Israel Tenenbom kehrt zurück

Sein Bericht über eine Reise durch Deutschland stieß viele Debatten an. Jetzt fuhr Tuvia Tenenbom, Autor, Theatermann, Provokateur, nach Israel. Von

ZEITmagazin Nr. 50/2014

Ich heiße Tuvia und bin gerade in Israel, einem Land, das ich vor 33 Jahren verlassen habe und in das ich zurückgekehrt bin, um darüber ein Buch zu schreiben: Allein unter Juden. Hat sich dieses Land verändert während all der Jahre?

Zuallererst will ich Ihnen etwas über mich erzählen.

Ich wurde in eine extrem antizionistische, ultraorthodoxe jüdische Gemeinschaft hineingeboren, deren Mitglieder sich Hazon-Ish’niks nennen. Diese Menschen sind davon überzeugt, dass sie Gott am allernächsten stehen und Seine einzig legitimen Stellvertreter auf Erden sind. Kurz: Ich wurde in die Elite der Elite des religiösen Judentums hineingeboren.

Ich komme aus einer langen Linie von Rabbis, und wie meine Vorfahren verbrachte ich jede Sekunde meiner Kindheit damit, die Gesetze Gottes zu studieren. Abgesehen von der Tatsache, dass ich auch im Sommer bei 40 Grad "jüdische Kleidung" tragen musste, wie meine Lehrer es nannten – Wollmäntel, schwere Hüte –, war mein Leben, ganz ehrlich, mehr als perfekt.

An einem winterlich kalten Tag, ich muss so um die 14 Jahre alt gewesen sein, erwachte ich aus einem tiefen Schlaf und wurde von seltsamen Gedanken geplagt. Sah ich mit unserer "jüdischen" schwarzen Kleidung nicht viel eher aus wie ein polnischer Adeliger oder ein Mitglied der österreichischen Bourgeoisie vor ein, zwei Jahrhunderten? Passte die Glorifizierung der "Jungfräulichkeit" in meiner Gemeinschaft nicht eher zu einer islamischen Gesellschaft? Und die Art, wie mich meine Rabbis von allem Sexuellen fernhielten – "Du sollst keine Frauen ansehen" –: Hatte sie ihre Wurzeln nicht eher im Katholizismus als im Judentum?

Wie es sich für einen Stellvertreter Gottes gehörte, konsultierte ich Gott – und kehrte der Ultraorthodoxie den Rücken. Ich wandte mich der modernen Orthodoxie zu, trug nicht mehr die typische ultraorthodoxe schwarze Kluft und wurde nebenbei überzeugter Zionist. Ich ging auch zur israelischen Armee. Als Soldat fühlte ich mich mächtig, es war einfach großartig: Ich fuhr im Panzer durch die Wüste und trug ein Maschinengewehr, wenn ich in die Stadt kam. Eines Tages, als ich durch Jerusalem lief – ich fühlte mich wie der biblische König David –, erspähte ich auf der Dachterrasse eines Hauses eine junge arabische Frau in einem langen weißen Kleid. Sie stand aufrecht und stolz da, sah mir direkt in die Augen und begann zu singen. Die lieblichen arabischen Klänge trafen mich mitten ins Herz. Ich erwiderte den Blick dieser Schönheit mit der Engelsstimme und verliebte mich auf der Stelle in sie. Ihr Gesang, wurde mir plötzlich klar, war viel durchdringender, als meine Kugeln es je sein könnten.

An diesem Tag mutierte ich zu einem Linken, genauer gesagt zu einem extremen Linken, und ich verliebte mich in alle Araber. Jung und naiv, wie ich war, dachte ich, meine neue Liebe käme von ihrem Dach herunter und würfe sich direkt in König Davids, also meine, Arme. Nichts dergleichen geschah. Der König wurde links liegen gelassen.

Ich konnte das nicht verstehen. Wie konnte sie sich nicht in einen sexy Mann wie mich verlieben? Und ja, ich war sexy! Ich war eine Attraktion!

In jenen Jahren kamen junge deutsche Freiwillige in Scharen nach Israel, um zu helfen, weil sie sich schuldig fühlten für das, was ihre Eltern, Onkel und Tanten den Juden angetan hatten. Für sie war ich der sexyste Mann der Welt, da meine Eltern die Nazis nur knapp überlebt hatten und die meisten in meiner Familie durch den Schornstein des ein oder anderen Krematoriums in Rauch aufgegangen waren.

Kein Wunder, dass ich mich sexy fühlte; ginge es Ihnen nicht genauso? Nur für die arabische Schönheit war ich leider nichts Besonderes.

Es dauerte ein wenig, aber schließlich kam ich über die Zurückweisung des arabischen Mädchens – damals hieß es noch "arabisch", nicht "palästinensisch" – hinweg. Und eines Tages gab ich auch mein Gewehr ab. Anstatt eine Waffe zu tragen, beschloss ich, mich der politischen Mitte zu nähern und zu studieren.

Meine Mutter, die glaubte, dass der Besuch einer säkularen Universität das Schlimmste sei, was ein Jude tun könne, hörte nicht auf zu weinen, als ich ihr von meiner Entscheidung erzählte.

Also verließ ich Israel. Denn so war ich zwar nicht aus dem Sinn, aber zumindest aus den Augen unserer Gemeinschaft und bereitete ihr mit meinem Universitätsbesuch keine Schande.

Das war vor 33 Jahren.

Ich ging in die USA, und um meinen Durst nach weltlichem Wissen zu stillen, verbrachte ich die nächsten 15 Jahre an verschiedenen Universitäten und studierte alles, was ich interessant fand.

Vor zwei Jahrzehnten gründete ich das Jewish Theater of New York, wo etwa 20 meiner Stücke aufgeführt wurden. Später begann ich für verschiedene amerikanische und europäische Zeitungen zu schreiben, darunter auch für diese Zeitung. Ende 2012 kam mein Buch Allein unter Deutschen heraus, über eine sechsmonatige Reise in die Psyche der Deutschen. Das Buch, das den schockierenden Antisemitismus im Deutschland von heute dokumentiert, wurde sofort ein Bestseller. Ein Jahr später, was für eine Überraschung, fragte mich mein Lektor bei Suhrkamp, ob ich ein weiteres Buch schreiben wollte: Allein unter Juden. Ich sollte darin dieselbe "Technik" anwenden wie im ersten Buch: reisen für ein halbes Jahr, mir alles genau ansehen, mit allen und jedem reden und dann alles aufschreiben. Ich nahm an und flog im Juli 2013 nach Israel.

Das Israel, das ich dieser Tage sehe, ist nicht das Israel, an das ich mich erinnere. Verschwunden sind zum Beispiel die hübschen deutschen Freiwilligen.

Oder nein, lassen Sie mich genauer sein: Sie sind hier, die jungen Deutschen, aber die meisten sind mit anderem beschäftigt, als sich schuldig zu fühlen. Dieser Tage, sieh an, sind sie sehr damit beschäftigt, den Arabern beizubringen, wie man die Juden bekämpft.

Als junger Mann mochte ich arabische Musik und arabisches Essen. Ich genoss beides, sooft ich wollte, heute geht das nicht mehr

Moment, ich nehme das zurück. Dieser Tage fühlen sich viele deutsche Freiwillige sehr schuldig für das, was ihre Großeltern den Juden angetan haben, und deshalb wollen sie den Arabern in ihrem Kampf gegen die Juden helfen.

Das mag für Sie keinen Sinn ergeben, aber die Deutschen, die sich heute durch dieses Land bewegen, sind viel intellektueller, als es ihre Eltern je waren, und verständlicherweise spielen Sinn und Logik nicht unbedingt eine Rolle in ihren kultivierten Gehirnen.

Ein Beispiel: Ich sitze neben ein paar deutschen Mädchen bei einem antiisraelischen Event der palästinensischen Al-Kuds-Universität in Jerusalem. Sie seien hier, sagen sie, um dem palästinensischen Volk zu helfen.

"Wie kommt es, dass ihr Freiwilligendienst für Palästinenser leistet?", frage ich.

"Vor drei Jahren habe ich Freiwilligendienst für Israel geleistet und mich in das jüdische Volk verliebt."

