Stilkolumne Die Blume für den Mann

© Peter Langer
ZEITmagazin Nr. 10/2015

Kein Mann möchte sich heute mehr nachsagen lassen, dass er keine Blumen mag. Blumen nicht zu mögen bedeutet, nicht sinnlich zu sein. Und Männer, die nicht sinnlich sind, haben es schwer.

Zwar kennen auch Männer mittlerweile in Ansätzen die Symbolsprache für Blumengrüße: Rote Rosen schenkt man, wenn es Liebe ist. Eine weiße Callas oder eine weiße Chrysantheme gilt manchen als Todesblume. Doch leider befindet sich die Beziehung zwischen Mann und Blume erst ganz am Anfang – denn es ist noch gar nicht so lange her, dass man als Mann viele Blumen nur auf dem eigenen Grab erwarten durfte. Heute gibt es Blumen zwar schon zu Lebzeiten, doch die Unsicherheit ist groß: Die meisten Männer wissen nicht, welche Blumen sie wirklich mögen, und die meisten Frauen wissen nicht, welche Blumen einen Mann erfreuen könnten.

Eine typische Männerblume ist die Tulpe. Oder die Sonnenblume. Auf Ratgeberseiten kann man lesen, ein Blumenstrauß für den Mann solle einfach sein – und pur. So wie ein Mann eben sei. Das schränkt den Blumengenuss für den Herrn natürlich etwas ein. Die Blume soll nicht zu dekorativ sein, denn der Mann will sich ja nicht schmücken oder allzu verspielt erscheinen – aber warum eigentlich nicht?

Die Mode macht vor, dass es auch anders geht: Hier darf sich der Mann zumindest der gedruckten Blume nähern. So gibt es bei Givenchy jetzt Blumendrucke auf Hemden, Mänteln und Hosen. In der Kollektion von Vivienne Westwood finden sich seidene Hemden mit Blumenmustern in exotischen Knallfarben, und bei Brioni kommt der Blumenprint auf einer leichten Jacke daher. Bei Valentino sind große Pusteblumen auf einem burgunderroten Seidenhemd zu sehen sowie blaue Tulpen auf nussbraunen Hosenbeinen.

Auch in der Vergangenheit haben Designer immer mal wieder versucht, Mann und Blume zusammenzubringen. Und immer wieder reagierte der Herr zögerlich. Das ist schade. Blumen sind fröhlich, Blumen sind lebendig, Blumen riechen gut. Alles Eigenschaften, die die meisten Männer gut brauchen könnten. Vielleicht sind sie aber einfach von zu viel Blume überfordert. Man könnte erst mal ganz klein anfangen, etwa mit einer Blume im Knopfloch. Das haben auch Fred Astaire und Clark Gable getan – beides zweifelsfrei vorzeigbare Männer. Die beste Knopflochblume ist übrigens angeblich die Nelke.

Foto: Jacke von Brioni, 2.280 Euro

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