen wären wahrscheinlich auch die Reaktion, überdachter und reflexsiv aus einer Abwehrhaltung herraus.
Allerdings ist es durchaus richtig, das z.B. meine Vorstellung von Juden, von Klischees geprägt ist und diese oft negativ sind. Persönlich kenne ich keinen Juden, jedenfalls nicht bewußt, damit hätte ich kein Problem. Wenn man mal davon absieht, das mir streng gläubige Menschen generell suspekt sind.

Frau Mirna Funk heiratet einen Israeli und will daher in Isreal leben. Und weil Israel im Moment in Deutschland keinen guten Ruf hat, schiebt sie diese "Antisemitismus"-Argumente hinterher. Das ist meine Meinung. Mir kann keiner erzählen, dass eine gestandene Journalistin sich in Deutschland nicht zur Wehr setzen kann. Und mir kann auch keiner erzählen, dass man nicht zwischen einem von frustierten arabischen Migranten importierten Israel-Hass und originären Antisemitismus aus dem 19. bzw. 20. Jahrhundert unterscheiden kann. Ansonsten wünsche ich ihr natürlich alles Gute für die Zukunft. Und falls es in Isreal nicht klappt, kann sie ja wieder zurück nach Hause.

Schwieriges Thema. Ich denke es ist ein Mischung aus Beidem. Zum Einen hat sie ja Recht, "Jude" wir als Schimpfwort genutzt, es gibt absurde Vorurteile über Juden und die Interaktion mit Moslems gestaltet sich teilweise als... sagen wir mal "schwierig".

Ein Bekannter von mir ist Schwul, und ein anderer Bekannter, der den Ersten sowieso nicht leiden kann, war wegen einer Sache sauer auf ihn. Zornig rief er aus "Die schwule Sau!". Ich habe ihn direkt gefragt was seine Homosexualität mit der Sache zu tun habe. Er hat das tatsächlich eingesehen und ist auf "das A...loch" umgestiegen. Aber der Vorfall zeigt dass es solche (in dem Fall homophoben) Anfeindungen im Alltag geben kann, woraus der Betroffene verständlicherweise den Schluss zieht er würde wegen seiner Person (Hier als Schwuler) angegriffen, und dies als Beleg für schwulenfeindlichkeit erlebt.

Zum Anderen aber: Wenn man einen Gedanken im Kopf hat, dann bestimmt der auch die Wahrnehmung des Alltages. Wer nach Antisemitismus sucht wird ihn finden. Jeder Rempler, jeder unhöfliche Blick wirft plötzlich die Frage auf "Ist das geschehen weil ich Jüdin bin?".

Ich würde daher schätzen, dass es den (meiner Ansicht nach in D leider wirklich vorhandenen) Antisemitismus noch um einen Anteil "gefühlten Antisemitismus" erhöht, und die Kombination aus Beidem zu dem Druck führt der zur Auswanderung motiviert.

Es ist in der Tat ein schwieriges Thema. Ihr Beispiel zeigt sehr gut, welche verschiedenen Ebenen solche Beschimpfungen haben können. Insgesamt (unabhängig vom Inhalt des Artikels) habe ich den Eindruck, dass noch immer viel zu oft Staatszugehörigkeit (Israeli), Volkszugehörigkeit (jüdischer Abstammung) und Religion (Jude) durcheinander geworfen wird. Es wäre einfacher, würde man hier sauber trennen. Stattdessen wird z.B. gegenüber gestellt: Hier die Jüdin, dort der Deutsche. Als wollte man sagen: Hier der Buddhist, dort der Ire. Äpfel und Birnen eben......

Wir hatten in der Schule einen jüdischen Klassenkamerad, Daniel. Wir wussten, dass er Jude war, aber die Religion hat für uns nie eine Rolle gespielt. In den Pausen wurde Fußball gespielt oder wir haben die Mädchen geärgert. Wir waren die coolen Jungs, die auch übereinander gerne derbe Scherze machten. Jeder wehrte sich dagegen auf seine Weise - oder eben nicht. Daniel hingegen hat sich als Jude angegriffen gefühlt und uns Antisemitismus vorgeworfen. Wir wussten gar nicht, was das ist und Daniel war für uns ein Klassenkamerad, wie jeder andere! Vielleicht gibt es auch eine gewisse Sensibilität bei den Betroffenen? Ich glaube nicht, dass es einen breiten Antisemitismus in Deutschland gibt. Den meisten Deutschen ist es egal, ob jemand Jude, Katholik oder Buddhist ist.

In konkretem Fall Antisemitismus kommt nicht aus der sozialen Umgebung, nicht von Menschen die man tagtäglich in einer ungestörten Unmittelbarkeit trifft. Ein Gefühl ist es die erst erlernt wird und dieses Gefühl kommt von Empfindlichkeiten die durch die Politik und mediale Betrachtung der ganzen Komplexität hinausgeht.
Ja, gibt es noch etwas worüber insbesondere die Kinder kaum denken, so gar die ältere abgesehen von allen Empfindlichkeiten auf allen Seiten. Es ist der politische Gebrauch der ganzen Problematik und der hat viele Gesichter und mitwirkende Parteien die eigentlich entweder deutscher noch jüdischer Abstammung sein müssen, die so gar absolut nichts mit der alltäglichen Unmittelbarkeit irgendwas zu tun haben, aber über die Problematik den hohen politischen Einfluss ausüben können oder wollen.

Eins verstehe ich nicht, sie geht also auch nach Israel weil das Leben an sich rauh und dort Krieg herrscht., aber der deutsche Antisemitismus, der bis zu einem gewissen Grad tatsächlich vorhanden ist, den erträgt sie nicht.
Kommt man besser damit zurecht,wenn man weiss, dass wieder dutzende Palästinenser erschossen wurden oder Israelis bei einem Anschlag ums Leben kamen?

Dieser Artikel hat so einige Koernchen Wahrheit. Was den "Auswurf" dieses Schauspielers betrifft so etwas ist ungezogen und zeigt lausige Manieren. Uebertragen auf das Land kann man aber solche Aeusserungen nicht als ein Zeichen von Antisemitismus. Eher glaube ich, dass der Frust vieler Deutscher in dem politischen Unwillen Israels begruendet ist, ein friedlichen miteinander zu etablieren. Aber die Autorin dieses Artikels hat ja nun die Moeglichkeit, wenn sie umgezogen ist, in ihrer neuen Heimat darauf hinzuwirken. In jedem Falle wuensche ich ihr, dass ihr Traum in Erfuellung geht.