"Vor drei Jahren hast du dich in das jüdische Volk verliebt, und deshalb hilfst du jetzt den Palästinensern?"

Sie sieht mich verärgert an: "Was willst du damit sagen?"

Sie fragen sich vielleicht, worum es bei dieser Veranstaltung ging. Ich werde es Ihnen sagen: Es war eine Vorführung des Films The Land Speaks Arabic mit einer anschließenden Rede eines Dozenten der Al-Kuds-Universität. Darin wurde uns die Geschichte so erzählt, dass der Staat Israel von einer Bande mordender Juden ins Leben gerufen wurde, die ohne bestimmten Grund in diesen Teil der Welt eingefallen waren und mitten in der Nacht Tausende schlafende Zivilisten abschlachteten.

Diese Mädchen haben sich also freiwillig gemeldet, derartige Geschichten palästinensischen Kindern und ausländischen Touristen zu erzählen. Wie geht das mit der großen Liebe zum israelischen Volk zusammen? Verschwenden Sie nicht Ihre Zeit damit, das zu begreifen. Lassen wir die Deutschen einmal kurz beiseite und beschäftigen uns mit den Juden.

Die Juden, dämmert mir langsam, haben sich auch verändert. Sehr sogar.

Die Juden von heute, die Enkel derer, die dieses Land aufgebaut haben, unterscheiden sich ziemlich von denen meiner Kindheit. Angefangen bei den Ultraorthodoxen. Es gibt Rabbis, die heute eher wie bronzezeitliche Heiden die merkwürdigsten "Wunder" vollbringen. Sie versprechen ihren Anhängern Luxus-Suiten im Himmel oder sie zu segnen, damit sie attraktiver aussehen – das alles natürlich gegen einen entsprechenden Obolus. Oder nehmen wir die modern-orthodoxen Juden von heute, die zu meiner Überraschung eine nahezu exakte Kopie der Ultraorthodoxen meiner Jugend sind, nur ein bisschen extremer. Zu meiner Zeit, vor über 30 Jahren, gingen junge modern-orthodoxe Männer und Frauen am Sabbat zusammen tanzen. Aber das ist vorbei. Heutzutage dürfen die Jungs die Mädchen gar nicht berühren, geschweige denn mit ihnen tanzen.

Da wollten die Linken in diesem Land nicht hintanstehen. Auch sie haben sich verändert. Die Linken von heute – einige von ihnen leiten NGOs, die mit Abermillionen Dollar und Euro von ausländischen Spendern gefördert werden – verfolgen nur ein Ziel: die jüdische Identität dieses Landes total zu zerstören und seine Juden zu vertreiben. Hier ist ein Beispiel für ein Gespräch mit einem linksgerichteten Künstler.

"Am Ende sollte es hier nur einen einzigen Staat geben, ein Mann, eine Stimme", erklärt er mir.

Ich frage ihn: In so einem Fall – weil die Palästinenser vermutlich bald die Mehrheit hätten – würde der jüdische Staat aufhören zu existieren, richtig?

"Davon träume ich!", sagt er und fügt hinzu: "Für mich ist der Gedanke, eines Tages ohne Palästinenser aufzuwachen, ein Albtraum."

Was würde in diesem Land passieren, wenn seine Juden die Minderheit wären? Nun, wie ein europäischer Menschenrechtler zu mir sagte, besteht die "Möglichkeit", dass die Juden möglicherweise leiden würden ...

Sie wissen, was er mit "leiden" meint, nicht wahr?

Aber die neulinken Juden weigern sich, das zu erkennen. Sie lieben nur die palästinensische Kultur. Sprechen Sie arabisch, frage ich sie. "Nein", ist die Antwort. Haben Sie den Koran oder andere islamische Quellen gelesen? "Nein, noch nicht", höre ich. Es ist verblüffend, dass Menschen ihr Leben der Erhaltung der palästinensischen Identität widmen und noch nicht einmal in Erwägung ziehen, diese Kultur zu studieren.

Neben den Juden gibt es hier natürlich auch Araber. Haben sie sich verändert?

Das haben sie. Oh ja, das haben sie. Das Lachen, das ich vor 33 Jahren in ihren Gesichtern sah, ist völlig verschwunden. Bevor Europa und Amerika Milliarden von Dollar in "Friedensinitiativen" schütteten, vermischten Araber und Juden sich recht gut. Es war hier nicht perfekt, aber auch in New York ist es nicht perfekt. Als junger Mann, erinnere ich mich, fuhr ich nach Ramallah, Nablus, Bethlehem – egal, wohin. Ich mochte arabisches Essen und arabische Musik und genoss beides, sooft ich wollte. Kann ein israelischer Jude heute nach Nablus reisen, nach Gaza, nach Ramallah?

Mit palästinensischen Schulkindern in Burin © Isi Tenenbom

Ich frage einen Passanten, was in den letzten Jahren passiert ist, dass sich so viel verändert hat. "Der Frieden ist ausgebrochen", sagt er, halb lächelnd. Welcher Frieden?, frage ich. "Oslo", kommt die Antwort. Der Versuch, ein Land zwischen zwei Stämmen aufzuteilen, zwischen Arabern und Juden, habe Hass zwischen ihnen gesät, sagt er.

Ist das so? Vielleicht ja, vielleicht nein. Damals war ich ein treuer Unterstützer der Oslo-Abkommen, aber sie wurden geschlossen zu einer Zeit, als ich nicht im Land war.

Heute bin ich im Haus eines der wichtigsten Palästinenserführer, General Dschibril Radschub, den viele Israelis für einen der Moderatesten in der PLO halten. Einer seiner Männer erklärt mir: "Wissen Sie, es wäre sehr gut gewesen, wenn Rommel erfolgreich gewesen wäre." Er spielt auf die Pläne Nazi-Deutschlands im Zweiten Weltkrieg an, Palästina zu erobern. "Dann hätten wir das ganze Land gehabt, weil kein Jude überlebt hätte."

"In meinen Adern fließt deutsches Blut", sagt ein anderer. "Wir alle, alle Palästinenser, sind deutsch."

Sie kennen mich als "Tobi, den Deutschen", und sie lieben mich dafür. Früher hätte ich "Tuvia" sagen können. Das ist vorbei. Hätte ich mich mit meinem jüdischen Namen vorgestellt, wäre die Wahrscheinlichkeit groß, heute nicht mehr unter den Lebenden zu sein. Nirgendwo in Palästina – oder im "A-Gebiet", wie es im Oslo-Abkommen heißt – findet man auch nur einen Juden. Nur Juden, die entführt oder tot sind. Was für einen Unterschied 33 Jahre machen.

Es vergingen Monate, in denen ich durch die Straßen lief, sieben Tage die Woche, 14 Stunden am Tag, bis ich entdeckte, wer diese extremen Veränderungen den Leuten hier aufzwingt. Ahnen Sie, wer dieser Jemand ist?

Dieser Jemand, aufgepasst, ist im gleichen Zimmer wie Sie. Können Sie ihn finden, mein Freund? Stellen Sie sich einfach vor einen Spiegel, dann sehen Sie ihn.

Ja, Sie sind es. Verzeihung! Wenn Sie in Deutschland leben und Steuern zahlen, dann ist es Ihr Geld, das hier alles durcheinanderbringt.

Wie?

Beginnen wir mit den drei Buchstaben NGO. Und es gibt es noch zwei weitere Buchstaben, mit denen Sie sich vertraut machen sollten: EU. Werden Sie jetzt böse? Bitte nicht!

Damit Sie das leichter verdauen können, will ich Ihnen ein paar Nachrichten überbringen. Es gibt Araber in diesem Teil der Welt, und es gibt Juden, aber diese beiden Völker sind nicht diejenigen, die das Schlamassel hier anrichten. Es gibt noch eine andere Gruppe hier, die Europäer, und die sind so böse, wie sie es immer waren.

Wollen Sie Beispiele?

Bitte. Kommen Sie mit mir nach Jad Vaschem, der Holocaust-Gedenkstätte dieses Landes. Ich begleite eine italienische NGO, Casa per la Pace Milano, die junge Italiener ins Land bringt, mit dem ehrenwerten Ziel, Israel aus erster Hand zu erleben. Die Forschungsreise wird von der Europäischen Kommission gesponsert. Diese NGO bucht sogar einen israelischen Fremdenführer, einen, den die Organisation von früheren Reisen kennt, ein Mann namens Itamar.

