Stilkolumne Der Porsche unter den Wasserpfeifen

© Peter Langer
ZEITmagazin Nr. 4/2015

In der Mode des kommenden Sommers werden die siebziger Jahre gefeiert. Wir sehen die Silhouetten, die Farben, die Schnitte dieses Jahrzehnts. Aber nichts davon fühlt sich wie die Siebziger an. Es war eine Zeit, in der man den Geist erweitern wollte, den Körper aber so weit runterrockte, wie es nur eben ging. Alles, was bewusstseinserweiternd wirkte, hatte Hochkonjunktur. Und wer nicht bereit war, sich zwecks spiritueller Entwicklung die entsprechenden Substanzen einzuflößen, galt schnell als konservativ. Es wäre niemandem eingefallen, bei einer Abendveranstaltung nicht berauscht nach Hause zu wanken, denn der geistige Normalzustand galt als wenig verheißungsvoll. Was sollte man nüchtern schon erleben?

Diese Zeit hat einige Wracks hervorgebracht. Jene, die sie gut überlebt haben, etwa Karl Lagerfeld, verdanken das ihrem nüchternen Geist. Heute trinkt die kreative Elite höchstens ein halbes Glas Sekt. Je klarer der Geist, desto besser. Heute erwartet man von Drogen keine Inspiration mehr. Wo sie zum Einsatz kommen, geht es vor allem um Leistungssteigerung. Bundestagsabgeordnete nehmen Crystal Meth, um ihren Job besser zu meistern. Im Nachtleben soll Speed es ermöglichen, drei Nächte lang durchzutanzen. Ansonsten hat der Körper über den Geist gesiegt. Man hat nicht mehr unbedingt die gesellschaftliche Pflicht, etwas für seinen Geist zu tun, eher für den Körper. Männer sind stolz darauf, ins Fitnessstudio zu gehen, Frauen haben einen Yogalehrer, und inzwischen sind auch Männer stolz darauf, Yoga zu machen. Und in der Modeszene? Dort trinkt man warmes Wasser und verspeist Rohkost.

Drogen und Design haben sich auseinandergelebt. Was den Vorteil bringt, dass wir vielleicht alle hundert Jahre alt werden und dann möglicherweise sogar noch funktionierende Gehirne haben. Die Frage ist, was man sich an diesem Punkt noch erzählen wird – denn der Sinn von Exzessen besteht ja vor allem darin, dass man später kräftig damit angeben kann.

Nur sehr vereinzelt treten noch rauschhafte Erscheinungen auf. Das Unternehmen Porsche Design hat nun eine neue Design-Wasserpfeife entwickelt – wegen der großen Nachfrage, wie es heißt. Vermutlich, weil Menschen sich so etwas gern ins Regal stellen, damit es so aussieht, als wüssten sie, wie man es benutzt.

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