Mir ist es ehrlich unbegreiflich, wie sich ein Mensch in Deutschland öffentlich zum Judentum bekennen kann. Selbstverständlich ist das Verhältnis zu Juden völlig pervers, was denn sonst?
Allein schon diese peinliche, entlarvende Versessenheit auf den Palästina-Konflikt. Nur weil Juden beteiligt sind, ist es so ein Thema in Deutschland. Dabei ist es nur einer von dutzend Kriegen in der 2. Welt, von denen uns sonst einer egaler ist, als der andere ist.
Dazu kommt in jüngster Zeit, dass die meisten Muslime in Deutschland einfach Juden hassen.
Das liegt sicher weder am Islam, noch an der Ethnie der Leute. Aber es ist ein Fakt. Der in der Regel überhaupt nicht problematisiert wird. Weil die Palästinenser (Kollektiv) ja mies behandelt werden von den bösen Juden (Kollektiv). Dass die Palästinenser von total bösartigen Mächten dazu verurteilt sind, von faschistischen Spinnern regiert in einem nie endenden Stellvertreterkrieg verheizt zu werden, ist den Leuten völlig wurscht.
Das ist in Deutschland einfach so. Und es ist widerlich. Und es wird nicht besser.
Wenn ich Jude wäre in Deutschland, ich würde diese Herkunft verleugnen, solange keine Aufzeichnungen darüber angefertigt werden und fortan behaupten, Arier zu sein. Es ist einfacher so.
Sonst biste als irgendeine Frau in Berlin persönlich verantwortlich für irgendeinen scheiß Krieg in einer wertlosen Wüste.
Sie werden den Juden den Holocaust nie verzeihen. Sie müssen aufhören Juden zu sein.

Für meinen Teil fahre ich gerne nach Israel und ich mag die freundlichen Menschen dort. Mir gefällt auch das Judentum und seine einziartige Geschichte. Ich kann nicht verstehen, dass man Menschen auf Grund ihrer Religion, Kultur und Rasse ausgrenzt. Ich halte solche Leute für nicht vollständig gesund. Allerdings glaube ich auch, dass einige jüdische deutsche Mitbürger sehr empfindlich auf Kritik reagieren und vorschnell auf Antisemitismus schließen. Als Bio-Deutscher wurde ich mehrmals im Ausland schräg angesehen, obwohl ich mit dem Holocaust nichts zu tun habe und diesen genauso verabscheue. Dann sag ich mir, dass Vorurteile zum Menschsein gehören. Also liebe Frau Funk lassen sie sich von irgendeiner dummen Anmache nicht aus ihrer Heimat vertreiben.

Was für ein unglaublich überheblicher Artikel. Gerade die Herablassung gegenüber den Israelis, die nach Berlin kommen, ist schwer erträglich. Offenbar möchte die Autorin diesen Israelis nicht zugestehen, daß es insbesondere nach mehrjährigem Militärdienst für den Umzug nach Berlin durchaus tiefersitzende Gründe geben könnte, als billigen Pudding und gute Nachtclubs. Während ihr das Leben in Deutschland zu glatt ist, geht sie ja praktischerweise in einem Alter nach Israel, in dem sie nicht mehr Dienst mit der Waffe leisten muß. Bewaffnete Hamas-Anhänger könnten sich ja sonst dummerweise als durchaus diskursunwilliger erweisen, als ihre langmütigen Kollegen mit Markenjeans und Designermöbeln.

Gekürzt, bitte nennen Sie entsprechende Quellen, um ihre Aussagen zu stützen. Die Redaktion/ts

Quellen? Man sollte bei den Journalisten der Zeit und ihren Lesern schon Grundkenntnisse der Geschichte des Zionismus und Palästinas während der britischen Mandatszeit voraussetzen können.
Vielleicht könnte uns die Autorin ja einmal erklären, warum Deutschland für die Balfour-Deklaration, die durch die in Großbritannien ansässigen Sprecher des Zionismus Chaim Weizmann und Nahum Sokolow seit Anfang des 20. Jhdts. ausgeübte Lobbyarbeit für die Gründung Israels sowie für die Konflikte zwischen zugewanderten Juden und Arabern in Palästina in den 20er und 30er Jahren verantwortlich war. Die Grundlagen für die Gründung Israels wurden lange vor Hitler und dem Holocaust gelegt. Offenbar sind historische Fakten den Lesern hier nicht zumutbar.

Diese Frau sieht Israel als ein Land in dem es Krieg und wöchentliche Anschläge gibt. Sie sieht das positiv als “Leben“ und “Reibung“. Ich bin sprachlos von dieser einseitigen und schön gefärbten Interpretation der Apartheit in Israel. Als Nicht-Deutscher kann ich den Judenhass in Deutschland nicht beurteilen, ich kann mir aber kaum vorstellen, dass Diskriminierungen von Teilen der Bevölkerung häufiger als in Israel sind. Ich möchte aber relativieren dass sich diese, meine Meinung aus Medienberichten gebildet hat.

"Apartheit in Israel"

"Apartheit in Israel"

das ist etwas seltsam, denn ehrlicherweise wusste ich nicht, dass man als schwarze(r) in apartheid-südafrika
- höchstrichter_in werden und burische expräsidenten 7 jahre hinter gitter bringen konnte,
- in hohe militärische ränge aufsteigen konnte,
- vizebürgermeister von tel aviv werden konnte,
- die eigene sprache als amtssprache genießen konnte,
- eigene (und offen anti-burische) parteien im parlament hatte,
- auf alle universitäten gehen konnte,
- zugang zu allen öffentlichen räumen hatte,
- botschafter_in werden konnte,
- das selbe bier trinken durfte wie die weißen und
- sexuelle beziehungen mit ihnen pflegen durfte,
- die gleichen einkommenssteuersätze hatte und
- problemlos südafrikanische reisepässe bekam.

da nämlich palästinenser_innen in der israelischen "Apartheit" diese möglichkeiten haben, scheint apartheit eigentlich ziemlich ok zu sein. ich frage mich, was die ganze aufregung soll!

Ich kann die Argumentation der Autorin im letzten Abschnitt nicht verstehen. Tatsächlich gehören auch Dinge wie Reibung und Konflikte zum Leben, zwischenmenschliche Beziehungen sind schließlich auch unmöglich außerhalb des Lebens denkbar. Auf Grundlage dieser Zuordnung kann man aber keine Aussagen über die Qualität von etwas machen. Nur weil etwas zum Leben gehört ist es nicht gleich gut und wertvoll. Im Gegenteil kann wer an dem Leben in welcher Form auch immer interessiert ist Konflikten, wie dem in Israel keinerlei positive Qualität zuordnen weil dort Menschen getötet werden, also Leben vernichtet wird. Das Leben in einer Form wert zu schätzen in der wiederum Leben vernichtet wird ist Paradox.

