Gesellschaftskritik Über Ohrfeigen

© Danish Siddiqui/Reuters
ZEITmagazin Nr. 13/2015

Bei Valérie Trierweiler, der Ex-Lebensgefährtin von François Hollande, sitzt die Hand bisweilen recht locker. Neulich begegnete ihr im Café ein junger Mann, der sie fragte, was es Neues von François gebe. Trierweiler, wird berichtet, habe eine Entschuldigung gefordert. Als die ausgeblieben sei, habe sie ihn geohrfeigt und auf dem Absatz kehrtgemacht.

Bereits im Herbst ohrfeigte sie auf einer Party zwei frühere Freundinnen, die sich von ihr abgewandt hatten, nachdem sie ein Buch geschrieben hatte, in dem sie Hollande als Lügner beschimpfte und behauptete, er verachte die Armen. Das Buch war wiederum die Rache dafür, dass Hollande sie zuvor mit einer Schauspielerin betrogen hatte, zu der er nachts heimlich auf der Vespa ... nein, das haben wir uns, Ehrenwort, nicht alles ausgedacht. Ist wirklich so passiert, während uns hierzulande kanzlerehedramatechnisch ja immer nur trockene Streusel auf den Kuchen gestreut werden.

Zurück zur Ohrfeige. Sie ist verpönt, verboten und anscheinend für Trierweiler ein wichtiges Mittel der Kommunikation. Nicht nur der nonverbalen, auch ihr Buch ist ja nichts anderes gewesen als eine schallende Ohrfeige. Nicht zu vergessen ihr Tweet, in dem sie dem Gegner von Ségolène Royal, ihrer Vorgängerin an Hollandes Seite, beim Kampf um ein Abgeordnetenmandat Glück wünschte.

Als die Ohrfeige noch en vogue war, diente sie zur Verteidigung des eigenen, höheren Status. Zuweilen reichte schon der Satz "Fühlen Sie sich geohrfeigt" als Anlass für ein Duell. Trierweiler versucht nicht nur, ihren verlorenen Status zurückzuerobern, sie ist auch in ständiger Duellierbereitschaft und hat dabei das Potenzial, sich zu einer weiblichen, eleganteren Version von Gérard Depardieu zu entwickeln: leicht zu provozieren, rauflustig und von den Nachbarn im Land der Streuselkuchen insgeheim für ihr Temperament bewundert.

Der geohrfeigte Mann, übrigens ein Ex-Kandidat der Partei Sarkozys bei den Kommunalwahlen (hier wäre Platz für Ihre Verschwörungstheorie), hat Anzeige erstattet. Er sollte das Ganze nicht zu persönlich nehmen: In Wirklichkeit gelten Trierweilers gesammelte Ohrfeigen ja immer nur Hollande. Im Mittelalter wurde als Gedächtnisstütze geohrfeigt, mit dem Schmerz, dachte man, würden sich Ort und Geschehen besser einprägen. Trierweiler erinnert Hollande mit jeder Schelle: Ich bin noch da, und wenn ich Ärger mache, tut das vor allem dir weh.

Trierweilers Buch soll bald verfilmt werden. Wir hören es schon klatschen.

Kommentare

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Der ARtikel wäre länger und würde sich damit befassen, dass Gewalt durch Männer heute noch allgemein akzeptiert wird und es Zeit wird, sich weiterhin dagegen einzusetzen. Dass Männer Gewalt als legitim ansehen und oft sogar bei Kindern gedacht wird "eine Ohrfeige kann nicht schaden" und hier dringend ein Umdenken bei den Männern stattfinden muss.

Ich kann den etwas höhnischen Ton des Artikels nicht nachvollziehen. Es gibt Momente, da benehmen sich Menschen daneben, machen z.B. respektlose Bemerkungen über den Ex und stellen sich danach auch noch blöd., wenn man sie darauf anspricht. Da kann eine Ohrfeige manchmal ganz hilreich sein. Das der betroffene Mann hinterher auch noch zur Polizei rennt, statt wenigsten Mal einen Moment darüber nachzudenken, was für ein Idiot er eigentlich ist, das spricht nicht gegen Frau Trierweiler, sondern es spricht gegen diesen Waschlappen, der nicht in der Lage ist, eine Ohrfeige einzustecken, wenn er sie verdient hat.

Oh jeh, der Mann, der also kein Recht hat, sich gegen Gewalt zu wehren. Der "Waschlappen", der vos einem Recht Gebrauch macht, aber doch der Harte sein soll, während er selbst aufpassen muss, nicht schon wegen verbaler Gewalt bei einem "verpiss dich" Probleme zu bekommen. Das ist ja mehr als traurig als Weltbild. Das Ergebnis sind Frauen, die meinen, der Tritt zwischen die Beine wäre lustig oder cool, genau wie die Ohrfeige oder das Schütten von Getränken ins Gesicht etc. uund Männer, die sich selbst bei Gewalt innerhalb der Beziehung nicht trauen, darüber zu reden weil sie als "WAschlappen" dastehen. Ekelig.

Das ist dann wohl der Unterschied. Mon dieu, was für eine Frau, temperamentvoll und durchsetzungsfähig, jawohl. Glühende Bewunderung ihr gegenüber wird gar geäußert. Und das Gane bitte mit umgekehrten Vorzeichen. Jemand fragt einen Mann, was seine Ehefrau macht und er ohrfeigt die Frau daraufhin - Eklat, Skandal, Gewalt gegenüber Frauen, Aufschrei, Zeichen dafür, wie triebgesteuert und kontrollunfähig Männer sind. Also, irgendwie sollte man da langsam mal konsequent sein. Ich empfinde es als höchst dumm und kontrollunfähig, auf vermeintliche Nervereien mit Ohrfeigen zu reagieren - Gewalt auch in dieser Form ist ein Zeichen für Schwäche.