Von A nach B Fahren ist besser als Fliegen

Matthias Kalle fährt mit dem Mercedes C 250 BlueTEC T-Modell von Berlin in die Schweiz.
ZEITmagazin Nr. 12/2015

Opa fuhr Mercedes, ein anderes Auto kam ihm nicht in die Garage. Früher war er nach Stuttgart gefahren, um sich dort einen Wagen abzuholen, später übernahm das ein Händler in der Nähe. Der Mercedes musste silbern sein, ein Automatik. Als ich sieben oder acht war, durfte ich ihn in die Garage lenken, mein Opa gab sanft Gas.

Einmal im Jahr fuhren wir mit dem Mercedes in die Schweiz zum Skilaufen, die Fahrt dauerte zehn Stunden. Ich saß auf dem Rücksitz und las oder aß oder trank oder schlief – manchmal legte ich meine Hand auf die Schulter meiner Oma, die vor mir saß. Sie presste dann ihre Wange an meine Hand.

In den vergangenen Jahren habe ich verschiedene Arten ausprobiert, um von Berlin in die Schweiz zu kommen: Einmal bin ich mit dem Nachtzug gefahren, einmal bin ich geflogen – beides hat mir nicht gefallen. In diesem Jahr hatte ich einen Mercedes, er war zwar nicht silberfarben, dafür hatte er aber ein Automatikgetriebe. Alles in allem war ich mit diesem Auto sehr zufrieden – bis auf den Sitz, aber das lag wohl an mir, weil ich mir nicht die Zeit nahm, ihn richtig einzustellen; ich hatte während der Fahrt Rückenschmerzen. Und ich fuhr nicht in einem Rutsch. Ich habe keine Ahnung, wie mein Opa das damals gemacht hat. Ich fuhr zunächst von Berlin nach Karlsruhe, es dauerte ewig, ich stand im Stau, es wurde dunkel, aber dann sah ich links von der Autobahn Frankfurt und dachte, dass aus der Ferne alles irgendwie ganz gut aussieht. In Karlsruhe übernachtete ich in einem Hotel, am nächsten Morgen fuhr ich weiter Richtung Basel und von dort am Genfer See entlang ins Wallis.

Eine Woche stand der Mercedes auf einem Parkplatz. Ich fuhr Ski oder ging zu Fuß, dann setzte ich mich wieder in den Wagen, diesmal hielt ich nicht in Karlsruhe, ich wollte durchfahren, doch hinter Nürnberg wurde ich müde, ich verließ die Autobahn und suchte mir einen Gasthof zum Übernachten. Als ich am nächsten Tag zurück in Berlin war und den Wagen wieder abgab, bemerkte ich, dass er aussah wie Sau.

Im kommenden Jahr werde ich mir etwas anderes überlegen. Ich bin übrigens ein ausgezeichneter Skifahrer – mein Opa hat es mir beigebracht.

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor, Leistung: 150 kW (204 PS), Beschleunigung (0–100 km/h): 6,9 s, Höchstgeschwindigkeit: 241 km/h, CO 2 -Emission: 117 g/km, Durchschnittsverbrauch: 4,5 Liter, Basispreis: 45 700 Euro

Matthias Kalle ist stellvertretender Chefredakteur des ZEITmagazins.

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