Mirna Funk wurde in Deutschland geboren, ist in Deutschland zur Schule gegangen, hat hier studiert, gearbeitet und 33 Jahre lang hier gelebt. Sie spricht deutsch und hat die deutsche Staatsbürgerschaft. Trotzdem wird hier reihenweise kommentiert, dass andere Migranten weit schlimmer diskriminiert werden oder was man als Deutscher mitunter im Ausland an den Kopf geworfen bekommt. Ohne das Wort Antisemitismus bemühen zu müssen ... es ist kein Wunder, dass Mirna Funk sich in Deutschland nicht heimisch fühlen kann und darauf hofft in Israel eine wirkliche Heimat zu finden. Ein Jude ist und bleibt in Deutschland eben auf ewig ein Jude und in erster Linie ein Jude. Und was er tut oder was er unterlässt wird stets auf diese Tatsache zurück geführt. Es ist bitter! Ich kann Mirna Funk sehr gut verstehen.

Ich als Jude kann Mirna Funk überhaupt nicht verstehen. Im Gegenteil, ich habe sogar das Gefühl dass hier etwas dick aufgetragen wird. Allein das Kommentar des Arbeitskollegen auf den Vorfall ist derart unlogisch, dass ich mich fragen muss wo man solche Menschen trifft.
Auch muss ich mich fragen, wieso Mirna überhaupt so einen Mann dated, schlechte Menschenkenntnis ?

Und da ist er wieder der ewige Kritik-Reflex. Wie soll man Antisemitismus wirklich bekämpfen wenn jede noch so kleine negative Meinung zu diesem Kommentar (es ist keineswegs ein Artikel) von Mirna Funk gleich als Antisemitismus abgestempelt wird. Das was Sie machen ist nicht sonderlich hilfreich. Auch Kritik muss erlaubt sein.

Ich finde es schade, das Sie meinen dieses Land verlassen zu müssen. Ich finde es schlimm das es Menschen gibt, die Ihnen das Gefühl geben, hier nicht sicher zu sein.
Ich möchte glauben, das die meisten Menschen in diesem Land keine Antisemiten oder Rassisten sind. Ich glaube das die meisten derer, die sich antisemitisch oder rassistisch äußern, dies aus Frustration oder Egoismus tun, nicht weil sie wirklich davon überzeugt sind das es Menschen gäbe, die zweiter Klasse sind.
Und ja das macht einen Unterschied, weil das eine verabscheuungswürdige Ignoranz ist und das andere eine reale Gefahr. Ersteres beschreibt viele Menschen in allen Ländern und ist etwas womit wir befürchte ich leben müssen. Zweiteres können und werden wir nicht dulden.
Ich glaube das das Problem kein rassistisches oder antisemitisches ist, sondern ein menschliches.
Ich will damit sagen, ich verstehe das es schlimm sein muß, das Gefühl zu haben, wegen etwas was man nicht ändern kann (selbst wenn man wollte), Ziel von verbalen oder gar physischen Angriffen zu sein.
Viele Frauen können davon wohl ein Lied singen. Aber ist das so weil die Aggressoren Frauen grundsätzlich verachten? Ich denke nicht. Das bedeutet nicht das dies zu akzeptieren ist, es bedeutet das man das ändern kann.
Der Platz hier reicht leider nicht um meine Gedanken zu Ende zu führen, aber ich möchte das Sie wissen, das Sie hier willkommen sind.
Als Jüdin, als Frau, als Mensch.
Und ich für meinen Teil werde dafür kämpfen das das auch so bleibt.

"Ich glaube das die meisten

"Ich glaube das die meisten derer, die sich antisemitisch oder rassistisch äußern, dies aus Frustration oder Egoismus tun, nicht weil sie wirklich davon überzeugt sind das es Menschen gäbe, die zweiter Klasse sind."
Wenn mich jemand beleidigt, bedroht oder verletzt nur weil ich ein Jude bin, dann ist es vollkommen egal ob derjenige ein Rechtsextremer, Linksextremer oder frustrierter Idiot ist oder warum er so handelt.

Gekürzt, sehen Sie von überzogener Polemik und Spekulationen ab. Die Redaktion/ts

Ich kann die Dame sehr gut verstehen, weil ich aus ähnlichem Anlass (Islamophobie & Rassismus) mein Heimatland so früh verlassen habe. Einige von Ihnen sollten mal die Augen öffnen und zusehen was auf Deutschlands "Strassen" vor sich geht. Es gibt beispielsweise 15 Millionen Bild Leser in Deutschland, die möglicherweise mit Juden/Muslimen/Türken/Afghanen.. anders umgehen als Sie es tun würden. In den meisten Kommentaren hier wird gar nicht erst versucht zu verstehen. Null Empathie!

Meinerseits verstehe ich Ihren Kommentar überhaupt nicht. Mirna Funk spricht an keiner Stelle über Glauben. Sie sagt nicht einmal, dass sie Jüdin sei, sondern dass sie "jüdische Wurzeln" habe, was eine bewusste Unterscheidung sein dürfte. Wie kommen Sie also jetzt darauf, dass sich ihr ganzes Leben um Religion dreht?????

Wer sich vor ein paar Tagen die (meisten) hiesigen Forumsbeiträge zur Wahl Herrn Schusters durchgelesen hat, weiß, was Frau Funk meint.
Außer den meisten natürlich.
Wir können Bier brauen, rechnen, schreiben, lesen, Maschinen bauen, um die Erde und zum Mond fliegen, Computer erfinden - aber verhaltensbiologisch sind wir immer noch nicht fortschrittlicher als Hühnervögel.

Ich finde die Dame nimmt sich viel zu wichtig.
Ich verstehe natürlich ,dass sie sich bereichtigterweise an Antisemitismuss stört. Aber andere Menschen leiden hier oder auch in anderen Ländern auch an einem "Anti dies u. das " .Komischerweise scheint das aber besonders schlimm zu sein, wenn es sich um Juden handelt.
Schon mal darüber nachgedacht, wie andere Leute sich fühlen, die wegen ihrers Aussehens, Hautfarbe " dumm angemacht " werden ? Menschen jüdischer Abstammung hören oft nur ein paar Worte ( oftmals gar nicht als solche optisch zu erkennen )und sind schon brüskiert und müssen ihrer Meinung sofort das Land Deutschland verlassen. Was sollen da die anderen sagen ?

Nochmal allgemein und für alle!

Es gibt nirgendwo ein Grundrecht, darauf, dass man von allen Menschen "toll gefunden zu werden hat".

Aber genau das fordern Sie mit ihren Auslassung immer wieder ein.

