Deutschlandkarte Überstunden

ZEITmagazin Nr. 4/2015

Deutschland ist Weltmeister im Fußball. Im Überstundenmachen sind wir immerhin Europameister. Guckt man darauf, wie viel tatsächlich gearbeitet wird, dann ist zwar Rumänien vorne. Doch die Stiftung Eurofound fand heraus, dass in keinem anderen EU-Land so viele Überstunden geleistet werden wie hierzulande. Wöchentlich sind es pro Kopf fast drei Stunden. Bis zu drei Viertel der Deutschen arbeiten regelmäßig länger, als sie müssten. Anführer der Statistik ist der Kreis Freudenstadt in Baden-Württemberg, gefolgt von Frankfurt am Main, dem Hochtaunus-, dem Main-Taunus-Kreis – und natürlich Stuttgart mit seinen klischeegerecht fleißigen Schwaben. Im protestantischen Norden macht man erstaunlicherweise pünktlicher Feierabend, ebenso im Osten. Vielleicht weil es Überstunden – im offiziellen DDR-Jargon: "Initiativschichten zur Intensivierung der Arbeitsprozesse" – nur bei Personalmangel gab. Als Ausweis besonderer Motivation galten sie nicht, offenbar hat sich ihr schlechter Ruf gehalten.

Quelle: Gehaltsvergleich.com, Geografische Verortung: Lutum+Tappert

Kommentare

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Mir wird nicht klar, was hier eigentlich gemeint ist. Es gibt ja ganz unterschiedliche Arbeitszeitmodelle. Mir fallen spontan drei Situationen ein, in denen man von Überstunden sprechen könnte:

Wenn jemand eine variable Arbeitszeit/Gleitzeit vereinbart hat, in deren Rahmen häufig länger als die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit bleibt, das aber durch Abfeiern wieder ausgleicht.

Wenn jemand beantragte und genehmigte Mehrarbeit leistet und sie durch Zeitausgleich oder Zahlungen ausgeglichen werden.

Und wenn jemand regelmäßig mehr arbeitet, dafür aber keinen Ausgleich erhält.

Was ist jetzt in dem Artikel genau gemeint? Alle drei Fälle? Dann wundert's mich nicht.

„Im protestantischen Norden macht man erstaunlicherweise pünktlicher Feierabend, ebenso im Osten.“
Na klar. Der Osten ist mal wieder faul …

Wenn man mal davon absieht, dass nicht klar wird, was überhaupt mit Überstunden gemeint ist (siehe Kommentar von dingensda) und die Quelle mit „Gehaltsvergleich.com“ nicht sehr vertrauenerweckend ist, ist das überhaupt nicht erstaunlich. Der Grund liegt in der knappen Arbeitskraft. Überstunden sind in der Regle teurer als die Normalarbeitszeit und darum wird ein Arbeitgeber diese nur einsetzen, wenn er die Arbeitskraft nicht am Markt findet. Man sollte sich mal die Karte der Arbeitslosenzahlen ansehen (http://www.faz.net/aktuel...), dann leuchtet das vielleicht ein.

Wenn man etwas über den Fleiss der Bundesbürge aussagen will, sollte man sich vielleicht eher die durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden ansehen. Die lagen in den neuen Bundesländern (ohne Berlin) bei 1447 Std./Jahr und in den alten Bundesländern (ohne Berlin) bei nur 1344 Std./Jahr und Erwerbstätigen (http://www.ak-etr.de/).

In der Zeit fallen sicher viele Überstunden an. Es scheint ja schwer zu sein, gute Journalisten zu bekommen.