"Willkommen in Israel, Palästina", spricht Itamar in sein Mikrofon und sagt uns dann, dass er ein Ex-Jude sei. Wohlgemerkt, bevor ich fortfahre: Es ist mir egal, was diese Person denkt. Die jüdische Geschichte ist voller sich selbst hassender Juden, die alles taten, um von jenen angenommen zu werden, die sie hassen – Itamar gehört in diese Kategorie. Was hieran interessant ist: Er wurde von den Europäern ausgesucht. Offenbar bezahlen sie ihn vor allem dafür, schlecht über andere Juden zu reden.

"Ex-Jude."

Während wir im Museum von Abteilung zu Abteilung laufen, bemüht Itamar Vergleiche zwischen damals und heute, zwischen den Nazis von gestern und den Israelis von heute.

"In Israel werden heute Afrikaner in Konzentrationslager gesteckt", sagt Itamar und spielt dabei auf die sudanesischen und eritreischen Flüchtlinge an, die offenbar in Krematorien in ganz Israel verbrannt werden.

Gut zu wissen, wenn ich das so sagen darf.

Die Tour geht weiter, und wir kommen in eine andere Abteilung, in der der Besucher des Museums eigentlich etwas über die Endphase der Massenvernichtung von Millionen von Juden erfahren sollte – nur hat unser Ex-Jude etwas anderes im Kopf.

Er sagt: "Was Sie hier sehen (in Jad Vaschem), ist alles aus dem Blickwinkel jüdischer Opfer dargestellt, das hier ist ja auch ein jüdisches Museum. Aber was Sie hier sehen, passiert heute auch in Palästina. Was hier in Israel passiert, ist Holocaust. Die israelische Armee tut heute das Gleiche und die amerikanische Armee ebenfalls."

Ich bin froh, muss ich sagen, dass meine Mutter schon tot ist und das nicht hören muss.

Aber wenden wir uns nun den israelischen NGOs zu. Die meisten von ihnen sind linksgerichtet und arbeiten Tag und Nacht daran, zu beweisen, dass Israel ein Aggressor-Staat ist. Eine dieser Nichtregierungsorganisationen ist B’Tselem, eine der mächtigsten ausländisch finanzierten israelischen NGOs, sie ist sehr aktiv in allen Belangen, die Palästinenser betreffen. Zum Beispiel veröffentlicht B’Tselem "Beweise" für Menschenrechtsverletzungen der israelischen Regierung und der israelischen Armee. Wie machen sie das? Sie haben Feldforscher und Rechercheure, elf insgesamt, deren Aufgabe es ist, Hinweisen nachzugehen und diese zu dokumentieren.

Das "heute-journal" begann seinen Bericht über das Massaker in der Synagoge mit der Familie des Attentäters

Es ist Zeit, dass ich sie begleite und zusehe, wie sie arbeiten. Ich treffe mich mit einem der Top-Feldforscher und -Rechercheure, wie mir gesagt wird, und er nimmt mich mit, damit ich mit eigenen Augen sehen kann, welch schreckliche Dinge die Juden den Arabern antun. Als wir den Ort erreichen, wo die bösen Juden sein sollen, treffen wir traurigerweise keinen einzigen an, weder einen guten noch einen bösen. Stattdessen stellt mich der B’Tselem-Rechercheur, ein Mann mit dem Namen Atef, dort einem Araber vor, in der Hoffnung, er werde mir ein paar schreckliche Geschichten über die schrecklichen Juden erzählen.

Ich muss hier innehalten und Sie an meinen Namen erinnern: Tobi. Tobi, der Deutsche.

Manchmal tauche ich übrigens auch unter dem Namen Abu Ali auf, ein Name, den mir Dschibril Radschub gegeben hat. Ich liebe diesen Namen, es ist ein Ehrenname, ein Name, der auch Adolf Hitler verliehen wurde. Aber erfreuen wir uns nicht zu lange an meiner Reinkarnation als Abu Ali und bleiben von nun an beim Namen Tobi. Tobi, der Deutsche; ich.

Und dieser Tobi ist heute bei einer arabischen Familie zu Gast, die Atef ihm vorgestellt hat. Der Kopf der Familie liebt die Deutschen, aber ist auch verärgert über sie. Er beschuldigt mich, dass ich, Tobi, der Deutsche, Geld an die Juden zahle.

Wann habe ich irgendeinem Juden Geld gezahlt?, verlange ich zu wissen.

Na ja, nicht ich persönlich, aber mein Volk, die Deutschen. Wir gestatten den Juden, zu behaupten, dass wir sie getötet haben, und zahlen Wiedergutmachung für etwas, was nie stattgefunden hat.

Es ist eine ziemliche Herausforderung für mich, mein Volk einem Araber zu erklären. Aber ich versuche es. Ich erinnere meinen neuen Freund daran, dass wir, die Deutschen, keine andere Wahl haben, als die Juden zu bezahlen, weil wir sie im Zweiten Weltkrieg getötet haben.

Atef, durch und durch Rechercheur, unterbricht mich: "Das ist eine Lüge. Das glaube ich nicht."

Der Holocaust, wie wir alle wissen, ist eine Erfindung der Juden. Und die Juden von B’Tselem nennen das "Recherche".

Aber wer finanziert die sogenannten Menschenrechtsorganisationen, die hier arbeiten? Einer der Hauptförderer von B’Tselem beispielsweise ist das große deutsche kirchliche Hilfswerk Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst. Es förderte B’Tselem 2012 mit umgerechnet etwa 250 000 Euro, was gut ein Fünftel des Gesamtbudgets von B’Tselem ausmachte, das 2012 bei umgerechnet rund 1,2 Millionen Euro lag.

In meinem Buch Allein unter Juden bringe ich weitere Beispiele und beschäftige mich eingehender mit den NGOs, die hier operieren. Ich kann Ihnen versichern, dass ich während meines Aufenthalts in diesem Land auf viele NGOs gestoßen bin, die angeblich die Durchsetzung der "Menschenrechte" und den "Frieden" zum Ziel haben. Sie widmen sich in Wahrheit aber der Zerstörung des Staates Israel und der Delegitimierung seiner jüdischen Bürger.

So habe ich neulich das Internationale Komitee vom Roten Kreuz bei einer Mission begleitet. Auf unserem Weg von Jerusalem nach Dschenin wurde ich durchgehend von einem IKRK-Mitarbeiter über die Menschenrechtsverletzungen des Staates Israel belehrt. Über die Palästinenser fiel kein schlechtes Wort. Weiterhin wurde mir versichert, dass Israel ein krimineller Staat sei, der jeden Tag Verbrechen begehe. Die Anti-Israel-Propaganda hörte damit nicht auf. Es wurde mir schriftlich bestätigt, dass "die staatlichen Vertragsparteien der Genfer Konvention mit Ausnahme Israels unsere Rechtsauffassung teilen". Wenn das wahr ist, dann wären also Assad und Putin zwei vorbildliche Menschenrechtsaktivisten.

Das klingt scharf, ich weiß, aber traurigerweise ist das die Realität, die ich hier erlebte.

NGOs kosten Geld, Millionen und Abermillionen, und jemand muss sie finanzieren. Können Sie sich vorstellen, wer das ist?

Laut einem israelischen Geheimdienstoffizier, mit dem ich sprach, "kommt der Großteil des antiisraelischen europäischen Geldes von den Deutschen". Wir reden hier nicht über Nahrungsmittel oder Kleidung für Bedürftige. Nein. Worüber wir hier reden, sind NGOs, die antisemitische Stereotype verbreiten und Israel mit einem Apartheidstaat vergleichen.

Und wer zahlt dafür?

Sie sind es, verehrter deutsche Leser, der dafür zahlt. Die Hälfte des Budgets von Brot für die Welt von 2013 etwa stammte vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Warum tut Deutschland so etwas?

Fragen Sie mich nicht.