Dieses Einfoprdern kann verschieden Gründe haben, entweder ist es "Selbsthass" oder "die Liebe zum Underdog" oder auch nur "Feuigheit" sich einer offenen Diskussion zu stellen, denn man kann immer wieder das "Argument" antisemitisch als "Schwert und Schild" nutzen.

Könnten Sie sich vorstellen, dass Antisemitismus für Juden besonders schlimm ist, weil es sie eben nun mal persönlich trifft? Vielleicht könnten Sie mal genauer erklären, warum es einen trösten sollte, dass andere auch fies behandelt werden, oder warum man sich schlechter fühlen sollte, wenn andere fies behandelt werden, als wenn es einen selbst trifft. Aber vor allem scheinen Sie ja bei "Menschen jüdischer Abstammung" eine ganz besondere, übertriebene Sensibilität zu erkennen (nach dem Motto "andere beschweren sich ja auch nicht" - doch, das tun sie!). Ich erkenne in Ihrem Kommentar einen weiteren Beweis für Antisemitismus hierzulande.

@Adresse verloren - "Auch

@Adresse verloren - "Auch finde ich diesen Artikel schon durch die Wahl [des Fotos] von anfang entwertet. Es drückt einen 'übersteigerten Minderwertigkeitskomplex' und weitere 'Freud'sche Dysfunktionen' aus." - Ihr Kommentar ist nicht nur, aber auch durch Ihre Küchenpsychologie entwertet, drückt aber klar erkennbar diverse Dysfunktionen aus.

Vielleicht gucken die "Menschen" Sie so irritiert an, nicht weil Sie Jüdin sind, sondern weil Sie genau das tun, was Sie an den anderen so stört? Nämlich generalisieren, stereotypisieren und Ihre eigene Meinung als die einzige Wahrheit verstehen. Womöglich gibt es sogar Menschen, die gar nicht wissen oder noch nicht mal wissen wollen, ob Sie Jüdin sind, und Sie oder Ihre Texte trotzdem nicht mögen? Vermutlich ist auch das wieder irgendwie antisemitisch.

"Jetzt bestimmen nur noch der

"Jetzt bestimmen nur noch der Tatort und die Maut und das Opening eines Pop-up-Stores die tägliche Debatte in Deutschland."

Dieser eine Satz ist kompletter Unfug; bis dahin ein sehr lesenswerter Beitrag! Berlin hat in der jüngeren Vergangenheit viel Antisemitismus importiert, am häufigsten in durch Migranten geprägten Bezirken zu finden - passt natürlich nicht in die korrekte, politische Wahrnehmung, aber gehört auch zur Wahrheit! Nichtsdestotrotz, ich hoffe Sie finden was sie suchen, in einem ständig von äußeren Feinden bedrohten Land!

Ich glaube, Sie tun den Deutschen Unrecht. In Israel gehören rassistische Äußerungen zur Tagesordnung (auch in der Knesset). Nur sind da die Juden eher Täter als Opfer. Vielleicht suchen Sie ja die Gemeinschaft in einer Gesellschaft, die mehrheitlich ihren Glauben teilt. Dass Antisemitismus in Deutschland besonders weit verbreitet ist, kann ich mir nicht vorstellen. Was das Ertragen diskriminierender Sprüche anbelangt, hätten viele Frauen mehr Anlass, das Land zu verlassen.

"Was das Ertragen

"Was das Ertragen diskriminierender Sprüche anbelangt, hätten viele Frauen mehr Anlass, das Land zu verlassen." - Möglicherweise ist Ihnen ja nicht aufgefallen, dass Mirna Funk eine Frau ist. Gibt Ihnen irgendwas zu der Vermutung Anlass, dass einem die üblichen Sprüche, die man sich als Frau so anhören muss, erspart bleiben, weil frau Jüdin oder jüdischer Abstammung ist? Sicher nicht. Die kriegt man noch oben drauf.

Bei Antisemitismus denke ich an systematische Benachteiligung oder gar Ausgrenzung von Menschen mit jüdischem/israelischem Hintergrund; ich denke an vermehrte Gewalttaten, die womöglich von den zuständigen Behörden nicht ernst genommen oder unzulänglich ermittelt werden (man denke an den NSU-Skandal).

Bei allem Verständnis für das Gefühl für die Verletzung bei so einer Beleidigung – die sicher ähnlich schmerzhaft ist, wie für seinen Körper etwa als Fettsack, Pickelfratze, Pumuckl beleidigt zu werden –, kann ich bei der geistlosen Beleidigung durch einen gekränkten Schauspieler mit aufgeblasenem Ego und scheinbarem Samenstau kaum auf systematischen Antisemitismus in Deutschland zurück schließen.

Ich wurde zum Beispiel einmal auf offener Straße in Groningen als "mofkop" (etwa: Krautfresser) beleidigt, von einem offensichtlich ungebildeten und vielleicht sogar betrunkenen Mann, und würde mich aber davor hüten, daraus auf systematischen Deutschenhass der Niederländer zu schließen. Mein Vergehen: Auf offener Straße mit einer Freundin Deutsch zu sprechen.

Ich hoffe, dass Sie damit nicht in erster Linie vor sich selbst rechtfertigen, Deutschland zu verlassen, und wünsche Ihnen alles Gute in Israel!

Ihr Kommentar ist typisch. Typisch, weil ich ebenso viele Menschen wie Sie kenne und ich bin mir sicher, dass die Autorin ebenso viele kennt. Sie werden leider nicht erahnen können, wie schmerzhaft es sein kann als "scheiss Jude" betitelt zu werden, herausgerissen aus Ihrer Heimat, reingeworfen in den Judenhass. Schlagartig sind sie ein Fremdkörper in Ihrem Zuhause. Es brennt sich ein, mehr als alles andere. Jude ist immernoch ein gerngenommenes Schimpfwort in der deutschen Sprache. Man wird immernoch anders behandelt, wenn man Jude ist. Ich kann die Autorin vollkommen verstehen und würde mich gerne mehr mit Ihr Unterhalten. Um Sie besser zu verstehen.

@vividas

@vividas

Ihre Antwort ist aber auch typisch. Anstatt sich z.B. mit MIR darüber unterhalten zu wollen, welche Erfahrungen Sie gemacht haben, wollen Sie sich lieber mit IHR über Ihre Verletzungen austauschen, d.h. einander bestätigen, wie schlecht und antisemitisch diese Welt (oder zumindest Deutschland) doch ist.

Ich hatte und habe viele isrealische und/oder (halb-) jüdische Freunde und Bekannte und davon abgesehen, dass dieser Hintergrund in unseren Beziehungen so gut wie nie eine Rolle spielte und wenn doch, dann auch nicht mehr, als es bei einem Amerikaner, Spanier, Griechen usw. der Fall gewesen wäre, hat mir von denen noch nie jemand von antisemitischen Erfahrungen berichtet, obwohl wir zum Beispiel ausführlich über Geschehnisse während der Nazidiktatur oder aber auch in der israelischen Armee gesprochen haben.

