Deutschlandkarte Berliner, Krapfen und Pfannkuchen

Von
ZEITmagazin Nr. 53/2014
© Jörg Block

Wie schaffen es Berliner wohl, zwischen dem frittierten süßen Hefegebäck mit Marmeladenfüllung und einer Zuckerhaube, das sie Pfannkuchen nennen, und Pfannkuchen aus Eiern oder Kartoffeln zu unterscheiden? Das fragen sich die Westdeutschen. Die Berliner könnten antworten, dass sie sich dafür mit der Doppelbedeutung von Berlinern (zum Essen) und Berlinern (Personen) nicht herumschlagen müssen. Nun könnten die Nichtberliner kontern: "Schildere mir eine einigermaßen realistische Situation, in der es zu einer Verwechslung kommen kann! ... Siehste. Wohingegen die Verwechslung Pfannkuchen/Pfannkuchen in einem Café oder auf der Mitbringliste für eine Kita-Feier ja wohl durchaus im Bereich des Möglichen liegt." Wer Krapfen sagt, ist nur außerhalb der Schweiz fein raus, wo der Krapfen eine Blätterteigtasche sein kann. Wie für chemische Verbindungen sollte man für Süßgebäck eine international gültige Nomenklatur erfinden.

Quelle: Atlas zur deutschen Alltagssprache

26 Kommentare

Nun ja - so einfach ist das nicht. Genauso wie es durchaus wichtige regionale Unterschiede beim Berliner (Pfannkuchen) gibt, besonders in der Füllung, so vielseitig sind die Varianten beim Eierpfannkuchen! Mit (viel) Ei, ohne, dünner, dicker, mit Bier, Milch.... und dann war da noch die Sache mit dem, was auf den Pfannkuchen drauf kommt, bzw. wie und wozu er gegessen wird. Gerade in den trivialen Gerichten kann man oft genug die Spuren von Regionalität besonders gut finden. http://goccus.com/magazin...

Es ist sogar noch schwieriger. In der Oberlausitz (und-oder Niederschlesien), in Sachsen und Teilen Brandenburgs gibt es nicht nur "Plinsen", sondern Plinze. Das sind Eierkuchen in der Pfanne gebacken, also der Herstellung wie dem franz. Crepé oder den österr. Palatschinken. Diese dort hergestellten Plinze sind fest und nicht dünn, sondern recht "teiglastig". Dünne "Eierpfannkuchen" sind dort die Ausnahme. Und die mit den Kartoffeln, heißen eben Kartoffel-Plinze.
Nach mehreren Jahren, vier verschiedene Bundesländer und österreichischen Erfahrungen, weiß ich selbst nicht wie ich die Dinge beim Bäcker ansprechen muss. Einige Bäcker nennen auch nicht immer ihre Waren Ortsüblich.... Das ist kein Thema für einen Artikel, noch für einen Aufsatz oder Doktorantenarbeiten. Das ist ein Thema für Philosophen.
Das zieht sich auch weiter, ob ich ein Brötchen, eine Semmel oder Weckerl, Weckle bis hin zum Wecken ... zum Schluss erlebte ich dann, dass ein Brötchen kein Brötchen ist sondern eine belegte / geschmierte Stulle / Scheibe / Brot ist.

Ich bin in Duisburg aufgewachsen, meine Eltern sind aus Walsum und Orsoy und sprachen teilweise noch Platt. (Walsumer und Orsoyer Platt).
Meine Mutter machte etwas Ähnliches wie die im Laden angebotenen Berliner selbst. Die Dinger hatten keine Marmeladenfüllung, sondern Rosinen im Teig und wurden nicht als Ballen geformt, sondern vom Löffel in das heiße Fett gestrichen. Heraus kamen seltsam geformte Klumpen, die mit Puderzucker überstreut wurden und "Bullebäuchskes" hießen.
Die waren viiieeeel leckerer als die Dinger vom Bäcker. ;-)
Berliner heißen in Duisburg Berliner oder auch Berliner Ballen.

Also, da gibt es wohl Regelungsbedarf. DIN Normen, auch international anerkannt müssen dringend für diesen Süsskram her.... Es geht doch nicht an, das ein Berliner "Pfannekuchen" nicht mehr von einem Eierpannekuchen zu unterscheiden ist.
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Verbraucher bekommen einen Schock, wenn statt einer flachen Scheibe, sogar mit Apfeln drin, mit einmal so einen Hamburgerverschnitt aus Hefteig aus der Tüte kommt.
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Auch "Amerikaner" müssen dringend in diese Norm, Stelle Euch den Schreck vor, in einer Kaffegesellschaft mit einmal einen 1.80m grossen Schwarzen, (ähm Afroamerikaner mit Migrationshintergrund) an Stelle des beliebten Mürbteiggebäcks mit WEISSER Zuckerglasur aus der Tüte.
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Es gibt ja schon positive Beispiele, der "Negerkuss" (sorry für diesen uncorrekten altmodiscchen diskreminierenden Begriff Moderation) ist ja uch schon in weissen und schwarzen Schaumkuss gemendelt worden, wobei ich mich frage ob die "Rassen-, Farbtrennung" wirklich zu akzeptieren ist.....
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Nun ja, Beef Stroganoff, Chateaubrion, aber erst recht das Zigeunerschnitzel sollten auch auf der Abschussliste stehen.... also, ich meine, ohne genormte Lebensmittel und Bezeichnungen erden wir nicht mehr Lange überleben.
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Samonelleneier, MRSA-Fleisch, usw. brauchen klare Bezeichnungen....
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So was ohne Scrupel Lebensmittel zu nennen, ist ja fast so schlimm wie der "Negerkönig" bei Pipi Langstrumpf.
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Für diese Idee einer klaren lebensmittelrechten Bezeichnung.
Aus welcher Facebuchseite kann ich das liken?
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Gruss
Sikasuu

Keine Angst, normal gebildete Westdeutsche (hier sogar ganz aus dem Süden) wissen das. Aber Journalisten haben mit der Allgemeinbildung im Allgemeinen gerne so ein Problem.
"Wir" wissen auch, dass "Berliner" (für Krapfen) nur eine Abkürzung ist - wobei es hier schon sein kann, dass dies der jungen Generation tatsächlicher nicht mehr bewusst ist und es somit keine Abkürzung mehr ist, sondern war.

Es ist doch so leicht zu merken: Die breiten Dinger in der Pfanne heißen Eierkuchen. Das runde Zeug, die Pfannkuchen, heißen so, weil sie frittiert werden. Und Krapfen werden ähnlich wie Pfannkuchen hergestellt, nur dass sie eine unregelmäßige Form haben.

Berliner sagen nur Leute außerhalb Berlins. So ähnlich wie bei Thüringern, die in Thüringen einfach Bratwurst genannt werden.

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