Fragen Sie mich auch nicht nach den deutschen Journalisten, die hier arbeiten. Es gibt ziemlich viele davon, große Talente, wie ich hinzufügen möchte, und es ist erstaunlich, wie die meisten von ihnen operieren. Tagein, tagaus konkurrieren diese deutschen Journalisten – einige von ihnen Juden voller Selbsthass – um die größtmögliche Manipulation der Wahrheit.

Nachdem am 18. November zwei Palästinenser in einer Jerusalemer Synagoge betende Gläubige mit Äxten, Messern und einer Pistole töteten, ein regelrechtes Massaker verübten, das erst beendet wurde, als die herbeigerufene Polizei die Angreifer erschoss, berichteten hochrespektable deutsche Medien folgendermaßen über das Ereignis: Das heute-journal begann seinen Beitrag nicht etwa mit den Opfern, sondern mit der armen, trauernden Familie eines der beiden palästinensischen Attentäter. Und auf Deutschlandradio Kultur wurde dem Hörer mitgeteilt: "Nach den Motiven der Täter fragt [in Israel] niemand."

Vor 33 Jahren kamen Araber und Juden miteinander aus. Nicht sehr gut, nicht perfekt, aber sie kamen ungefähr so gut zurecht wie die Bürger von Belgien heute oder die Kurden und die Türken.

Mit PLO-Politiker Dschibril Radschub © Isi Tenenbom

Als ich hier lebte, vor der ersten Intifada und vor Oslo, besuchte der Araber den Juden und der Jude den Araber. Sie aßen zusammen im selben Restaurant, gingen in den Läden der jeweils anderen einkaufen, und alles, was sie trennte, war eine fünfminütige Fahrt nach Ramallah oder Gaza. Jetzt haben wir NGOs, die sagen, sie seien für den Frieden, aber sie verbreiten in Wahrheit so viel Hass wie menschenmöglich. "Die Investitionen der internationalen Gemeinschaft für die Palästinenser", sagt mir ein israelischer Armeeoffizier, "liegen allein im C-Gebiet bei 600 Millionen Euro." (Das C-Gebiet ist eine Region, die unter voller israelischer Kontrolle ist und in der etwa fünf Prozent der Palästinenser aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen leben.)

Sprechen Sie von dem gesamten Geld, das von 1967 bis heute investiert wurde?

"Nein, aktuelle Investitionen für neue Projekte, die gerade auf dem Tisch liegen."

Und wie viel seit 1967?

"Milliarden."

Haben Sie, deutscher Steuerzahler, das gewusst?

Der Hass, der von den NGOs gesät wird, spielt eine wichtige Rolle bei der Veränderung, die ich unter Arabern und Juden erlebt habe.

Manchmal, wenn ich mir Deutsche anschaue, jung oder alt, die sich mächtig reinsteigern in ihren unerklärlichen Abscheu gegen die Juden, möchte ich weinen, aber ich bewahre die Contenance. Warum? Ich bin Journalist, und meine Aufgabe ist es, zu berichten, nicht, zu verändern. Wenn man die Geschichte zwischen Deutschen und Juden im vergangenen Jahrhundert betrachtet, würde man erwarten, dass die Deutschen anders handeln, aber sie tun es nicht. Warum? Weil sie die Juden immer noch hassen.

Tuvia Tenenbom

ist ein jüdisch-amerikanischer Schriftsteller. Er wurde 1957 in Israel geboren und lebt in New York. Für ZEIT ONLINE schreibt er die Kolumne Fett wie ein Turnschuh. 2012 erschien von ihm das Buch Allein unter Deutschen. Im November 2014 ist sein neues Buch Allein unter Juden erschienen.

Lassen Sie mich geradeheraus sein: Festzustellen, welch enorme Investitionen die Europäer leisten – allen voran die Deutschen – und welch endlose Anstrengungen sie unternehmen, die letztlich nur dazu führen, dass die Juden in Israel geschwächt werden, ist eine sehr beunruhigende Erfahrung. Von den Arabern mit Liebe überschüttet zu werden, nur weil sie denken, ich sei Deutscher, ist beängstigend. Juden zu beobachten, die sich schon wieder nicht trauen, sich gegen die vielen feindseligen Europäer zu wehren, die sich ihnen sogar anschließen, ist schockierend.

Ich bin kurz vor der Abreise und frage mich, wie dieses Land aussehen wird in 33 Jahren. Ich bin nicht sicher, weil ich dann schon lange nicht mehr zu den Vertretern Gottes auf dieser Erde gehören werde, aber meine Vermutung ist: Wenn es nach den Deutschen geht, wird in 33 Jahren kein einziger Jude mehr hier sein.

In Frieden und Liebe

Abu Ali

65 Kommentare

Hallo Herr Tenenbom,

Hallo Herr Tenenbom,

Sie plädieren für journalistisch saubere Arbeit.
Warum halten Sie sich nicht daran? Es ist eine sehr persönliche Darstellung, mehr Impressionen, aber warum behaupten Sie etwas, ohne einen Beleg zu liefern?
Natürlich sind NGOs oft ein Problem (das sieht man in der sogenannten Entwicklungshilfe), aber das zu kritisieren heißt ja nicht, alle Probleme und Vorwürfe als erfunden zu betrachten.
Israel ist eine Besatzungsmacht und handelt auch so.
http://www.amnesty.org/en...
Die Siedlungspolitik (einschließlich Wasserpolitik, Mauer) sind völkerrechtswidrig, genauso die Schikanen an den "Grenzen"/"Übergängen" und die Kollektivbestrafung ganzer Familien (Häuser werden abgerissen). Sind das alles Erfindungen von NGOs?
Ich war selbst vor Ort, kann den Rassismus auf beiden Seiten bestätigen und weiß auch keinen Ausweg. Aber so einfach wie Sie es sich mit den kruden Thesen machen ist es nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Ich bin sehr sehr froh über den innhalt der Kommentare. Welche diesen höchst fraglichen Artikel, gottseidank richtig kontrastieren. Ich dachte schon ich bin im falschen Film. Aber es gibt (wieder gottseidank ) hier in Deutschland noch genügend differenziert denkende Menschen mit kühlem analytischen Sachverstand.

Hochgeschätzter Tobi, Tuvia oder gerne auch Abu Ali.

Ich danke von Herzen für den Text, den ich gerade lesen durfte.
Damit meine ich nicht den doch recht langgedehnten und im ersten Moment etwas verwirrenden Aufsatz Ihrerseits zu Ihrer Frage:

"Hat sich das Land [Israel] verändert während all der Jahre?"

Da ist die Antwort einfach: Ja. Natürlich hat es das. Ob zum guten oder schlechten hängt wie immer vom Standpunkt der hier vertretenen Kommentatoren ab, nachzulesen in den 63 Kommentaren vor mir.

Ich bin geradezu froh, daß es jetzt noch nicht mehr waren...alle auch nur im Ansatz zu überfliegen ist mir in der Debatte über Israel, die Juden im allgemeinen oder besonderen und den ganzen dranhängenden Kladderadatsch mittlerweile zu anstrengend geworden. Da wiederholt sich zuviel - soviel Zeit hat ja keiner.

Aber, geschätzter Tobi, Tuvia oder auch Abu Ali :
Ihre zu Beginn eingefügte Vita hat irgendwie gar keinen hier bis jetzt interessiert.
Das ist ausgesprochen schade, denn dort steht ja so vieles: Ihre Wandlung vom (ich bitte meine christliche Hintergrundprägung zu verzeihen) Paulus zum Saulus und dann wieder zurück nach Rückfrage beim Allerhöchsten [..."Wie es sich für einen Stellvertreter Gottes gehörte, konsultierte ich Gott – und kehrte der Ultraorthodoxie den Rücken."]

Fantastisch...!

Teil 2:

Teil 2:

Und ich gebe zu: Wäre ich als 14 - jähriger morgens aufgewacht und hätte mich in meinen Klamotten wie ein [..."polnischer Adeliger oder ein Mitglied der österreichischen Bourgeoisie vor ein, zwei Jahrhunderten..."] gesehen, auch mich hätten solche Gedanken sehr geplagt.

Dann, Schlag auf Schlag: Wandlung zum Zionisten, Soldaten, Linken und, nach dem Fall Ihrer Monarchie [...Jung und naiv, wie ich war, dachte ich, meine neue Liebe käme von ihrem Dach herunter und würfe sich direkt in König Davids, also meine, Arme. Nichts dergleichen geschah. Der König wurde links liegen gelassen..."]