Natürlich rechtfertigt nichts eine Beleidigung als "Scheißjude", was Sie erwähnen, aber es könnte vielleicht auch eine Tendenz mancher Menschen geben, negative Erfahrungen gleich als Antisemitismus zu deuten.

Bisher hat mich jedenfalls weder der Artikel (immerhin unter dem Schlagwort "Antisemitismus" erschienen) noch Ihre Reaktion davon überzeugt, dass Deutschland ein systematisch antisemitisches Land wäre. Freilich müssen Sie mich auch nicht davon überzeugen – wir leben in einem freien Land, in dem verschiedene Meinungen erlaubt sind.

Die einzige Frage, die mir bei einem Artikel wie diesem in den Sinn kommt ist mittlerweile nur noch:

Wie ist es möglich, daß es, seit ich zum ersten Male bewußt im Fernsehen die Tagesnachrichten verfolgte (etwa mit 5 Jahren) bis zum heutigen Tage (44 Jahre später) immer noch nicht möglich zu sein scheint, daß Israel mit seinen Nachbarn in Frieden oder zumindest in Akzeptanz existiert?

Manchmal habe ich das Gefühl, Daß dies bis zu meinem Lebensende so weitergehen wird. Ich glaube den Grund dafür zu kennen, möchte ihn hier aber nicht diskutieren.
Andererseits bin ich es aber auch müde, mich als "abgeschliffen" bezeichnen lassen zu müssen.
Und ich bin es wirklich müde, in Foren wie diesen ständig zu lesen, daß die Angehörigen einer Weltreligion ein "Volk" seien. Die Angehörigen des jüdischen Glaubens gehören vielen Völkern an - sie kommen aus vielen Teilen dieser Welt. Aber das sie deswegen eine Nation sind...

Ich kenne nur einen einzigen anderen Staat auf der Erde, der sich in der Argumentation wie Israel über die Religion definiert: Der Vatikan.

Wobei: Wir haben ja heutzutage mit dem IS einen dritten...darüber sollten sich die Leute vielleicht mal Gedanken machen, die sich hier über 19 Cent Schokobecher ereifern.

Danke für die Zeit Ihres Lesens.

Ich finde insbesondere der letzte Abschnitt dieses Artikels ist von tiefer Wahrheit. Ich weiss nicht, wie weit der latente Antisemitismus in Deutschland verbreitet ist. Es gibt ihn überall dort, wo Juden leben, aber der deutsche Antisemitismus ist wohl endogener als woanders. Vielleicht hängt er mit deutschen Ängsten zusammen. Das Problem ist eben, dass Rückfälle ins Mittelalter immer wieder möglich sind, man sollte nicht glauben, dass technologischer und sozialer Fortschritt davor schützt. Ich befürchte einen anderen, wirklich gefährlichen Antisemitismus: den der islamischen Fanatiker und Randgruppen. Der macht sich sehr stark in Frankreich bemerkbar.

Dann wünsche ich der Dame schon mal viel Spaß in Israel, wo sich sich intensiv früher oder später mit real-existierenden Judenhass auseinandersetzen kann. (Von Anti-Semitismus kann man da ja nicht sprechen, weil die Araber ja auch Semiten sind und sich nicht selber hassen.)

Dann kann Frau Funk sich auch aktiv mit dem Thema Schuld auseinandersetzen, weil sie als Teil der dortigen Gesellschaft auch ihren Teil der Verantwortung an den Geschehnissen dort tragen muss.

(...)

Also ganz ehrlich, nachdem ich mich hier durch einige Kommentare gewühlt habe, kann ich Mirna Funk wirklich gut verstehen! Sie scheint leider wirklich Recht zu haben, diese feindseligen Kommentare hier sind der beste Beweis!
Das macht mich richtig traurig. :`-(

Fr. Funk, ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute und dass Sie bald eine Heimat finden, in der Sie sich von ganzem Herzen zuhause fühlen können.

Gekürzt, achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Die Redaktion/ts

ohne frage ist antisemitische ausfälle schlimm, gerade wenn dritte nichtmal gesehen wird dass der synonyme gebrauch des wortes "jude" mit einem schimpfwort antisemitisch ist.
allerdings sollten sie sich ihren schlußabsatz nochmal überlegen frau funk. denn scheinbar sind solche ereignisse intensiv genug dass sie teil ihrer begründung sind. dazu passt dann aber nicht ihnen das leben in deutschland nicht rau genug es, "das böse" hierzulande irgendwie langweilig ist es anscheinend krieg braucht damit sie leben spüren.

an der stelle muss ich als sympathisant dann ebenfalls den kopf schütteln

Ich kann die Autorin auch verstehen.

Natürlich ist Israel letztlich mindestens genauso rassistisch wie Deutschland, in jedem Land werden Minderheiten von der Mehrheit diskriminiert. In dieser letztlich unvermeidlichen Situation lebt es sich aber nun mal einfach angenehmer, wenn man selbst nicht zur gedissten Minderheit, sondern zur dissenden Mehrheit gehört...

Nun ja, angesichts der innenpolitischen Lage Israels mit sich extrem zuspitzenden ethnischen, religiösen und sozialen Konflikten ist es sicherlich nicht der beste Zeitpunkt um dorthin auszuwandern und damit Teil der dortigen Auseinandersetzungen zu werden. Aber wenn es denn um der Liebe willen ist - wofür sonst wollte man so etwas wagen. Außerdem sollte man bedenken: so wie Berlin nicht gleich Brandenburg bzw. Deutschland ist, steht New York nicht für Texas oder die USA und ebenso ist das moderne, weltoffene, tolerante und jugendliche Tel Aviv nicht gleichbedeutend mit Israel.

