Ich habe einen Traum Tommy Hilfiger

"Ich sah eine riesige Schlange vor mir auf dem Boden des Hotelzimmers"
Aus der Serie: Ich habe einen Traum ZEITmagazin Nr. 3/2015

Ich habe nie schlechte Träume. Vielleicht vergesse ich sie aber auch nur sofort und erinnere mich nur an die schönen. Vor einer Weile habe ich beispielsweise von der wunderbaren, eleganten Gloria Vanderbilt geträumt. Am Nachmittag war ich bei einem Antiquitätenhändler gewesen. Er zeigte mir eine Lampe, die einmal Gloria gehörte. Gloria hat einen sehr guten Geschmack, wenn es darum geht, Wohnungen einzurichten. Ich habe diese Lampe also gekauft, und in der Nacht darauf träumte ich von Gloria. Sie war wieder jung, und sie schenkte Champagner aus.

Sicherlich haben Träume eine Bedeutung. Manchmal spreche ich mit meiner Frau über meine Träume. Aber ich will mir darüber nicht den Kopf zerbrechen. Warum immer alles analysieren? Mir ist es wichtig, im Moment zu leben und zuversichtlich zu sein. Ich umgebe mich auch gern mit Leuten, die zuversichtlich sind. Kann sein, dass der eine oder andere vielleicht manchmal etwas zu optimistisch ist, aber das finde ich besser als das Gegenteil.

Als junger Mann habe ich mein Unternehmen aus dem Nichts geschaffen. Das geht nur, wenn man positiv denkt. Als Schüler wollte ich lange Basketball-Profi werden. Das sind bekanntlich sehr große Männer, und ich bin nicht sehr groß. Ich wollte trotzdem einer von ihnen sein. Stundenlang habe ich im Keller bei uns zu Hause das Dribbeln geübt und Körbe geworfen. Ich träumte davon, groß zu sein.

Aber ich ahnte irgendwann, dass daraus wohl nichts werden würde. Eines kann ich: erkennen, worin ich nicht gut bin. Ich kann genau unterscheiden zwischen Realität und Traum. Ansonsten bin ich vielleicht sehr durchschnittlich. Aber ich glaube tatsächlich, dass es mir immer wieder Kraft gegeben hat, nicht an Träumen festzuhalten, wenn sie sich nicht erfüllen ließen. Ich sage mir dann: Wenn es nicht klappt, lass es sein. Such dir was anderes. Ich wäre ganz sicher nie ein guter Basketballer geworden, da bin ich eben Modedesigner geworden.

Ich bin also jemand, der sehr vernunftbegabt ist, nicht verträumt. Klar, es gibt Dinge, die ich mir wünsche, ein langes Leben zum Beispiel. Ich möchte in zehn Jahren immer noch die Sommer auf einer Jacht im Mittelmeer und die Winter in der Karibik verbringen. Ich werde dann natürlich älter aussehen, aber das finde ich nicht so schlimm. Die Zukunft macht mir keine Angst.

Einmal, fällt mir ein, hatte ich doch mal einen unangenehmen Traum, den ich nicht gleich wieder vergessen konnte. Das war, als ich in einem Hotel in Florida übernachtete. In meinem Traum wurde ich durch ein Geräusch geweckt, und als ich mich im Bett aufsetzte, erkannte ich eine riesige Schlange vor mir auf dem Teppichboden des Hotelzimmers. Sie kam nicht direkt auf mich zugekrochen, aber ich wusste, dass sie mich ins Visier genommen hatte. Dann bin ich zum Glück aufgewacht.

Tommy Hilfiger wurde 1951 in Elmira im US-Staat New York geboren. Noch als Schüler eröffnete er einen Modeladen. 1984 entwarf er die erste Kollektion unter eigenem Namen, der heute für die entspannte Eleganz amerikanischer Ostküstenmode steht

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