Das ist grandios...!

Aber wie stand es bereits in der Kopfzeile zu lesen?

"Tuvia Tenenbom, Autor, Theatermann, Provokateur"

In diesem Sinne danke ich Ihnen herzlich. Über den Rest denke ich nach und melde mich nochmal bei Gelegenheit.

Mit Dank für's Lesen,

B.F.Kreutz

NGOs wie "Hilfswerk Brot für

NGOs wie "Hilfswerk Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst”
passen gut mit dem Bild der “guten” Antisemiten zusammen. Harmlose moderne Gutmenschen, welche “Hilfsbereit” sind, einen guten Herzen haben und Juden evtl. nur “aufklären" wollen im Namen ihres “Gottes”. Wo letzteres eher als die “eigene Überzeugung" gelesen werden soll. Diese selbstbewusste Menschen sind der "cutting-edge” der Gesellschaft. Aufgeklärte und in keiner Weise religiöse Menschen. Wissenschaftler, Professoren, Ärzte. Es heißt ja heute nicht mehr JC. Deshalb sind ja keine Kreuzzüge mehr notwendig. Heute arbeitet man mit Vernunft, Politik, mit Kunst … also mit Fakten wie solchen die Antisemiten schon immer in der hand gehabt haben.

Puh, ganz schön krude Thesen.
Deutschland leistet zig Mrd. an Reparations-, Wiedergutmachungszahlungen. Deutschland leistet regelmäßig Mrd. schwere militärische Unterstützung. Beispielsweise verschenkte Deutschland Anfang der 90ger zwei -U-Boote der Dolphinklasse. Bei heutigen Deals dieser Art übernimmt Deutschland noch immer ein Drittel der Kosten und rüstet die Boote zudem mit Abschussvorrichtungen aus, welche geeignet sind, auch Atomwaffen abzuschießen, was man ja nicht extra machen würde, wenn man die Boote nicht auch mit diesen Waffen ausrüsten wollte.

Ja, dass macht Sinn. Mrd Zahlungen leisten, dazu modernste, atomwaffenfähige Militärtechnik verschenken, um denjenigen dann mit ein paar Hundertausend EURO Finanzierung an NGOs zu vernichten.
Klingt doch total schlüssig.

Der Undercover-Einsatz tut ihm offenbar nicht gut.
Was er da entdeckt hat finde ich auch schlimm, und ich will auch dass es aufhört. Nur weiß er ja eigentlich wie das mit der Demokratie läuft.
Welche Partei wäre denn geeignet um diesen NGO's den Hahn zuzudrehen?
Offenbar ist es wichtig, dass das Thema in der Bevölkerung besprochen wird, damit die Politik darauf aufmerksam wird und handelt.
Aber Tenenboms Pauschalisierung halte ich hier für unangebracht, und kann mir das nur so erklären, dass seine einseitigen Erlebnisse und der Frust sein Bild von den Deutschen verzerrt. Ich hätte ihm eigentlich zugetraut nicht so reflexhaft da dran zu gehn. Er gibt seinen Gefühlen nach, negativen Gefühlen, und hat das Gehirn offenbar abgeschaltet. Ich wünsche ihm, dass er da schnell wieder rauskommt und sich beruhigt. Und dann etwas nachdenklicher an die Sache ran geht.

Ich empfand dieses Artikel als durchweg verstörend.

Vielleicht gäbe es in dem Artikel das ein oder andere, das Wert wäre zu überdenken und sich an die eigenen Nase zu fassen. Ich kann aber einen Author nicht ernst nehmen, der es toll findet wie König David mit seinem Maschinengewehr durch besetzte Gebiete zu marschieren und nicht eine Sekunde reflektieren kann, das die Araber oder Palästinenser das nicht ganz so prickelnd finden, das zumindest ein Teil des Unfriedens in Israel, Palästina auf das Auftreten als Besatzungsmacht, Schikane und Siedlungsbau zurückzuführen ist. Durch diese einseitige Sichtweise wird für mich alles wertlos was der Author vielleicht an richtigem zu sagen hätte.

In dem Artikel vermischt sich völlig verquast richtiges mit völlig absurdem und doch auch weinerlichem. Und leider, das ist das Schlimmste, tut der Artikel das, was Ursache dafür ist, dass die Situation ist, wie sie ist: Er blickt überhaupt nicht konstruktiv nach vorne! Es ist völlig richtig, das einige Kritik, die geübt wird, antisemitisch ist. Wobei man wohl aber unterteilen muss in jene, die gezielt antisemitisch sein wollen oder jene, die sich aus der Motivation heraus, ein Gegengewicht zu setzen, in antisemitische Tendenzen kommen. Bei der zweiten Gruppe kann man die Ursprungsmotivation, Schutz von Minderheiten, ein Gerechtigkeitsempfinden, aufgreifen und positiv münzen.
Leider ist das Problem, dass auf BEIDEN Seiten die radikalen Strömungen seit Jahren viel zu sehr das Sagen haben. Und das, obwohl sie eigentlich in der Minderheit sind. Auf palästinensischer Seite sind sie vor allem in Gaza zu treffen, auf israelischer Seite sitzen sie eigentlich nur Mit in der Regierung.

Für eine friedliche Lösung sind die ständigen Raketenangriffe aus Gaza sicher kein tauglicher Ansatz. Das ständige Faktenschaffen von israelischer Seite aber auch nicht!

Und Israel stellt sich voller Inbrunst gegen praktisch die gesamte Völkergemeinschaft! Weil die alle Antisemiten sind?

Wieso machen sich die Israeli so angreifbar?

Wenn die ganze Energie, die heute in Schuldzuweisungen gesteckt wird endlich einmal in die Friedensverhandlungen gesteckt würde wäre längst Frieden!

Schuldzuweisungen lösen das Problem nicht, sondern verschärfen es weiter. Und wer Deutschland eine Mitschuld für den Konflikt Israels geben möchte drückt sich um die eigene Verantwortung. Es ist egal, welche NGO was von sich gibt. Wenn beide Seiten Freiden wollten wäre das nur Hintergrundrauschen!

Herr Tennebom: Ich habe das ein oder andere Male über Ihre Gedanken geschmunzelt, aber heute lösen Sie nicht einmal Kopfschütteln bei mir aus.

Ein seltsam wirrer Artikel. Ich bezweifle, dass "die Deutschen" wünschen, es gäbe in 33 Jahren (Anspielung auf 1933, nehme ich an) keine Juden mehr in Israel. Niemand kann den jüdischen Israelis ihre Verantwortung für die Politik ihrer Regierung abnehmen. Sie sind für ihre Zukunft selbst verantwortlich.

"Worüber wir hier reden, sind

"Worüber wir hier reden, sind NGOs, die antisemitische Stereotype verbreiten und Israel mit einem Apartheidstaat vergleichen."
Wieso gleich „antisemitisch“? Übrigens enthält der israelische Personalausweis einen Hinweis auf die Herkunft (Rasse): Jude, Araber oder Druse. Das sind weder Religionszugehörigkeiten noch Nationalitäten!

"Es gibt Araber in diesem

"Es gibt Araber in diesem Teil der Welt, und es gibt Juden, aber diese beiden Völker sind nicht diejenigen, die das Schlamassel hier anrichten. Es gibt noch eine andere Gruppe hier, die Europäer, und die sind so böse, wie sie es immer waren."
Herr Tenebom macht also die EU und NGOs dafür verantwortlich, dass Siedlungen in arabischen Gebieten gebaut werden, dafür dass Raketen von Gaza nach Israel fliegen, dafür dass in diesem Jahr über 1800 Palästinenser im Gazakrieg getötet werden gegenüber 67 Israelis?
Wie kann so ein unreflektierter Artikel im Zeit-Magazin landen?

"Sie widmen sich in Wahrheit

"Sie widmen sich in Wahrheit aber der Zerstörung des Staates Israel und der Delegitimierung seiner jüdischen Bürger"

Sorry, aber so wird das nix. Es gibt schon genug Spannungen, weitere Provokationen sind kontraproduktiv.