Werte Autorin,

Werte Autorin,
man kann Ihre Sicht verstehen, ja nachvollziehen. Aber wird es in Israel ohne Diskriminierung gehen (damit meine ich nicht das zutreffende Unrecht gegenüber Palestina, dass Sie sich auch als Keule der Argumentation kennen)? Da gibt es bestimmt auch genug Bevölkerungsgruppen die unter der Regierung leiden... Es gibt überall Idioten, bei Schauspielern ebenso wie bei Nachbarn - und ein Eames-chair ist oft nur gekaufte Internationalität ala Berlin.
Und muss es "rauh" sein? Mit Krieg, Armee, Kampf? So "abgeschliffen" ist Deutschland gar nicht, es ist ja nicht alles "Mitte".
Vielleicht müssen Sie da mal raus, in die Vielfältigkeit der deutschen Lande. Es gibt da genug Vernünftige Bürger und gute Geister, man sieht - medial - nur oft den negativen Rest.
Wenn man die Probleme in Frankreich sieht - und das Verkennen der Ursachen in der arabischen Szene- dann kann ich den Exodus nach Israel verstehen, aber bleiben Sie hier, damit die Bundesrepublik auch vielfältig bleibt. Da muss man sich nicht als jüdische Minderheit im Netz "organisieren", dass grenzt ja oftmals auch Sichtweisen ein und ab.
Und schade dass Sie nicht den Schauspieler nennen. Es ist nämlich eigentlich auch falsch solche Dummheiten nicht zu benennen und eine Entschuldigung einzufordern. Sonst würde man auch schon wieder eine "Sonderrolle" spielen. Gut, wer beim Promi-Dinner mitmacht.... aber "Schauspieler" ist ja kein Freibrief für kreative Dummheit.
Gut, so ein Kommentar ist auch nur eine Meinung, subjektiv, aber bemüht um positive Eindrücke in der deutschen Heimat.

Ach, hauen Sie kräftig auf den Tisch, sagen Sie, wie es ist: Es gibt ihn nach wie vor, diesen hässlichen Antisemitismus. In Deutschland, in Frankreich, in England, überall in Europa.

Es ist beschämend, dass im 21. Jahrhundert Juden aus Europa flüchten und Fremdenfeindlichkeit um sich greift.

Hilfe, lasst uns nicht mit diesen Spinnern hier allein!

Zum Glück kenne ich auch andere Juden, die aus der Opfer-Täter-Ambivalenz heraus gefunden haben. Die schlimmsten Juden-Witze habe ich übrigens dort gelernt. Es sind wunderbare Menschen.

Von denen käme keiner auf die Idee, sich auf einer Israel-Flagge ablichten zulassen, so wenig, wie ich auf einer Deutschland-Flagge in der Zeitung posieren würde.

Meine Meinung zur Dame: Wer sucht, der findet. Sie hat sich ihre Belohnung ehrlich verdient.

Hallo,

Hallo,
mich haben die Jahre nach 1945 und die Staatsgründung Israels immer fasziniert. Würde ich einem Volk angehören, das in ganz Europa verfolgt wurde und innerhalb weniger Jahre Millionen Tote zu beklagen hatte, ich hätte die Lektion gelernt : Kommt es ganz schlimm sind wir auf uns alleine gestellt, haben im Vergleich zu Größe der Vernichtung nur sehr wenig Hilfe.
Natürlich existiert hier Antisemitismus, die Political Correctness soll dabei nur helfen , diesen nieder zu halten. Wie so vieles hier, wirklich was verändern will keiner. Ich wünsche Ihnen viel Glück für ihr Leben in Israel.

Ich kann die Entscheidung der Autorin sehr gut nachvollziehen, würde aber sagen, dass Antisemitusmus leider ein globales und kein spezifisch deutsches Problem ist. Ich lebe zur Zeit in London und fühle mich hier als Mensch jüdischen Glaubens oftmals wesentlich unwohler als in der deutschen Provinz.
Letztendlich muss man eben entscheiden, ob man mit einer gewissen Prise Antisemitismus leben kann, oder ob man an den einzigen Ort auf der Welt geht, wo Juden die Mehrheit bilden und es daher keinen Antisemitismus gibt: Israel. Dafür gibt es dort dann aber zahlreiche andere Probleme, z.B., und das muss ganz klar sagen, dass Israel eine extrem rassistische Gesellschaft ist, die abgesehen von den Palästinensern auch in sich selbst orientalische Juden und z.B. russische oder äthiopische Einwanderer diskriminiert. Nur dass man dann als weißer, europäischer Jude eber keiner dieser Minderheiten angehört.
Ich überlege momentan selber noch, ob ich meine Zukunft in Europa oder in Israel sehe, tendiere aber rein aus finanziellen Gründen momentan noch zu Europa. (Weil 60-Stunden-Woche mit 12 Tagen Jahresurlaub und einem monatl. Durchschnittsgehalt von 1400€ bei Mietpreisen wie in München einfach nicht so attraktiv ist - das ist nämlich israelische Realität.)

Also, wenn ich zusammenfasse, war der schlimmste nennenswerte Antisemitismus der Deutschen, wegen dem sie Deutschland verlassen wird, dass ein Antisemit sie mit "dreckige hässliche Jüdin" beleidigt hat. Es sollen zwar mehr Vorfälle gewesen sein, aber das scheint der "nennenswerte" darunter zu sein.

Aha.

Weiter soll Israel "existentiell bedroht" sein, obwohl es Palästina ist, welches Tag für Tag unter israelischer Raubgewalt schrumpft und in seiner Existenz gefährdet wird.

Aha.

Na dann wünsche ich ihr viel Glück in Israel, auf das ihre neue Regierung die IGH dokumentierten als solche bewerteten Gewalt&Raub-Verbrechen an den Palästinensern mäßigt, sodass die Gründe für den Terror durch Palästinenser endlich nach 40 Jahren genommen werden.

Wenn Sie meint, es sei nun besser dort zu leben, wo Menschen zuhauf "Dreckspalästinenser" bzw. "Drecksmoslem" rufen und an deren Ermordungen nichts schlimmes empfinden können, sei es ihr belassen. Die Einfalt des Vortrags ringt mir ein müdes Lächeln ab!

Also ich kann Mirna Funk verstehen. Selbst als Nichtjüdin finde ich Israel faszierend und einen unglaublich lebenswerten Ort. Als ich das erste Mal in Tel Aviv war, wäre ich am liebsten gleich hingezogen.

Die Bedrohungslage durch die Nachbarstaaten ist allerdings nicht zu unterschätzen, aber wo sonst auf der Welt gibt es einen Ort, an dem Jüdischsein die normale Mehrheitsgesellschaft prägt? In Deutschland gibt es bei aller nach außen zelebrierten Judenliebe viele mehr oder weniger offene Vorbehalte und eine nicht erwiderte Liebe erzeugt Reaktionen, die kulturell irgendwo darin gründen, dass die Deutschen den Juden den Holocaust niemals verzeihen werden. Ich kann verstehen, dass die Autorin darauf keinen Bock mehr hat.

Ich grübel seit einiger Zeit darüber nach, wie tief der Antisemitismus in Deutschland noch verwurzelt ist (und ich frage mich, worin er sich überhaupt begründet...). Es gibt ja diese kluge Beobachtung, dass die Deutschen den Juden den Holocaust nie verzeihen werden, und ich glaub, dass dies ein Stück weit stimmt.

Vielmehr glaube ich aber, dass wir aufgrund mangelnder Bekanntschaften - ähnlich wie auch gegenüber Ausländern - derart verunsichert sind, dass unsere Anspannung sich in solchen Reaktionen manifestiert. Das Wort "Antisemitismus" halte ich nicht für passend, da es unsere Taten im 3. Reich relativiert, aber wir haben ein generelles Problem mit "Fremdartigem", so vertraut es eigentlich auch sein mag. Das spüren derzeit viele Ausländer und ich schäme mich dafür zutiefst. Ich glaube aber nicht, dass Judenfeindlichkeit ein akutes Problem Deutschlands ist, zumindest, wenn man es mit anderen Gruppen in Relation setzt: Heute würde ich mir eher als Moslem Gedanken machen, was ich in diesem Land noch verloren habe. Irrationale Feindbilder werden kreiert und als allgemeingültig angenommen: So herrscht bspw. das Bild eines radikalen Fanatikers vor, wenn man an den Islam denkt, und auch, wenn dieses Bild auf der Straße nicht bestätigt wird: Glauben tut man es und fühlt sich bedrohnt. Das nimmt bald Ausmaße von "Brunnen-Vergiftenden-Juden" an, und die Regierung schweigt und genießt. Es ist widerlich...

Ich wünsche Ihnen aber alles gute in Israel.

Auch wenn mich die vielen Generalisierungen innerhalb des Artikels stören, empfinde ich es als wirklich schade, dass die Autorin Deutschland verlassen möchte bzw. verlassen wird, denn gerade das, was sie am Ende des Artikels kritisiert, nämlich das Glattgeschliffene, das Kantenlose erzeugt sie mit ihrem Wegzug in gewisser Weise gerade (auch) durch ihren Wegzug. Wer kann/soll aus einer spezifischen Perspektive kritische Fragen stellen?

Gerade weil niemand seine Blinden Flecke sehen kann, sind wir auf die Kritik, die Debatten und Auseinandersetzungen angewiesen und das gilt für ALLE, weil wir uns gegenseitig in unserer diversen Perspektivierung unterstützen könnten.

Letztenendes soll dies definitiv kein Vorwurf für irgendwas sein; ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles Gute!

Theorie 1:

Theorie 1:

Das angespannte Verhältnis der Deutschen gegenüber den Juden rührt daher, dass sie nichts falsch machen wollen. Nachdem sie dann jahrzehntelang rumgekrampft und alles richtig gemacht haben, kommt ein Jude und gibt ihnen einen Korb, findet den deutschen European songcontest Beitrag nicht gut oder ist irgendwie anders fies, dann bricht die Enttäuschung über den ganzen Krampf sich sofort Bahn. Niemand außer den Deutschen kommt auf die Idee, z.b. Alma Werfels Tagebücher auf versteckten Antisemitismus zu untersuchen (wo sonst soll man als Frau schon über den eigenen Ehemann lästern) etc. die Deutschen geben sich von Kind auf solche Mühe damit, dass es sie völlig fertig macht, wenn Juden sich als nicht moralisch bessere Menschen herausstellen, sondern Steuer hinterziehen, koks schnupfen, Lena doof finden oder in Siedlungen leben. Vielleicht würde es die Deutschen entspannen, wenn sie ab und zu laut äußern dürften, jemand würde jüdisch aussehen oder einfach mal bemerken dürften, dass jemand Jude ist, und dann kurz spekulieren dürften, woher er ungerechterweise Unterstützung bekommt.
Theorie 2: ich verstehe (oder kann zumindest nachvollziehen) den Unmut der Autorin, finde allerdings ihre freudsche Interpretation Tel Aviver Zugereister etwas ins Kraut geschossen. Sie hat von klein auf die Romantik Berliner Gründerzeitbauten als Normalität kennengelernt, die anderen Anschläge und den israelischen Straßenverkehr- das Unbekannte hat halt immer etwas Anziehendes.

Ich kann Frau Funk sehr gut verstehen. Ich könnte auch gut verstehen, wenn sie nach einiger Zeit wieder zurückkäme nach Berlin.
Es könnte auch sein, dass die verhängnisvolle jüngere Geschichte zwischen Juden und Deutschen zu einer Hypersensibilität auf beiden Seiten geführt hat. Das komische Kucken kommt vielleicht auch daher, dass man als Deutscher sich fragt, gucke ich jetzt auch wirklich ganz normal? Dann klappt's nämlich nicht mehr. Bei uns regt sich doch immer noch das schlechte Gewissen, wenn man einer Jüdin oder einem Juden gegenübertritt. Bei mir wird sich das auch nicht mehr ändern. Es ist die Generationen überdauernde Scham. Ich wünsche Ihnen alles Gute in Israel und - kommen Sie ruhig wieder.

Bei Zitat:"Ich verstehe, dass

Bei Zitat:"Ich verstehe, dass sie nicht anders können, weil es eben keinen Antisemitismus geben darf. Nie wieder – das haben die Deutschen gelernt", habe ich aufgehört zu lesen. Das ist populistischer Quark. wer auch nur oberflächliche Kenntnis dt. Nachkriegsgeschichte hat, weiß, das würde einem Wunder gleichkommen. Wünschen kann man sich dies, aber ich fürchte solange man Rassisten, Antijudaisten & Konsorten nicht zwangssterilisiert wird das nix. Und das ist schon ein problematischer Schritt u. vermutl. nicht ausreichend.

Ich fange mal mit dem Verständnis an: Wenn man sich so unwohl fühlt in einem Land und Optionen hat, dann ist es völlig klar, dass man einen anderen Ort sucht, an dem man sich wohlfühlt. Und wenn es den schon gibt, dann gibt es keine Frage mehr, erst recht, wenn der schon mit nahen Menschen ausgefüllt ist.
Ich frage aber auch weiter: Warum lebt man so lange in einem Land, in dem man sich nicht wohlfühlt oder war da mal ein Wohlfühlen? Wenn ja, warum hilft man nicht mit, das zu erhalten, sondern geht? Warum sind die Ecken und Kanten in Deutschland angeblich so rundgeschliffen, wenn sie doch so stören, dass man gehen will?
Versteh ich nicht ganz. Muss ich auch nicht, es interessiert mich nur.

Bei den Geschichten muss ich ehrlich ein wenig schmunzeln: Von einem Drecksack (sorry, was anderes passt nicht) etwas anderes zu erwarten, als dass er sich die angreifbarste Stelle seines Gegenübers aussucht, um darauf einzuhacken, wenn sie nicht "spurt", ist fast schon ein wenig naiv.
Das ist auch kein Antisemitismus oder Rassismus, das ist einfach Idiotie in Reinform. So einer bedient sich jeden Unfugs, der gerade passt.