"aber meine Vermutung ist: Wenn es nach den Deutschen geht, wird in 33 Jahren kein einziger Jude mehr hier sein."

Sorry, aber das geht doch etwas zu weit. Tenenbom hat sich nunmehr disqualifiziert wie es Grass tat. Zwei offensichtlich alternde Männer, denen die Gabe der Differenzierung langsam abhanden kommt und einer zunehmenden Polarisierung weicht. Schwarz-weiß ist ja auch leichter zu begreifen - auch für's eigene Hirn...

Unfassbar. Selten so eine hanebüchene Aneinanderreihung erlogener rechter Propaganda in einer guten deutschen Zeitung gelesen.
Allein die unverschämten Sätze zu den Freiwilligen sind eine Beleidigung eines jeden, der sich im "Heiligen Land" engagiert.
Und die unglaublich kindlich-naive Schilderung des "guten Zusammenlebens" vor 33 Jahren. Als hätten die Palästinenser damals nicht schon seit 14 (!) Jahren unter militärischer Besatzung gelebt. Aber das spielt sicherlich keine Rolle, solange es Herrn Tenenbom nicht in seinem "Genuss" beeinträchtigt.
Von "jüdischem Selbsthass" (was für eine infame Unterstellung, man stelle sich vor, man würde Kritik an der deutschen Politik als undeutsch diffamieren), "Delegitimierung", der albernen These, die EU würde den Terror finanzieren etc. muss man ja gar nicht erst anfangen.
Ich bin zutiefst enttäuscht und schockiert, das die ZEIT einem derartigen Text ein Forum bietet.

Ich kann jedes einzelne Ihrer Worte unterschreiben!! In der von mir eigentlich sehr geschätzten ZEIT finden sich zum Thema Israel/Palästina leider zunehmend einseitige Berichte. Besonders die Beiträge von Tuvia Tenenbom enthalten Sätze, die fast körperlich weh tun, weil sie so platt und beleidigend sind. Wer sich um eine realistische Einschätzung der komplizierten Lage bemüht und dabei auch Kritik an der Politik Israels übt, kann laut Tenenbom nur ein Antisemit sein (wenn er ein Nicht-Jude ist) oder ein "Jude voller Selbsthass". Dies ist ein Totschlagargument, das uns einer Lösung der verzweifelt verfahrenen Lage im „Heiligen Land“ kein Stück näherbringt.

Grundschule 3te Klasse, die 9 jährigen Kinder haben NS-Gesetz chronologisch in ein Heft ein zukleben. Hausarbeit: herauszufinden wann Eltern und Großeltern geboren wurden. „Warum fragst du nicht nach deinem Opa?“ „Weil der tot ist“.

Ich öffnete eine Tür und warf dem Palästinenser ein morgendliches „Shalom“ entgegen. Sah die Reaktion, nahm meine Beine in die Hand, bis ich vor Lachen zusammen brach, er reichte mir seine Hand.

Ich öffnete eine Tür, eine alte Frau lag im Bett. Ich sagte „Hallo“ reichte nach ihren nummerieren Arm. Kollerbierend verriet sie mir „die Deutschen kommen“ und starb.

Was alle Gruppen im nahen Osten zu einen scheint, ist dass immer andere Schuld haben. Die Araber bringen sich gegenseitig um, weil der imperialistische Westen es zu seinem Vorteil so will. Juden und Palästinenser kommen nicht mehr miteinander aus weil schlimme Helfer sie gegeneinander aufgestachelt haben. Alle müssen zuschlagen, weil es den bösen Europäern so gefällt.
Überall nur arme Getriebene, die nicht anders können...

Ich verstehe das Geschreibsel von Herrn Tenenbom nicht. Was will er damit sagen" Wenn es nach den Deutschen ginge, waeren die Juden in 33 Jahren ausradiert"! Was fuer ein Bloedsinn. Ich werde das Gefuehl nicht los, dass der permanent mahnende Zeigefinger immer wieder die frevelhaften Taten der Vergangenheit in die Gegenwart zu projezieren versucht. Nun denn je mehr Herr Tenenbom in dieser Richtung schreibt, desto deutlicher begiebt er sich in Richtung Isolation. Ich bin sicher vernuenftige Israelis denken nicht so wie er.

Mir geht das ganze Thema Nahost nur noch auf den Keks

Ewig das gleiche: Israelischer Siedlungsbau, Terrorakte der Palestinenser. Besatzungspolitik und israelisches Besatzerverhalten, Terrorakte der Palestinenser. Israelischer Religionsfanatismus, palestinensischer Religionsfanatismus.
Dazu diese immer gleichen Bilder von diesen steinigen, überbevölkerten, hügeligen, überbesiedelten, ausgetrockneten, überall eingezäunten, ständig von Militärjets und Hubschraubern überflogenen beschissenen kleinen Stück Halbwüste. Ständig israelische Klageweiber nach Mordanschlägen der Palestinenser, ständig schwarz verhüllte übertrieben schreiende und agierende Trauermassen der Palestinenser nach israelischen Vergeltungsschlägen.
Dazu Artikel wie dieser hier.
Es nervt nur noch - deutsche Vergangenheit hin oder her.

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Provokation um der Provokation willen ist billig und einer produktiven Diskussion nicht zuträglich. Viele Dinge passieren in und um Deutschland herum auf die ich keinen Einfluss habe, das muss man einfach akzeptieren. Offensichtlich sind Herrn Tenenbom die Begriffe Lobbyismus und Demokratie geläufig, jedoch scheint er den Sinn und die politische Realität außer acht zu lassen. Die versteckte Antisemiten Klatsche hätte Herr Tenenbom stecken lassen können.

Der kritische Beitrag wurde mit der folgenden Bemerkung nicht zugelassen,
der Verwunderung ausdrückte.

Insbesondere, was den umwerfenden Einfluss von NGO 's und Stiftungen angeht.

Alles aus dem Kontrast von dreissig Jahren, ohne eine einzige Referenz an Entwicklungen und politische Verschiebungen.

Mit dem neuen Konstrukt der Kollektivschuld von EU und Deutschland an einem neuen allmählichen Holocaust durch Unterstützung der Palästinenser.

Interessante subjektive Skurrilität. Eine Geschichtsklitterung mit individuellen Verzerrungen eines Menschen mit mindestens drei entscheidenden Umorientierung in seinem Leben der Alters - und Jugendbilder zu einem kühnen Wurf von Schuld und Perspektive und Erklärung bietet .

Schade daß…

…ein "Journalist" sich bei seiner "Meinungsäußerung" das Feigenblatt des Journalismus vorhalten kann, anstatt sich für das, was woanders irgendwo zwischen üblerer Nachrede und Volksverhetzung rangieren würde, rechtfertigten zu müssen. Der gesunde Menschenverstand würde zumindest für die eine oder andere besonders steile Behauptung einen substantiellen Nachweis erwarten. Aber das ist Tobi wohl zu anstrengend bei dem lokalen Klima…

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Bei meinen Reisen durch Israel habe ich was ganz anderes gesehen als der Tobi. Orthodoxe judendliche mit Schäfchenlocken die davon träumen live bei einem Konzert von Ramstein dabei zu sein und die die Bundesliga besser kennen als ich. Liberal Juden die mit hochachtung von Frau Merkel sprechen weil die Bundesregierung Isarel state of the art Atomubote geschenkt hat. Ja das zahle ich als Steuerzahler, aber nicht das was sich der Tobi zusammenfantasiert.

Also wenn das stimmt, dass von Deutschland oder EU finanzierte NGOs, so wie Herr Tenenbohm es sagt, Hass auf Israel schüren, dann muss das Geld meiner Meinung nach eingestellt werden, auch wenn sie nebenbei noch was Gutes tun. Ich denke, man müsste die Vorwürfe prüfen: gibt es auch andere Zeugen, die zu berichten wissen, dass z.B. der Jad Vaschem-Führer nur antiisraeliusches Zeug erzählt?

Die Berichterstattung in Deutschland finde ich auch parteiisch. Fliegen Raketen auf Israel, der zugehörige Bericht zeigt einzig ein Foto des israelischen Militärs (http://www.zeit.de/politi...).

Wenn ich diesen Artikel lese, muss ich an den rechtsradikalen Außenminister von Israel, Avigdor Lieberman, denken. Denn er hat auch seine Probleme mit NGOs, und hat versucht, linksgerichtete NGOs per Gesetz zu verbieten. Begründung: Sie zerstören den Staat Israel. So autoritär wie Putins Gesetze gegen ausländische NGOs. Übrigens ist Lieberman mit Putin befreundet, bzw. mit seinen Oligarchen.

Was heißt das? Ja, das heißt Tenenbom passt in der Kategorie der Rechtsradikalen in der israelischen Politiklandschaft. Sogar Benjamin Natanyahu, der Rechte, unterstützte dieses Gesetz nicht.

Davon abgesehen, viel ist zu persönlich geschrieben, jede Anekdote wird kommentiert und beurteilt, das ist positiv, das ist negativ, und alles sind persönliche Urteile, die auf eine einseitige persönliche Wahrnehmung der Realität beruhen. Ich finde das autoritär und langweilig.. Tanenbom kommt mir vor, wie jmd, der seine Wahrnehmung und Meinung den LeserInnen einpressen will. Können LeserInnen mal für sich entscheiden, was sie aus dieser Anekdote oder jenem Fakt herausnehmen?

Aber, manches ist einfach bizzar: "Es war hier nicht perfekt, aber auch in New York ist es nicht perfekt." Da musste ich lachen. Israel verglichen mit NYC!

'Als Mensch unter Menschen'

Es wäre Herrn Tenenbom zu wünschen, dass er mal ein Buch zu diesem Thema schreiben würde, anstatt immer weiter damit fortzufahren, Pauschalverurteilungen durch Pauschalverurteilungen zu bekämpfen und auf plumpe Provokation zu setzen, bei der der Eindruck entsteht, dass es ihm vor allem darum geht: Selbstdarstellung und -glorifizierung. Dieser Mann hat mein aufrichtig empfundenes Mitleid, denn - da schließe ich mich meinem Vorredner an - er wirkt entwurzelt und entfremdet.

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Schlimm, wie dieser Autor nahezu alle Klischees bedient, die der pauschalen Abneigung gegen Israel dienen! Sein Identitätsmummenschanz, die Begriffsverdrehungen, der sich hinter scheinbarem Humor verkriechende Intellektualismus und vorallem: Satire, wo Satire nun mal überhaupt nix zu suchen hat (z.B. die "Krematorien in ganz Isreal").
Und schrecklich, dass uns das auch noch als Journalismus verkauft wird. Das ist wutschnaubendes, geiferndes Ressentiment.
In einer Zeit, in der gerade mal wieder 4 deutsche Zerstörer in das Krisengebiet Israel geliefert werden, obendrein auch noch halb geschenkt, verübelt man es den Deutschen/Europäern, dass € 250.000 von Brot für die Welt an die Palästinenser fließen. Unfassbar!
Geradezu Abscheu erregend, wie mit billigstem Intellektualismus versucht wird zu beweisen, dass gerade die europäischen Hilfsgelder für die Palästinenser zum Zwist zwischen Juden und Arabern geführt haben!
Solche Texte werden den Israelis auf die Füße fallen. So etwas gehört in Schmuddelbücher aber nicht in Zeitungen, die auf ihren journalistischen Ruf Wert legen und ohnehin sich auf eine epochale Krise ihrer Glaubwürdigkeit zu bewegen!

Nun ja, dann mal aus meiner deutschen Perspektive: ich finde Antisemitismus und Holocaustleugnen ziemlich widerlich. Und auch, daß offenbar die deutsche Regierung mit Steuergeldern indirekt solche Sichtweisen unterstützt. Umgekehrt fand ich es allerdings auch nicht schön, daß Israel neulich 2000 Menschen aus dem Gaza-Streifen umgebracht hat. Das könnte die Palästinenser vielleicht mehr aufgebracht haben, als ein Gruppe von Holocaustleugnern. Nur mal so als Theorie.
Was ich damit sagen will: ich sehe dort in Israel eine einzige, und erschreckend hoffnungslose Spirale von Rache, von Wut und Gewalt, die seit Jahrzehnten andauert und immer radikaler wird, weil beide Seiten merken, daß keine Lösung zustandekommt. Stattdessen beide Seiten nur immer mehr Tote, nur immer mehr Leid und Wut ansammeln. Und es gibt dabei keine "gute" Seite mehr, schon lange nicht mehr, und das klassische Denken in "Antisemitismus"-Klischees fruchtet meines Erachtens auch nicht mehr, sondern dient vielmehr schon lange nur noch als Rhetorik- und Polemikfigur, von beiden Seiten für ihre Zwecke mißbraucht.

Der Herr Tuvia mag in vielen Punkten Recht haben.
Ein großer Punkt ist derjenige, dass einige NGO´s samt Förderern gar kein Interesse an enem nachhaltigen Frieden haben.

Andererseits möge man sich an die eigene Nase Fassen.

Früher gingen Arabedr und Juden gemeinsam im gleichen Lokal essen und kauften bei sich gegenseitig ein.

Nun, das geht nicht mehr.

Haben Sie schon einmal die Landakrten verglichen, von vor 30 Jahren und jetzt? Es gibt fast kein "arabsiches" Gebiet mehr!
Hier eine schöne Landkarte zur Verdeutlichung:

http://socialjusticefirst...

Nach dem Willen diverser fragwürdiger Minister sollen in zukünft alle arabischen Gebiete von "Palästinensern" nicht mehr bewohnt sein. Ein israelischer Minister gab sogar öffentlich an, dass man die "Araber" motivieren sollte Israel ganz zu verlassen - für immer.

Der Autor spricht zwar vieles an, dass augenscheinlich richtig zu sein scheint. Gleichwohl ist er auf einem Augen fast komplett blind. Es gibt nicht nur eine Seite in dem Konflikt. Es sind mindestens zwei. Die israelische Regierung hat eine beträchtlliche Mitschuld an der Misere.

Was für ein seltsames, einseitiges Geschreibsel von Herrn Tenenbom. Was mich jedoch an diesem Artikel (und anderen Debatten) am meisten stört: kann man das politische Israel und das Judentum nicht trennen? Kann man nicht die Israelische Politik kritisieren, ohne dass uns immer wieder vorgeworfen wird, dass wir "Juden hassen"?
Für mich hat das eine mit dem anderen nichts zu tun. Bei den Palästinensern wird ja auch "von Arabern" gesprochen und nicht pauschal "von Muslimen".

Zunächst möchte eine Anmerkung zum letzten Absatz:

"Ich bin kurz vor der Abreise und frage mich, wie dieses Land aussehen wird in 33 Jahren. Ich bin nicht sicher, weil ich dann schon lange nicht mehr zu den Vertretern Gottes auf dieser Erde gehören werde, aber meine Vermutung ist: Wenn es nach den Deutschen geht, wird in 33 Jahren kein einziger Jude mehr hier sein."

Ich bin mir sicher, dass es Deutsche gibt, die so denken. Ich verwahre mich nur gegen die Annahme, dass dies auf alle Deutschen zutrifft. Ich persönlich kenne in meinem Bekanntenkreis keinen einzigen der derartig denkt.

Ganz allgemein ist wohl eine Radikalisierung auf beiden Seite zu beobachten, die Tenenbom völlig ausblendet. Grund ist m .M. nach vor allem die zunehmende Bedeutung der Religion im ganzen nahen Osten. Wo es bei David Ben-Gurion noch hieß „Der Gott, an den ich nicht glaube, ist ein jüdischer.“ wird die Agenda jetzt sowohl auf israelischer wie auch palästinensischer Seite von primär religiös getriebenen Hartlinern vorgegeben.

Über Land und Wasser kann man i. d. R. verhandeln - über Glauben nicht.