Anmerkung: Bitte bemühen Sie sich um sachliche Formulierungen. Danke, die Redaktion/sg

"Und daraufhin schütteln die

"Und daraufhin schütteln die Menschen den Kopf und gehen. "

Bei so viel Widersprüchlichkeit und kompletter Abwesenheit von Logik, kann ich das verstehen.

Klar, man kann und darf natürlich Widersprüchlich und unlogisch sein. Kein Problem - solange ich mich nicht darüber wundere das dann Menschen den Kopf schütteln und gehen.

"Ich verstehe natürlich auch,

"Ich verstehe natürlich auch, dass die Israelis vor dieser existenziellen Bedrohung fliehen wollen, aber sie tun das, indem sie in ein Land gehen, das überhaupt erst dafür gesorgt hat, dass das jüdische Volk auf einem Flecken Erde leben muss, wo es tagtäglich existenziell bedroht wird. Und das ist natürlich verrückt. Sehr sogar. "
Ich kann nichts zum Leben als Jude in Deutschland sagen. Ich kenne persönlich keine Juden und hab keinerlei Berührungspunkte. Von daher mag sein, oder auch nicht. kA.
Inwiefern ist das Land Deutschland dafür verantwortlich, dass die Juden jetzt in dieser Situation sind? Das war keine mythische Volksgemeinschaft, die den Holocaust begangen hat. Das waren viele Täter und noch viel mehr Leute die aus Bequemlichkeit weg geschaut haben. Das ist natürlich nicht schön, aber kein Grund mich persönlich (als Teil Deutschlands?) anzugehen.
Das Rassismusding ist sicherlich auch, dass viele Menschen Juden eher als Religion, denn als Ethnie sehen. Das Konzept eines erwählten Volkes ist den Leuten hier glaub ich einfach fremd. Ich denke nicht, dass die reflektieren, dass Juden das als Rassismus empfinden, wenn man sie wegen ihrer Religion diskriminiert. Aber auch das ist auch ein Schuss ins Blaue von mir...

Selbst rassistisch beleidigt zu werden schützt eben leider nicht davor, rassistisch zu denken. Wer sagt, "das Land, das überhaupt erst dafür gesorgt hat" denkt rassistisch.
"Die" Deutschen sind so und so - wirklich? Die Leute, die ich kenne, sind nicht so. Das Beispiel mit der "Negerschlampe" erscheint mir entweder arg konstruiert oder die Autorin hatte es mit einem sehr dummen Menschen zu tun. In der Regel werden Menschen beide Aussagen entweder als rassistisch empfinden oder in beiden Fällen von den Beleidigten verlangen "sich nicht so anzustellen".
Im Übrigen sind gerade Menschen zweifelhaften Charakters oft sehr gut im Finden der Schwachstellen ihres Gegenübers - der Mann wollte die Autorin schlicht verletzen und war deshalb gezielt rassistisch.
Und zum Schluss noch, jeder Mensch hat seine Vorurteile, stets perfektes Verhalten kann man von niemandem erwarten. Was man erwarten kann, ist, die eigenen Vorurteile als solche zu erkennen, wenn man auf sie hingewiesen wird. Leider scheitern sehr viele daran - überall auf der Welt.

Sehr gut dargestellter Beitrag. Und auch hier im Kommentarbereich zeigt sich die beschriebene verkrampfte und besserwisserische Haltung von Deutschen im Umgang mit dem Thema. Bzw. darüber allgemein der Umgang mit Andersartigkeit, bzw. speziellen "Eigenheiten", wenn man es für den Moment einmal simplifizierend so nennen möchte. Es ist wie so oft, und wie auch im und über den Text dargestellt: Jemand, der "anders" ist als die Mehrheit bzw. explizit Vertreter einer Minderheit ist, schildert eigene Erfahrungen und stellt dar, dass diese keine Ausnahmeerfahrungen sind, sondern diese vielfältig und häufig sind - sodass sich bei den Betroffenen irgendwann auch eine gewisse Müdigkeit einstellt, immer Verständnis für unreflektiertes, unhöfliches oder schlichtweg handfest diskriminierendes Verhalten aufbringen so sollen. Oder immer wieder aufs Neue der Erklärbär sein zu müssen. Diese Schilderung wollen dann viele Vertreter der Mehrheit nicht hören. Sofort heißt es: Heul hier nicht rum, habt Euch nicht so. Es geht Euch doch gut/besser als früher/besser als Du es darstellst. Es ist die Nichtanerkennung einer anderen Erfahrung von Lebensrealität. Klar, als Mehrheit muss man sich auch nicht zwingend Gedanken über Minderheiten machen wollen, ist sogar bequem das nicht zu tun. Anderen ihre realen Erfahrungen abzusprechen, diskriminiert worden zu sein, bleibt trotzdem Ignoranz. Die Person dann zu diskreditieren (Beauti-Journalistin hat jetzt Antisemitismus-Thema für sich entdeckt) ist schlichtweg niederträchtig.

Anti...ismus als multiple Intoleranz

Frau Funk ist eine wunderschöne, kluge und gebildete Frau, die verletzt wurde. Und das immer wieder. Und nun geht sie und flüchtet dabei ein wenig vor einem Anti...ismus, den sie nicht länger ertragen will.
Leider hat sie aber kein Monopol auf Anti...ismen, denn Menschen neigen überall, furchtgetriebenen, zu Anti...ismen, die ihnen geeignet erscheinen, auf andere Menschen einzuschlagen, weil sie diese fürchten oder, aus persönlicher Enttäuschung, eben nicht leiden können.
Wieviele Menschen jüdischen Glaubens aber kennen Sie?
Ich kenne zwei und mag beide sehr.
Aber da unsere Großeltern eben nicht alle im Widerstand waren, was uns auch heute noch sehr peinlich ist und bleiben muss, sondern wegsahen, zusahen oder selbst Hand anlegten, als Millionen ihrer Mitmenschen und Mitbürger umgebracht wurden, eben weil jene jüdischen Glaubens waren, finden sich heute leider so wenige Nachkommen jüdischer Kultur.
Vielleicht sollten wir einfach dankbar sein, wenn ein Mensch, trotz eines vergangenen, präsenten oder künftigen Anti...ismus in diesem Land leben kann und mag? Deutschland darf aber, auch auf diesem Gebiet, ruhig noch etwas besser werden, wie ich finde...

Ihnen aber Alles Gute, Frau Funke! (Sie finden sicher noch Ihren Weg, mit all den Anti...ismen dieser Welt umzugehen; immer in Bewegung bleiben, ist besser, als nur still zu verharren...)

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