Wie LU-S hatte ich denselben 1. Gedanken. Vor 33 Jahren war alles noch friedlich. Diese Perspektive war wohl nicht die eines Arabers, der sich als Mensch 2. Klasse fühlte. Vergleichbar mit der Wahrnehmung der Rechten in den Südstatten, die auch friedlich mit den Schwarzen lebten, bis "böse Bürgerrechtler von außerhalb alles durcheinanderbrachten und Gewalt säten." Stellenweise kommt es mir so vor, als wäre anti-israelisches Denken gleichzeitig antisemitisches. Für mich ist Israel ein Staat in einer schwierigen politischen Situation. Wenn ich politische Entscheidungen dieses Staates nicht richtig finde, ist es nicht gleich Antisemitismus. Aber es so darzustellen, als hätten Europäer oder Deutsche erst für Unruhe gesorgt, und dann noch mit einem antisemischen Hintergedanken, ist ein Frechheit, wenn man bedenkt, dass Israel, die abischen Nachbarn bzw. Palästinenser bisher nur Gewalt als Instrument der Konfliktlösung kannten. Ob die Strategie der EU richtig ist, darf zweifellos diskutiert werden. Der Unmut der Paälstinenser kam nicht plötzlich. Ihn zu unterdrücken, hätte nie funktioniert. Eine volle Gleichberechtigung wurde jahrzehntelang von Israel verweigert. Man kann dem Hass nur begegnen, wenn den Menschen Alternativen geboten werden. Diese kosten auch Geld, daher die Unterstützung aus der EU. Wenn diese Strategie nicht aufgeht, muss man sich fragen, warum, ohne gleich von Antisemitismus zu sprechen.

PS: Eine kleine, für mich interessante, Beobachtung kann ich mir dann doch nicht verkneifen: Unter Deutschen findet Tenenbom seine besten Freunde bei denen, die es hassen oder sich schämen, Deutsche zu sein. In Israel findet er die Juden die es hassen, oder sich schämen, Juden zu sein zum Kotzen. Fand ich einen interessanten Kontrast.

Ich persönlich finde weder Nationalität noch Religion wichtig genug, um eine irgendwie geartete Emotion hervorzurufen...

Wenn ich Herrn Tenenbom richtig verstanden habe, mag er die Deutschen nicht, jüdische Linke noch viel weniger und am allerwenigsten Leute, die mit der Politik der israelischen Regierung nicht einverstanden sind. Ich weiß, nicht viele besitzen den Scharfblick und die menschliche Größe eines Norbert Elias, aber ein bischen davon wünsche ich Herrn Tenenbom.

In den 70ern war es mal schick ein Jahr zum Arbeiten ins Kibbuz zu gehen. Heute ist Ramallah die Party-Stadt für gefühlt tausende junge Freiwilliger zweifelhafter Produktivität, die den Palestinensern die Eigeninitiative in allen Bereichen des höheren Gemeinwesens abnehmen. Was bei uns aus mühsam erhobenen Beiträgen, Steuern, Spenden und ehrenamtlicher Arbeit bestritten wird, tun dort internationale Geber, NGOs und deren Freiwillige. Eine riesige Industrie, auch für den lokalen Arbeitsmarkt.

Palestinenser war in den 70ern fast das Synonym für Terrorist. Flugzeugentführungen und Attentate. Aus der Mitte der Palestinenser geht zwar immer noch Gewalt aus. Aber es sind nun die Steine werfenden Kinder und perspektivlose, gehirngewaschene Selbstmordattentäter, auf die der israelische Polizei- und Rechtsstaat keine politisch korrekte Antwort weiß. Israel kann nicht neben jeden von ihnen Sozialarbeiter oder Rechtspfleger stellen. Ob Mauern, Gummigeschosse, Drohnen oder Kommandosoldaten, er werden immer auch Unschuldige getroffen und vor allem die Wirtschaft paralysiert, was Teil des Kalküls der neuen Terroristen ist, für Sympathie und Nachwuchs sorgt. Für arabische Diktatoren und absolutistische Herrscher war es angenehm, die Freiheit in Palestina gegen Israel und nicht im eigenen Land verteidigt zu sehen.

Wie schon der Vorgänger, interessant geschrieben, aber doch deutlich subjektiv und etwas einseitig. Gutes Beispiel: Laut Tenenbom drillt das Internationale Komitee vom Roten Kreuz Palästinenser (oder waren es Beduinen?) darauf, alles aufzunehmen, was ihnen bei der Durchquerung von Grenzposten so widerfährt. Herr Tenenbom wiederholt ständig das gleiche Muster von "Jemand erzählt mir was, da muss ich gleich mal nachsehen, wie das wirklich ist", aber merkwürdigerweise war er so gar nicht dara interessiert heraus zu finden, ob die Leute von israelischen Soldaten tatsächlich mißhandelt werden.

Wie gesagt, nett geschrieben, und auf gar keinen Fall alles erstunken und erlogen, aber trotzdem doch tendenziös (wie man es ja nun shcon von ihm gewohnt ist).

Was Tenenbom gut kann, ist anderen den Spiegel vorzuhalten - das hat ab und zu auch unterhaltsame Züge. Allerdings lassen mich die Texte letztlich jedes Mal ratlos zurück, ich werde nie schlau daraus, was Tuvia Tenenbom letztlich bewirken will.

Ein wenig habe ich den Eindruck, dass er die Doppelmoral und die Ressentiments, die er bei anderen wahrnimmt, in sich aufnimmt und damit seine eigene schlechte Laune nährt. Wenn es noch lustig ist, einem naiven Deutschen oder fanatischen Palästinenser den Spiegel vorzuhalten und Fragen zu stellen, so wird es an der Stelle fruchtlos, wenn daraus die gleichen pauschalen Aburteilungen rauskommen: die Deutschen sind doppelmoralig und hassen am Ende die Juden, die Linke ist sowieso doof, und linke Juden auch.

Vielleicht soll es ja auch bei Tuvia Tenenbom so ausgehen: alle kotzen sich über alle gegenseitig aus. Zumindest kein kitschiges Happy End.

Als nächstes berichtet Tenenbaum dann für die Zeit aus den USA. Wenn ich seinen Bericht aus Israel hierfür etwas umschreibe, dann wird er wohl so lauten: als die Schwarzen in den USA noch hinten im Bus sitzen mussten, da hatten sie immer gute Laune, tanzten und spielten ganz toll Trompete. Dann kam einer und erzählte ihnen, sie hätten Rechte. Seitdem dürfen sie überall im Bus sitzen, haben schlechte Laune und randalieren, nur weil einer von ihnen von der Polizei bei der Festnahme wegen eines Bagatelldeliktes von der Polizei erstickt wird.
Natürlich wird er das nicht schreiben, weil er dann sein jüdisches Theater in NYC zumachen könnte. Als Berichterstatter für die Zeit aus Israel glaubt er uns jedoch solch einen vereinfachenden Unsinn präsentieren zu können.

Klar, es gibt auch keinen Siedlungsbau, keine Vertreibungen, kein Verbrennen von Olivenbäumen, keine schikanösen Checkpoint-Kontrollen, keine völlig ungerechte Verteilung des Wassers, keinen von Es-Soldaten beschriebenen Terror gegen die Zivilbevölkerung, kein Abzapfen des Öls, das wohl zu 2 Dritteln in palästinensischem Grund liegt.
Wirklich völlig unverständlich, dass Palästinenser so ungehalten sind, klar.
Und welch ein "Glück", dass Sie immer auf Deppen stoßen, die Blödsinn über einen nicht vollzogenen Völkermord an Juden schwadronieren und angeblich die Fortsetzung der angeblich ja nicht stattgefundenen Vernichtung wünschen. Sonst würde Ihre Schreibe ja nicht funktionieren.
Sie machen exakt das Spiegelbildliche dessen, was Sie B'Tselem vorwerfen.

Vor einem guten halben Jahr im, ich glaube, heute-journal:

Nachdem über eine deutsche Familie berichtet wurde, die durch die aus Israel abgeschossenen Raketen ums Leben gekommen war und Palästinenser gezeigt wurden, die sehr ruhig und höflich sprachen, wurde übergeleitet mit den Worten, auch in Israel leide man unter dem Krieg und es seien auch dort schon 27 Soldaten (!) ums Leben gekommen. Gleich drauf wurden schreiende Israelis gezeigt, die sich für härteres Durchgreifen aussprachen; es wird von "Wut und Hass" der Israelis gesprochen.

Das sind die Momente, wo ich auch fürchte, dass bei uns etwas grundlegend schiefläuft.

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